FSP-Übungsfall Veränderter Stuhlgang mit Blut: Kolonkarzinom
Eine 68-jährige Patientin stellt sich vor, weil sie seit einigen Monaten unregelmäßigen Stuhlgang mit gelegentlichem Blutabgang bemerkt hat und dabei ungewollt an Gewicht verloren hat. Auf dieser Seite findest du den ganzen Fall in den drei Teilen der Fachsprachprüfung: das Anamnesegespräch als Musterablauf, den ausgefüllten Anamnesebogen, einen Beispiel-Arztbrief und die Patientenvorstellung – dazu die wichtigsten Fachbegriffe in Laien- und Fachsprache.
📚 Das Krankheitsbild zum Nachlesen (Definition, Klinik, Diagnostik): Kolonkarzinom
1. Patientenrolle: Steckbrief
Übst du mit einer Lernpartnerin oder einem Lernpartner, bekommt diese Person den Steckbrief und die Antworten aus Abschnitt 2. Sie erzählt zuerst nur den Einstiegssatz und gibt alles Weitere erst preis, wenn du passend nachfragst.
| Name | Frau Ursula Krämer |
| Alter | 68 Jahre |
| Ort | Sprechstunde |
| Leitsymptom | Veränderte Stuhlgewohnheiten mit Blutbeimengung |
| Fachgebiet | Gastroenterologie |
| Lebenssituation | verwitwet, lebt allein; Tochter wohnt in der Nähe und unterstützt sie |
| Schwierigkeit | mittel |
Einstiegssatz der Patientin:
„Seit etwa drei Monaten ist mein Stuhlgang durcheinander. Mal habe ich Verstopfung, mal Durchfall, und ab und zu ist Blut dabei. Außerdem habe ich abgenommen, ohne etwas dafür zu tun.“
2. Musterablauf der Anamnese
So kann das Arzt-Patienten-Gespräch in diesem Fall ablaufen – gegliedert nach dem üblichen Anamnese-Schema: aktuelle Beschwerden, vegetative Anamnese, Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien, Noxen, Familien- und Sozialanamnese. Mit der Patientin sprichst du Alltagssprache; Fachbegriffe kommen erst im Arztbrief. Mehr Fragen und Formulierungen: Anamnese auf Deutsch.
Begrüßung und Einstieg
Ärztin/ArztGuten Tag, Frau Krämer. Mein Name ist Dr. Müller, ich bin heute für Sie zuständig. Alles, was wir besprechen, unterliegt der Schweigepflicht. Was führt Sie zu uns?
PatientinSeit etwa drei Monaten ist mein Stuhlgang durcheinander. Mal habe ich Verstopfung, mal Durchfall, und ab und zu ist Blut dabei. Außerdem habe ich abgenommen, ohne etwas dafür zu tun.
1. Aktuelle Beschwerden
Ärztin/ArztKönnen Sie mir die Veränderung des Stuhlgangs genauer beschreiben?
PatientinFrüher war ich sehr regelmäßig. Jetzt wechseln sich Verstopfung und Durchfall ab, und der Stuhl ist manchmal auffällig dünn, fast bleistiftförmig.
Ärztin/ArztWie sieht das Blut aus — hell oder dunkel?
PatientinEher dunkel und dem Stuhl beigemischt, nicht nur obenauf. Manchmal sehe ich auch etwas Schleim.
Ärztin/ArztHaben Sie Bauchschmerzen oder das Gefühl, dass der Darm sich nicht richtig entleert?
PatientinAb und zu ein Ziehen im Bauch, und ja, oft habe ich das Gefühl, dass noch etwas drin ist, auch wenn ich gerade war.
Ärztin/ArztHatten Sie zwischendurch krampfartige Schmerzen?
PatientinEinmal hatte ich einen Tag lang starke Krämpfe und Blähungen, dann ging es wieder. Das hat mir Angst gemacht.
2. Vegetative Anamnese
Ärztin/ArztWie viel Gewicht haben Sie verloren, und wie ist der Appetit?
PatientinUngefähr sechs Kilo in drei Monaten, obwohl ich normal esse. Der Appetit ist etwas weniger geworden.
Ärztin/ArztHaben Sie Müdigkeit bemerkt, oder sind Sie weniger belastbar?
PatientinJa, ich bin oft müde und blass. Meine Tochter sagt, ich sehe erschöpft aus.
