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FSP-Übungsfall Schmerzen im linken Unterbauch: Akute Divertikulitis

Von Dr. Pascal Bafteh · Stand 22.10.2026 · Fall 14 von 30

Eine 63-jährige Patientin stellt sich vor, weil sie seit drei Tagen zunehmende Schmerzen im linken Unterbauch, Fieber und Veränderungen beim Stuhlgang hat. Auf dieser Seite findest du den ganzen Fall in den drei Teilen der Fachsprachprüfung: das Anamnesegespräch als Musterablauf, den ausgefüllten Anamnesebogen, einen Beispiel-Arztbrief und die Patientenvorstellung – dazu die wichtigsten Fachbegriffe in Laien- und Fachsprache.

Übungsfall im Stil der Fachsprachprüfung – kein Prüfungsprotokoll. Der Fall stammt aus dem Fallbestand des FSP-Med-Moduls der KLINIKFUCHS-App und dient dem Sprachtraining. Er gibt keine Original-Prüfungsaufgabe einer Ärztekammer wieder; Ablauf und Bewertung legt die zuständige Kammer fest. Behandlungsangaben enthält diese Seite bewusst nicht.

📚 Das Krankheitsbild zum Nachlesen (Definition, Klinik, Diagnostik): Divertikulitis

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1. Patientenrolle: Steckbrief

Übst du mit einer Lernpartnerin oder einem Lernpartner, bekommt diese Person den Steckbrief und die Antworten aus Abschnitt 2. Sie erzählt zuerst nur den Einstiegssatz und gibt alles Weitere erst preis, wenn du passend nachfragst.

NameFrau Margit Lindner
Alter63 Jahre
OrtNotaufnahme
LeitsymptomSchmerzen im linken Unterbauch mit Fieber
FachgebietGastroenterologie / Viszeralchirurgie
LebenssituationRentnerin, lebt allein; ballaststoffarme Ernährung (wenig Gemüse und Vollkorn), wenig Bewegung
Schwierigkeitmittel

Einstiegssatz der Patientin:

„Seit drei Tagen habe ich Schmerzen im linken Unterbauch, die immer stärker werden. Dazu habe ich mich fiebrig gefühlt und der Stuhlgang ist ganz durcheinander.“

2. Musterablauf der Anamnese

So kann das Arzt-Patienten-Gespräch in diesem Fall ablaufen – gegliedert nach dem üblichen Anamnese-Schema: aktuelle Beschwerden, vegetative Anamnese, Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien, Noxen, Familien- und Sozialanamnese. Mit der Patientin sprichst du Alltagssprache; Fachbegriffe kommen erst im Arztbrief. Mehr Fragen und Formulierungen: Anamnese auf Deutsch.

Begrüßung und Einstieg

Ärztin/ArztGuten Tag, Frau Lindner. Mein Name ist Dr. Müller, ich bin heute für Sie zuständig. Alles, was wir besprechen, unterliegt der Schweigepflicht. Was führt Sie zu uns?

PatientinSeit drei Tagen habe ich Schmerzen im linken Unterbauch, die immer stärker werden. Dazu habe ich mich fiebrig gefühlt und der Stuhlgang ist ganz durcheinander.

1. Aktuelle Beschwerden

Ärztin/ArztWo genau sitzen die Schmerzen, und wie fühlen sie sich an?

PatientinTief links unten im Bauch, ein anhaltender, drückender Schmerz. Manchmal krampft es auch, und beim Draufdrücken tut es deutlich weh.

Ärztin/ArztSeit wann bestehen die Beschwerden und wie haben sie sich entwickelt?

PatientinSeit etwa drei Tagen. Am Anfang war es nur ein Ziehen, jetzt ist es ein richtiger Dauerschmerz geworden.

Ärztin/ArztHaben Sie Fieber oder Schüttelfrost bemerkt?

PatientinJa, gestern Abend hatte ich 38,7 Grad und habe auch etwas gefröstelt.

Ärztin/ArztWie ist es mit dem Stuhlgang — hat sich da etwas verändert?

PatientinIch habe abwechselnd Verstopfung und dann wieder Durchfall. Blut habe ich keines gesehen.

2. Vegetative Anamnese

Ärztin/ArztWie ist es mit Appetit, Übelkeit oder Erbrechen?

PatientinDer Appetit ist schlecht, mir ist auch ein bisschen übel, aber erbrochen habe ich nicht.

Ärztin/ArztHaben Sie Beschwerden beim Wasserlassen bemerkt?

PatientinNein, beim Wasserlassen ist alles normal.

3. Vorerkrankungen

Ärztin/ArztSind bei Ihnen Vorerkrankungen bekannt?

PatientinIch habe hohen Blutdruck und seit Jahren immer wieder Probleme mit Verstopfung.

Ärztin/ArztHatten Sie solche Bauchschmerzen schon einmal?

