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FSP-Übungsfall Kolikartiger Flankenschmerz: Urolithiasis (Nierenkolik)

Von Dr. Pascal Bafteh · Stand 22.10.2026 · Fall 28 von 30

Ein 42-jähriger Patient kommt in die Notaufnahme, weil ihn seit heute Morgen plötzlich sehr starke, wellenartige Schmerzen in der linken Flanke quälen und ihm dabei übel ist. Auf dieser Seite findest du den ganzen Fall in den drei Teilen der Fachsprachprüfung: das Anamnesegespräch als Musterablauf, den ausgefüllten Anamnesebogen, einen Beispiel-Arztbrief und die Patientenvorstellung – dazu die wichtigsten Fachbegriffe in Laien- und Fachsprache.

Übungsfall im Stil der Fachsprachprüfung – kein Prüfungsprotokoll. Der Fall stammt aus dem Fallbestand des FSP-Med-Moduls der KLINIKFUCHS-App und dient dem Sprachtraining. Er gibt keine Original-Prüfungsaufgabe einer Ärztekammer wieder; Ablauf und Bewertung legt die zuständige Kammer fest. Behandlungsangaben enthält diese Seite bewusst nicht.

📚 Das Krankheitsbild zum Nachlesen (Definition, Klinik, Diagnostik): Urolithiasis (Nierenkolik)

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1. Patientenrolle: Steckbrief

Übst du mit einer Lernpartnerin oder einem Lernpartner, bekommt diese Person den Steckbrief und die Antworten aus Abschnitt 2. Sie erzählt zuerst nur den Einstiegssatz und gibt alles Weitere erst preis, wenn du passend nachfragst.

NameHerr Sebastian Vollmer
Alter42 Jahre
OrtNotaufnahme
LeitsymptomAkute kolikartige Flankenschmerzen
FachgebietUrologie
LebenssituationBäcker (Hitze am Ofen, starkes Schwitzen)
Schwierigkeitmittel

Einstiegssatz des Patienten:

„Seit heute früh habe ich furchtbare Schmerzen in der linken Seite, die in Wellen kommen. Ich finde keine Position, in der es besser wird, und mir ist richtig übel geworden.“

2. Musterablauf der Anamnese

So kann das Arzt-Patienten-Gespräch in diesem Fall ablaufen – gegliedert nach dem üblichen Anamnese-Schema: aktuelle Beschwerden, vegetative Anamnese, Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien, Noxen, Familien- und Sozialanamnese. Mit dem Patienten sprichst du Alltagssprache; Fachbegriffe kommen erst im Arztbrief. Mehr Fragen und Formulierungen: Anamnese auf Deutsch.

Begrüßung und Einstieg

Ärztin/ArztGuten Tag, Herr Vollmer. Mein Name ist Dr. Müller, ich bin heute für Sie zuständig. Alles, was wir besprechen, unterliegt der Schweigepflicht. Was führt Sie zu uns?

PatientSeit heute früh habe ich furchtbare Schmerzen in der linken Seite, die in Wellen kommen. Ich finde keine Position, in der es besser wird, und mir ist richtig übel geworden.

1. Aktuelle Beschwerden

Ärztin/ArztKönnen Sie mir den Schmerz genauer beschreiben — wo genau sitzt er und wie fühlt er sich an?

PatientEr sitzt in der linken Flanke, unterhalb der Rippen, und zieht nach vorne unten Richtung Leiste. Es ist ein krampfartiges, wellenförmiges An- und Abschwellen.

Ärztin/ArztWann und wie hat der Schmerz begonnen — plötzlich oder allmählich?

PatientGanz plötzlich, heute früh gegen sechs Uhr, aus dem Nichts. Innerhalb von Minuten war er kaum auszuhalten.

Ärztin/ArztGibt es eine Körperhaltung, in der der Schmerz besser oder schlimmer wird?

PatientNein, das ist ja das Schlimme. Ich laufe herum, ich krümme mich, aber nichts hilft wirklich.

Ärztin/ArztWie stark ist der Schmerz auf einer Skala von null bis zehn?