Ärztin/ArztHaben Sie Nachtschweiß oder Fieber bemerkt?
PatientinFieber nicht. Nachtschweiß ab und zu, aber nicht stark.
3. Vorerkrankungen
Ärztin/ArztSind bei Ihnen Darmerkrankungen bekannt?
PatientinBei einer Darmspiegelung vor vielen Jahren wurden mir einmal Polypen entfernt. Seitdem war ich nicht mehr zur Kontrolle.
Ärztin/ArztLeiden Sie noch an anderen Erkrankungen?
PatientinIch habe hohen Blutdruck, der mit einer Tablette behandelt wird.
4. Medikamente
Ärztin/ArztWelche Medikamente nehmen Sie regelmäßig ein?
PatientinIch nehme eine Blutdrucktablette und Aspirin, das ich vom Hausarzt bekomme.
5. Allergien
Ärztin/ArztSind bei Ihnen Allergien oder Unverträglichkeiten bekannt?
PatientinGegen Penicillin bekomme ich einen Hautausschlag, sonst ist mir nichts bekannt.
6. Noxen
Ärztin/ArztRauchen Sie oder haben Sie geraucht, und wie ist es mit Alkohol?
PatientinIch habe früher etwa zwanzig Jahre geraucht, aber vor zehn Jahren aufgehört. Alkohol trinke ich selten, ein Glas Wein zum Essen.
Ärztin/ArztWie sieht Ihre Ernährung üblicherweise aus?
PatientinEhrlich gesagt esse ich viel rotes Fleisch und Wurst und wenig Gemüse oder Vollkorn.
7. Familien- und Sozialanamnese
Ärztin/ArztGibt es in Ihrer Familie Krebserkrankungen?
PatientinMein Vater ist an Darmkrebs erkrankt, das war mit etwa siebzig Jahren.
Ärztin/ArztWie leben Sie, und wer unterstützt Sie im Alltag?
PatientinIch bin verwitwet und lebe allein, meine Tochter wohnt in der Nähe und kümmert sich um mich.
Wenn die Patientin selbst fragt
PatientinFrau Doktor, ist es Krebs? Ich habe große Angst.
Ärztin/ArztIch verstehe Ihre Angst sehr gut, und es ist wichtig, dass wir offen darüber sprechen. Ihre Beschwerden nehmen wir sehr ernst und klären sie gründlich ab. Ob eine bösartige Erkrankung vorliegt, können wir erst nach einer Darmspiegelung mit Gewebeprobe sicher sagen. Die Ergebnisse besprechen wir dann gemeinsam, und Sie sind damit nicht allein.
Ehrlich bleiben, nichts versprechen und auf die Untersuchung und das anschließende Gespräch verweisen.
Zusammenfassung und Abschluss
Ärztin/ArztVielen Dank. Ich fasse kurz zusammen, was ich verstanden habe – bitte korrigieren Sie mich, wenn etwas nicht stimmt.
Ärztin/ArztGibt es noch etwas, das Sie mir sagen möchten, oder haben Sie Fragen an mich?
Ärztin/ArztAls Nächstes würde ich Sie gern körperlich untersuchen. Sind Sie damit einverstanden?
3. Ausgefüllter Anamnesebogen
So können deine Notizen am Ende des Gesprächs aussehen: Stichpunkte, schon in Fachsprache und mit üblichen Abkürzungen (J. = Jahre, Z. n. = Zustand nach, py = Packungsjahre, re./li. = rechts/links). Auf dieser Grundlage schreibst du danach den Arztbrief.
