DE

FSP-Übungsfall Atemnot und dicke Beine: Herzinsuffizienz

Von Dr. Pascal Bafteh · Stand 22.10.2026 · Fall 16 von 30

Eine 74-jährige Patientin stellt sich vor, weil sie seit einigen Wochen zunehmend schlechter Luft bekommt, schon beim Treppensteigen außer Atem ist und abends dicke Beine hat. Auf dieser Seite findest du den ganzen Fall in den drei Teilen der Fachsprachprüfung: das Anamnesegespräch als Musterablauf, den ausgefüllten Anamnesebogen, einen Beispiel-Arztbrief und die Patientenvorstellung – dazu die wichtigsten Fachbegriffe in Laien- und Fachsprache.

Übungsfall im Stil der Fachsprachprüfung – kein Prüfungsprotokoll. Der Fall stammt aus dem Fallbestand des FSP-Med-Moduls der KLINIKFUCHS-App und dient dem Sprachtraining. Er gibt keine Original-Prüfungsaufgabe einer Ärztekammer wieder; Ablauf und Bewertung legt die zuständige Kammer fest. Behandlungsangaben enthält diese Seite bewusst nicht.

📚 Das Krankheitsbild zum Nachlesen (Definition, Klinik, Diagnostik): Chronische Herzinsuffizienz

📄 PDF herunterladen (225 KB) Im Druckdialog „Als PDF sichern“ wählen – Navigation und App-Hinweise werden ausgeblendet.

1. Patientenrolle: Steckbrief

Übst du mit einer Lernpartnerin oder einem Lernpartner, bekommt diese Person den Steckbrief und die Antworten aus Abschnitt 2. Sie erzählt zuerst nur den Einstiegssatz und gibt alles Weitere erst preis, wenn du passend nachfragst.

NameFrau Helga Neumann
Alter74 Jahre
OrtSprechstunde
LeitsymptomBelastungsdyspnoe und Beinödeme
FachgebietKardiologie
Lebenssituationlebt allein, 3. OG ohne Aufzug; Treppensteigen zunehmend erschwert
Schwierigkeitmittel

Einstiegssatz der Patientin:

„Ich bekomme in letzter Zeit immer schlechter Luft. Schon wenn ich die Treppe in den ersten Stock gehe, muss ich stehenbleiben. Und meine Beine sind abends ganz dick und geschwollen.“

2. Musterablauf der Anamnese

So kann das Arzt-Patienten-Gespräch in diesem Fall ablaufen – gegliedert nach dem üblichen Anamnese-Schema: aktuelle Beschwerden, vegetative Anamnese, Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien, Noxen, Familien- und Sozialanamnese. Mit der Patientin sprichst du Alltagssprache; Fachbegriffe kommen erst im Arztbrief. Mehr Fragen und Formulierungen: Anamnese auf Deutsch.

Begrüßung und Einstieg

Ärztin/ArztGuten Tag, Frau Neumann. Mein Name ist Dr. Müller, ich bin heute für Sie zuständig. Alles, was wir besprechen, unterliegt der Schweigepflicht. Was führt Sie zu uns?

PatientinIch bekomme in letzter Zeit immer schlechter Luft. Schon wenn ich die Treppe in den ersten Stock gehe, muss ich stehenbleiben. Und meine Beine sind abends ganz dick und geschwollen.

1. Aktuelle Beschwerden

Ärztin/ArztSeit wann haben Sie die Luftnot, und wie hat sie sich entwickelt?

PatientinDas ist schleichend seit ungefähr zwei Monaten. Am Anfang nur bei großer Anstrengung, jetzt schon bei kleineren Wegen.

Ärztin/ArztBei welcher Belastung tritt die Luftnot auf, und wie viele Treppenstufen schaffen Sie noch?

PatientinFrüher bin ich problemlos in den zweiten Stock. Jetzt muss ich schon nach einem Stockwerk verschnaufen.

Ärztin/ArztBekommen Sie im Liegen schlecht Luft?

PatientinJa, flach liegen kann ich kaum noch. Ich brauche zwei, drei Kissen, sonst bekomme ich keine Luft. Manchmal wache ich nachts auf und muss mich aufsetzen.

