FSP-Übungsfall Halsschmerzen, Fieber, Müdigkeit: Infektiöse Mononukleose
Ein 19-jähriger Schüler stellt sich vor, weil er seit über einer Woche Halsschmerzen, Fieber und eine ungewöhnlich starke Müdigkeit hat, die trotz einer bereits begonnenen Antibiotikaeinnahme nicht besser werden. Auf dieser Seite findest du den ganzen Fall in den drei Teilen der Fachsprachprüfung: das Anamnesegespräch als Musterablauf, den ausgefüllten Anamnesebogen, einen Beispiel-Arztbrief und die Patientenvorstellung – dazu die wichtigsten Fachbegriffe in Laien- und Fachsprache.
📚 Das Krankheitsbild zum Nachlesen (Definition, Klinik, Diagnostik): Infektiöse Mononukleose
1. Patientenrolle: Steckbrief
Übst du mit einer Lernpartnerin oder einem Lernpartner, bekommt diese Person den Steckbrief und die Antworten aus Abschnitt 2. Sie erzählt zuerst nur den Einstiegssatz und gibt alles Weitere erst preis, wenn du passend nachfragst.
| Name | Herr Julian Weiß |
| Alter | 19 Jahre |
| Ort | Sprechstunde |
| Leitsymptom | Anhaltende Halsschmerzen mit Fieber und ausgeprägter Müdigkeit |
| Fachgebiet | Innere Medizin / Infektiologie |
| Lebenssituation | Schüler (Abitur); lebt bei den Eltern; spielt Fußball |
| Schwierigkeit | mittel |
Einstiegssatz des Patienten:
„Seit ungefähr zehn Tagen habe ich Halsschmerzen und Fieber. Am schlimmsten ist aber die Müdigkeit — ich bin völlig erschöpft und schlafe den halben Tag. Mein Hausarzt hat mir ein Antibiotikum gegeben, aber es wird einfach nicht besser.“
2. Musterablauf der Anamnese
So kann das Arzt-Patienten-Gespräch in diesem Fall ablaufen – gegliedert nach dem üblichen Anamnese-Schema: aktuelle Beschwerden, vegetative Anamnese, Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien, Noxen, Familien- und Sozialanamnese. Mit dem Patienten sprichst du Alltagssprache; Fachbegriffe kommen erst im Arztbrief. Mehr Fragen und Formulierungen: Anamnese auf Deutsch.
Begrüßung und Einstieg
Ärztin/ArztGuten Tag, Herr Weiß. Mein Name ist Dr. Müller, ich bin heute für Sie zuständig. Alles, was wir besprechen, unterliegt der Schweigepflicht. Was führt Sie zu uns?
PatientSeit ungefähr zehn Tagen habe ich Halsschmerzen und Fieber. Am schlimmsten ist aber die Müdigkeit — ich bin völlig erschöpft und schlafe den halben Tag. Mein Hausarzt hat mir ein Antibiotikum gegeben, aber es wird einfach nicht besser.
1. Aktuelle Beschwerden
Ärztin/ArztKönnen Sie mir die Beschwerden von Anfang an schildern — wann und wie hat es begonnen?
PatientZuerst fühlte ich mich einfach abgeschlagen und hatte Kopfschmerzen. Ein paar Tage später kamen die Halsschmerzen und das Fieber dazu, und die Müdigkeit ist seither immer schlimmer geworden.
Ärztin/ArztHaben Sie eine Schwellung am Hals oder anderswo bemerkt?
PatientJa, am Hals sind auf beiden Seiten dicke Knoten, die drücken unangenehm. Auch in den Achseln fühlt sich etwas geschwollen an.
Ärztin/ArztWie hoch ist das Fieber, und seit wie vielen Tagen haben Sie es?
PatientEs geht seit über einer Woche auf und ab, meist um die 38,5 Grad, manchmal höher. Abends ist es am schlimmsten.
Ärztin/ArztHaben Sie Schmerzen oder ein Druckgefühl im Bauch?
PatientJetzt, wo Sie es sagen — ja, links oben im Bauch fühlt es sich manchmal gespannt und leicht drückend an.
Ärztin/ArztIst Ihnen ein Hautausschlag aufgefallen?
PatientJa, seit ich das Antibiotikum nehme, habe ich am Rumpf und an den Armen einen roten, fleckigen Ausschlag bekommen.
2. Vegetative Anamnese
Ärztin/ArztWie sind Appetit, Gewicht und Schlaf?
PatientDer Appetit ist schlecht, ich habe in den letzten Tagen wohl etwas abgenommen. Schlafen tue ich sehr viel, wache aber trotzdem gerädert auf.
Ärztin/ArztHaben Sie Nachtschweiß bemerkt?
PatientJa, ein paar Mal bin ich nachts ziemlich verschwitzt aufgewacht und musste das T-Shirt wechseln.
3. Vorerkrankungen
Ärztin/ArztSind bei Ihnen Vorerkrankungen bekannt?
PatientNein, ich bin eigentlich immer gesund gewesen. So etwas hatte ich noch nie.
Ärztin/ArztHatten Sie schon einmal eine Operation?
PatientNein, im Krankenhaus war ich noch nie.
