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Anamnese auf Deutsch: Fragen und Formulierungen für die Fachsprachprüfung

Lesezeit ca. 8 Minuten · Für internationale Ärztinnen und Ärzte

Von Dr. Pascal Bafteh · zuletzt aktualisiert 09/2026

Das Anamnesegespräch ist der erste und oft längste Teil der Fachsprachprüfung. Geprüft wird dabei nicht, ob du die richtige Diagnose findest, sondern ob du ein strukturiertes, höfliches und verständliches Gespräch auf Deutsch führst. Mit einer festen Reihenfolge und einem Vorrat an fertigen Fragen gewinnst du Sicherheit – auch dann, wenn die Aufregung steigt.

Warum eine feste Reihenfolge hilft

Unter Prüfungsstress vergisst man leicht ganze Themenblöcke. Eine verinnerlichte Reihenfolge wirkt wie ein Geländer: Begrüßung und Anliegen, aktuelle Beschwerden, Begleitsymptome und vegetative Anamnese, Vorerkrankungen und Operationen, Medikamente und Allergien, Familien- und Sozialanamnese, zum Schluss eine Zusammenfassung. Wenn du diese Abfolge in jedem Übungsgespräch gleich durchläufst, musst du in der Prüfung nicht mehr über den Aufbau nachdenken, sondern nur noch über die Sprache.

Der Einstieg: Begrüßung und Anliegen

Die ersten Sätze prägen den Eindruck. Stell dich mit Namen und Funktion vor, biete einen Platz an und eröffne mit einer offenen Frage. Lass die Patientin oder den Patienten danach erst einmal erzählen – Pausen darfst du aushalten.

Um zu zeigen, dass du zuhörst, eignen sich Paraphrasen: „Verstehe ich Sie richtig, dass …?" Höfliche Rückfragen formulierst du gern im Konjunktiv: „Dürfte ich kurz nachfragen?"

Fragetechnik: erst offen, dann gezielt

Bewährt hat sich die sogenannte Trichtertechnik: Du beginnst mit offenen Fragen, die zum Erzählen einladen, und wirst dann schrittweise konkreter.

Vermeide Suggestivfragen wie „Sie haben doch sicher auch Übelkeit, oder?". Besser ist die neutrale Variante: „Haben Sie sonst noch Beschwerden bemerkt?"

Aktuelle Beschwerden: SOCRATES und OPQRST

Für die Beschreibung von Schmerzen und anderen Symptomen gibt es zwei verbreitete Merkhilfen aus dem Englischen. Beide decken weitgehend dieselben Punkte ab – such dir eine aus und bleib dabei. SOCRATES steht für Site, Onset, Character, Radiation, Associated symptoms, Time course, Exacerbating/relieving factors und Severity.

PunktWorum es gehtBeispielfrage
SiteLokalisation„Wo genau spüren Sie den Schmerz? Können Sie mir mit dem Finger zeigen, wo es wehtut?"
OnsetBeginn„Wann hat das angefangen – plötzlich oder allmählich?"
CharacterQualität„Wie würden Sie den Schmerz beschreiben – stechend, brennend, drückend oder dumpf?"
RadiationAusstrahlung„Strahlt der Schmerz irgendwohin aus?"
AssociatedBegleitsymptome„Haben Sie zusätzlich Übelkeit, Schwitzen oder Atemnot bemerkt?"
TimeVerlauf„Wie hat sich der Schmerz seit Beginn verändert?"
Exacerbatingverstärkende und lindernde Faktoren„Wodurch wird der Schmerz besser oder schlimmer?"
SeverityStärke„Auf einer Skala von 0 bis 10 – wie stark ist der Schmerz?"

OPQRST (Onset, Provocation/Palliation, Quality, Region/Radiation, Severity, Time) ergänzt nützliche Formulierungen: „Was haben Sie gerade gemacht, als der Schmerz begann?", „Wodurch wird es schlimmer – Bewegung, Atmen, Essen?", „Tritt es in Wellen auf oder ist es konstant?"

