FSP-Übungsfall Fieber und Husten: Pneumonie
Eine 68-jährige Patientin stellt sich vor, weil sie seit drei Tagen hohes Fieber, Husten mit gelblichem Auswurf und Schmerzen beim Atmen auf der rechten Seite hat. Auf dieser Seite findest du den ganzen Fall in den drei Teilen der Fachsprachprüfung: das Anamnesegespräch als Musterablauf, den ausgefüllten Anamnesebogen, einen Beispiel-Arztbrief und die Patientenvorstellung – dazu die wichtigsten Fachbegriffe in Laien- und Fachsprache.
1. Patientenrolle: Steckbrief
Übst du mit einer Lernpartnerin oder einem Lernpartner, bekommt diese Person den Steckbrief und die Antworten aus Abschnitt 2. Sie erzählt zuerst nur den Einstiegssatz und gibt alles Weitere erst preis, wenn du passend nachfragst.
| Name | Frau Regina Voss |
| Alter | 68 Jahre |
| Ort | Sprechstunde |
| Leitsymptom | Fieber mit Husten und Auswurf |
| Fachgebiet | Pneumologie |
| Lebenssituation | lebt allein; Tochter kommt täglich; keine Reise; Kontakt zum erkälteten Enkel |
| Schwierigkeit | mittel |
Einstiegssatz der Patientin:
„Seit drei Tagen habe ich hohes Fieber und muss ständig husten. Es kommt gelblich-grüner Schleim hoch, und wenn ich tief einatme, tut es rechts in der Brust weh.“
2. Musterablauf der Anamnese
So kann das Arzt-Patienten-Gespräch in diesem Fall ablaufen – gegliedert nach dem üblichen Anamnese-Schema: aktuelle Beschwerden, vegetative Anamnese, Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien, Noxen, Familien- und Sozialanamnese. Mit der Patientin sprichst du Alltagssprache; Fachbegriffe kommen erst im Arztbrief. Mehr Fragen und Formulierungen: Anamnese auf Deutsch.
Begrüßung und Einstieg
Ärztin/ArztGuten Tag, Frau Voss. Mein Name ist Dr. Müller, ich bin heute für Sie zuständig. Alles, was wir besprechen, unterliegt der Schweigepflicht. Was führt Sie zu uns?
PatientinSeit drei Tagen habe ich hohes Fieber und muss ständig husten. Es kommt gelblich-grüner Schleim hoch, und wenn ich tief einatme, tut es rechts in der Brust weh.
1. Aktuelle Beschwerden
Ärztin/ArztWann und wie haben die Beschwerden begonnen?
PatientinEs fing vor drei Tagen recht plötzlich an. Zuerst kam der Schüttelfrost mit hohem Fieber, dann der Husten. Es ist von Tag zu Tag schlechter geworden.
Ärztin/ArztWie hoch war das Fieber, und hatten Sie Schüttelfrost?
PatientinGestern Abend habe ich 39,5 Grad gemessen. Am ersten Tag hatte ich einen richtigen Schüttelfrost, ich habe am ganzen Körper gezittert.
Ärztin/ArztWie sieht der Auswurf aus — Farbe, Menge, vielleicht Blut?
PatientinEs ist gelblich-grüner, zäher Schleim, ziemlich viel. Blut habe ich zum Glück keines gesehen.
Ärztin/ArztSie erwähnten Schmerzen beim Atmen — können Sie die genauer beschreiben?
PatientinJa, rechts unten in der Brust sticht es, immer wenn ich tief einatme oder huste. In Ruhe ist es erträglich.
Ärztin/ArztSind Sie kurzatmig oder bekommen Sie schlecht Luft?
PatientinBeim Gehen im Haus merke ich, dass ich schneller außer Atem bin als sonst. Im Sitzen geht es einigermaßen.
2. Vegetative Anamnese
Ärztin/ArztWie ist es mit Appetit, Trinkmenge und Schlaf?
PatientinDer Appetit ist weg, und ich habe kaum getrunken. Nachts wache ich wegen dem Husten und dem Schwitzen oft auf.
