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FSP-Übungsfall Anfallsartige Atemnot: Asthma bronchiale

Von Dr. Pascal Bafteh · Stand 22.10.2026 · Fall 10 von 30

Eine 27-jährige Patientin stellt sich vor, weil sie seit einigen Wochen immer wieder anfallsartig schlecht Luft bekommt, dabei pfeifend atmet und nachts von Hustenanfällen geweckt wird. Auf dieser Seite findest du den ganzen Fall in den drei Teilen der Fachsprachprüfung: das Anamnesegespräch als Musterablauf, den ausgefüllten Anamnesebogen, einen Beispiel-Arztbrief und die Patientenvorstellung – dazu die wichtigsten Fachbegriffe in Laien- und Fachsprache.

Übungsfall im Stil der Fachsprachprüfung – kein Prüfungsprotokoll. Der Fall stammt aus dem Fallbestand des FSP-Med-Moduls der KLINIKFUCHS-App und dient dem Sprachtraining. Er gibt keine Original-Prüfungsaufgabe einer Ärztekammer wieder; Ablauf und Bewertung legt die zuständige Kammer fest. Behandlungsangaben enthält diese Seite bewusst nicht.

📚 Das Krankheitsbild zum Nachlesen (Definition, Klinik, Diagnostik): Asthma bronchiale

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1. Patientenrolle: Steckbrief

Übst du mit einer Lernpartnerin oder einem Lernpartner, bekommt diese Person den Steckbrief und die Antworten aus Abschnitt 2. Sie erzählt zuerst nur den Einstiegssatz und gibt alles Weitere erst preis, wenn du passend nachfragst.

NameFrau Jana Hartmann
Alter27 Jahre
OrtSprechstunde
LeitsymptomAnfallsartige Atemnot mit Giemen
FachgebietPneumologie
LebenssituationFriseurin (Exposition gegenüber Haarsprays und Färbemitteln); lebt mit Partner
Schwierigkeitmittel

Einstiegssatz der Patientin:

„Seit ein paar Wochen bekomme ich immer wieder plötzlich schlecht Luft. Beim Ausatmen pfeift es richtig in der Brust, und nachts wache ich manchmal von Hustenanfällen auf.“

2. Musterablauf der Anamnese

So kann das Arzt-Patienten-Gespräch in diesem Fall ablaufen – gegliedert nach dem üblichen Anamnese-Schema: aktuelle Beschwerden, vegetative Anamnese, Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien, Noxen, Familien- und Sozialanamnese. Mit der Patientin sprichst du Alltagssprache; Fachbegriffe kommen erst im Arztbrief. Mehr Fragen und Formulierungen: Anamnese auf Deutsch.

Begrüßung und Einstieg

Ärztin/ArztGuten Tag, Frau Hartmann. Mein Name ist Dr. Müller, ich bin heute für Sie zuständig. Alles, was wir besprechen, unterliegt der Schweigepflicht. Was führt Sie zu uns?

PatientinSeit ein paar Wochen bekomme ich immer wieder plötzlich schlecht Luft. Beim Ausatmen pfeift es richtig in der Brust, und nachts wache ich manchmal von Hustenanfällen auf.

1. Aktuelle Beschwerden

Ärztin/ArztKönnen Sie mir so einen Anfall genauer beschreiben?

PatientinEs kommt ziemlich plötzlich. Die Brust wird eng, ich bekomme schwer Luft, vor allem beim Ausatmen, und dann fange ich an zu pfeifen und zu husten. Nach einer Weile wird es wieder besser.

Ärztin/ArztWie oft treten die Anfälle auf und wie lange dauern sie?

PatientinIn letzter Zeit fast jeden zweiten Tag, und nachts werde ich ein paarmal pro Woche geweckt. Ein Anfall dauert vielleicht zwanzig Minuten bis eine halbe Stunde.

Ärztin/ArztGibt es bestimmte Auslöser?

PatientinJa, beim Joggen in der Kälte wird es schlimm. Und seit wir die Katze meiner Schwester bei uns haben, ist es deutlich häufiger geworden.

Ärztin/ArztGeht es Ihnen zwischen den Anfällen gut?