Zeitlicher Verlauf und Schmerzcharakter

Zum Verlauf passen Fragen wie: „Kommt und geht der Schmerz, oder ist er die ganze Zeit gleich stark?", „Wird es von Tag zu Tag schlimmer?", „Wie lange dauert eine einzelne Episode?" und „Sind Sie zwischen den Episoden völlig beschwerdefrei?". Beim Schmerzcharakter hilft ein kleiner Wortschatz: stechend, brennend, drückend, dumpf, ziehend, kolikartig (wellenförmig), einschießend, kribbelnd, elektrisierend. Wichtig: Biete mehrere Adjektive an und lass die Person selbst wählen, statt ihr ein Wort in den Mund zu legen.

Begleitsymptome und vegetative Anamnese

Die vegetative Anamnese fragt Allgemeinfunktionen ab. Sie wirkt schnell wie ein Verhör – eine kurze Ankündigung macht den Übergang weicher: „Ich stelle Ihnen jetzt noch einige allgemeine Fragen."

Vorerkrankungen, Medikamente und Allergien

Eröffne jeden Block mit einer allgemeinen Frage und frag dann gezielt nach Organsystemen.

Familien- und Sozialanamnese

Hier geht es oft um private Themen. Ein kurzer Satz zur Begründung hilft: „Das frage ich alle Patientinnen und Patienten, weil es für das Gesamtbild wichtig ist."

Übergänge und Zusammenfassung

Kündige jeden Themenwechsel an („Ich würde Ihnen jetzt gerne einige Fragen zu Ihren Vorerkrankungen stellen. Ist das in Ordnung für Sie?"). Das nennt man Signposting. Schweift jemand ab, lenkst du höflich zurück: „Das verstehe ich gut. Darf ich kurz auf die Schmerzen zurückkommen?" Am Ende fasst du zusammen: „Lassen Sie mich kurz zusammenfassen, was Sie mir erzählt haben … Habe ich das so richtig verstanden?" – und fragst: „Gibt es noch etwas, das Sie mir sagen möchten?"

Patientenwörter richtig verstehen

Patientinnen und Patienten beschreiben Beschwerden mit Alltagswörtern. Im Gespräch bleibst du bei ihrer Sprache, für die Dokumentation brauchst du den Fachbegriff. Wie du ihn dann im Arztbrief einsetzt, erklären wir separat.

Patient sagtFachbegriff
„Meine Beine sind so dick geworden."periphere Ödeme
„Mir ist schwarz vor Augen geworden."Synkope bzw. Präsynkope
„Ich bin außer Atem."Dyspnoe
„Mein Herz stolpert."Herzrhythmusstörung
„Ich habe Sodbrennen."Pyrosis / Reflux
„Meine Haut ist gelb geworden."Ikterus
„Ich habe einen Hexenschuss."akute Lumbago

Übersetze nicht vorschnell. Frag nach, was genau gemeint ist: „Was meinen Sie mit ‚schwarz vor Augen'? Waren Sie dabei bewusstlos?"

Häufige Fehler

Nach der Anamnese folgt meist die Untersuchung – die passenden Anweisungen findest du im Ratgeber „Körperliche Untersuchung auf Deutsch".

FSP-Med: Fachsprache täglich üben

Im KLINIKFUCHS-Modul FSP-Med übst du genau diese Formulierungen: Karteikarten mit Lücken, Patientengespräche zum Mitsprechen und eine simulierte Prüfung – kostenlos, mit Hilfen in 13 Sprachen.

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Hinweis: Dieser Ratgeber behandelt ausschließlich Sprache und Gesprächsstruktur. Er enthält keine Behandlungs- oder Therapieempfehlungen. Ablauf und Anforderungen der Fachsprachprüfung legt die für dich zuständige Ärztekammer fest.