PatientinVor zwei Jahren war ich schon einmal mit ähnlichen Schmerzen im Krankenhaus. Bei einer Darmspiegelung hat man damals Ausstülpungen im Dickdarm gefunden.

4. Medikamente

Ärztin/ArztWelche Medikamente nehmen Sie regelmäßig ein?

PatientinEin Blutdruckmittel, ich glaube Amlodipin, und bei Bedarf ein Abführmittel.

5. Allergien

Ärztin/ArztSind bei Ihnen Allergien oder Unverträglichkeiten bekannt?

PatientinGegen Penicillin bekomme ich einen Hautausschlag, das steht auch in meinem Allergiepass.

6. Noxen

Ärztin/ArztRauchen Sie oder trinken Sie regelmäßig Alkohol?

PatientinIch rauche nicht. Ein Glas Wein trinke ich vielleicht am Wochenende.

7. Familien- und Sozialanamnese

Ärztin/ArztGibt es in Ihrer Familie Darmerkrankungen?

PatientinMeine Mutter hatte im Alter Probleme mit dem Darm, Genaueres weiß ich aber nicht.

Ärztin/ArztWie ernähren Sie sich, und wie sieht Ihr Alltag aus?

PatientinIch esse eher wenig Gemüse und Vollkorn, viel Bewegung habe ich auch nicht. Ich bin Rentnerin und wohne allein.

Wenn die Patientin selbst fragt

PatientinFrau Doktor, ist das Darmkrebs? Meine Mutter hatte auch Darmprobleme.

Ärztin/ArztIch verstehe Ihre Sorge sehr gut. Ihre Beschwerden passen am ehesten zu einer Entzündung der Ausstülpungen in der Darmwand, die bei Ihnen schon bekannt sind. Um sicherzugehen, untersuchen wir Sie jetzt gründlich, und danach besprechen wir die Ergebnisse gemeinsam.

Ehrlich bleiben, nichts versprechen und auf die Untersuchung und das anschließende Gespräch verweisen.

Zusammenfassung und Abschluss

Ärztin/ArztVielen Dank. Ich fasse kurz zusammen, was ich verstanden habe – bitte korrigieren Sie mich, wenn etwas nicht stimmt.

Ärztin/ArztGibt es noch etwas, das Sie mir sagen möchten, oder haben Sie Fragen an mich?

Ärztin/ArztAls Nächstes würde ich Sie gern körperlich untersuchen. Sind Sie damit einverstanden?

3. Ausgefüllter Anamnesebogen

So können deine Notizen am Ende des Gesprächs aussehen: Stichpunkte, schon in Fachsprache und mit üblichen Abkürzungen (J. = Jahre, Z. n. = Zustand nach, py = Packungsjahre, re./li. = rechts/links). Auf dieser Grundlage schreibst du danach den Arztbrief.

Anamnesebogen · Übungsfall 14

PatientinFrau Margit Lindner, 63 J.
Vorstellungsgrundzunehmende Schmerzen im li. Unterbauch seit 3 Tagen mit Fieber und Stuhlunregelmäßigkeiten
Lokalisation / Charaktertief im li. Unterbauch; drückender Dauerschmerz, zeitweise krampfartig; Druckschmerz (anamnestisch)
Verlaufinitial Ziehen, progredient zum Dauerschmerz
Fieber38,7 °C (gestern Abend), Frösteln
StuhlgangWechsel von Obstipation und Diarrhoe; kein Blutabgang
Vegetative AnamneseInappetenz, leichte Nausea, keine Emesis; Miktion unauffällig
Vorerkrankungenarterielle Hypertonie; chronische Obstipation; vor 2 J. ähnliche Episode mit Krankenhausaufenthalt, koloskopisch Divertikulose
MedikamenteAmlodipin; Laxans bei Bedarf
AllergienPenicillin (Exanthem, Allergiepass vorhanden)
NoxenNichtraucherin; Alkohol gelegentlich am Wochenende (1 Glas Wein)
FamilienanamneseMutter mit nicht näher bekannter Darmerkrankung im Alter
SozialanamneseRentnerin, lebt allein; ballaststoffarme Ernährung (wenig Gemüse und Vollkorn), wenig Bewegung

4. Beispiel-Arztbrief (schriftliche Dokumentation)

Im zweiten Prüfungsteil dokumentierst du den Fall schriftlich – je nach Kammer als Arztbrief oder Dokumentationsbogen. Grundlage ist das Anamnesegespräch; Untersuchungsbefunde liegen in diesem Übungsfall noch nicht vor. Anamnese im Präteritum bzw. Präsens, Angaben der Patientin wahlweise in indirekter Rede (Konjunktiv I). Mehr dazu: Arztbrief in der Fachsprachprüfung.

Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,

wir berichten über Frau Margit Lindner, 63 Jahre, die sich heute in unserer Notaufnahme vorstellte.

