FSP-Übungsfall Atemnot: Lungenembolie
Eine 58-jährige Patientin stellt sich in der Notaufnahme vor, weil sie seit heute Morgen plötzlich schlecht Luft bekommt und beim Einatmen einen stechenden Schmerz auf der rechten Brustseite verspürt. Auf dieser Seite findest du den ganzen Fall in den drei Teilen der Fachsprachprüfung: das Anamnesegespräch als Musterablauf, den ausgefüllten Anamnesebogen, einen Beispiel-Arztbrief und die Patientenvorstellung – dazu die wichtigsten Fachbegriffe in Laien- und Fachsprache.
1. Patientenrolle: Steckbrief
Übst du mit einer Lernpartnerin oder einem Lernpartner, bekommt diese Person den Steckbrief und die Antworten aus Abschnitt 2. Sie erzählt zuerst nur den Einstiegssatz und gibt alles Weitere erst preis, wenn du passend nachfragst.
| Name | Frau Beate Hoffmann |
| Alter | 58 Jahre |
| Ort | Notaufnahme |
| Leitsymptom | Akute Atemnot und atemabhängiger Brustschmerz |
| Fachgebiet | Pneumologie / Angiologie |
| Lebenssituation | Bürotätigkeit (überwiegend sitzend); keine Reise; lebt mit Ehemann im Haus |
| Schwierigkeit | schwer |
Einstiegssatz der Patientin:
„Seit heute früh bekomme ich ganz plötzlich schlecht Luft. Wenn ich tief einatme, sticht es rechts in der Brust, und mein Herz rast dabei.“
2. Musterablauf der Anamnese
So kann das Arzt-Patienten-Gespräch in diesem Fall ablaufen – gegliedert nach dem üblichen Anamnese-Schema: aktuelle Beschwerden, vegetative Anamnese, Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien, Noxen, Familien- und Sozialanamnese. Mit der Patientin sprichst du Alltagssprache; Fachbegriffe kommen erst im Arztbrief. Mehr Fragen und Formulierungen: Anamnese auf Deutsch.
Begrüßung und Einstieg
Ärztin/ArztGuten Tag, Frau Hoffmann. Mein Name ist Dr. Müller, ich bin heute für Sie zuständig. Alles, was wir besprechen, unterliegt der Schweigepflicht. Was führt Sie zu uns?
PatientinSeit heute früh bekomme ich ganz plötzlich schlecht Luft. Wenn ich tief einatme, sticht es rechts in der Brust, und mein Herz rast dabei.
1. Aktuelle Beschwerden
Ärztin/ArztKönnen Sie mir genau schildern, wann und wie die Atemnot begonnen hat?
PatientinEs kam ganz plötzlich, heute Morgen beim Aufstehen. Von einer Sekunde auf die andere war die Luft knapp, obwohl ich mich gar nicht angestrengt hatte.
Ärztin/ArztWie würden Sie den Brustschmerz beschreiben und wodurch verändert er sich?
PatientinEs ist ein stechender Schmerz rechts in der Brust, der beim tiefen Einatmen und beim Husten schlimmer wird. Wenn ich flach atme, ist es etwas erträglicher.
Ärztin/ArztHaben Sie Husten oder dabei Blut abgehustet?
PatientinIch musste ein paarmal husten, und beim letzten Mal war ein bisschen Blut im Auswurf. Das hat mir richtig Angst gemacht.
Ärztin/ArztIst Ihnen schwindelig gewesen oder waren Sie kurz davor, ohnmächtig zu werden?
PatientinJa, einmal wurde mir schwarz vor Augen, als ich zur Toilette gegangen bin. Umgefallen bin ich aber nicht.
Ärztin/ArztHaben Sie ein geschwollenes oder schmerzendes Bein bemerkt?
PatientinJetzt wo Sie es sagen — mein rechtes Bein ist seit ein paar Tagen dicker als das linke und der Wadenbereich tut weh.
2. Vegetative Anamnese
Ärztin/ArztWie steht es mit Appetit, Schlaf und Gewicht in den letzten Wochen?
PatientinDas war alles normal, keine Auffälligkeiten.
Ärztin/ArztHatten Sie Fieber, Herzrasen oder Schweißausbrüche?