PatientIn den schlimmsten Momenten eine glatte Neun. Zwischendurch lässt er etwas nach, aber dann kommt die nächste Welle.

Ärztin/ArztHaben Sie Beschwerden beim Wasserlassen?

PatientJetzt, wo Sie es sagen — der Urin sah vorhin etwas rötlich aus, und ich muss ständig auf die Toilette, obwohl kaum etwas kommt.

2. Vegetative Anamnese

Ärztin/ArztIst Ihnen übel, oder haben Sie erbrochen?

PatientÜbel ist mir die ganze Zeit, und einmal habe ich mich auch übergeben.

Ärztin/ArztHaben Sie Fieber oder Schüttelfrost bemerkt?

PatientFieber habe ich nicht gemessen, aber ich glaube nicht. Schüttelfrost hatte ich keinen.

Ärztin/ArztWie ist es mit Appetit, Stuhlgang und Trinkmenge in letzter Zeit?

PatientDer Appetit ist wegen der Übelkeit weg. Stuhlgang ist normal. Ehrlich gesagt trinke ich generell eher wenig, bei der Arbeit vergesse ich das oft.

3. Vorerkrankungen

Ärztin/ArztSind bei Ihnen Vorerkrankungen bekannt, und hatten Sie so etwas schon einmal?

PatientVor drei Jahren hatte ich schon einmal einen Nierenstein, links, der ist damals von allein abgegangen. Sonst bin ich gesund.

Ärztin/ArztIst bei Ihnen jemals eine Gicht oder ein erhöhter Harnsäurewert festgestellt worden?

PatientErhöhte Harnsäure hat mein Hausarzt mal erwähnt, behandelt wurde das aber nie.

4. Medikamente

Ärztin/ArztNehmen Sie regelmäßig Medikamente ein?

PatientRegelmäßig nichts. Nur heute habe ich zwei Ibuprofen genommen, die hatten wir zu Hause, aber geholfen haben sie kaum.

5. Allergien

Ärztin/ArztSind bei Ihnen Allergien oder Unverträglichkeiten bekannt?

PatientNein, mir ist keine Allergie bekannt. Ein Kontrastmittel hatte ich, glaube ich, noch nie.

6. Noxen

Ärztin/ArztRauchen Sie, und wie sieht es mit Alkohol aus?

PatientIch rauche nicht. Alkohol trinke ich am Wochenende mal ein, zwei Bier.

Ärztin/ArztWie ernähren Sie sich?

PatientEhrlich gesagt esse ich viel Fleisch und Wurst, und ich salze gern kräftig nach. Gemüse eher selten.

7. Familien- und Sozialanamnese

Ärztin/ArztGibt es in Ihrer Familie Nierensteine oder Nierenerkrankungen?

PatientJa, mein Vater hatte immer wieder Nierensteine, das kenne ich von ihm.

Ärztin/ArztWas machen Sie beruflich?

PatientIch bin Bäcker, arbeite also viel in der Hitze am Ofen und schwitze entsprechend viel.

Wenn der Patient selbst fragt

PatientHerr Doktor, muss der Stein jetzt operiert werden, oder geht der auch so wieder weg?

Ärztin/ArztDas kann ich Ihnen jetzt noch nicht sagen. Ob ein Stein vorliegt, wie groß er ist und wo er sitzt, klären wir zuerst mit der Urinuntersuchung, einem Ultraschall und gegebenenfalls einer weiteren Bildgebung. Danach besprechen wir die Ergebnisse gemeinsam und in Ruhe.

Ehrlich bleiben, nichts versprechen und auf die Untersuchung und das anschließende Gespräch verweisen.

Zusammenfassung und Abschluss

Ärztin/ArztVielen Dank. Ich fasse kurz zusammen, was ich verstanden habe – bitte korrigieren Sie mich, wenn etwas nicht stimmt.

Ärztin/ArztGibt es noch etwas, das Sie mir sagen möchten, oder haben Sie Fragen an mich?

Ärztin/ArztAls Nächstes würde ich Sie gern körperlich untersuchen. Sind Sie damit einverstanden?