Ärztin/ArztHatten Sie Nachtschweiß, Übelkeit oder Durchfall?
PatientinGeschwitzt habe ich nachts stark, das Bett war klatschnass. Übelkeit oder Durchfall hatte ich nicht.
3. Vorerkrankungen
Ärztin/ArztWelche Vorerkrankungen sind bei Ihnen bekannt?
PatientinIch habe eine leichte COPD von früher und Bluthochdruck. Und ich bin zuckerkrank, Typ 2.
Ärztin/ArztWaren Sie in letzter Zeit erkältet oder hatten Sie eine Virusinfektion?
PatientinVor etwa einer Woche hatte ich einen leichten Schnupfen, den ich für harmlos gehalten habe.
4. Medikamente
Ärztin/ArztWelche Medikamente nehmen Sie regelmäßig?
PatientinFür die Lunge ein Spray, für den Blutdruck eine Tablette namens Ramipril und Metformin für den Zucker.
Ärztin/ArztHaben Sie sich gegen Grippe oder Lungenentzündung impfen lassen?
PatientinGegen Grippe lasse ich mich manchmal impfen, aber dieses Jahr habe ich es vergessen. Gegen Lungenentzündung, glaube ich, nie.
5. Allergien
Ärztin/ArztSind bei Ihnen Allergien oder Medikamentenunverträglichkeiten bekannt?
PatientinNein, mir ist keine Allergie bekannt. Antibiotika habe ich bisher immer gut vertragen.
6. Noxen
Ärztin/ArztRauchen Sie oder haben Sie geraucht?
PatientinJa, ich rauche noch. Etwa zehn Zigaretten am Tag, und das seit ungefähr vierzig Jahren.
Ärztin/ArztWie sieht es mit Alkohol aus?
PatientinNur ganz selten mal ein Glas Sekt zu einem besonderen Anlass.
7. Familien- und Sozialanamnese
Ärztin/ArztWie wohnen Sie und werden Sie zu Hause versorgt?
PatientinIch wohne allein in einer kleinen Wohnung. Meine Tochter schaut jeden Tag vorbei und hilft mir.
Ärztin/ArztWaren Sie kürzlich verreist oder hatten Sie Kontakt zu kranken Personen?
PatientinVerreist war ich nicht. Mein Enkel hatte letzte Woche eine Erkältung, als er zu Besuch war.
Wenn die Patientin selbst fragt
PatientinFrau Doktor, ist das gefährlich in meinem Alter?
Ärztin/ArztIch verstehe, dass Sie sich Sorgen machen. Eine Lungenentzündung nehmen wir im höheren Alter sehr ernst. Deshalb untersuche ich Sie jetzt gründlich, und danach besprechen wir die Ergebnisse gemeinsam.
Ehrlich bleiben, nichts versprechen und auf die Untersuchung und das anschließende Gespräch verweisen.
Zusammenfassung und Abschluss
Ärztin/ArztVielen Dank. Ich fasse kurz zusammen, was ich verstanden habe – bitte korrigieren Sie mich, wenn etwas nicht stimmt.
Ärztin/ArztGibt es noch etwas, das Sie mir sagen möchten, oder haben Sie Fragen an mich?
Ärztin/ArztAls Nächstes würde ich Sie gern körperlich untersuchen. Sind Sie damit einverstanden?
3. Ausgefüllter Anamnesebogen
So können deine Notizen am Ende des Gesprächs aussehen: Stichpunkte, schon in Fachsprache und mit üblichen Abkürzungen (J. = Jahre, Z. n. = Zustand nach, py = Packungsjahre, re./li. = rechts/links). Auf dieser Grundlage schreibst du danach den Arztbrief.