Verdachtsdiagnose

Akute Divertikulitis (am ehesten Sigmadivertikulitis)

Differenzialdiagnosen

Anamnese

Die aktuelle Anamnese ergab, dass die Schmerzen im linken Unterbauch seit drei Tagen bestünden und zugenommen hätten. Die Patientin gab an, Temperaturen bis 38,7 Grad Celsius mit Frösteln zu haben, und berichtete über ein wechselndes Stuhlverhalten mit Obstipation und Diarrhö sowie über Appetitlosigkeit und leichte Übelkeit. Angaben zu Blutabgängen über den After und zu Beschwerden beim Wasserlassen wurden verneint. An Vorerkrankungen seien eine arterielle Hypertonie, eine chronische Obstipation sowie eine vor zwei Jahren koloskopisch gesicherte Divertikulose bekannt; damals habe sie vergleichbare Beschwerden gehabt. An Dauermedikation nehme sie Amlodipin ein, bei Bedarf zusätzlich ein Abführmittel. Es bestehe eine Penicillinallergie, die sich als Exanthem gezeigt habe. Ein Nikotinkonsum wurde verneint.

Geplante Diagnostik

Procedere

Wird in der Prüfung im Arzt-Arzt-Gespräch mündlich besprochen – auf dieser Übungsseite bewusst nicht aufgeführt.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

Checkliste: Das muss im Brief stehen

5. Patientenvorstellung beim Oberarzt

Im dritten Teil stellst du den Fall einer Kollegin oder einem Kollegen aus der Prüfungskommission vor – knapp, strukturiert und in Fachsprache. Danach folgen meist Rückfragen. Mehr dazu: Arzt-Arzt-Gespräch und Übergabe.

„Ich möchte Ihnen Frau Lindner vorstellen, eine 63-jährige Patientin, die sich mit seit drei Tagen progredienten Schmerzen im linken Unterbauch vorgestellt hat. Begleitend bestehen Fieber bis 38,7 Grad mit Frösteln und ein wechselndes Stuhlverhalten. Bei anamnestisch bekannter Divertikulose lautet meine Verdachtsdiagnose eine akute Divertikulitis des Sigmas.“

Mögliche Rückfragen

Welche Komplikationen der Divertikelkrankheit kennen Sie, und woran erkennen Sie sie?▾

Bei der Divertikulitis die gedeckte oder freie Perforation mit Peritonitis, den peridivertikulären Abszess, Fisteln – zum Beispiel zur Blase mit Pneumaturie oder Fäkalurie – und Stenosen bis zum Ileus; Blutungen treten eher bei der Divertikulose auf. Klinisch achte ich auf Abwehrspannung, Loslassschmerz, eine tastbare Resistenz und Zeichen einer Sepsis. Gesichert werden die Komplikationen mit der Computertomographie.

Warum planen Sie nach Abklingen der Entzündung eine Koloskopie?▾

Ein Kolonkarzinom kann klinisch und in der Computertomographie eine Divertikulitis imitieren. Die Koloskopie dient deshalb dem Malignomausschluss. In der akuten Entzündungsphase wird sie wegen der Perforationsgefahr vermieden.

6. Fachbegriffe: Laiensprache ↔ Fachsprache

Vom Gespräch in den Arztbrief

Die Patientin sagtIm Arztbrief
„tief links unten im Bauch“linker Unterbauch
„ein anhaltender, drückender Schmerz“drückender Dauerschmerz
„abwechselnd Verstopfung und dann wieder Durchfall“Wechsel von Obstipation und Diarrhoe
„habe auch etwas gefröstelt“Frösteln
„Ausstülpungen im Dickdarm“Divertikulose
„gegen Penicillin bekomme ich einen Hautausschlag“Penicillinallergie (Exanthem)
„ein Abführmittel“Laxans

Vom Fachbegriff zur Erklärung für die Patientin

FachbegriffSo erklärst du es
Divertikelkleine Ausstülpungen der Darmwand nach außen, wie kleine Taschen
Divertikulitiseine Entzündung dieser Ausstülpungen im Darm
ObstipationVerstopfung, also seltener und erschwerter Stuhlgang
Koloskopieeine Darmspiegelung, bei der der Dickdarm mit einer kleinen Kamera von innen angeschaut wird

Verlinkte Begriffe stehen im Glossar Medizinische Fachbegriffe: Patientensprache → Fachsprache (mit Übersetzungen in 12 Sprachen).

FSP-Med: Fälle im Prüfungsablauf üben

Im FSP-Med-Modul der KLINIKFUCHS-App übst du Arzt-Patienten-Gespräche im FSP-Simulator, den Arztbrief und die Patientenvorstellung – mit Übersetzungshilfe in 13 Sprachen. Die App ist kostenlos: im Browser oder als iOS-App.

Übungsmaterial zum Sprachtraining, kein Ersatz für ärztliche Aus- und Weiterbildung und keine Behandlungsempfehlung. Prüfungsablauf und Anforderungen können je nach Ärztekammer und Bundesland variieren; verbindlich sind die Vorgaben der für dich zuständigen Kammer.

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