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FSP-Übungsfall Blutig-schleimige Durchfälle: Colitis ulcerosa

Von Dr. Pascal Bafteh · Stand 22.10.2026 · Fall 12 von 30

Ein 31-jähriger Patient stellt sich vor, weil er seit einigen Wochen mehrmals täglich blutig-schleimigen Durchfall hat, begleitet von schmerzhaftem Stuhldrang. Auf dieser Seite findest du den ganzen Fall in den drei Teilen der Fachsprachprüfung: das Anamnesegespräch als Musterablauf, den ausgefüllten Anamnesebogen, einen Beispiel-Arztbrief und die Patientenvorstellung – dazu die wichtigsten Fachbegriffe in Laien- und Fachsprache.

Übungsfall im Stil der Fachsprachprüfung – kein Prüfungsprotokoll. Der Fall stammt aus dem Fallbestand des FSP-Med-Moduls der KLINIKFUCHS-App und dient dem Sprachtraining. Er gibt keine Original-Prüfungsaufgabe einer Ärztekammer wieder; Ablauf und Bewertung legt die zuständige Kammer fest. Behandlungsangaben enthält diese Seite bewusst nicht.

📚 Das Krankheitsbild zum Nachlesen (Definition, Klinik, Diagnostik): Colitis ulcerosa

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1. Patientenrolle: Steckbrief

Übst du mit einer Lernpartnerin oder einem Lernpartner, bekommt diese Person den Steckbrief und die Antworten aus Abschnitt 2. Sie erzählt zuerst nur den Einstiegssatz und gibt alles Weitere erst preis, wenn du passend nachfragst.

NameHerr Nils Wagner
Alter31 Jahre
OrtSprechstunde
LeitsymptomBlutig-schleimige Durchfälle
FachgebietGastroenterologie
LebenssituationLehrer; deutliche Belastung im Berufsalltag durch die häufigen Toilettengänge
Schwierigkeitmittel

Einstiegssatz des Patienten:

„Seit etwa sechs Wochen habe ich mehrmals am Tag Durchfall, und dabei ist immer wieder Blut und Schleim dabei. Oft habe ich einen starken Drang, muss dann aber fast nur Schleim absetzen.“

2. Musterablauf der Anamnese

So kann das Arzt-Patienten-Gespräch in diesem Fall ablaufen – gegliedert nach dem üblichen Anamnese-Schema: aktuelle Beschwerden, vegetative Anamnese, Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien, Noxen, Familien- und Sozialanamnese. Mit dem Patienten sprichst du Alltagssprache; Fachbegriffe kommen erst im Arztbrief. Mehr Fragen und Formulierungen: Anamnese auf Deutsch.

Begrüßung und Einstieg

Ärztin/ArztGuten Tag, Herr Wagner. Mein Name ist Dr. Müller, ich bin heute für Sie zuständig. Alles, was wir besprechen, unterliegt der Schweigepflicht. Was führt Sie zu uns?

PatientSeit etwa sechs Wochen habe ich mehrmals am Tag Durchfall, und dabei ist immer wieder Blut und Schleim dabei. Oft habe ich einen starken Drang, muss dann aber fast nur Schleim absetzen.

1. Aktuelle Beschwerden

Ärztin/ArztWie oft haben Sie täglich Stuhlgang und wie sieht der Stuhl aus?

PatientEtwa sechs- bis achtmal am Tag, oft auch nachts. Der Stuhl ist breiig und immer wieder mit hellrotem Blut und Schleim vermischt.

Ärztin/ArztHaben Sie Bauchschmerzen, und wo genau sitzen sie?

PatientJa, krampfartig im linken Unterbauch, vor allem vor dem Stuhlgang. Nach dem Toilettengang wird es kurz besser.

Ärztin/ArztHaben Sie oft Stuhldrang, obwohl kaum etwas kommt?

PatientJa, genau. Ich muss ständig zur Toilette, oft kommt aber nur etwas Schleim und Blut. Das ist sehr quälend.

