FSP-Übungsfall Schmerzen im linken Unterbauch: Akute Divertikulitis
Eine 63-jährige Patientin stellt sich vor, weil sie seit drei Tagen zunehmende Schmerzen im linken Unterbauch, Fieber und Veränderungen beim Stuhlgang hat. Auf dieser Seite findest du den ganzen Fall in den drei Teilen der Fachsprachprüfung: das Anamnesegespräch als Musterablauf, den ausgefüllten Anamnesebogen, einen Beispiel-Arztbrief und die Patientenvorstellung – dazu die wichtigsten Fachbegriffe in Laien- und Fachsprache.
📚 Das Krankheitsbild zum Nachlesen (Definition, Klinik, Diagnostik): Divertikulitis
1. Patientenrolle: Steckbrief
Übst du mit einer Lernpartnerin oder einem Lernpartner, bekommt diese Person den Steckbrief und die Antworten aus Abschnitt 2. Sie erzählt zuerst nur den Einstiegssatz und gibt alles Weitere erst preis, wenn du passend nachfragst.
| Name | Frau Margit Lindner |
| Alter | 63 Jahre |
| Ort | Notaufnahme |
| Leitsymptom | Schmerzen im linken Unterbauch mit Fieber |
| Fachgebiet | Gastroenterologie / Viszeralchirurgie |
| Lebenssituation | Rentnerin, lebt allein; ballaststoffarme Ernährung (wenig Gemüse und Vollkorn), wenig Bewegung |
| Schwierigkeit | mittel |
Einstiegssatz der Patientin:
„Seit drei Tagen habe ich Schmerzen im linken Unterbauch, die immer stärker werden. Dazu habe ich mich fiebrig gefühlt und der Stuhlgang ist ganz durcheinander.“
2. Musterablauf der Anamnese
So kann das Arzt-Patienten-Gespräch in diesem Fall ablaufen – gegliedert nach dem üblichen Anamnese-Schema: aktuelle Beschwerden, vegetative Anamnese, Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien, Noxen, Familien- und Sozialanamnese. Mit der Patientin sprichst du Alltagssprache; Fachbegriffe kommen erst im Arztbrief. Mehr Fragen und Formulierungen: Anamnese auf Deutsch.
Begrüßung und Einstieg
Ärztin/ArztGuten Tag, Frau Lindner. Mein Name ist Dr. Müller, ich bin heute für Sie zuständig. Alles, was wir besprechen, unterliegt der Schweigepflicht. Was führt Sie zu uns?
PatientinSeit drei Tagen habe ich Schmerzen im linken Unterbauch, die immer stärker werden. Dazu habe ich mich fiebrig gefühlt und der Stuhlgang ist ganz durcheinander.
1. Aktuelle Beschwerden
Ärztin/ArztWo genau sitzen die Schmerzen, und wie fühlen sie sich an?
PatientinTief links unten im Bauch, ein anhaltender, drückender Schmerz. Manchmal krampft es auch, und beim Draufdrücken tut es deutlich weh.
Ärztin/ArztSeit wann bestehen die Beschwerden und wie haben sie sich entwickelt?
PatientinSeit etwa drei Tagen. Am Anfang war es nur ein Ziehen, jetzt ist es ein richtiger Dauerschmerz geworden.
Ärztin/ArztHaben Sie Fieber oder Schüttelfrost bemerkt?
PatientinJa, gestern Abend hatte ich 38,7 Grad und habe auch etwas gefröstelt.
Ärztin/ArztWie ist es mit dem Stuhlgang — hat sich da etwas verändert?
PatientinIch habe abwechselnd Verstopfung und dann wieder Durchfall. Blut habe ich keines gesehen.
2. Vegetative Anamnese
Ärztin/ArztWie ist es mit Appetit, Übelkeit oder Erbrechen?
PatientinDer Appetit ist schlecht, mir ist auch ein bisschen übel, aber erbrochen habe ich nicht.
Ärztin/ArztHaben Sie Beschwerden beim Wasserlassen bemerkt?