PatientinJa, tagsüber, wenn ich ruhig bin, geht es meistens. Zwischendurch merke ich kaum etwas.

Ärztin/ArztBringen Sie beim Husten Schleim hoch?

PatientinNur ganz wenig, einen zähen, glasigen Schleim. Meistens ist es ein trockener Reizhusten.

2. Vegetative Anamnese

Ärztin/ArztWie sind Appetit, Gewicht und Schlaf?

PatientinAppetit und Gewicht sind normal. Der Schlaf ist gestört, weil ich nachts oft vom Husten wach werde.

Ärztin/ArztHaben Sie Fieber, Herzrasen oder Brustschmerzen bemerkt?

PatientinFieber nicht. Wenn die Luftnot kommt, schlägt mein Herz schon schneller, aber richtige Schmerzen habe ich keine.

3. Vorerkrankungen

Ärztin/ArztSind bei Ihnen Vorerkrankungen oder Allergien bekannt?

PatientinJa, ich habe seit meiner Jugend Heuschnupfen im Frühling, und als Kind hatte ich Neurodermitis.

Ärztin/ArztHatten Sie als Kind oft Bronchitis?

PatientinAls Kind hatte ich oft eine spastische Bronchitis, das ist mir jetzt wieder eingefallen. Später wurde es besser.

4. Medikamente

Ärztin/ArztNehmen Sie regelmäßig Medikamente ein?

PatientinIm Frühling nehme ich manchmal eine Allergietablette, sonst nichts Regelmäßiges. Die Antibabypille nehme ich.

Ärztin/ArztHaben Sie schon einmal ein Spray zum Inhalieren benutzt?

PatientinNein, so ein Spray hatte ich noch nie.

5. Allergien

Ärztin/ArztWelche Allergien haben Sie?

PatientinGegen Gräserpollen und offenbar auch gegen Katzen, wie ich jetzt merke. Medikamentenallergien habe ich keine.

6. Noxen

Ärztin/ArztRauchen Sie, oder raucht jemand in Ihrer Wohnung?

PatientinIch selbst rauche nicht. Mein Freund raucht aber in der Wohnung, das stört mich schon.

Ärztin/ArztWie sieht es mit Alkohol aus?

PatientinNur gelegentlich am Wochenende ein Glas Wein.

7. Familien- und Sozialanamnese

Ärztin/ArztGibt es in Ihrer Familie Asthma oder Allergien?

PatientinMeine Mutter hat Asthma und mein Bruder hat auch Heuschnupfen.

Ärztin/ArztWas machen Sie beruflich, und haben Sie dort mit Chemikalien zu tun?

PatientinIch arbeite als Friseurin. Mit den Sprays und Haarfärbemitteln habe ich schon manchmal das Gefühl, dass mir die Luft wegbleibt.

Wenn die Patientin selbst fragt

PatientinFrau Doktor, habe ich jetzt für immer Asthma? Geht das nie wieder weg?

Ärztin/ArztIch verstehe, dass Sie diese Frage sehr beschäftigt. Ob es wirklich Asthma ist, klären wir zuerst mit einer Lungenfunktionsprüfung und einem Allergietest. Danach besprechen wir die Ergebnisse gemeinsam und in Ruhe, und ich beantworte alle Ihre Fragen.

Ehrlich bleiben, nichts versprechen und auf die Untersuchung und das anschließende Gespräch verweisen.

Zusammenfassung und Abschluss

Ärztin/ArztVielen Dank. Ich fasse kurz zusammen, was ich verstanden habe – bitte korrigieren Sie mich, wenn etwas nicht stimmt.

Ärztin/ArztGibt es noch etwas, das Sie mir sagen möchten, oder haben Sie Fragen an mich?

Ärztin/ArztAls Nächstes würde ich Sie gern körperlich untersuchen. Sind Sie damit einverstanden?

3. Ausgefüllter Anamnesebogen

So können deine Notizen am Ende des Gesprächs aussehen: Stichpunkte, schon in Fachsprache und mit üblichen Abkürzungen (J. = Jahre, Z. n. = Zustand nach, py = Packungsjahre, re./li. = rechts/links). Auf dieser Grundlage schreibst du danach den Arztbrief.