Ärztin/ArztSind Ihre Beine geschwollen, und wann ist das am stärksten?

PatientinAbends sind die Knöchel und Unterschenkel richtig dick, man kann eine Delle eindrücken. Morgens ist es besser.

Ärztin/ArztHaben Sie an Gewicht zugenommen, obwohl sich beim Essen nichts geändert hat?

PatientinJa, jetzt wo Sie es sagen, ich habe in den letzten Wochen ein paar Kilo zugenommen, ohne mehr zu essen.

2. Vegetative Anamnese

Ärztin/ArztWie sind Appetit und Schlaf, und wie oft müssen Sie nachts zur Toilette?

PatientinDer Appetit ist eher weniger geworden. Nachts muss ich öfter raus, um Wasser zu lassen.

Ärztin/ArztHaben Sie Müdigkeit oder weniger Kraft als früher bemerkt?

PatientinJa, ich bin ständig müde und schlapp, alles strengt mich mehr an als sonst.

3. Vorerkrankungen

Ärztin/ArztWelche Erkrankungen sind bei Ihnen bekannt?

PatientinIch habe seit Langem hohen Blutdruck. Und vor drei Jahren hatte ich einen Herzinfarkt, da wurde mir ein Stent eingesetzt.

Ärztin/ArztIst bei Ihnen ein Vorhofflimmern oder eine Herzschwäche bekannt?

PatientinVorhofflimmern hat man mir mal gesagt, ja. Von einer Herzschwäche weiß ich nichts Genaues.

4. Medikamente

Ärztin/ArztWelche Medikamente nehmen Sie regelmäßig ein?

PatientinEin Blutdruckmittel, einen Blutverdünner wegen des Herzens, eine Wassertablette und etwas gegen das Cholesterin.

Ärztin/ArztNehmen Sie die Tabletten zuverlässig ein?

PatientinDie Wassertablette lasse ich manchmal weg, weil ich dann so oft zur Toilette muss.

5. Allergien

Ärztin/ArztSind bei Ihnen Allergien oder Unverträglichkeiten bekannt?

PatientinNein, mir ist keine bekannt.

6. Noxen

Ärztin/ArztRauchen Sie oder haben Sie früher geraucht?

PatientinIch habe früher geraucht, aber nach dem Infarkt sofort aufgehört.

Ärztin/ArztWie sieht es mit Alkohol aus?

PatientinNur ganz selten mal ein Glas Sekt zu einem besonderen Anlass.

7. Familien- und Sozialanamnese

Ärztin/ArztGibt es in Ihrer Familie Herzerkrankungen?

PatientinMein Vater hatte auch ein schwaches Herz und Wasser in den Beinen im Alter.

Ärztin/ArztWie wohnen Sie, und kommen Sie im Alltag allein zurecht?

PatientinIch wohne allein in einer Wohnung im dritten Stock ohne Aufzug. Das Treppensteigen fällt mir immer schwerer, und das macht mir Sorgen.

Wenn die Patientin selbst fragt

PatientinFrau Doktor, warum sammelt sich denn Wasser in meinen Beinen?

Ärztin/ArztDas ist eine sehr gute Frage. Wenn das Herz nicht mehr so kräftig pumpt, kann sich Flüssigkeit im Körper stauen – in den Beinen und manchmal auch in der Lunge. Ob das bei Ihnen die Ursache ist, klären wir jetzt mit einigen Untersuchungen, zum Beispiel einem Herzultraschall. Danach besprechen wir die Ergebnisse gemeinsam.

Ehrlich bleiben, nichts versprechen und auf die Untersuchung und das anschließende Gespräch verweisen.

Zusammenfassung und Abschluss

Ärztin/ArztVielen Dank. Ich fasse kurz zusammen, was ich verstanden habe – bitte korrigieren Sie mich, wenn etwas nicht stimmt.

Ärztin/ArztGibt es noch etwas, das Sie mir sagen möchten, oder haben Sie Fragen an mich?

Ärztin/ArztAls Nächstes würde ich Sie gern körperlich untersuchen. Sind Sie damit einverstanden?