3. Ausgefüllter Anamnesebogen

So können deine Notizen am Ende des Gesprächs aussehen: Stichpunkte, schon in Fachsprache und mit üblichen Abkürzungen (J. = Jahre, Z. n. = Zustand nach, py = Packungsjahre, re./li. = rechts/links). Auf dieser Grundlage schreibst du danach den Arztbrief.

Anamnesebogen · Übungsfall 28

PatientHerr Sebastian Vollmer, 42 J.
Vorstellungsgrundakute kolikartige Flankenschmerzen li. seit heute früh mit Nausea
Lokalisation / Ausstrahlungli. Flanke unterhalb des Rippenbogens; Ausstrahlung nach ventral-kaudal in die Leiste
Beginnschlagartig heute gegen 6 Uhr, innerhalb von Minuten maximal
Charakter / Intensitätkrampfartig, wellenförmig an- und abschwellend; NRS bis 9/10; keine schmerzlindernde Position, Bewegungsdrang
MiktionUrin rötlich verfärbt; Pollakisurie mit kleinen Mengen
BegleitsymptomeNausea, 1× Emesis; kein Schüttelfrost; Fieber nicht gemessen, subjektiv keins
Vegetative AnamneseInappetenz; Stuhlgang unauffällig; geringe Trinkmenge
VorerkrankungenZ. n. Nierenstein li. vor 3 J. mit Spontanabgang; Hyperurikämie (bisher unbehandelt)
Medikamentekeine Dauermedikation; heute 2× Ibuprofen (Selbstmedikation), kaum wirksam
Allergienkeine bekannt; bisher wohl keine Kontrastmittelgabe
NoxenNichtraucher; Alkohol am Wochenende (1–2 Bier)
Ernährungfleisch- und wurstreich, kräftig gesalzen, wenig Gemüse
FamilienanamneseVater mit rezidivierenden Nierensteinen
SozialanamneseBäcker (Hitze am Ofen, starkes Schwitzen)

4. Beispiel-Arztbrief (schriftliche Dokumentation)

Im zweiten Prüfungsteil dokumentierst du den Fall schriftlich – je nach Kammer als Arztbrief oder Dokumentationsbogen. Grundlage ist das Anamnesegespräch; Untersuchungsbefunde liegen in diesem Übungsfall noch nicht vor. Anamnese im Präteritum bzw. Präsens, Angaben des Patienten wahlweise in indirekter Rede (Konjunktiv I). Mehr dazu: Arztbrief in der Fachsprachprüfung.

Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,

wir berichten über Herrn Sebastian Vollmer, 42 Jahre, der sich heute in unserer Notaufnahme vorstellte.

Verdachtsdiagnose

Linksseitige Urolithiasis mit Nierenkolik (V. a. Uretersteinabgang)

Differenzialdiagnosen

Anamnese

Der Patient stellte sich notfallmäßig vor. Die aktuelle Anamnese ergab, dass die kolikartigen Flankenschmerzen links seit den frühen Morgenstunden akut bestünden und nach vorn unten in die Leiste ausstrahlten. Er gab die Schmerzstärke mit bis zu neun von zehn an und berichtete, die Schmerzen ließen sich durch keine Haltung lindern; er verspüre einen ausgeprägten Bewegungsdrang. Begleitend klagte er über Übelkeit mit einmaligem Erbrechen und gab an, der Urin sei blutig und er müsse häufig Wasser lassen. An Vorerkrankungen sei ein Nierenstein links vor drei Jahren bekannt, der von selbst abgegangen sei, ferner eine bislang unbehandelte Erhöhung der Harnsäure. Weiterhin gab er an, wenig zu trinken, sich purin- und salzreich zu ernähren und als Bäcker beruflich viel zu schwitzen; in der Familienanamnese seien Nierensteine bekannt. Am Vorstellungstag habe er zweimal Ibuprofen eingenommen, ohne wesentliche Besserung. Allergien seien nicht bekannt.

