FSP-Übungsfall Halsschmerzen und Fieber: Angina tonsillaris
Eine 22-jährige Studentin stellt sich vor, weil sie seit zwei Tagen sehr starke Halsschmerzen hat, kaum noch schlucken kann und Fieber bekommen hat. Auf dieser Seite findest du den ganzen Fall in den drei Teilen der Fachsprachprüfung: das Anamnesegespräch als Musterablauf, den ausgefüllten Anamnesebogen, einen Beispiel-Arztbrief und die Patientenvorstellung – dazu die wichtigsten Fachbegriffe in Laien- und Fachsprache.
1. Patientenrolle: Steckbrief
Übst du mit einer Lernpartnerin oder einem Lernpartner, bekommt diese Person den Steckbrief und die Antworten aus Abschnitt 2. Sie erzählt zuerst nur den Einstiegssatz und gibt alles Weitere erst preis, wenn du passend nachfragst.
| Name | Frau Lena Hofmann |
| Alter | 22 Jahre |
| Ort | Sprechstunde |
| Leitsymptom | Starke Halsschmerzen mit Schluckbeschwerden und Fieber |
| Fachgebiet | Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde |
| Lebenssituation | Jurastudentin; lebt in einer Wohngemeinschaft |
| Schwierigkeit | leicht |
Einstiegssatz der Patientin:
„Seit vorgestern habe ich furchtbare Halsschmerzen. Das Schlucken tut so weh, dass ich kaum noch etwas essen oder trinken kann, und gestern Abend hatte ich hohes Fieber.“
2. Musterablauf der Anamnese
So kann das Arzt-Patienten-Gespräch in diesem Fall ablaufen – gegliedert nach dem üblichen Anamnese-Schema: aktuelle Beschwerden, vegetative Anamnese, Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien, Noxen, Familien- und Sozialanamnese. Mit der Patientin sprichst du Alltagssprache; Fachbegriffe kommen erst im Arztbrief. Mehr Fragen und Formulierungen: Anamnese auf Deutsch.
Begrüßung und Einstieg
Ärztin/ArztGuten Tag, Frau Hofmann. Mein Name ist Dr. Müller, ich bin heute für Sie zuständig. Alles, was wir besprechen, unterliegt der Schweigepflicht. Was führt Sie zu uns?
PatientinSeit vorgestern habe ich furchtbare Halsschmerzen. Das Schlucken tut so weh, dass ich kaum noch etwas essen oder trinken kann, und gestern Abend hatte ich hohes Fieber.
1. Aktuelle Beschwerden
Ärztin/ArztKönnen Sie mir die Halsschmerzen genauer beschreiben — wo sitzen sie und strahlen sie irgendwohin aus?
PatientinDer Schmerz sitzt tief im Rachen auf beiden Seiten und zieht beim Schlucken bis in die Ohren.
Ärztin/ArztWie hoch war das Fieber, und haben Sie es gemessen?
PatientinGestern Abend hatte ich 39,2 Grad gemessen. Dazu hatte ich Schüttelfrost und habe stark geschwitzt.
Ärztin/ArztHaben Sie Husten, Schnupfen oder Heiserkeit bemerkt?
PatientinNein, Husten und Schnupfen habe ich gar nicht. Die Stimme klingt nur etwas belegt.
Ärztin/ArztHaben Sie einen schlechten Geschmack im Mund oder Mundgeruch bemerkt?
PatientinJa, ich habe einen unangenehmen Geschmack im Mund und das Gefühl, dass mein Atem streng riecht.
Ärztin/ArztBekommen Sie gut Luft, oder haben Sie das Gefühl, dass der Hals zuschwillt?
PatientinLuft bekomme ich gut. Es fühlt sich nur eng und wund an, wenn ich schlucke.
2. Vegetative Anamnese
Ärztin/ArztWie sind Appetit, Schlaf und Ihr allgemeines Befinden?