Anamnesebogen · Übungsfall 20
| Patientin | Frau Ursula Krämer, 68 J. |
|---|---|
| Vorstellungsgrund | Änderung der Stuhlgewohnheiten mit Blutbeimengung seit ca. 3 Monaten; ungewollter Gewichtsverlust |
| Stuhlgang | früher regelmäßig; jetzt Wechsel von Obstipation und Diarrhoe; zeitweise bleistiftdünner Stuhl |
| Blutbeimengung | eher dunkel, dem Stuhl beigemischt; gelegentlich Schleim |
| Begleitsymptome | intermittierendes Ziehen im Bauch; Gefühl der inkompletten Entleerung; einmalig eintägige krampfartige Schmerzen mit Meteorismus |
| Vegetative Anamnese | Gewichtsverlust ca. 6 kg in 3 Monaten bei normaler Ernährung; Appetit leicht vermindert; Müdigkeit, Blässe; gelegentlich leichter Nachtschweiß; kein Fieber |
| Vorerkrankungen | Z. n. Abtragung von Kolonpolypen vor vielen Jahren, seitdem keine Kontrollkoloskopie; arterielle Hypertonie |
| Medikamente | Antihypertensivum, ASS |
| Allergien | Penicillin (Exanthem) |
| Noxen | Ex-Raucherin (ca. 20 J. geraucht, Nikotinkarenz seit 10 J.); Alkohol selten |
| Ernährung | viel rotes Fleisch und Wurst, wenig Gemüse und Vollkorn |
| Familienanamnese | Vater mit kolorektalem Karzinom (Erkrankung mit ca. 70 J.) |
| Sozialanamnese | verwitwet, lebt allein; Tochter wohnt in der Nähe und unterstützt sie |
4. Beispiel-Arztbrief (schriftliche Dokumentation)
Im zweiten Prüfungsteil dokumentierst du den Fall schriftlich – je nach Kammer als Arztbrief oder Dokumentationsbogen. Grundlage ist das Anamnesegespräch; Untersuchungsbefunde liegen in diesem Übungsfall noch nicht vor. Anamnese im Präteritum bzw. Präsens, Angaben der Patientin wahlweise in indirekter Rede (Konjunktiv I). Mehr dazu: Arztbrief in der Fachsprachprüfung.
Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,
wir berichten über Frau Ursula Krämer, 68 Jahre, die sich heute in unserer Sprechstunde vorstellte.
Verdachtsdiagnose
Kolonkarzinom (kolorektales Karzinom)
Differenzialdiagnosen
- Divertikulitis bzw. Divertikelblutung
- Chronisch-entzündliche Darmerkrankung (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn)
- Hämorrhoiden bzw. anorektale Blutungsquelle
- Ischämische Kolitis
Anamnese
Die aktuelle Anamnese ergab, dass sich die Stuhlgewohnheiten seit etwa drei Monaten verändert hätten. Die Patientin gab an, Obstipation und Diarrhö wechselten sich ab, der Stuhl sei zeitweise bleistiftdünn und ihr seien wiederholt dunkle Blutbeimengungen aufgefallen. Begleitend berichtete sie über das Gefühl, der Darm entleere sich nicht vollständig, über einen ungewollten Gewichtsverlust von etwa sechs Kilogramm in drei Monaten und über eine zunehmende Leistungsminderung; sie selbst empfinde sich als blass. Weiterhin gab sie an, vor Jahren seien ihr Dickdarmpolypen abgetragen worden; eine Kontrollkoloskopie habe sie seitdem nicht wahrgenommen. In der Familienanamnese sei ein Dickdarmkrebs des Vaters bekannt. Sie ernähre sich fleischreich und ballaststoffarm und habe früher geraucht. An Dauermedikation nehme sie ein Antihypertensivum und Acetylsalicylsäure ein. Es bestehe eine Penicillinallergie.
Geplante Diagnostik
- Körperliche Untersuchung mit Palpation des Abdomens und digital-rektaler Untersuchung
- Labor: Blutbild zur Frage Anämie, Eisenstatus, Leber- und Nierenwerte sowie Tumormarker CEA als Verlaufsparameter
- Ileokoloskopie mit Biopsie zur histologischen Sicherung
- Zum Staging: CT von Thorax und Abdomen zur Suche nach Fernmetastasen
- Bei Rektumbefall zusätzlich MRT des Beckens und Endosonographie
Procedere
Wird in der Prüfung im Arzt-Arzt-Gespräch mündlich besprochen – auf dieser Übungsseite bewusst nicht aufgeführt.
Mit freundlichen kollegialen Grüßen
Checkliste: Das muss im Brief stehen
- Leitsymptom (Änderung der Stuhlgewohnheiten)
- Art der Blutbeimengung und Stuhlkaliber
- ungewollter Gewichtsverlust und Anämiezeichen
- Dauer und Verlauf der Beschwerden
- relevante Vorgeschichte (frühere Polypenabtragung, fehlende Vorsorge)
- positive Familienanamnese für kolorektales Karzinom
- Dauermedikation inklusive ASS
- Allergien (Penicillin)
5. Patientenvorstellung beim Oberarzt
Im dritten Teil stellst du den Fall einer Kollegin oder einem Kollegen aus der Prüfungskommission vor – knapp, strukturiert und in Fachsprache. Danach folgen meist Rückfragen. Mehr dazu: Arzt-Arzt-Gespräch und Übergabe.