Geplante Diagnostik

Procedere

Wird in der Prüfung im Arzt-Arzt-Gespräch mündlich besprochen – auf dieser Übungsseite bewusst nicht aufgeführt.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

Checkliste: Das muss im Brief stehen

5. Patientenvorstellung beim Oberarzt

Im dritten Teil stellst du den Fall einer Kollegin oder einem Kollegen aus der Prüfungskommission vor – knapp, strukturiert und in Fachsprache. Danach folgen meist Rückfragen. Mehr dazu: Arzt-Arzt-Gespräch und Übergabe.

„Ich möchte Ihnen Herrn Vollmer vorstellen, einen 42-jährigen Patienten, der sich notfallmäßig mit seit heute Morgen akut aufgetretenen, kolikartigen linksseitigen Flankenschmerzen mit Ausstrahlung in die Leiste vorgestellt hat. Begleitend bestehen Übelkeit mit Erbrechen, eine Makrohämaturie und eine Pollakisurie; Fieber wird verneint. Bei Zustand nach Urolithiasis, positiver Familienanamnese und Hyperurikämie lautet meine Verdachtsdiagnose eine erneute linksseitige Urolithiasis mit Nierenkolik.“

Mögliche Rückfragen

Welche Differenzialdiagnose dürfen Sie bei linksseitigen Flankenschmerzen nicht übersehen?▾

Vor allem ein symptomatisches oder rupturiertes Bauchaortenaneurysma, besonders bei älteren Patienten mit Gefäßrisikofaktoren – es kann eine Nierenkolik imitieren. Außerdem denke ich an eine Pyelonephritis, eine Divertikulitis, beim Mann an eine Hodentorsion oder Epididymitis sowie an eine Mesenterialischämie.

Welche Warnzeichen machen eine Nierenkolik zum Notfall?▾

Vor allem die Kombination aus Harnstau und Infektzeichen, also Fieber oder Schüttelfrost bei Obstruktion – die infizierte Harnstauungsniere kann rasch in eine Urosepsis übergehen. Weitere Warnzeichen sind eine Anurie, eine funktionelle oder anatomische Einzelniere, eine Verschlechterung der Nierenfunktion und nicht beherrschbare Schmerzen.

6. Fachbegriffe: Laiensprache ↔ Fachsprache

Vom Gespräch in den Arztbrief

Der Patient sagtIm Arztbrief
„Schmerzen in der linken Seite, die in Wellen kommen“kolikartiger Flankenschmerz links
„zieht nach vorne unten Richtung Leiste“Ausstrahlung in die Leiste
„ich finde keine Position, in der es besser wird“Bewegungsdrang, keine Schonhaltung
„der Urin sah vorhin etwas rötlich aus“Makrohämaturie
„ich muss ständig auf die Toilette, obwohl kaum etwas kommt“Pollakisurie
„einen Nierenstein, links, der ist damals von allein abgegangen“Z. n. Urolithiasis mit Spontanabgang
„erhöhte Harnsäure“Hyperurikämie

Vom Fachbegriff zur Erklärung für den Patienten

FachbegriffSo erklärst du es
UrolithiasisHarnsteinleiden, also die Bildung von Steinen in Niere oder Harnwegen
Makrohämaturiemit bloßem Auge sichtbares Blut im Urin, der Urin ist rötlich verfärbt
Kolikkrampfartiger, in Wellen kommender und wieder abklingender Schmerz

Verlinkte Begriffe stehen im Glossar Medizinische Fachbegriffe: Patientensprache → Fachsprache (mit Übersetzungen in 12 Sprachen).

FSP-Med: Fälle im Prüfungsablauf üben

Im FSP-Med-Modul der KLINIKFUCHS-App übst du Arzt-Patienten-Gespräche im FSP-Simulator, den Arztbrief und die Patientenvorstellung – mit Übersetzungshilfe in 13 Sprachen. Die App ist kostenlos: im Browser oder als iOS-App.

Übungsmaterial zum Sprachtraining, kein Ersatz für ärztliche Aus- und Weiterbildung und keine Behandlungsempfehlung. Prüfungsablauf und Anforderungen können je nach Ärztekammer und Bundesland variieren; verbindlich sind die Vorgaben der für dich zuständigen Kammer.

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