PatientinDer Appetit ist weg, weil das Schlucken so weh tut. Ich fühle mich schlapp und müde und liege eigentlich nur im Bett.
Ärztin/ArztKonnten Sie ausreichend trinken, oder fällt Ihnen auch das schwer?
PatientinTrinken fällt mir auch schwer, aber ein bisschen Tee bekomme ich in kleinen Schlucken herunter.
3. Vorerkrankungen
Ärztin/ArztSind bei Ihnen Vorerkrankungen bekannt, und hatten Sie früher schon häufig Halsentzündungen?
PatientinIch bin eigentlich gesund. Als Kind hatte ich öfter Mandelentzündungen, in den letzten Jahren aber kaum noch.
Ärztin/ArztWurden Ihnen die Mandeln schon einmal entfernt?
PatientinNein, meine Mandeln sind noch da.
4. Medikamente
Ärztin/ArztNehmen Sie regelmäßig Medikamente, zum Beispiel die Pille, und haben Sie schon etwas gegen die Beschwerden genommen?
PatientinIch nehme die Antibabypille. Gegen die Schmerzen und das Fieber habe ich gestern Paracetamol genommen, das hat kurz geholfen.
5. Allergien
Ärztin/ArztSind bei Ihnen Allergien oder Unverträglichkeiten bekannt, besonders gegen Antibiotika?
PatientinJa, auf Penicillin habe ich als Kind einmal einen Ausschlag bekommen, das hat mir meine Mutter erzählt.
6. Noxen
Ärztin/ArztRauchen Sie, und wie ist es mit Alkohol?
PatientinIch rauche gelegentlich auf Partys, sonst nicht. Alkohol trinke ich nur selten.
7. Familien- und Sozialanamnese
Ärztin/ArztGibt es in Ihrem Umfeld jemanden mit ähnlichen Beschwerden?
PatientinJa, meine Mitbewohnerin hatte letzte Woche auch Halsschmerzen und Fieber.
Ärztin/ArztWas machen Sie beruflich, und wie wohnen Sie?
PatientinIch studiere Jura und wohne in einer Wohngemeinschaft mit zwei anderen Studentinnen.
Wenn die Patientin selbst fragt
PatientinFrau Doktor, ist das ansteckend? Ich wohne ja mit anderen zusammen.
Ärztin/ArztJa, eine solche Mandelentzündung kann durch Tröpfchen beim Husten oder Sprechen übertragen werden. Wie Sie Ihre Mitbewohnerinnen am besten schützen, bespreche ich gleich nach der Untersuchung mit Ihnen.
Ehrlich bleiben, nichts versprechen und auf die Untersuchung und das anschließende Gespräch verweisen.
Zusammenfassung und Abschluss
Ärztin/ArztVielen Dank. Ich fasse kurz zusammen, was ich verstanden habe – bitte korrigieren Sie mich, wenn etwas nicht stimmt.
Ärztin/ArztGibt es noch etwas, das Sie mir sagen möchten, oder haben Sie Fragen an mich?
Ärztin/ArztAls Nächstes würde ich Sie gern körperlich untersuchen. Sind Sie damit einverstanden?
3. Ausgefüllter Anamnesebogen
So können deine Notizen am Ende des Gesprächs aussehen: Stichpunkte, schon in Fachsprache und mit üblichen Abkürzungen (J. = Jahre, Z. n. = Zustand nach, py = Packungsjahre, re./li. = rechts/links). Auf dieser Grundlage schreibst du danach den Arztbrief.
