FSP-Übungsfall Müdigkeit und Frieren: Hypothyreose (Hashimoto)
Eine 47-jährige Patientin stellt sich vor, weil sie sich seit einigen Monaten zunehmend müde und antriebslos fühlt, ständig friert und an Gewicht zugenommen hat. Auf dieser Seite findest du den ganzen Fall in den drei Teilen der Fachsprachprüfung: das Anamnesegespräch als Musterablauf, den ausgefüllten Anamnesebogen, einen Beispiel-Arztbrief und die Patientenvorstellung – dazu die wichtigsten Fachbegriffe in Laien- und Fachsprache.
📚 Das Krankheitsbild zum Nachlesen (Definition, Klinik, Diagnostik): Hypothyreose
1. Patientenrolle: Steckbrief
Übst du mit einer Lernpartnerin oder einem Lernpartner, bekommt diese Person den Steckbrief und die Antworten aus Abschnitt 2. Sie erzählt zuerst nur den Einstiegssatz und gibt alles Weitere erst preis, wenn du passend nachfragst.
| Name | Frau Petra Sommer |
| Alter | 47 Jahre |
| Ort | Sprechstunde |
| Leitsymptom | Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit und Gewichtszunahme |
| Fachgebiet | Endokrinologie |
| Lebenssituation | Buchhalterin; verheiratet, 2 erwachsene Kinder |
| Schwierigkeit | leicht |
Einstiegssatz der Patientin:
„Seit ein paar Monaten bin ich ständig müde und schlapp, ich friere dauernd und habe zugenommen, obwohl ich nicht mehr esse als früher.“
2. Musterablauf der Anamnese
So kann das Arzt-Patienten-Gespräch in diesem Fall ablaufen – gegliedert nach dem üblichen Anamnese-Schema: aktuelle Beschwerden, vegetative Anamnese, Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien, Noxen, Familien- und Sozialanamnese. Mit der Patientin sprichst du Alltagssprache; Fachbegriffe kommen erst im Arztbrief. Mehr Fragen und Formulierungen: Anamnese auf Deutsch.
Begrüßung und Einstieg
Ärztin/ArztGuten Tag, Frau Sommer. Mein Name ist Dr. Müller, ich bin heute für Sie zuständig. Alles, was wir besprechen, unterliegt der Schweigepflicht. Was führt Sie zu uns?
PatientinSeit ein paar Monaten bin ich ständig müde und schlapp, ich friere dauernd und habe zugenommen, obwohl ich nicht mehr esse als früher.
1. Aktuelle Beschwerden
Ärztin/ArztKönnen Sie mir Ihre Müdigkeit genauer beschreiben?
PatientinSeit etwa vier bis fünf Monaten. Ich bin morgens schon wie erschlagen und komme kaum durch den Tag, obwohl ich genug schlafe.
Ärztin/ArztFrieren Sie mehr als früher?
PatientinJa, mir ist ständig kalt, selbst wenn andere finden, dass es warm ist. Ich sitze oft mit einer Decke da.
Ärztin/ArztWie hat sich Ihr Gewicht entwickelt und wie ist es mit dem Stuhlgang?
PatientinIch habe in den letzten Monaten etwa fünf Kilo zugenommen und habe oft Verstopfung, obwohl sich beim Essen nichts geändert hat.
Ärztin/ArztSind Ihnen weitere Veränderungen aufgefallen?
PatientinMeine Haut ist trocken geworden und die Haare fallen mehr aus. Ich bin auch niedergeschlagen und kann mich schlechter konzentrieren.
2. Vegetative Anamnese
Ärztin/ArztWie ist es mit Appetit und Schlaf?
PatientinDer Appetit ist eher weniger geworden, geschlafen habe ich viel, aber es erholt mich nicht.
Ärztin/ArztWie ist Ihre Regelblutung?
PatientinDie Blutung ist in letzter Zeit stärker und unregelmäßiger geworden.
3. Vorerkrankungen
Ärztin/ArztSind bei Ihnen Vorerkrankungen bekannt, besonders an der Schilddrüse?