Ärztin/ArztHaben Sie Beschwerden an Gelenken, Augen oder der Haut bemerkt?

PatientMeine Gelenke schmerzen manchmal, und ich hatte kürzlich ein gerötetes, schmerzhaftes Auge, das von selbst wieder besser wurde.

2. Vegetative Anamnese

Ärztin/ArztWie ist es mit Appetit, Gewicht und Fieber?

PatientDer Appetit ist mäßig, ich habe etwa drei Kilo abgenommen und ab und zu leicht erhöhte Temperatur.

Ärztin/ArztHaben Sie Müdigkeit oder Luftnot bemerkt?

PatientJa, ich bin oft müde und blass, und beim Treppensteigen komme ich schneller außer Atem als früher.

3. Vorerkrankungen

Ärztin/ArztSind bei Ihnen Vorerkrankungen bekannt?

PatientNein, ich war bisher gesund. Solche Beschwerden hatte ich noch nie.

Ärztin/ArztWaren Sie kürzlich im Ausland oder hatten Sie einen Magen-Darm-Infekt?

PatientNein, verreist war ich nicht, und einen richtigen Infekt hatte ich auch nicht.

4. Medikamente

Ärztin/ArztNehmen Sie regelmäßig Medikamente ein, auch Schmerzmittel oder Antibiotika?

PatientNein, regelmäßig nehme ich nichts. Antibiotika hatte ich zuletzt vor über einem Jahr.

5. Allergien

Ärztin/ArztSind bei Ihnen Allergien oder Unverträglichkeiten bekannt?

PatientNein, mir ist keine Allergie bekannt.

6. Noxen

Ärztin/ArztRauchen Sie, oder haben Sie früher geraucht?

PatientIch habe vor etwa einem Jahr mit dem Rauchen aufgehört. Davor habe ich einige Jahre geraucht.

Ärztin/ArztWie sieht es mit Alkohol aus?

PatientGelegentlich ein Bier, nichts Regelmäßiges.

7. Familien- und Sozialanamnese

Ärztin/ArztGibt es in Ihrer Familie Darmerkrankungen?

PatientMeine Cousine hat eine chronische Darmentzündung, den genauen Namen kenne ich aber nicht.

Ärztin/ArztWas machen Sie beruflich, und belasten die Beschwerden Ihren Alltag?

PatientIch bin Lehrer. Die ständigen Toilettengänge sind im Unterricht ein echtes Problem und belasten mich sehr.

Wenn der Patient selbst fragt

PatientHerr Doktor, ist das Blut im Stuhl ein Zeichen für Krebs?

Ärztin/ArztIch verstehe Ihre Sorge sehr gut, und es ist richtig, dass Sie damit gekommen sind. Ihre Beschwerden passen eher zu einer Entzündung des Darms. Um das sicher zu klären, sind aber einige Untersuchungen nötig. Sobald die Ergebnisse vorliegen, besprechen wir sie gemeinsam.

Ehrlich bleiben, nichts versprechen und auf die Untersuchung und das anschließende Gespräch verweisen.

Zusammenfassung und Abschluss

Ärztin/ArztVielen Dank. Ich fasse kurz zusammen, was ich verstanden habe – bitte korrigieren Sie mich, wenn etwas nicht stimmt.

Ärztin/ArztGibt es noch etwas, das Sie mir sagen möchten, oder haben Sie Fragen an mich?

Ärztin/ArztAls Nächstes würde ich Sie gern körperlich untersuchen. Sind Sie damit einverstanden?

3. Ausgefüllter Anamnesebogen

So können deine Notizen am Ende des Gesprächs aussehen: Stichpunkte, schon in Fachsprache und mit üblichen Abkürzungen (J. = Jahre, Z. n. = Zustand nach, py = Packungsjahre, re./li. = rechts/links). Auf dieser Grundlage schreibst du danach den Arztbrief.