Anamnesebogen · Übungsfall 7
| Patientin | Frau Lena Hofmann, 22 J. |
|---|---|
| Vorstellungsgrund | starke Halsschmerzen mit Odynophagie und Fieber seit 2 Tagen |
| Lokalisation / Ausstrahlung | tief im Rachen beidseits; beim Schlucken Ausstrahlung in beide Ohren |
| Fieber | 39,2 °C (gestern Abend), Schüttelfrost, starkes Schwitzen |
| Begleitsymptome | Foetor ex ore, unangenehmer Geschmack; Stimme belegt; kein Husten, keine Rhinorrhoe; keine Dyspnoe |
| Vegetative Anamnese | Inappetenz, Abgeschlagenheit; Trinken erschwert (kleine Schlucke möglich) |
| Vorerkrankungen | rezidivierende Tonsillitiden in der Kindheit; Tonsillen in situ |
| Medikamente | orales Kontrazeptivum; gestern Paracetamol (Selbstmedikation), kurz wirksam |
| Allergien | Penicillin (Exanthem in der Kindheit, Angabe der Mutter) |
| Noxen | Nikotin gelegentlich; Alkohol selten |
| Umfeld / Kontakte | Mitbewohnerin vergangene Woche mit Halsschmerzen und Fieber |
| Sozialanamnese | Jurastudentin; lebt in einer Wohngemeinschaft |
4. Beispiel-Arztbrief (schriftliche Dokumentation)
Im zweiten Prüfungsteil dokumentierst du den Fall schriftlich – je nach Kammer als Arztbrief oder Dokumentationsbogen. Grundlage ist das Anamnesegespräch; Untersuchungsbefunde liegen in diesem Übungsfall noch nicht vor. Anamnese im Präteritum bzw. Präsens, Angaben der Patientin wahlweise in indirekter Rede (Konjunktiv I). Mehr dazu: Arztbrief in der Fachsprachprüfung.
Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,
wir berichten über Frau Lena Hofmann, 22 Jahre, die sich heute in unserer Sprechstunde vorstellte.
Verdachtsdiagnose
Akute Angina tonsillaris, am ehesten Streptokokken-Tonsillitis (Streptococcus pyogenes)
Differenzialdiagnosen
- Infektiöse Mononukleose (Epstein-Barr-Virus)
- Virale Pharyngitis
- Peritonsillarabszess
- Seitenstrangangina oder Diphtherie (selten)
Anamnese
Frau Hofmann, 22 Jahre, stellte sich mit seit zwei Tagen bestehenden, ausgeprägten beidseitigen Halsschmerzen mit schmerzhafter Odynophagie und Otalgie beim Schlucken vor. Begleitend bestehen hohes Fieber bis 39,2 Grad Celsius mit Schüttelfrost, ein deutliches Krankheitsgefühl sowie Foetor ex ore. Husten, Rhinorrhoe und Heiserkeit wurden verneint, die Atmung ist unbeeinträchtigt. Anamnestisch besteht ein Kontakt zu einer erkrankten Mitbewohnerin. In der Kindheit rezidivierende Tonsillitiden ohne Tonsillektomie. Als Dauermedikation wird ein orales Kontrazeptivum eingenommen. Es besteht eine anamnestische Penicillinallergie (Exanthem in der Kindheit).
Geplante Diagnostik
- Inspektion des Rachens (gerötete, geschwollene Tonsillen mit Stippchen/Belägen) und Palpation der Halslymphknoten
- Erhebung des Centor- bzw. McIsaac-Scores
- Streptokokken-A-Schnelltest, bei Bedarf Rachenabstrich mit Kultur
- Bei Verdacht auf Mononukleose: Blutbild mit Differenzialblutbild und EBV-Serologie
- Laborkontrolle (CRP, Blutbild) bei schwerem Verlauf
Procedere
Wird in der Prüfung im Arzt-Arzt-Gespräch mündlich besprochen – auf dieser Übungsseite bewusst nicht aufgeführt.