PatientinFieber nicht, aber das Herz rast und ich schwitze seit heute Morgen kalt.
3. Vorerkrankungen
Ärztin/ArztSind bei Ihnen Vorerkrankungen bekannt, hatten Sie schon einmal eine Thrombose oder eine Lungenembolie?
PatientinEine Thrombose hatte ich noch nie. Ich habe aber einen etwas erhöhten Blutdruck und eine Unterfunktion der Schilddrüse.
Ärztin/ArztWurden Sie in den letzten Wochen operiert oder waren Sie längere Zeit bettlägerig?
PatientinVor drei Wochen wurde mir das rechte Knie operiert, danach lag ich viel und konnte kaum laufen.
Ärztin/ArztWaren Sie kürzlich auf einer längeren Reise, zum Beispiel im Flugzeug oder mit dem Auto?
PatientinNein, gereist bin ich nicht. Ich war wegen des Knies vor allem zu Hause.
4. Medikamente
Ärztin/ArztWelche Medikamente nehmen Sie regelmäßig ein?
PatientinEin Blutdruckmittel, Ramipril, und L-Thyroxin für die Schilddrüse. Außerdem nehme ich ein Hormonpräparat gegen Wechseljahresbeschwerden.
Ärztin/ArztHaben Sie nach der Knieoperation Spritzen zur Blutverdünnung bekommen?
PatientinIch hätte mir eigentlich täglich eine Spritze in den Bauch geben sollen, aber ehrlich gesagt habe ich das nach ein paar Tagen sein lassen.
5. Allergien
Ärztin/ArztSind bei Ihnen Allergien oder Unverträglichkeiten bekannt, insbesondere gegen Kontrastmittel oder Medikamente?
PatientinNein, mir ist keine Allergie bekannt.
6. Noxen
Ärztin/ArztRauchen Sie, und wenn ja, wie viel und wie lange?
PatientinJa, ich rauche seit etwa dreißig Jahren rund zehn Zigaretten am Tag.
Ärztin/ArztWie sieht es mit Alkohol aus?
PatientinNur gelegentlich ein Glas Wein zum Essen.
7. Familien- und Sozialanamnese
Ärztin/ArztGibt es in Ihrer Familie Thrombosen, Lungenembolien oder Gerinnungsstörungen?
PatientinMeine Mutter hatte einmal eine Thrombose im Bein, Genaueres weiß ich aber nicht.
Ärztin/ArztWas machen Sie beruflich und wie ist Ihre Wohnsituation?
PatientinIch arbeite im Büro, viel im Sitzen. Ich wohne mit meinem Mann in einem Haus.
Wenn die Patientin selbst fragt
PatientinWarum ist das passiert, ich habe doch nichts falsch gemacht?
Ärztin/ArztDas ist keine Frage von Schuld. Nach einer Knieoperation mit viel Liegen steigt das Risiko für ein Blutgerinnsel deutlich, dazu kommen weitere Faktoren wie das Hormonpräparat und das Rauchen. Wir klären jetzt gemeinsam, was genau dahintersteckt.
Ehrlich bleiben, nichts versprechen und auf die Untersuchung und das anschließende Gespräch verweisen.
Zusammenfassung und Abschluss
Ärztin/ArztVielen Dank. Ich fasse kurz zusammen, was ich verstanden habe – bitte korrigieren Sie mich, wenn etwas nicht stimmt.
Ärztin/ArztGibt es noch etwas, das Sie mir sagen möchten, oder haben Sie Fragen an mich?
Ärztin/ArztAls Nächstes würde ich Sie gern körperlich untersuchen. Sind Sie damit einverstanden?
3. Ausgefüllter Anamnesebogen
So können deine Notizen am Ende des Gesprächs aussehen: Stichpunkte, schon in Fachsprache und mit üblichen Abkürzungen (J. = Jahre, Z. n. = Zustand nach, py = Packungsjahre, re./li. = rechts/links). Auf dieser Grundlage schreibst du danach den Arztbrief.