PatientinNein, beim Wasserlassen ist alles normal.
3. Vorerkrankungen
Ärztin/ArztSind bei Ihnen Vorerkrankungen bekannt?
PatientinIch habe hohen Blutdruck und seit Jahren immer wieder Probleme mit Verstopfung.
Ärztin/ArztHatten Sie solche Bauchschmerzen schon einmal?
PatientinVor zwei Jahren war ich schon einmal mit ähnlichen Schmerzen im Krankenhaus. Bei einer Darmspiegelung hat man damals Ausstülpungen im Dickdarm gefunden.
4. Medikamente
Ärztin/ArztWelche Medikamente nehmen Sie regelmäßig ein?
PatientinEin Blutdruckmittel, ich glaube Amlodipin, und bei Bedarf ein Abführmittel.
5. Allergien
Ärztin/ArztSind bei Ihnen Allergien oder Unverträglichkeiten bekannt?
PatientinGegen Penicillin bekomme ich einen Hautausschlag, das steht auch in meinem Allergiepass.
6. Noxen
Ärztin/ArztRauchen Sie oder trinken Sie regelmäßig Alkohol?
PatientinIch rauche nicht. Ein Glas Wein trinke ich vielleicht am Wochenende.
7. Familien- und Sozialanamnese
Ärztin/ArztGibt es in Ihrer Familie Darmerkrankungen?
PatientinMeine Mutter hatte im Alter Probleme mit dem Darm, Genaueres weiß ich aber nicht.
Ärztin/ArztWie ernähren Sie sich, und wie sieht Ihr Alltag aus?
PatientinIch esse eher wenig Gemüse und Vollkorn, viel Bewegung habe ich auch nicht. Ich bin Rentnerin und wohne allein.
Wenn die Patientin selbst fragt
PatientinFrau Doktor, ist das Darmkrebs? Meine Mutter hatte auch Darmprobleme.
Ärztin/ArztIch verstehe Ihre Sorge sehr gut. Ihre Beschwerden passen am ehesten zu einer Entzündung der Ausstülpungen in der Darmwand, die bei Ihnen schon bekannt sind. Um sicherzugehen, untersuchen wir Sie jetzt gründlich, und danach besprechen wir die Ergebnisse gemeinsam.
Ehrlich bleiben, nichts versprechen und auf die Untersuchung und das anschließende Gespräch verweisen.
Zusammenfassung und Abschluss
Ärztin/ArztVielen Dank. Ich fasse kurz zusammen, was ich verstanden habe – bitte korrigieren Sie mich, wenn etwas nicht stimmt.
Ärztin/ArztGibt es noch etwas, das Sie mir sagen möchten, oder haben Sie Fragen an mich?
Ärztin/ArztAls Nächstes würde ich Sie gern körperlich untersuchen. Sind Sie damit einverstanden?
3. Ausgefüllter Anamnesebogen
So können deine Notizen am Ende des Gesprächs aussehen: Stichpunkte, schon in Fachsprache und mit üblichen Abkürzungen (J. = Jahre, Z. n. = Zustand nach, py = Packungsjahre, re./li. = rechts/links). Auf dieser Grundlage schreibst du danach den Arztbrief.
