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Arztbrief in der Fachsprachprüfung: Aufbau, Tempus und Konjunktiv

Lesezeit ca. 7 Minuten · Für internationale Ärztinnen und Ärzte

Von Dr. Pascal Bafteh · zuletzt aktualisiert 09/2026

Im schriftlichen Teil der Fachsprachprüfung wechselst du die Sprachebene: Was die Patientin oder der Patient in Alltagssprache erzählt hat, formulierst du jetzt in präziser Fachsprache. Dabei zählt nicht nur der Wortschatz, sondern auch die Grammatik – vor allem das richtige Tempus und der Konjunktiv I für die indirekte Rede.

Worum es im schriftlichen Teil geht

Je nach Kammer schreibst du einen Arztbrief oder füllst einen Dokumentationsbogen aus. Die Grundlage ist fast immer das vorausgegangene Anamnesegespräch. Die Prüfenden achten darauf, ob die Angaben vollständig und richtig wiedergegeben sind, ob Fachbegriffe korrekt verwendet werden und ob der Text klar gegliedert ist. Eine gut strukturierte Anamnese macht dir das Schreiben deshalb deutlich leichter.

Der Aufbau eines Arztbriefs

Vorlagen unterscheiden sich von Haus zu Haus, das Grundgerüst ist aber sehr ähnlich:

  1. Kopf: Adressat (Hausärztin bzw. Hausarzt namentlich oder „Den behandelnden Hausarzt"), Patientendaten mit Name, Geburtsdatum, Aufnahme- und Entlassdatum.
  2. Anrede: „Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege," und ein Einleitungssatz.
  3. Diagnosen: Hauptdiagnose zuerst, danach Nebendiagnosen.
  4. Anamnese: aktuelle Beschwerden und Vorgeschichte.
  5. Befunde: körperlicher Untersuchungsbefund, Labor, Bildgebung.
  6. Verlauf: was während des Aufenthalts geschah.
  7. Empfehlungen / Procedere: die weiteren Schritte.
  8. Schluss: „Mit freundlichen kollegialen Grüßen" und Unterschriften.

Die Diagnosenliste

Die Hauptdiagnose ist die Erkrankung, die hauptsächlich zur Aufnahme geführt hat; sie steht oben. Darunter folgen die Nebendiagnosen, also Begleiterkrankungen. Frühere Eingriffe kennzeichnest du mit „Z. n." (Zustand nach), unsichere Diagnosen mit „V. a." (Verdacht auf). Verlangt deine Prüfung eine Kodierung, ergänzt du den ICD-10-Code. Achte darauf, dass jede Diagnose ein vollständiger Fachbegriff ist und keine Beschreibung in Alltagssprache.

Das richtige Tempus je Abschnitt

Eine einfache Eselsbrücke: Was passiert ist – Präteritum. Was jetzt ist – Präsens. Was empfohlen wird – Präsens oder höflicher Konjunktiv.

AbschnittTempusBeispiel
AnamnesePräteritum, Patientenangaben im Konjunktiv I„Der Patient berichtete, er leide seit drei Tagen unter retrosternalen Schmerzen."
AufnahmebefundPräteritum„Bei Aufnahme zeigte sich ein Patient in reduziertem Allgemeinzustand."
VerlaufPräteritum, für Vorzeitiges Plusquamperfekt„Im weiteren Verlauf besserte sich der Allgemeinzustand." · „Bereits zuvor war eine Gewichtsabnahme aufgefallen."
BeurteilungPräsens„Der Patient ist beschwerdefrei und mobil."
EmpfehlungenPräsens oder Konjunktiv II„Wir bitten um …" · „Eine Wiedervorstellung sollte bei … erfolgen."

Der häufigste Fehler ist ein ständiger Wechsel zwischen Perfekt und Präteritum. Im Arztbrief ist das Präteritum der Standard für Vergangenes – bleib dabei.

Konjunktiv I: Patientenangaben in indirekter Rede

Was die Patientin oder der Patient berichtet, gibst du in indirekter Rede wieder. Der Konjunktiv I zeigt dabei: Das ist eine Angabe der Person, keine eigene Feststellung. Deine eigenen Beobachtungen, etwa Untersuchungsbefunde, stehen dagegen im Indikativ.

Direkte RedeIndirekte Rede im Brief
„Ich habe Schmerzen."Er gab an, er habe Schmerzen.
„Ich bin seit Tagen müde."Sie gab an, sie sei seit Tagen müde.
„Ich kann nachts nicht schlafen."Er berichtete, er könne nachts nicht schlafen.
„Wir haben keine Allergien bemerkt."Die Eltern gaben an, sie hätten keine Allergien bemerkt.

Die letzte Zeile zeigt die Ersatzregel: Wenn der Konjunktiv I genauso aussieht wie der Indikativ (sie haben), weichst du auf den Konjunktiv II aus (sie hätten). Alternativ kannst du einen Infinitiv verwenden: „Der Patient gab an, seit drei Tagen unter Schmerzen zu leiden."

Verben des Berichtens

Variiere die einleitenden Verben, damit der Text nicht eintönig wirkt: angeben, berichten, schildern, klagen über, beschreiben, verneinen, bejahen, einräumen. Für verneinte Symptome ist „verneinen" besonders praktisch: „Fieber, Nachtschweiß und Gewichtsverlust wurden verneint." Stehen Angabe und Befund im Widerspruch, hilft die Gegenüberstellung: „Anamnestisch keine Atemnot, klinisch jedoch eine erhöhte Atemfrequenz."

Standardphrasen, die Zeit sparen

Welche Schritte konkret im Abschnitt „Empfehlungen" stehen, ist eine fachliche Entscheidung. Für die Prüfung zählt die Sprache: vollständige Sätze, klare Zuständigkeit, höflicher Ton.

Von der Alltagssprache zur Fachsprache

Die Kernaufgabe ist die Übersetzung dessen, was du im Gespräch gehört hast:

Im GesprächIm Arztbrief
„Mir ist übel, ich habe mich übergeben."Nausea und einmaliges Erbrechen
„Ich huste ständig."persistierender Husten
„Meine Haut juckt."Pruritus
„Ich bin dauernd müde und schlapp."Abgeschlagenheit / Fatigue
„Ich habe abgenommen, ohne es zu wollen."ungewollter Gewichtsverlust
„Ich habe Blut im Urin."Hämaturie

Abkürzungen: sparsam und eindeutig

Im klinischen Alltag wimmelt es von Abkürzungen. In der Prüfung verwendest du nur solche, die allgemein üblich sind, und schreibst sie einheitlich. Zu den gängigen gehören:

Bist du unsicher, ob eine Abkürzung bekannt ist, schreib den Begriff aus. Ein ausgeschriebenes Wort kostet dich wenige Sekunden, eine missverständliche Abkürzung dagegen Punkte.

So gehst du in der Prüfung vor

Häufige Fehler im Arztbrief

Die mündliche Variante desselben Falls – die Patientenvorstellung – erklärt der Ratgeber „Arzt-Arzt-Gespräch und Übergabe".

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Hinweis: Dieser Ratgeber behandelt ausschließlich Sprache und Gesprächsstruktur. Er enthält keine Behandlungs- oder Therapieempfehlungen. Ablauf und Anforderungen der Fachsprachprüfung legt die für dich zuständige Ärztekammer fest.