3. Ausgefüllter Anamnesebogen

So können deine Notizen am Ende des Gesprächs aussehen: Stichpunkte, schon in Fachsprache und mit üblichen Abkürzungen (J. = Jahre, Z. n. = Zustand nach, py = Packungsjahre, re./li. = rechts/links). Auf dieser Grundlage schreibst du danach den Arztbrief.

Anamnesebogen · Übungsfall 16

PatientinFrau Helga Neumann, 74 J.
Vorstellungsgrundprogrediente Belastungsdyspnoe und Beinödeme seit ca. 2 Monaten
Verlauf / Belastbarkeitschleichend progredient; früher 2 Stockwerke problemlos, jetzt Pause nach 1 Stockwerk
Orthopnoe / nächtliche DyspnoeSchlafen nur mit 2–3 Kissen; nächtliches Erwachen mit Luftnot, muss sich aufsetzen
Ödemeabendbetonte, eindrückbare Ödeme an Knöcheln und Unterschenkeln, morgens rückläufig
GewichtZunahme um einige kg in den letzten Wochen ohne vermehrte Nahrungsaufnahme
Vegetative AnamneseAppetit vermindert; Nykturie; Müdigkeit, Leistungsminderung
Vorerkrankungenlangjährige arterielle Hypertonie; Z. n. Myokardinfarkt mit Stentimplantation vor 3 J.; Vorhofflimmern; Herzinsuffizienz bisher nicht bekannt
MedikamenteAntihypertensivum, „Blutverdünner“, Diuretikum (wird teils ausgelassen), Lipidsenker
Allergienkeine bekannt
NoxenEx-Raucherin (Nikotinkarenz seit dem Infarkt); Alkohol sehr selten
FamilienanamneseVater mit Herzinsuffizienz und Beinödemen im Alter
Sozialanamneselebt allein, 3. OG ohne Aufzug; Treppensteigen zunehmend erschwert

4. Beispiel-Arztbrief (schriftliche Dokumentation)

Im zweiten Prüfungsteil dokumentierst du den Fall schriftlich – je nach Kammer als Arztbrief oder Dokumentationsbogen. Grundlage ist das Anamnesegespräch; Untersuchungsbefunde liegen in diesem Übungsfall noch nicht vor. Anamnese im Präteritum bzw. Präsens, Angaben der Patientin wahlweise in indirekter Rede (Konjunktiv I). Mehr dazu: Arztbrief in der Fachsprachprüfung.

Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,

wir berichten über Frau Helga Neumann, 74 Jahre, die sich heute in unserer Sprechstunde vorstellte.

Verdachtsdiagnose

Dekompensierte chronische Herzinsuffizienz (am ehesten ischämischer Genese, NYHA III)

Differenzialdiagnosen

Anamnese

Die aktuelle Anamnese ergab, dass die Luftnot bei Belastung seit etwa zwei Monaten zugenommen habe und inzwischen bereits nach einem Stockwerk auftrete. Die Patientin gab an, flach nicht mehr liegen zu können und nachts durch Luftnot zu erwachen. Weiterhin berichtete sie über abends betonte, eindrückbare Schwellungen der Unterschenkel, häufiges nächtliches Wasserlassen und eine Gewichtszunahme von einigen Kilogramm, obwohl sie ihre Ernährung nicht geändert habe. An Vorerkrankungen seien ein langjähriger arterieller Hypertonus, ein Herzinfarkt mit Stentimplantation vor drei Jahren und ein Vorhofflimmern bekannt. An Dauermedikation nehme sie ein Antihypertensivum, einen nicht näher bezeichneten Blutverdünner, ein Diuretikum und einen Lipidsenker ein; das Diuretikum nehme sie nach eigener Angabe nicht regelmäßig. Allergien seien nicht bekannt.

Geplante Diagnostik

Procedere

Wird in der Prüfung im Arzt-Arzt-Gespräch mündlich besprochen – auf dieser Übungsseite bewusst nicht aufgeführt.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

Checkliste: Das muss im Brief stehen

5. Patientenvorstellung beim Oberarzt

Im dritten Teil stellst du den Fall einer Kollegin oder einem Kollegen aus der Prüfungskommission vor – knapp, strukturiert und in Fachsprache. Danach folgen meist Rückfragen. Mehr dazu: Arzt-Arzt-Gespräch und Übergabe.

