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FSP-Übungsfall Herzrasen und Gewichtsverlust: Hyperthyreose (Morbus Basedow)

Von Dr. Pascal Bafteh · Stand 22.10.2026 · Fall 17 von 30

Eine 34-jährige Patientin stellt sich vor, weil sie seit einigen Wochen Herzrasen, innere Unruhe, vermehrtes Schwitzen und einen ungewollten Gewichtsverlust bemerkt hat. Auf dieser Seite findest du den ganzen Fall in den drei Teilen der Fachsprachprüfung: das Anamnesegespräch als Musterablauf, den ausgefüllten Anamnesebogen, einen Beispiel-Arztbrief und die Patientenvorstellung – dazu die wichtigsten Fachbegriffe in Laien- und Fachsprache.

Übungsfall im Stil der Fachsprachprüfung – kein Prüfungsprotokoll. Der Fall stammt aus dem Fallbestand des FSP-Med-Moduls der KLINIKFUCHS-App und dient dem Sprachtraining. Er gibt keine Original-Prüfungsaufgabe einer Ärztekammer wieder; Ablauf und Bewertung legt die zuständige Kammer fest. Behandlungsangaben enthält diese Seite bewusst nicht.

📚 Das Krankheitsbild zum Nachlesen (Definition, Klinik, Diagnostik): Hyperthyreose

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1. Patientenrolle: Steckbrief

Übst du mit einer Lernpartnerin oder einem Lernpartner, bekommt diese Person den Steckbrief und die Antworten aus Abschnitt 2. Sie erzählt zuerst nur den Einstiegssatz und gibt alles Weitere erst preis, wenn du passend nachfragst.

NameFrau Julia Sandner
Alter34 Jahre
OrtSprechstunde
LeitsymptomHerzrasen, Gewichtsverlust und innere Unruhe
FachgebietEndokrinologie
LebenssituationGrundschullehrerin; lebt mit Partner; derzeit beruflich belastet
Schwierigkeitmittel

Einstiegssatz der Patientin:

„Seit ein paar Wochen habe ich immer wieder Herzrasen, bin innerlich unruhig und schwitze stark. Dabei habe ich abgenommen, obwohl ich eigentlich mehr esse als sonst.“

2. Musterablauf der Anamnese

So kann das Arzt-Patienten-Gespräch in diesem Fall ablaufen – gegliedert nach dem üblichen Anamnese-Schema: aktuelle Beschwerden, vegetative Anamnese, Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien, Noxen, Familien- und Sozialanamnese. Mit der Patientin sprichst du Alltagssprache; Fachbegriffe kommen erst im Arztbrief. Mehr Fragen und Formulierungen: Anamnese auf Deutsch.

Begrüßung und Einstieg

Ärztin/ArztGuten Tag, Frau Sandner. Mein Name ist Dr. Müller, ich bin heute für Sie zuständig. Alles, was wir besprechen, unterliegt der Schweigepflicht. Was führt Sie zu uns?

PatientinSeit ein paar Wochen habe ich immer wieder Herzrasen, bin innerlich unruhig und schwitze stark. Dabei habe ich abgenommen, obwohl ich eigentlich mehr esse als sonst.

1. Aktuelle Beschwerden

Ärztin/ArztKönnen Sie mir das Herzrasen genauer beschreiben?

PatientinEs kommt mehrmals am Tag, auch in Ruhe. Das Herz klopft dann schnell und ich spüre es bis zum Hals. Manchmal habe ich das Gefühl, es stolpert.

Ärztin/ArztSeit wann bestehen die Beschwerden und wie haben sie sich entwickelt?

PatientinSeit etwa sechs Wochen, und es ist eher mehr geworden. Am Anfang dachte ich, es sei nur Stress.

Ärztin/ArztWie viel Gewicht haben Sie abgenommen, und in welcher Zeit?

PatientinEtwa vier Kilo in sechs Wochen, obwohl ich mehr Hunger habe und normal esse.

Ärztin/ArztSind Ihnen weitere Beschwerden aufgefallen?

PatientinJa, meine Hände zittern, ich schwitze schnell und mir ist oft zu warm. Der Stuhlgang ist häufiger geworden und ich schlafe schlecht.

2. Vegetative Anamnese

Ärztin/ArztWie ist es mit Appetit und Schlaf?

PatientinAppetit habe ich mehr als früher, aber ich schlafe schlecht ein und wache nachts oft auf.

Ärztin/ArztWie ist Ihre Regelblutung, und könnten Sie schwanger sein?

PatientinDie Blutung ist schwächer und unregelmäßiger geworden. Schwanger bin ich nicht, das habe ich getestet.

3. Vorerkrankungen

Ärztin/ArztSind bei Ihnen Vorerkrankungen bekannt, besonders an der Schilddrüse?

PatientinAn der Schilddrüse nicht, aber in letzter Zeit sind meine Augen gereizt und tränen, und mir kommt vor, dass sie etwas hervorstehen.

Ärztin/ArztWurden Sie schon einmal an der Schilddrüse behandelt?

PatientinNein, nie.