Anamnesebogen · Übungsfall 3
| Patientin | Frau Beate Hoffmann, 58 J. |
|---|---|
| Vorstellungsgrund | akute Dyspnoe seit heute Morgen |
| Beginn | plötzlich beim Aufstehen, ohne vorherige Belastung |
| Thoraxschmerz | stechend, rechtsthorakal, atemabhängig (Inspiration, Husten); Linderung bei flacher Atmung |
| Begleitsymptome | Husten mit Hämoptyse; Präsynkope; Herzrasen; Kaltschweißigkeit; kein Fieber |
| Beine | seit einigen Tagen Schwellung und Wadenschmerz am re. Unterschenkel |
| Vegetative Anamnese | Appetit, Schlaf, Gewicht unauffällig |
| Vorerkrankungen / Voroperationen | arterielle Hypertonie, Hypothyreose; Z. n. Knie-OP re. vor 3 Wochen mit anschließender Immobilisation; keine Thrombose in der Vorgeschichte |
| Medikamente | Ramipril, L-Thyroxin, Hormonpräparat (Wechseljahresbeschwerden); Thromboseprophylaxe nach der Knie-OP nach wenigen Tagen eigenmächtig abgesetzt |
| Allergien | keine bekannt (auch keine Kontrastmittelallergie) |
| Noxen | Nikotin ca. 10 Zig./d seit ca. 30 J. (ca. 15 py); Alkohol gelegentlich |
| Familienanamnese | Mutter mit Beinvenenthrombose |
| Sozialanamnese | Bürotätigkeit (überwiegend sitzend); keine Reise; lebt mit Ehemann im Haus |
4. Beispiel-Arztbrief (schriftliche Dokumentation)
Im zweiten Prüfungsteil dokumentierst du den Fall schriftlich – je nach Kammer als Arztbrief oder Dokumentationsbogen. Grundlage ist das Anamnesegespräch; Untersuchungsbefunde liegen in diesem Übungsfall noch nicht vor. Anamnese im Präteritum bzw. Präsens, Angaben der Patientin wahlweise in indirekter Rede (Konjunktiv I). Mehr dazu: Arztbrief in der Fachsprachprüfung.
Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,
wir berichten über Frau Beate Hoffmann, 58 Jahre, die sich heute in unserer Notaufnahme vorstellte.
Verdachtsdiagnose
Akute Lungenembolie bei tiefer Beinvenenthrombose rechts
Differenzialdiagnosen
- Akutes Koronarsyndrom / Myokardinfarkt
- Pneumonie mit Pleuritis
- Pneumothorax
- Aortendissektion
Anamnese
Frau Hoffmann, 58 Jahre, stellte sich notfallmäßig mit einer akut aufgetretenen Dyspnoe sowie einem atemabhängigen, rechtsseitigen thorakalen Schmerz vor. Begleitend bestehen eine Hämoptyse, eine Präsynkope sowie eine Tachykardie mit Kaltschweißigkeit. Anamnestisch zeigt sich seit einigen Tagen eine schmerzhafte Schwellung des rechten Unterschenkels. An Risikofaktoren finden sich eine Kniegelenksoperation vor drei Wochen mit anschließender Immobilisation, eine eigenmächtig abgesetzte Thromboseprophylaxe, eine Hormonersatztherapie, ein Nikotinabusus sowie eine positive Familienanamnese für eine tiefe Venenthrombose. An Vorerkrankungen sind eine arterielle Hypertonie und eine Hypothyreose bekannt. Die Dauermedikation umfasst Ramipril, L-Thyroxin und ein Hormonpräparat. Allergien sind nicht bekannt.
Geplante Diagnostik
- Klinische Risikoeinschätzung (Wells-Score) und Vitalparameter inklusive Sauerstoffsättigung
- Labor: D-Dimere, Troponin, BNP/NT-proBNP, Blutgasanalyse, Blutbild, Nierenwerte, Gerinnung
- EKG (Zeichen der Rechtsherzbelastung, z. B. SI-QIII-Typ)
- CT-Pulmonalisangiographie als Bildgebung der Wahl
- Kompressionssonographie der Beinvenen und Echokardiographie zur Beurteilung der Rechtsherzbelastung
Procedere
Wird in der Prüfung im Arzt-Arzt-Gespräch mündlich besprochen – auf dieser Übungsseite bewusst nicht aufgeführt.