„Ich möchte Ihnen Frau Neumann vorstellen, eine 74-jährige Patientin mit seit zwei Monaten progredienter Belastungsdyspnoe, inzwischen bereits nach einem Stockwerk. Zusätzlich bestehen eine Orthopnoe mit nächtlicher paroxysmaler Dyspnoe, eindrückbare Unterschenkelödeme, eine Nykturie und eine Gewichtszunahme. Bei Zustand nach Myokardinfarkt, arteriellem Hypertonus und Vorhofflimmern lautet meine Verdachtsdiagnose eine dekompensierte chronische Herzinsuffizienz.“

Mögliche Rückfragen

Wie teilen Sie den Schweregrad der Herzinsuffizienz klinisch ein?▾

Nach der NYHA-Klassifikation: Stadium I ohne Beschwerden bei normaler Belastung, II mit Beschwerden bei stärkerer Alltagsbelastung, III mit Beschwerden schon bei geringer Belastung und IV mit Beschwerden in Ruhe. Die Patientin muss bereits nach einem Stockwerk pausieren; das entspricht etwa NYHA III.

Nach welchen Ursachen einer kardialen Dekompensation fragen Sie, und welche finden Sie hier?▾

Typische Auslöser sind eine unregelmäßige Medikamenteneinnahme, Rhythmusstörungen wie ein tachykardes Vorhofflimmern, eine erneute Myokardischämie, Infekte, eine schlecht eingestellte Hypertonie, eine Anämie, eine Verschlechterung der Nierenfunktion und Medikamente wie NSAR. Hier fallen die unregelmäßige Einnahme des Diuretikums und das bekannte Vorhofflimmern auf; eine erneute Ischämie muss bei Z. n. Myokardinfarkt ausgeschlossen werden.

6. Fachbegriffe: Laiensprache ↔ Fachsprache

Vom Gespräch in den Arztbrief

Die Patientin sagtIm Arztbrief
„ich bekomme in letzter Zeit immer schlechter Luft“progrediente Dyspnoe
„schon nach einem Stockwerk verschnaufen“Belastungsdyspnoe (etwa NYHA III)
„flach liegen kann ich kaum noch“Orthopnoe
„manchmal wache ich nachts auf und muss mich aufsetzen“paroxysmale nächtliche Dyspnoe
„man kann eine Delle eindrücken“eindrückbare Ödeme
„nachts muss ich öfter raus, um Wasser zu lassen“Nykturie
„einen Herzinfarkt, da wurde mir ein Stent eingesetzt“Z. n. Myokardinfarkt mit Stentimplantation
„ein schwaches Herz“Herzinsuffizienz

Vom Fachbegriff zur Erklärung für die Patientin

FachbegriffSo erklärst du es
Herzinsuffizienzeine Herzschwäche, bei der das Herz nicht mehr genug Blut durch den Körper pumpt
OrthopnoeLuftnot im flachen Liegen, sodass man mit erhöhtem Oberkörper schlafen muss
ÖdemeWasseransammlungen im Gewebe, zum Beispiel geschwollene Beine, in die man eine Delle drücken kann
Ejektionsfraktionder Anteil des Blutes, den das Herz mit einem Schlag aus der Kammer auswirft, ein Maß für die Pumpkraft

Verlinkte Begriffe stehen im Glossar Medizinische Fachbegriffe: Patientensprache → Fachsprache (mit Übersetzungen in 12 Sprachen).

FSP-Med: Fälle im Prüfungsablauf üben

Im FSP-Med-Modul der KLINIKFUCHS-App übst du Arzt-Patienten-Gespräche im FSP-Simulator, den Arztbrief und die Patientenvorstellung – mit Übersetzungshilfe in 13 Sprachen. Die App ist kostenlos: im Browser oder als iOS-App.

Übungsmaterial zum Sprachtraining, kein Ersatz für ärztliche Aus- und Weiterbildung und keine Behandlungsempfehlung. Prüfungsablauf und Anforderungen können je nach Ärztekammer und Bundesland variieren; verbindlich sind die Vorgaben der für dich zuständigen Kammer.

FSP & KP · 100 % kostenlos Im Browser starten