PatientinAn der Schilddrüse nichts. Aber ich habe seit einigen Jahren eine Weißfleckenkrankheit der Haut, die Vitiligo.
Ärztin/ArztWurden Sie schon einmal an der Schilddrüse operiert oder am Hals bestrahlt?
PatientinNein, nie.
4. Medikamente
Ärztin/ArztNehmen Sie regelmäßig Medikamente ein?
PatientinNein, eigentlich nur ab und zu ein Schmerzmittel bei Kopfschmerzen.
5. Allergien
Ärztin/ArztSind bei Ihnen Allergien oder Unverträglichkeiten bekannt?
PatientinNein, keine.
6. Noxen
Ärztin/ArztRauchen Sie oder trinken Sie Alkohol?
PatientinIch rauche nicht und trinke höchstens mal ein Glas Sekt zu besonderen Anlässen.
7. Familien- und Sozialanamnese
Ärztin/ArztGibt es in Ihrer Familie Schilddrüsenerkrankungen?
PatientinMeine Mutter und meine Schwester nehmen beide Schilddrüsentabletten, warum genau weiß ich nicht.
Ärztin/ArztWas machen Sie beruflich und wie ist Ihre Lebenssituation?
PatientinIch arbeite als Buchhalterin, bin verheiratet und habe zwei erwachsene Kinder.
Wenn die Patientin selbst fragt
PatientinFrau Doktor, kommt die Müdigkeit vielleicht nur von den Wechseljahren oder von Stress?
Ärztin/ArztDas ist eine berechtigte Frage, denn beides kann ähnliche Beschwerden machen. Ihre Kombination aus Frieren, Gewichtszunahme, trockener Haut und Verstopfung kann aber auch von der Schilddrüse kommen. Das klären wir mit einer Blutuntersuchung, und danach besprechen wir die Ergebnisse gemeinsam.
Ehrlich bleiben, nichts versprechen und auf die Untersuchung und das anschließende Gespräch verweisen.
Zusammenfassung und Abschluss
Ärztin/ArztVielen Dank. Ich fasse kurz zusammen, was ich verstanden habe – bitte korrigieren Sie mich, wenn etwas nicht stimmt.
Ärztin/ArztGibt es noch etwas, das Sie mir sagen möchten, oder haben Sie Fragen an mich?
Ärztin/ArztAls Nächstes würde ich Sie gern körperlich untersuchen. Sind Sie damit einverstanden?
3. Ausgefüllter Anamnesebogen
So können deine Notizen am Ende des Gesprächs aussehen: Stichpunkte, schon in Fachsprache und mit üblichen Abkürzungen (J. = Jahre, Z. n. = Zustand nach, py = Packungsjahre, re./li. = rechts/links). Auf dieser Grundlage schreibst du danach den Arztbrief.
Anamnesebogen · Übungsfall 18
| Patientin | Frau Petra Sommer, 47 J. |
|---|---|
| Vorstellungsgrund | progrediente Müdigkeit, Kälteintoleranz und Gewichtszunahme seit ca. 4–5 Monaten |
| Müdigkeit / Antrieb | morgens bereits erschöpft trotz ausreichendem Schlaf; Antriebslosigkeit |
| Kälteintoleranz | ständiges Frieren, auch bei Wärme |
| Gewicht / Stuhlgang | ca. +5 kg bei unveränderter Ernährung; Obstipation |
| Haut / Haare | trockene Haut, vermehrter Haarausfall |
| Psyche / Kognition | gedrückte Stimmung, Konzentrationsstörungen |
| Vegetative Anamnese | Appetit eher vermindert; vermehrtes, nicht erholsames Schlafbedürfnis |
| Gynäkologische Anamnese | Menstruation zuletzt stärker und unregelmäßiger |
| Vorerkrankungen | Vitiligo seit einigen Jahren; keine Schilddrüsenerkrankung bekannt; keine Halsoperation, keine Bestrahlung |
| Medikamente | keine Dauermedikation; gelegentlich Analgetikum bei Kopfschmerzen |
| Allergien | keine |
| Noxen | Nichtraucherin; Alkohol selten (Sekt zu besonderen Anlässen) |
| Familienanamnese | Mutter und Schwester nehmen Schilddrüsenhormon-Tabletten (Grund unbekannt) |
| Sozialanamnese | Buchhalterin; verheiratet, 2 erwachsene Kinder |
4. Beispiel-Arztbrief (schriftliche Dokumentation)
Im zweiten Prüfungsteil dokumentierst du den Fall schriftlich – je nach Kammer als Arztbrief oder Dokumentationsbogen. Grundlage ist das Anamnesegespräch; Untersuchungsbefunde liegen in diesem Übungsfall noch nicht vor. Anamnese im Präteritum bzw. Präsens, Angaben der Patientin wahlweise in indirekter Rede (Konjunktiv I). Mehr dazu: Arztbrief in der Fachsprachprüfung.
Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,
wir berichten über Frau Petra Sommer, 47 Jahre, die sich heute in unserer Sprechstunde vorstellte.
Verdachtsdiagnose
Primäre Hypothyreose, am ehesten bei Hashimoto-Thyreoiditis
Differenzialdiagnosen
- Depression
- Anämie
- Nebenniereninsuffizienz
- Klimakterische Beschwerden / Perimenopause
Anamnese
Die aktuelle Anamnese ergab, dass Müdigkeit und Antriebslosigkeit seit etwa vier bis fünf Monaten bestünden und zugenommen hätten. Die Patientin gab an, ständig zu frieren, bei unveränderter Ernährung rund fünf Kilogramm zugenommen zu haben und unter Obstipation zu leiden. Weiterhin berichtete sie über trockene Haut, vermehrten Haarausfall sowie eine gedrückte Stimmung mit Konzentrationsstörungen. Die Monatsblutung sei verstärkt und unregelmäßig. An Vorerkrankungen sei eine Vitiligo bekannt; in der Familienanamnese seien Schilddrüsenerkrankungen bei Mutter und Schwester bekannt. Angaben zu Voroperationen oder Bestrahlungen am Hals, zu einer Dauermedikation, zu Allergien und zu einem Nikotinkonsum wurden verneint.
Geplante Diagnostik
- Labor: TSH als Suchtest, bei Auffälligkeit freies T4 (und ggf. freies T3)
- Schilddrüsen-Autoantikörper (TPO-Antikörper, ggf. Thyreoglobulin-Antikörper) zur Klärung einer Autoimmunthyreoiditis
- Sonographie der Schilddrüse (echoarmes, inhomogenes Muster bei Hashimoto)
- Blutbild und ggf. weitere Werte zum Ausschluss von Differenzialdiagnosen (z. B. Ferritin, Elektrolyte)
- Klinische Untersuchung inklusive Palpation der Schilddrüse und Reflexstatus
Procedere
Wird in der Prüfung im Arzt-Arzt-Gespräch mündlich besprochen – auf dieser Übungsseite bewusst nicht aufgeführt.
Mit freundlichen kollegialen Grüßen
Checkliste: Das muss im Brief stehen
- Leitsymptome (Müdigkeit, Kälteintoleranz, Gewichtszunahme)
- Dauer und Verlauf (progredient über Monate)
- Begleitsymptome (Obstipation, trockene Haut, Haarausfall, depressive Stimmung)
- Zyklusveränderungen (Hypermenorrhoe)
- Eigenanamnese Autoimmunität (Vitiligo)
- positive Familienanamnese für Schilddrüsenerkrankungen
- keine Halsoperation/Bestrahlung, keine Dauermedikation
- keine Allergien, kein Nikotin
5. Patientenvorstellung beim Oberarzt
Im dritten Teil stellst du den Fall einer Kollegin oder einem Kollegen aus der Prüfungskommission vor – knapp, strukturiert und in Fachsprache. Danach folgen meist Rückfragen. Mehr dazu: Arzt-Arzt-Gespräch und Übergabe.