Mit freundlichen kollegialen Grüßen
Checkliste: Das muss im Brief stehen
- Leitsymptom (akute Dyspnoe) mit plötzlichem Beginn
- atemabhängiger thorakaler Schmerz und Hämoptyse
- Präsynkope und Tachykardie
- klinische Zeichen einer tiefen Beinvenenthrombose
- Immobilisation nach Knie-OP
- abgesetzte Thromboseprophylaxe
- weitere Risikofaktoren (Hormontherapie, Nikotin, Familienanamnese)
- Dauermedikation und Allergien
5. Patientenvorstellung beim Oberarzt
Im dritten Teil stellst du den Fall einer Kollegin oder einem Kollegen aus der Prüfungskommission vor – knapp, strukturiert und in Fachsprache. Danach folgen meist Rückfragen. Mehr dazu: Arzt-Arzt-Gespräch und Übergabe.
„Ich möchte Ihnen Frau Hoffmann vorstellen, eine 58-jährige Patientin, die sich notfallmäßig mit einer akut aufgetretenen Atemnot und einem atemabhängigen rechtsthorakalen Schmerz vorgestellt hat. Begleitend bestehen Hämoptyse, eine Präsynkope und eine Tachykardie. Bei Zustand nach Knieoperation mit Immobilisation, abgesetzter Thromboseprophylaxe und klinischen Zeichen einer tiefen Beinvenenthrombose rechts lautet meine Verdachtsdiagnose eine Lungenembolie.“
Mögliche Rückfragen
Wann bestimmen Sie D-Dimere und wann verzichten Sie darauf?▾
D-Dimere sind bei niedriger oder mittlerer Vortestwahrscheinlichkeit sinnvoll, um eine Embolie auszuschließen, da sie sehr sensitiv, aber wenig spezifisch sind. Bei hoher Wahrscheinlichkeit wie hier verzichte ich darauf und veranlasse direkt die CT-Pulmonalisangiographie, da ein negativer D-Dimer-Test die Embolie hier nicht ausschließen würde.
Welche Risikofaktoren für eine venöse Thromboembolie hat die Patientin?▾
Die Knieoperation vor drei Wochen mit anschließender Immobilisation, die abgesetzte Thromboseprophylaxe, das Hormonpräparat, den Nikotinkonsum und eine positive Familienanamnese.
6. Fachbegriffe: Laiensprache ↔ Fachsprache
Vom Gespräch in den Arztbrief
| Die Patientin sagt | Im Arztbrief |
|---|---|
| „ich bekomme ganz plötzlich schlecht Luft“ | akute Dyspnoe |
| „es sticht, wenn ich tief einatme“ | atemabhängiger (pleuritischer) Thoraxschmerz |
| „ein bisschen Blut im Auswurf“ | Hämoptyse |
| „mir wurde schwarz vor Augen“ | Präsynkope |
| „mein Herz rast“ | Tachykardie |
| „Unterfunktion der Schilddrüse“ | Hypothyreose |
| „danach lag ich viel“ | Immobilisation |
Vom Fachbegriff zur Erklärung für die Patientin
| Fachbegriff | So erklärst du es |
|---|---|
| Dyspnoe | Atemnot oder das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen |
| Hämoptyse | das Aushusten von Blut oder blutigem Auswurf |
| tiefe Venenthrombose | ein Blutgerinnsel in einer tiefen Vene, meist im Bein, das die Ader verstopft |
Verlinkte Begriffe stehen im Glossar Medizinische Fachbegriffe: Patientensprache → Fachsprache (mit Übersetzungen in 12 Sprachen).
FSP-Med: Fälle im Prüfungsablauf üben
Im FSP-Med-Modul der KLINIKFUCHS-App übst du Arzt-Patienten-Gespräche im FSP-Simulator, den Arztbrief und die Patientenvorstellung – mit Übersetzungshilfe in 13 Sprachen. Die App ist kostenlos: im Browser oder als iOS-App.
Übungsmaterial zum Sprachtraining, kein Ersatz für ärztliche Aus- und Weiterbildung und keine Behandlungsempfehlung. Prüfungsablauf und Anforderungen können je nach Ärztekammer und Bundesland variieren; verbindlich sind die Vorgaben der für dich zuständigen Kammer.