4. Medikamente

Ärztin/ArztNehmen Sie regelmäßig Medikamente ein?

PatientinNein, ich nehme nur die Antibabypille, sonst nichts.

5. Allergien

Ärztin/ArztSind bei Ihnen Allergien oder Unverträglichkeiten bekannt?

PatientinNein, mir ist nichts bekannt.

6. Noxen

Ärztin/ArztRauchen Sie, und wie ist es mit Alkohol und Kaffee?

PatientinJa, ich rauche etwa zehn Zigaretten am Tag. Kaffee trinke ich drei bis vier Tassen, Alkohol selten.

7. Familien- und Sozialanamnese

Ärztin/ArztGibt es in Ihrer Familie Schilddrüsenerkrankungen?

PatientinMeine Tante hat eine Schilddrüsenüberfunktion, und meine Mutter hat Rheuma.

Ärztin/ArztWas machen Sie beruflich und wie ist Ihre Lebenssituation?

PatientinIch bin Grundschullehrerin, lebe mit meinem Partner zusammen. Zurzeit ist es beruflich stressig.

Wenn die Patientin selbst fragt

PatientinFrau Doktor, ist das Herzrasen gefährlich für mein Herz?

Ärztin/ArztIch verstehe Ihre Sorge gut. Herzrasen kann verschiedene Ursachen haben, zum Beispiel eine Überfunktion der Schilddrüse. Deshalb schreiben wir jetzt ein EKG und nehmen Blut ab. Sobald die Ergebnisse vorliegen, besprechen wir sie gemeinsam.

Ehrlich bleiben, nichts versprechen und auf die Untersuchung und das anschließende Gespräch verweisen.

Zusammenfassung und Abschluss

Ärztin/ArztVielen Dank. Ich fasse kurz zusammen, was ich verstanden habe – bitte korrigieren Sie mich, wenn etwas nicht stimmt.

Ärztin/ArztGibt es noch etwas, das Sie mir sagen möchten, oder haben Sie Fragen an mich?

Ärztin/ArztAls Nächstes würde ich Sie gern körperlich untersuchen. Sind Sie damit einverstanden?

3. Ausgefüllter Anamnesebogen

So können deine Notizen am Ende des Gesprächs aussehen: Stichpunkte, schon in Fachsprache und mit üblichen Abkürzungen (J. = Jahre, Z. n. = Zustand nach, py = Packungsjahre, re./li. = rechts/links). Auf dieser Grundlage schreibst du danach den Arztbrief.

Anamnesebogen · Übungsfall 17

PatientinFrau Julia Sandner, 34 J.
VorstellungsgrundPalpitationen, innere Unruhe, vermehrtes Schwitzen und ungewollter Gewichtsverlust seit ca. 6 Wochen
Palpitationenmehrmals täglich, auch in Ruhe; bis zum Hals spürbar; gelegentlich Gefühl des Herzstolperns
Verlaufprogredient; anfangs als Stress gedeutet
Gewicht / Appetitca. −4 kg in 6 Wochen bei gesteigertem Appetit
BegleitsymptomeTremor der Hände, Wärmeintoleranz, vermehrtes Schwitzen, gesteigerte Stuhlfrequenz, Ein- und Durchschlafstörungen
Augenseit Kurzem gereizte, tränende Augen; subjektiv leichtes Hervortreten
Gynäkologische AnamneseMenstruation schwächer und unregelmäßiger; Schwangerschaft per Test ausgeschlossen
Vorerkrankungenkeine Schilddrüsenerkrankung bekannt, nie an der Schilddrüse behandelt
Medikamenteorales Kontrazeptivum
Allergienkeine bekannt
NoxenNikotin ca. 10 Zig./d; Kaffee 3–4 Tassen/d; Alkohol selten
FamilienanamneseTante mit Hyperthyreose; Mutter mit rheumatischer Erkrankung
SozialanamneseGrundschullehrerin; lebt mit Partner; derzeit beruflich belastet

4. Beispiel-Arztbrief (schriftliche Dokumentation)

Im zweiten Prüfungsteil dokumentierst du den Fall schriftlich – je nach Kammer als Arztbrief oder Dokumentationsbogen. Grundlage ist das Anamnesegespräch; Untersuchungsbefunde liegen in diesem Übungsfall noch nicht vor. Anamnese im Präteritum bzw. Präsens, Angaben der Patientin wahlweise in indirekter Rede (Konjunktiv I). Mehr dazu: Arztbrief in der Fachsprachprüfung.

Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,

wir berichten über Frau Julia Sandner, 34 Jahre, die sich heute in unserer Sprechstunde vorstellte.