Mit freundlichen kollegialen Grüßen
Checkliste: Das muss im Brief stehen
- Leitsymptom mit Odynophagie und Otalgie
- Dauer der Beschwerden
- Fieberhöhe mit Schüttelfrost
- Fehlen von Husten/Schnupfen (Centor-Kriterien)
- Foetor ex ore
- Infektkontakt / Sozialanamnese
- Dauermedikation (orales Kontrazeptivum)
- Allergien (Penicillinallergie)
5. Patientenvorstellung beim Oberarzt
Im dritten Teil stellst du den Fall einer Kollegin oder einem Kollegen aus der Prüfungskommission vor – knapp, strukturiert und in Fachsprache. Danach folgen meist Rückfragen. Mehr dazu: Arzt-Arzt-Gespräch und Übergabe.
„Ich möchte Ihnen Frau Hofmann vorstellen, eine 22-jährige Patientin, die sich mit seit zwei Tagen bestehenden, starken beidseitigen Halsschmerzen mit schmerzhaftem Schlucken und in die Ohren ausstrahlenden Schmerzen vorgestellt hat. Sie hat hohes Fieber bis 39,2 Grad mit Schüttelfrost und ein deutliches Krankheitsgefühl, jedoch keinen Husten und keinen Schnupfen. Bei einem Infektkontakt und passendem Befund lautet meine Verdachtsdiagnose eine akute Angina tonsillaris, am ehesten bakterieller Genese durch A-Streptokokken.“
Mögliche Rückfragen
Wie unterscheiden Sie klinisch eine bakterielle von einer viralen Tonsillitis?▾
Ich verwende den Centor- oder McIsaac-Score. Für eine bakterielle Genese sprechen Fieber über 38 Grad, fehlender Husten, druckschmerzhafte vordere Halslymphknoten und Tonsillenbeläge. Bei niedrigem Score ist eine virale Ursache wahrscheinlicher.
Welche Komplikationen der Streptokokken-Angina müssen Sie im Blick behalten?▾
Lokal einen Peritonsillarabszess, außerdem als Folgeerkrankungen ein rheumatisches Fieber und eine Poststreptokokken-Glomerulonephritis.
6. Fachbegriffe: Laiensprache ↔ Fachsprache
Vom Gespräch in den Arztbrief
| Die Patientin sagt | Im Arztbrief |
|---|---|
| „das Schlucken tut so weh“ | Odynophagie |
| „es zieht beim Schlucken bis in die Ohren“ | Otalgie |
| „mein Atem riecht streng“ | Foetor ex ore |
| „Mandelentzündungen als Kind“ | rezidivierende Tonsillitiden |
| „die Antibabypille“ | orales Kontrazeptivum |
| „auf Penicillin einmal einen Ausschlag“ | anamnestische Penicillinallergie (Exanthem) |
Vom Fachbegriff zur Erklärung für die Patientin
| Fachbegriff | So erklärst du es |
|---|---|
| Tonsillitis | eine Entzündung der Gaumenmandeln, umgangssprachlich Mandelentzündung |
| Odynophagie | Schmerzen beim Schlucken |
| Foetor ex ore | schlechter Geruch aus dem Mund, Mundgeruch |
| Peritonsillarabszess | eine Eiteransammlung neben der Mandel, die sich als Komplikation einer Mandelentzündung bilden kann |
Verlinkte Begriffe stehen im Glossar Medizinische Fachbegriffe: Patientensprache → Fachsprache (mit Übersetzungen in 12 Sprachen).
FSP-Med: Fälle im Prüfungsablauf üben
Im FSP-Med-Modul der KLINIKFUCHS-App übst du Arzt-Patienten-Gespräche im FSP-Simulator, den Arztbrief und die Patientenvorstellung – mit Übersetzungshilfe in 13 Sprachen. Die App ist kostenlos: im Browser oder als iOS-App.
Übungsmaterial zum Sprachtraining, kein Ersatz für ärztliche Aus- und Weiterbildung und keine Behandlungsempfehlung. Prüfungsablauf und Anforderungen können je nach Ärztekammer und Bundesland variieren; verbindlich sind die Vorgaben der für dich zuständigen Kammer.