„Ich möchte Ihnen Frau Krämer vorstellen, eine 68-jährige Patientin, die sich mit einer seit drei Monaten bestehenden Änderung der Stuhlgewohnheiten mit Wechsel von Verstopfung und Durchfall, bleistiftförmigem Stuhl und dunkler Blutbeimengung vorgestellt hat. Zusätzlich bestehen ein ungewollter Gewichtsverlust von sechs Kilogramm, eine Leistungsminderung und Blässe. Anamnestisch wurden früher Polypen abgetragen, und die Familienanamnese ist positiv für Darmkrebs. Meine Verdachtsdiagnose ist ein Kolonkarzinom.“
Mögliche Rückfragen
Welche Alarmsymptome und Risikofaktoren hat die Patientin?▾
Eine neu aufgetretene Änderung der Stuhlgewohnheiten jenseits des 50. Lebensjahres, Blut im Stuhl, bleistiftdünne Stühle als Hinweis auf eine Stenose, ein ungewollter Gewichtsverlust sowie Müdigkeit und Blässe als Hinweis auf eine Anämie. Risikofaktoren sind die früher abgetragenen Polypen ohne Nachsorge, ein Verwandter ersten Grades mit Darmkrebs, die fleischreiche, ballaststoffarme Ernährung und der frühere Nikotinkonsum.
Was ist die Adenom-Karzinom-Sequenz, und warum ist sie hier relevant?▾
Die meisten kolorektalen Karzinome entstehen über Jahre schrittweise aus gutartigen Adenomen, also Polypen, durch eine Anhäufung genetischer Veränderungen. Bei der Patientin wurden früher Polypen entfernt, eine Kontrollkoloskopie ist aber unterblieben. Neue oder verbliebene Adenome konnten sich daher unbemerkt weiterentwickeln.
6. Fachbegriffe: Laiensprache ↔ Fachsprache
Vom Gespräch in den Arztbrief
| Die Patientin sagt | Im Arztbrief |
|---|---|
| „mal habe ich Verstopfung, mal Durchfall“ | Wechsel von Obstipation und Diarrhoe |
| „fast bleistiftförmig“ | bleistiftdünner Stuhl |
| „dem Stuhl beigemischt, nicht nur obenauf“ | dem Stuhl beigemischtes Blut |
| „dass noch etwas drin ist, auch wenn ich gerade war“ | Gefühl der inkompletten Stuhlentleerung |
| „abgenommen, ohne etwas dafür zu tun“ | ungewollter Gewichtsverlust |
| „Blähungen“ | Meteorismus |
| „Polypen entfernt“ | Z. n. Polypektomie |
| „Darmkrebs“ | kolorektales Karzinom |
Vom Fachbegriff zur Erklärung für die Patientin
| Fachbegriff | So erklärst du es |
|---|---|
| kolorektales Karzinom | Krebs des Dick- oder Enddarms |
| Adenom-Karzinom-Sequenz | die schrittweise Entwicklung von einem gutartigen Darmpolypen hin zu Darmkrebs |
| Koloskopie | eine Darmspiegelung, bei der der Dickdarm mit einer Kamera untersucht wird |
| Staging | die Untersuchungen, mit denen bestimmt wird, wie weit sich ein Tumor ausgebreitet hat |
Verlinkte Begriffe stehen im Glossar Medizinische Fachbegriffe: Patientensprache → Fachsprache (mit Übersetzungen in 12 Sprachen).
FSP-Med: Fälle im Prüfungsablauf üben
Im FSP-Med-Modul der KLINIKFUCHS-App übst du Arzt-Patienten-Gespräche im FSP-Simulator, den Arztbrief und die Patientenvorstellung – mit Übersetzungshilfe in 13 Sprachen. Die App ist kostenlos: im Browser oder als iOS-App.
Übungsmaterial zum Sprachtraining, kein Ersatz für ärztliche Aus- und Weiterbildung und keine Behandlungsempfehlung. Prüfungsablauf und Anforderungen können je nach Ärztekammer und Bundesland variieren; verbindlich sind die Vorgaben der für dich zuständigen Kammer.