Anamnesebogen · Übungsfall 14
| Patientin | Frau Margit Lindner, 63 J. |
|---|---|
| Vorstellungsgrund | zunehmende Schmerzen im li. Unterbauch seit 3 Tagen mit Fieber und Stuhlunregelmäßigkeiten |
| Lokalisation / Charakter | tief im li. Unterbauch; drückender Dauerschmerz, zeitweise krampfartig; Druckschmerz (anamnestisch) |
| Verlauf | initial Ziehen, progredient zum Dauerschmerz |
| Fieber | 38,7 °C (gestern Abend), Frösteln |
| Stuhlgang | Wechsel von Obstipation und Diarrhoe; kein Blutabgang |
| Vegetative Anamnese | Inappetenz, leichte Nausea, keine Emesis; Miktion unauffällig |
| Vorerkrankungen | arterielle Hypertonie; chronische Obstipation; vor 2 J. ähnliche Episode mit Krankenhausaufenthalt, koloskopisch Divertikulose |
| Medikamente | Amlodipin; Laxans bei Bedarf |
| Allergien | Penicillin (Exanthem, Allergiepass vorhanden) |
| Noxen | Nichtraucherin; Alkohol gelegentlich am Wochenende (1 Glas Wein) |
| Familienanamnese | Mutter mit nicht näher bekannter Darmerkrankung im Alter |
| Sozialanamnese | Rentnerin, lebt allein; ballaststoffarme Ernährung (wenig Gemüse und Vollkorn), wenig Bewegung |
4. Beispiel-Arztbrief (schriftliche Dokumentation)
Im zweiten Prüfungsteil dokumentierst du den Fall schriftlich – je nach Kammer als Arztbrief oder Dokumentationsbogen. Grundlage ist das Anamnesegespräch; Untersuchungsbefunde liegen in diesem Übungsfall noch nicht vor. Anamnese im Präteritum bzw. Präsens, Angaben der Patientin wahlweise in indirekter Rede (Konjunktiv I). Mehr dazu: Arztbrief in der Fachsprachprüfung.
Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,
wir berichten über Frau Margit Lindner, 63 Jahre, die sich heute in unserer Notaufnahme vorstellte.
Verdachtsdiagnose
Akute Divertikulitis (am ehesten Sigmadivertikulitis)
Differenzialdiagnosen
- Kolonkarzinom
- Chronisch-entzündliche Darmerkrankung (z. B. Colitis ulcerosa, Morbus Crohn)
- Infektiöse Kolitis / Gastroenteritis
- Gynäkologische Ursachen (z. B. Adnexitis, Ovarialzyste)
Anamnese
Die aktuelle Anamnese ergab, dass die Schmerzen im linken Unterbauch seit drei Tagen bestünden und zugenommen hätten. Die Patientin gab an, Temperaturen bis 38,7 Grad Celsius mit Frösteln zu haben, und berichtete über ein wechselndes Stuhlverhalten mit Obstipation und Diarrhö sowie über Appetitlosigkeit und leichte Übelkeit. Angaben zu Blutabgängen über den After und zu Beschwerden beim Wasserlassen wurden verneint. An Vorerkrankungen seien eine arterielle Hypertonie, eine chronische Obstipation sowie eine vor zwei Jahren koloskopisch gesicherte Divertikulose bekannt; damals habe sie vergleichbare Beschwerden gehabt. An Dauermedikation nehme sie Amlodipin ein, bei Bedarf zusätzlich ein Abführmittel. Es bestehe eine Penicillinallergie, die sich als Exanthem gezeigt habe. Ein Nikotinkonsum wurde verneint.
Geplante Diagnostik
- Körperliche Untersuchung mit Palpation des linken Unterbauchs, Prüfung auf Abwehrspannung und Loslassschmerz, rektale Untersuchung
- Labor: Blutbild mit Leukozyten, CRP, ggf. Prokalzitonin, Urinstatus
- Abdomensonographie
- CT des Abdomens mit Kontrastmittel zur Sicherung und Stadieneinteilung (Classification of Diverticular Disease, CDD), Frage nach Abszess oder Perforation
- Elektive Koloskopie nach Abklingen der akuten Entzündung zum Malignomausschluss
Procedere
Wird in der Prüfung im Arzt-Arzt-Gespräch mündlich besprochen – auf dieser Übungsseite bewusst nicht aufgeführt.