Anamnesebogen · Übungsfall 5
| Patientin | Frau Regina Voss, 68 J. |
|---|---|
| Vorstellungsgrund | Fieber und produktiver Husten seit 3 Tagen |
| Beginn / Verlauf | akut vor 3 Tagen mit Schüttelfrost und hohem Fieber, dann Husten; progredient |
| Fieber | max. 39,5 °C (gestern Abend); initial Schüttelfrost |
| Husten / Auswurf | produktiv; reichlich gelblich-grünes, zähes Sputum; keine Hämoptyse |
| Thoraxschmerz | stechend, rechts basal, atemabhängig (Inspiration, Husten) |
| Dyspnoe | Belastungsdyspnoe (Gehen in der Wohnung), in Ruhe gering |
| Vegetative Anamnese | Inappetenz, reduzierte Trinkmenge, Nachtschweiß, Schlafstörung durch Husten; keine Nausea, keine Diarrhoe |
| Vorerkrankungen | COPD, arterielle Hypertonie, Diabetes mellitus Typ 2; vor ca. 1 Woche leichter Infekt der oberen Atemwege |
| Medikamente | inhalatives Präparat, Ramipril, Metformin |
| Impfstatus | Influenza in dieser Saison nicht geimpft; gegen Pneumokokken nie |
| Allergien | keine bekannt |
| Noxen | Nikotin ca. 10 Zig./d seit ca. 40 J. (ca. 20 py), aktuell rauchend; Alkohol selten |
| Sozialanamnese | lebt allein; Tochter kommt täglich; keine Reise; Kontakt zum erkälteten Enkel |
4. Beispiel-Arztbrief (schriftliche Dokumentation)
Im zweiten Prüfungsteil dokumentierst du den Fall schriftlich – je nach Kammer als Arztbrief oder Dokumentationsbogen. Grundlage ist das Anamnesegespräch; Untersuchungsbefunde liegen in diesem Übungsfall noch nicht vor. Anamnese im Präteritum bzw. Präsens, Angaben der Patientin wahlweise in indirekter Rede (Konjunktiv I). Mehr dazu: Arztbrief in der Fachsprachprüfung.
Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,
wir berichten über Frau Regina Voss, 68 Jahre, die sich heute in unserer Sprechstunde vorstellte.
Verdachtsdiagnose
Ambulant erworbene Pneumonie (rechter Unterlappen)
Differenzialdiagnosen
- Akute Bronchitis oder COPD-Exazerbation
- Lungenembolie mit Infarktpneumonie
- Lungentuberkulose
- Bronchialkarzinom mit poststenotischer Pneumonie
Anamnese
Frau Voss, 68 Jahre, stellte sich mit seit drei Tagen bestehenden, akut aufgetretenen Beschwerden vor. Im Vordergrund stehen hohes Fieber bis 39,5 °C mit initialem Schüttelfrost, produktiver Husten mit gelblich-grünem Auswurf sowie ein atemabhängiger, rechts-basaler pleuritischer Thoraxschmerz und eine Belastungsdyspnoe. Zusätzlich bestehen Nachtschweiß, Appetitlosigkeit und eine reduzierte Trinkmenge. Der Erkrankung ging ein leichter viraler Infekt der oberen Atemwege voraus. An Vorerkrankungen finden sich eine COPD, ein arterieller Hypertonus und ein Diabetes mellitus Typ 2. Die Dauermedikation umfasst ein inhalatives Präparat, Ramipril und Metformin. Es besteht ein fortgesetzter Nikotinabusus von rund 20 Packungsjahren. Allergien sind nicht bekannt, der Impfstatus gegen Influenza und Pneumokokken ist unvollständig.
Geplante Diagnostik
- Körperliche Untersuchung mit Auskultation (feuchte Rasselgeräusche, Bronchialatmen) und Perkussion
- Vitalparameter inklusive Atemfrequenz und Sauerstoffsättigung (Pulsoxymetrie)
- Röntgen-Thorax in zwei Ebenen
- Labor: Blutbild, CRP, Procalcitonin, Elektrolyte, Nieren- und Leberwerte, Blutgasanalyse
- Mikrobiologie: Sputumkultur, Blutkulturen bei Fieber, Urin-Antigentest auf Pneumokokken und Legionellen
- Risikostratifizierung mittels CRB-65-Score
Procedere
Wird in der Prüfung im Arzt-Arzt-Gespräch mündlich besprochen – auf dieser Übungsseite bewusst nicht aufgeführt.