Anamnesebogen · Übungsfall 10

PatientinFrau Jana Hartmann, 27 J.
Vorstellungsgrundrezidivierende anfallsartige Dyspnoe mit pfeifender Exspiration seit einigen Wochen
Anfälleplötzlicher Beginn; thorakales Engegefühl, erschwerte Exspiration, Giemen und Husten; Dauer ca. 20–30 min, spontan regredient
Frequenzzuletzt fast jeden 2. Tag; nächtliches Erwachen durch Hustenanfälle mehrmals/Woche
Auslöserkörperliche Belastung in Kälte (Joggen); Katzenkontakt (Katze der Schwester im Haushalt); Haarsprays und Färbemittel am Arbeitsplatz
Husten / Auswurfüberwiegend trockener Reizhusten; wenig zähes, glasiges Sputum
Intervalltagsüber in Ruhe weitgehend beschwerdefrei
Vegetative AnamneseAppetit und Gewicht unauffällig; Schlafstörung durch nächtlichen Husten; kein Fieber; Herzrasen nur während der Anfälle; kein Thoraxschmerz
Vorerkrankungenallergische Rhinitis (Pollinosis) seit der Jugend; atopische Dermatitis im Kindesalter; rezidivierende spastische Bronchitiden in der Kindheit
Medikamenteorales Kontrazeptivum; gelegentlich Antihistaminikum („Allergietablette“) im Frühjahr; bisher kein Inhalationsspray
AllergienGräserpollen, vermutlich Katzenhaare; keine Medikamentenallergie
NoxenNichtraucherin; Passivrauchexposition in der Wohnung (Partner); Alkohol gelegentlich am Wochenende (1 Glas Wein)
FamilienanamneseMutter mit Asthma bronchiale; Bruder mit Pollinosis
SozialanamneseFriseurin (Exposition gegenüber Haarsprays und Färbemitteln); lebt mit Partner

4. Beispiel-Arztbrief (schriftliche Dokumentation)

Im zweiten Prüfungsteil dokumentierst du den Fall schriftlich – je nach Kammer als Arztbrief oder Dokumentationsbogen. Grundlage ist das Anamnesegespräch; Untersuchungsbefunde liegen in diesem Übungsfall noch nicht vor. Anamnese im Präteritum bzw. Präsens, Angaben der Patientin wahlweise in indirekter Rede (Konjunktiv I). Mehr dazu: Arztbrief in der Fachsprachprüfung.

Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,

wir berichten über Frau Jana Hartmann, 27 Jahre, die sich heute in unserer Sprechstunde vorstellte.

Verdachtsdiagnose

Allergisches Asthma bronchiale

Differenzialdiagnosen

Anamnese

Die aktuelle Anamnese ergab, dass die anfallsartige Atemnot seit einigen Wochen bestehe. Die Patientin gab an, während der Anfälle trete ein pfeifendes Ausatmen auf, dazu ein Engegefühl im Brustkorb und trockener Reizhusten mit wenig glasigem Auswurf. Weiterhin berichtete sie, die Anfälle kämen reproduzierbar bei Anstrengung, bei Kälte und bei Kontakt mit Katzen. Sie gab an, mehrfach pro Woche nachts durch Husten zu erwachen, tagsüber jedoch beschwerdefrei zu sein. An Vorerkrankungen seien eine allergische Rhinitis (Pollinosis), eine atopische Dermatitis im Kindesalter und rezidivierende obstruktive Bronchitiden in der Kindheit bekannt. Die Familienanamnese sei positiv für Asthma und Atopie. Weiterhin erwähnte sie, zu Hause Passivrauch ausgesetzt zu sein und als Friseurin beruflich mit Reizstoffen umzugehen. Sie nehme ein orales Kontrazeptivum ein; regelmäßige Atemwegsmedikamente nehme sie nicht.

Geplante Diagnostik

Procedere

Wird in der Prüfung im Arzt-Arzt-Gespräch mündlich besprochen – auf dieser Übungsseite bewusst nicht aufgeführt.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

Checkliste: Das muss im Brief stehen

5. Patientenvorstellung beim Oberarzt

Im dritten Teil stellst du den Fall einer Kollegin oder einem Kollegen aus der Prüfungskommission vor – knapp, strukturiert und in Fachsprache. Danach folgen meist Rückfragen. Mehr dazu: Arzt-Arzt-Gespräch und Übergabe.