Verdachtsdiagnose

Hyperthyreose, am ehesten Morbus Basedow (bei Verdacht auf endokrine Orbitopathie)

Differenzialdiagnosen

Anamnese

Die aktuelle Anamnese ergab, dass Palpitationen in Ruhe seit etwa sechs Wochen bestünden und zugenommen hätten. Die Patientin gab an, zusätzlich unter innerer Unruhe, Wärmeintoleranz und vermehrtem Schwitzen zu leiden. Weiterhin berichtete sie über einen ungewollten Gewichtsverlust von rund vier Kilogramm bei gesteigertem Appetit, ein feines Zittern der Hände, häufigeren Stuhlgang sowie Ein- und Durchschlafstörungen. Die Monatsblutung sei schwächer und unregelmäßig; eine Schwangerschaft wurde ausgeschlossen. Seit Kurzem seien ihre Augen gereizt, träten hervor und tränten. An Dauermedikation nehme sie ein orales Kontrazeptivum ein. Sie rauche etwa zehn Zigaretten täglich. In der Familienanamnese seien eine Schilddrüsenüberfunktion und eine rheumatische Erkrankung bekannt. Allergien seien nicht bekannt.

Geplante Diagnostik

Procedere

Wird in der Prüfung im Arzt-Arzt-Gespräch mündlich besprochen – auf dieser Übungsseite bewusst nicht aufgeführt.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

Checkliste: Das muss im Brief stehen

5. Patientenvorstellung beim Oberarzt

Im dritten Teil stellst du den Fall einer Kollegin oder einem Kollegen aus der Prüfungskommission vor – knapp, strukturiert und in Fachsprache. Danach folgen meist Rückfragen. Mehr dazu: Arzt-Arzt-Gespräch und Übergabe.

„Ich möchte Ihnen Frau Sandner vorstellen, eine 34-jährige Patientin, die sich mit seit sechs Wochen progredientem Herzrasen in Ruhe, innerer Unruhe, Gewichtsverlust trotz gesteigertem Appetit, Tremor und Wärmeintoleranz vorgestellt hat. Zusätzlich bestehen neu aufgetretene Augenbeschwerden mit leichter Protrusion. Bei positiver Familienanamnese lautet meine Verdachtsdiagnose eine Hyperthyreose, am ehesten im Rahmen eines Morbus Basedow.“

Mögliche Rückfragen

Was spricht bei dieser Patientin für einen Morbus Basedow und gegen eine Schilddrüsenautonomie?▾

Für den Morbus Basedow sprechen das jüngere Alter, das weibliche Geschlecht und vor allem die Augenbeteiligung im Sinne einer endokrinen Orbitopathie; klassisch ist die Merseburger Trias aus Struma, Exophthalmus und Tachykardie. Gesichert wird er durch positive TSH-Rezeptor-Antikörper (TRAK) und sonographisch eine diffus echoarme, vermehrt durchblutete Schilddrüse. Die Autonomie betrifft eher ältere Menschen mit Knotenstruma und zeigt in der Szintigraphie heiße Knoten; eine Orbitopathie gehört nicht dazu.

Welche Laborkonstellation erwarten Sie?▾

Ein supprimiertes TSH mit erhöhtem freien T4 und/oder freien T3; das entspricht einer manifesten primären Hyperthyreose. Ist nur das TSH erniedrigt und sind die peripheren Hormone normal, spricht man von einer latenten Hyperthyreose. Beim Morbus Basedow sind die TRAK positiv.

6. Fachbegriffe: Laiensprache ↔ Fachsprache

Vom Gespräch in den Arztbrief

Die Patientin sagtIm Arztbrief
„das Herz klopft dann schnell und ich spüre es bis zum Hals“Palpitationen, Tachykardie
„innerlich unruhig“innere Unruhe
„meine Hände zittern“Tremor
„mir ist oft zu warm“Wärmeintoleranz
„ich schwitze schnell“Hyperhidrose
„der Stuhlgang ist häufiger geworden“erhöhte Stuhlfrequenz
„dass sie etwas hervorstehen“Protrusio bulbi (Exophthalmus)
„Schilddrüsenüberfunktion“Hyperthyreose

Vom Fachbegriff zur Erklärung für die Patientin

FachbegriffSo erklärst du es
Hyperthyreoseeine Überfunktion der Schilddrüse, bei der zu viel Schilddrüsenhormon gebildet wird
Morbus Basedoweine Autoimmunerkrankung, bei der das Abwehrsystem die Schilddrüse zu einer Überproduktion anregt, oft mit Beteiligung der Augen
endokrine Orbitopathieeine Mitbeteiligung der Augen bei der Schilddrüsenüberfunktion, bei der die Augen hervortreten und gereizt sein können

Verlinkte Begriffe stehen im Glossar Medizinische Fachbegriffe: Patientensprache → Fachsprache (mit Übersetzungen in 12 Sprachen).

FSP-Med: Fälle im Prüfungsablauf üben

Im FSP-Med-Modul der KLINIKFUCHS-App übst du Arzt-Patienten-Gespräche im FSP-Simulator, den Arztbrief und die Patientenvorstellung – mit Übersetzungshilfe in 13 Sprachen. Die App ist kostenlos: im Browser oder als iOS-App.

Übungsmaterial zum Sprachtraining, kein Ersatz für ärztliche Aus- und Weiterbildung und keine Behandlungsempfehlung. Prüfungsablauf und Anforderungen können je nach Ärztekammer und Bundesland variieren; verbindlich sind die Vorgaben der für dich zuständigen Kammer.

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