Mit freundlichen kollegialen Grüßen
Checkliste: Das muss im Brief stehen
- Leitsymptom mit Lokalisation (linker Unterbauch)
- Dauer und Verlauf (progredient über drei Tage)
- Fieber mit Temperaturangabe und Frösteln
- verändertes Stuhlverhalten (Obstipation/Diarrhö), kein Blutabgang
- bekannte Divertikulose / frühere vergleichbare Episode
- Dauermedikation
- Allergie (Penicillin)
- Ernährungs- und Lebensstilanamnese
5. Patientenvorstellung beim Oberarzt
Im dritten Teil stellst du den Fall einer Kollegin oder einem Kollegen aus der Prüfungskommission vor – knapp, strukturiert und in Fachsprache. Danach folgen meist Rückfragen. Mehr dazu: Arzt-Arzt-Gespräch und Übergabe.
„Ich möchte Ihnen Frau Lindner vorstellen, eine 63-jährige Patientin, die sich mit seit drei Tagen progredienten Schmerzen im linken Unterbauch vorgestellt hat. Begleitend bestehen Fieber bis 38,7 Grad mit Frösteln und ein wechselndes Stuhlverhalten. Bei anamnestisch bekannter Divertikulose lautet meine Verdachtsdiagnose eine akute Divertikulitis des Sigmas.“
Mögliche Rückfragen
Welche Komplikationen der Divertikelkrankheit kennen Sie, und woran erkennen Sie sie?▾
Bei der Divertikulitis die gedeckte oder freie Perforation mit Peritonitis, den peridivertikulären Abszess, Fisteln – zum Beispiel zur Blase mit Pneumaturie oder Fäkalurie – und Stenosen bis zum Ileus; Blutungen treten eher bei der Divertikulose auf. Klinisch achte ich auf Abwehrspannung, Loslassschmerz, eine tastbare Resistenz und Zeichen einer Sepsis. Gesichert werden die Komplikationen mit der Computertomographie.
Warum planen Sie nach Abklingen der Entzündung eine Koloskopie?▾
Ein Kolonkarzinom kann klinisch und in der Computertomographie eine Divertikulitis imitieren. Die Koloskopie dient deshalb dem Malignomausschluss. In der akuten Entzündungsphase wird sie wegen der Perforationsgefahr vermieden.
6. Fachbegriffe: Laiensprache ↔ Fachsprache
Vom Gespräch in den Arztbrief
| Die Patientin sagt | Im Arztbrief |
|---|---|
| „tief links unten im Bauch“ | linker Unterbauch |
| „ein anhaltender, drückender Schmerz“ | drückender Dauerschmerz |
| „abwechselnd Verstopfung und dann wieder Durchfall“ | Wechsel von Obstipation und Diarrhoe |
| „habe auch etwas gefröstelt“ | Frösteln |
| „Ausstülpungen im Dickdarm“ | Divertikulose |
| „gegen Penicillin bekomme ich einen Hautausschlag“ | Penicillinallergie (Exanthem) |
| „ein Abführmittel“ | Laxans |
Vom Fachbegriff zur Erklärung für die Patientin
| Fachbegriff | So erklärst du es |
|---|---|
| Divertikel | kleine Ausstülpungen der Darmwand nach außen, wie kleine Taschen |
| Divertikulitis | eine Entzündung dieser Ausstülpungen im Darm |
| Obstipation | Verstopfung, also seltener und erschwerter Stuhlgang |
| Koloskopie | eine Darmspiegelung, bei der der Dickdarm mit einer kleinen Kamera von innen angeschaut wird |
Verlinkte Begriffe stehen im Glossar Medizinische Fachbegriffe: Patientensprache → Fachsprache (mit Übersetzungen in 12 Sprachen).
FSP-Med: Fälle im Prüfungsablauf üben
Im FSP-Med-Modul der KLINIKFUCHS-App übst du Arzt-Patienten-Gespräche im FSP-Simulator, den Arztbrief und die Patientenvorstellung – mit Übersetzungshilfe in 13 Sprachen. Die App ist kostenlos: im Browser oder als iOS-App.
Übungsmaterial zum Sprachtraining, kein Ersatz für ärztliche Aus- und Weiterbildung und keine Behandlungsempfehlung. Prüfungsablauf und Anforderungen können je nach Ärztekammer und Bundesland variieren; verbindlich sind die Vorgaben der für dich zuständigen Kammer.