„Ich möchte Ihnen Frau Hartmann vorstellen, eine 27-jährige Patientin, die sich mit seit einigen Wochen anfallsartig auftretender Atemnot, exspiratorischem Giemen und Thoraxenge vorgestellt hat. Die Beschwerden treten typischerweise bei Anstrengung, Kälte und Katzenkontakt auf, dazu besteht eine nächtliche Hustensymptomatik. Bei ausgeprägter atopischer Eigen- und Familienanamnese lautet meine Verdachtsdiagnose ein allergisches Asthma bronchiale.“

Mögliche Rückfragen

Wie sichern Sie die Diagnose Asthma bronchiale?▾

Mit der Lungenfunktionsprüfung: In der Spirometrie zeigt sich eine obstruktive Ventilationsstörung mit erniedrigtem Tiffeneau-Index, die sich im Bronchospasmolysetest deutlich bessert, also reversibel ist. Ist die Spirometrie im beschwerdefreien Intervall unauffällig, hilft ein unspezifischer bronchialer Provokationstest. Ein erhöhtes FeNO und eine Eosinophilie sprechen für eine eosinophile Entzündung; Prick-Test und spezifisches IgE klären die auslösenden Allergene.

Wie grenzen Sie das Asthma klinisch von einer COPD ab?▾

Asthma beginnt meist in jüngerem Alter, oft mit atopischer Eigen- und Familienanamnese. Die Beschwerden treten anfallsartig auf, häufig nachts, mit beschwerdefreien Intervallen, und die Obstruktion ist weitgehend reversibel. Die COPD betrifft meist ältere Raucherinnen und Raucher, verläuft chronisch progredient mit Belastungsdyspnoe und Husten mit Auswurf, und die Obstruktion bildet sich nach Bronchospasmolyse nicht vollständig zurück.

6. Fachbegriffe: Laiensprache ↔ Fachsprache

Vom Gespräch in den Arztbrief

Die Patientin sagtIm Arztbrief
„die Brust wird eng“thorakales Engegefühl
„beim Ausatmen pfeift es richtig in der Brust“exspiratorisches Giemen
„nachts wache ich manchmal von Hustenanfällen auf“nächtliche Hustenattacken
„einen zähen, glasigen Schleim“zähes, glasiges Sputum
„ein trockener Reizhusten“unproduktiver Husten
„Heuschnupfen im Frühling“saisonale allergische Rhinitis (Pollinosis)
„als Kind hatte ich Neurodermitis“atopische Dermatitis im Kindesalter
„eine spastische Bronchitis“obstruktive Bronchitis

Vom Fachbegriff zur Erklärung für die Patientin

FachbegriffSo erklärst du es
Asthma bronchialeeine chronische Entzündung der Atemwege, die zu anfallsartiger Atemnot und Verengung der Bronchien führt
Giemenein pfeifendes Geräusch beim Ausatmen, das durch die verengten Atemwege entsteht
Spirometrieeine Lungenfunktionsmessung, bei der man kräftig in ein Gerät pustet, um zu prüfen, wie gut die Luft strömt

Verlinkte Begriffe stehen im Glossar Medizinische Fachbegriffe: Patientensprache → Fachsprache (mit Übersetzungen in 12 Sprachen).

FSP-Med: Fälle im Prüfungsablauf üben

Im FSP-Med-Modul der KLINIKFUCHS-App übst du Arzt-Patienten-Gespräche im FSP-Simulator, den Arztbrief und die Patientenvorstellung – mit Übersetzungshilfe in 13 Sprachen. Die App ist kostenlos: im Browser oder als iOS-App.

Übungsmaterial zum Sprachtraining, kein Ersatz für ärztliche Aus- und Weiterbildung und keine Behandlungsempfehlung. Prüfungsablauf und Anforderungen können je nach Ärztekammer und Bundesland variieren; verbindlich sind die Vorgaben der für dich zuständigen Kammer.

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