„Ich möchte Ihnen Frau Sommer vorstellen, eine 47-jährige Patientin, die sich mit seit einigen Monaten progredienter Müdigkeit, Kälteintoleranz und Gewichtszunahme vorgestellt hat. Zusätzlich bestehen Obstipation, trockene Haut, Haarausfall und eine gedrückte Stimmung. Bei bekannter Vitiligo und positiver Familienanamnese lautet meine Verdachtsdiagnose eine Hypothyreose, am ehesten im Rahmen einer Autoimmunthyreoiditis vom Typ Hashimoto.“
Mögliche Rückfragen
Welche Laborkonstellation erwarten Sie, und wie sichern Sie die Ursache?▾
Ein erhöhtes TSH mit erniedrigtem freien T4 spricht für eine manifeste primäre Hypothyreose; bei erhöhtem TSH und normalem fT4 liegt eine latente Hypothyreose vor. Für eine Hashimoto-Thyreoiditis sprechen erhöhte TPO-Antikörper und sonographisch eine echoarme, inhomogene Schilddrüse.
Warum ist die Vitiligo hier ein wichtiger Hinweis?▾
Die Vitiligo ist eine Autoimmunerkrankung, und Autoimmunerkrankungen treten gehäuft gemeinsam auf, zum Beispiel im Rahmen eines autoimmunen polyglandulären Syndroms. Zusammen mit der familiären Belastung macht das eine Autoimmunthyreoiditis wahrscheinlicher. Ich denke deshalb auch an assoziierte Erkrankungen wie eine Nebenniereninsuffizienz, einen Typ-1-Diabetes oder eine perniziöse Anämie.
6. Fachbegriffe: Laiensprache ↔ Fachsprache
Vom Gespräch in den Arztbrief
| Die Patientin sagt | Im Arztbrief |
|---|---|
| „ständig müde und schlapp“ | Fatigue, Antriebslosigkeit |
| „mir ist ständig kalt“ | Kälteintoleranz |
| „etwa fünf Kilo zugenommen“ | Gewichtszunahme |
| „oft Verstopfung“ | Obstipation |
| „meine Haut ist trocken geworden“ | trockene Haut (Xerosis cutis) |
| „die Haare fallen mehr aus“ | vermehrter Haarausfall (Effluvium) |
| „die Blutung ist in letzter Zeit stärker und unregelmäßiger geworden“ | Hypermenorrhoe und Zyklusunregelmäßigkeit |
| „eine Weißfleckenkrankheit der Haut“ | Vitiligo |
Vom Fachbegriff zur Erklärung für die Patientin
| Fachbegriff | So erklärst du es |
|---|---|
| Hypothyreose | eine Unterfunktion der Schilddrüse, bei der zu wenig Schilddrüsenhormon gebildet wird |
| TSH | ein Steuerungshormon aus der Hirnanhangsdrüse, das der Schilddrüse sagt, wie viel sie arbeiten soll — ein wichtiger Blutwert zur Beurteilung der Schilddrüse |
| Hashimoto-Thyreoiditis | eine Entzündung der Schilddrüse, bei der das eigene Abwehrsystem die Schilddrüse angreift und sie mit der Zeit schwächer wird |
Verlinkte Begriffe stehen im Glossar Medizinische Fachbegriffe: Patientensprache → Fachsprache (mit Übersetzungen in 12 Sprachen).
FSP-Med: Fälle im Prüfungsablauf üben
Im FSP-Med-Modul der KLINIKFUCHS-App übst du Arzt-Patienten-Gespräche im FSP-Simulator, den Arztbrief und die Patientenvorstellung – mit Übersetzungshilfe in 13 Sprachen. Die App ist kostenlos: im Browser oder als iOS-App.
Übungsmaterial zum Sprachtraining, kein Ersatz für ärztliche Aus- und Weiterbildung und keine Behandlungsempfehlung. Prüfungsablauf und Anforderungen können je nach Ärztekammer und Bundesland variieren; verbindlich sind die Vorgaben der für dich zuständigen Kammer.