Anamnesebogen · Übungsfall 12

PatientHerr Nils Wagner, 31 J.
Vorstellungsgrundblutig-schleimige Diarrhoe seit ca. 6 Wochen
Stuhlfrequenz / -beschaffenheit6–8×/d, auch nachts; breiig, mit hellrotem Blut und Schleim vermischt
Schmerzenkrampfartig im li. Unterbauch, v. a. vor der Defäkation; danach kurzzeitig gebessert
Stuhldrangimperativer, quälender Stuhldrang (Tenesmen), häufig nur Abgang von Schleim und Blut
Extraintestinale Symptomeintermittierende Arthralgien; kürzlich gerötetes, schmerzhaftes Auge, spontan regredient
Vegetative AnamneseAppetit mäßig; Gewichtsverlust ca. 3 kg; intermittierend subfebrile Temperaturen; Müdigkeit, Blässe, Belastungsdyspnoe (Treppensteigen)
Vorerkrankungenkeine; erstmalige Symptomatik; keine Reise, kein vorausgegangener Magen-Darm-Infekt
Medikamentekeine Dauermedikation; letzte Antibiotikaeinnahme vor > 1 J.
Allergienkeine bekannt
NoxenEx-Raucher (Nikotinkarenz seit ca. 1 J., zuvor einige Jahre geraucht); Alkohol gelegentlich (Bier)
FamilienanamneseCousine mit chronisch-entzündlicher Darmerkrankung (Art unbekannt)
SozialanamneseLehrer; deutliche Belastung im Berufsalltag durch die häufigen Toilettengänge

4. Beispiel-Arztbrief (schriftliche Dokumentation)

Im zweiten Prüfungsteil dokumentierst du den Fall schriftlich – je nach Kammer als Arztbrief oder Dokumentationsbogen. Grundlage ist das Anamnesegespräch; Untersuchungsbefunde liegen in diesem Übungsfall noch nicht vor. Anamnese im Präteritum bzw. Präsens, Angaben des Patienten wahlweise in indirekter Rede (Konjunktiv I). Mehr dazu: Arztbrief in der Fachsprachprüfung.

Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,

wir berichten über Herrn Nils Wagner, 31 Jahre, der sich heute in unserer Sprechstunde vorstellte.

Verdachtsdiagnose

Colitis ulcerosa (chronisch-entzündliche Darmerkrankung mit distalem Kolonbefall)

Differenzialdiagnosen

Anamnese

Die aktuelle Anamnese ergab, dass die blutig-schleimigen Durchfälle seit etwa sechs Wochen bestünden und sechs- bis achtmal täglich, teils auch nachts, aufträten. Der Patient gab an, zusätzlich krampfartige Schmerzen im linken Unterbauch zu haben, die sich nach dem Stuhlgang besserten, sowie einen schmerzhaften, imperativen Stuhldrang zu verspüren. Weiterhin berichtete er über einen Gewichtsverlust von etwa drei Kilogramm, erhöhte Temperaturen sowie Blässe und Luftnot bei Belastung. Begleitend klagte er über Gelenkschmerzen und erwähnte eine zurückliegende Augenentzündung. Die Familienanamnese sei positiv für eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung. Er gab an, seit etwa einem Jahr nicht mehr zu rauchen. Eine Dauermedikation nehme er nicht ein, Allergien seien nicht bekannt.

Geplante Diagnostik

Procedere

Wird in der Prüfung im Arzt-Arzt-Gespräch mündlich besprochen – auf dieser Übungsseite bewusst nicht aufgeführt.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

Checkliste: Das muss im Brief stehen

5. Patientenvorstellung beim Oberarzt

Im dritten Teil stellst du den Fall einer Kollegin oder einem Kollegen aus der Prüfungskommission vor – knapp, strukturiert und in Fachsprache. Danach folgen meist Rückfragen. Mehr dazu: Arzt-Arzt-Gespräch und Übergabe.