Mit freundlichen kollegialen Grüßen
Checkliste: Das muss im Brief stehen
- Leitsymptom (Fieber, produktiver Husten)
- akuter Beginn und Dauer (drei Tage)
- Charakter des Auswurfs
- pleuritischer Thoraxschmerz und Dyspnoe
- relevante Vorerkrankungen (COPD, Diabetes)
- Nikotinanamnese
- Impfstatus
- Dauermedikation und Allergien
5. Patientenvorstellung beim Oberarzt
Im dritten Teil stellst du den Fall einer Kollegin oder einem Kollegen aus der Prüfungskommission vor – knapp, strukturiert und in Fachsprache. Danach folgen meist Rückfragen. Mehr dazu: Arzt-Arzt-Gespräch und Übergabe.
„Ich möchte Ihnen Frau Voss vorstellen, eine 68-jährige Patientin, die sich mit seit drei Tagen bestehendem hohem Fieber, produktivem Husten mit gelblich-grünem Auswurf und einem rechts-basalen atemabhängigen Thoraxschmerz vorgestellt hat. Zusätzlich bestehen Schüttelfrost, Nachtschweiß und eine Belastungsdyspnoe. Bei einer vorbestehenden COPD, einem Diabetes und fortgesetztem Nikotinkonsum lautet meine Verdachtsdiagnose eine ambulant erworbene Pneumonie des rechten Unterlappens.“
Mögliche Rückfragen
Welche Befunde erwarten Sie bei der körperlichen Untersuchung?▾
Bei der Auskultation über dem rechten Unterfeld feuchte Rasselgeräusche, eventuell ein Bronchialatmen, dazu Fieber und möglicherweise eine erhöhte Atemfrequenz.
Welche Differenzialdiagnosen bedenken Sie bei dieser Patientin?▾
Eine akute Bronchitis oder eine COPD-Exazerbation, eine Lungenembolie mit Infarktpneumonie, eine Lungentuberkulose und – bei langjährigem Nikotinkonsum – ein Bronchialkarzinom mit poststenotischer Pneumonie.
6. Fachbegriffe: Laiensprache ↔ Fachsprache
Vom Gespräch in den Arztbrief
| Die Patientin sagt | Im Arztbrief |
|---|---|
| „es kommt gelblich-grüner Schleim hoch“ | produktiver Husten mit eitrigem Sputum |
| „ich habe am ganzen Körper gezittert“ | Schüttelfrost |
| „nachts war das Bett klatschnass“ | Nachtschweiß |
| „beim Gehen schneller außer Atem“ | Belastungsdyspnoe |
| „es sticht rechts unten, wenn ich einatme“ | atemabhängiger rechtsbasaler Thoraxschmerz |
| „zuckerkrank, Typ 2“ | Diabetes mellitus Typ 2 |
Vom Fachbegriff zur Erklärung für die Patientin
| Fachbegriff | So erklärst du es |
|---|---|
| Pneumonie | eine Entzündung des Lungengewebes, umgangssprachlich Lungenentzündung |
| produktiver Husten | ein Husten, bei dem Schleim oder Auswurf hochkommt |
| pleuritischer Schmerz | ein stechender Brustschmerz, der beim tiefen Einatmen oder Husten auftritt, weil das Rippenfell gereizt ist |
| Auskultation | das Abhören der Lunge und des Herzens mit dem Stethoskop |
Verlinkte Begriffe stehen im Glossar Medizinische Fachbegriffe: Patientensprache → Fachsprache (mit Übersetzungen in 12 Sprachen).
FSP-Med: Fälle im Prüfungsablauf üben
Im FSP-Med-Modul der KLINIKFUCHS-App übst du Arzt-Patienten-Gespräche im FSP-Simulator, den Arztbrief und die Patientenvorstellung – mit Übersetzungshilfe in 13 Sprachen. Die App ist kostenlos: im Browser oder als iOS-App.
Übungsmaterial zum Sprachtraining, kein Ersatz für ärztliche Aus- und Weiterbildung und keine Behandlungsempfehlung. Prüfungsablauf und Anforderungen können je nach Ärztekammer und Bundesland variieren; verbindlich sind die Vorgaben der für dich zuständigen Kammer.