„Ich möchte Ihnen Herrn Wagner vorstellen, einen 31-jährigen Patienten, der sich mit seit sechs Wochen bestehenden blutig-schleimigen Durchfällen, sechs- bis achtmal täglich und teils nächtlich, mit schmerzhaftem imperativem Stuhldrang und krampfartigen Schmerzen im linken Unterbauch vorgestellt hat. Er hat drei Kilogramm abgenommen und berichtet über Blässe und Belastungsdyspnoe. Zusätzlich bestehen Arthralgien und eine abgelaufene Augenbeteiligung. Meine Verdachtsdiagnose ist eine Colitis ulcerosa.“

Mögliche Rückfragen

Was spricht anamnestisch eher für eine Colitis ulcerosa als für einen Morbus Crohn?▾

Die blutig-schleimigen Durchfälle mit Tenesmen und Schmerzen im linken Unterbauch passen zu einer vom Rektum ausgehenden, kontinuierlichen Entzündung der Kolonschleimhaut. Beim Morbus Crohn sind blutige Stühle seltener; typisch sind eher Schmerzen im rechten Unterbauch, ein diskontinuierlicher, transmuraler Befall, der den gesamten Verdauungstrakt betreffen kann, sowie Fisteln, Abszesse und perianale Läsionen. Auch der Rauchstopp vor einem Jahr passt eher zur Colitis ulcerosa: Rauchen wirkt bei ihr eher schützend, beim Morbus Crohn ist es ein Risikofaktor.

Welche extraintestinalen Manifestationen kennen Sie, und welche finden Sie hier?▾

Hier bestehen Arthralgien und eine abgelaufene Augenentzündung, zum Beispiel eine Episkleritis oder Uveitis. Weitere extraintestinale Manifestationen sind Hautveränderungen wie Erythema nodosum und Pyoderma gangraenosum sowie – besonders bei der Colitis ulcerosa – die primär sklerosierende Cholangitis.

6. Fachbegriffe: Laiensprache ↔ Fachsprache

Vom Gespräch in den Arztbrief

Der Patient sagtIm Arztbrief
„Durchfall, und dabei ist immer wieder Blut und Schleim dabei“blutig-schleimige Diarrhoe
„oft auch nachts“nächtliche Defäkation
„ich muss ständig zur Toilette, oft kommt aber nur etwas Schleim und Blut“Tenesmen (imperativer Stuhldrang)
„krampfartig im linken Unterbauch“krampfartige Schmerzen im linken Unterbauch
„meine Gelenke schmerzen manchmal“Arthralgien
„ein gerötetes, schmerzhaftes Auge“Augenbeteiligung (z. B. Episkleritis, Uveitis)
„ab und zu leicht erhöhte Temperatur“subfebrile Temperaturen
„eine chronische Darmentzündung“chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED)

Vom Fachbegriff zur Erklärung für den Patienten

FachbegriffSo erklärst du es
Colitis ulcerosaeine chronische Entzündung der Dickdarmschleimhaut, die vom Enddarm ausgeht und in Schüben verläuft
Tenesmenschmerzhafter, ständiger Stuhldrang, bei dem oft nur wenig Stuhl oder Schleim abgeht
toxisches Megakoloneine gefährliche, starke Aufweitung des Dickdarms bei schwerer Entzündung

Verlinkte Begriffe stehen im Glossar Medizinische Fachbegriffe: Patientensprache → Fachsprache (mit Übersetzungen in 12 Sprachen).

FSP-Med: Fälle im Prüfungsablauf üben

Im FSP-Med-Modul der KLINIKFUCHS-App übst du Arzt-Patienten-Gespräche im FSP-Simulator, den Arztbrief und die Patientenvorstellung – mit Übersetzungshilfe in 13 Sprachen. Die App ist kostenlos: im Browser oder als iOS-App.

Übungsmaterial zum Sprachtraining, kein Ersatz für ärztliche Aus- und Weiterbildung und keine Behandlungsempfehlung. Prüfungsablauf und Anforderungen können je nach Ärztekammer und Bundesland variieren; verbindlich sind die Vorgaben der für dich zuständigen Kammer.

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