4. Medikamente
Ärztin/ArztWelches Antibiotikum nehmen Sie genau?
PatientMein Hausarzt hat vor vier Tagen ein Penicillinpräparat verschrieben, Amoxicillin heißt es glaube ich. Seither nehme ich es regelmäßig.
Ärztin/ArztNehmen Sie sonst noch Medikamente ein?
PatientNein, sonst nehme ich nichts.
5. Allergien
Ärztin/ArztSind bei Ihnen Allergien oder Unverträglichkeiten bekannt?
PatientNein, mir ist nichts bekannt. Deshalb wundert mich der Ausschlag auch.
6. Noxen
Ärztin/ArztRauchen Sie, und trinken Sie Alkohol?
PatientIch rauche nicht und trinke höchstens mal ein Bier. Sonst spiele ich in der Freizeit Fußball, aber im Moment ist an Sport gar nicht zu denken.
7. Familien- und Sozialanamnese
Ärztin/ArztHat jemand in Ihrem Umfeld ähnliche Beschwerden, und wie leben Sie zurzeit?
PatientEin Freund aus meiner Clique hatte vor ein paar Wochen etwas Ähnliches. Ich mache gerade mein Abitur und wohne noch bei meinen Eltern.
Ärztin/ArztHatten Sie in letzter Zeit engen Kontakt zu jemandem?
PatientJa, ich habe seit einigen Wochen eine Freundin.
Wenn der Patient selbst fragt
PatientHerr Doktor, warum wird es mit dem Antibiotikum nicht besser, und woher kommt der Ausschlag?
Ärztin/ArztDas ist eine wichtige Frage. Ihre Beschwerden könnten von einem Virus kommen – dagegen wirkt ein Antibiotikum nicht. Ein solcher Ausschlag ist bei bestimmten Viruserkrankungen bekannt. Ich untersuche Sie jetzt und nehme Blut ab, danach besprechen wir die Ergebnisse gemeinsam.
Ehrlich bleiben, nichts versprechen und auf die Untersuchung und das anschließende Gespräch verweisen.
Zusammenfassung und Abschluss
Ärztin/ArztVielen Dank. Ich fasse kurz zusammen, was ich verstanden habe – bitte korrigieren Sie mich, wenn etwas nicht stimmt.
Ärztin/ArztGibt es noch etwas, das Sie mir sagen möchten, oder haben Sie Fragen an mich?
Ärztin/ArztAls Nächstes würde ich Sie gern körperlich untersuchen. Sind Sie damit einverstanden?
3. Ausgefüllter Anamnesebogen
So können deine Notizen am Ende des Gesprächs aussehen: Stichpunkte, schon in Fachsprache und mit üblichen Abkürzungen (J. = Jahre, Z. n. = Zustand nach, py = Packungsjahre, re./li. = rechts/links). Auf dieser Grundlage schreibst du danach den Arztbrief.
Anamnesebogen · Übungsfall 21
| Patient | Herr Julian Weiß, 19 J. |
|---|---|
| Vorstellungsgrund | Halsschmerzen und Fieber seit ca. 10 Tagen, ausgeprägte Müdigkeit; keine Besserung unter Amoxicillin |
| Verlauf | initial Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen, einige Tage später Halsschmerzen und Fieber; Müdigkeit seitdem zunehmend |
| Fieber | seit > 1 Woche wechselnd, meist um 38,5 °C, teils höher, abends betont |
| Lymphknoten | zervikal bds. druckschmerzhaft geschwollen; axillär subjektiv geschwollen |
| Abdomen | zeitweise Spannungs- und Druckgefühl im li. Oberbauch |
| Haut | rotes, fleckiges Exanthem an Stamm und Armen seit Beginn der Amoxicillin-Einnahme |
| Vegetative Anamnese | Inappetenz, leichter Gewichtsverlust; vermehrtes, nicht erholsames Schlafbedürfnis; Nachtschweiß |
| Vorerkrankungen | keine; keine Voroperationen |
| Medikamente | Amoxicillin seit 4 Tagen (vom Hausarzt); sonst keine |
| Allergien | keine bekannt |
| Noxen | Nichtraucher; Alkohol selten |
| Umfeld / Kontakte | Freund aus der Clique vor einigen Wochen mit ähnlichen Beschwerden; seit einigen Wochen neue Partnerin |
| Sozialanamnese | Schüler (Abitur); lebt bei den Eltern; spielt Fußball |
4. Beispiel-Arztbrief (schriftliche Dokumentation)
Im zweiten Prüfungsteil dokumentierst du den Fall schriftlich – je nach Kammer als Arztbrief oder Dokumentationsbogen. Grundlage ist das Anamnesegespräch; Untersuchungsbefunde liegen in diesem Übungsfall noch nicht vor. Anamnese im Präteritum bzw. Präsens, Angaben des Patienten wahlweise in indirekter Rede (Konjunktiv I). Mehr dazu: Arztbrief in der Fachsprachprüfung.
Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,
wir berichten über Herrn Julian Weiß, 19 Jahre, der sich heute in unserer Sprechstunde vorstellte.
Verdachtsdiagnose
Infektiöse Mononukleose (Epstein-Barr-Virus-Infektion, Pfeiffersches Drüsenfieber)
Differenzialdiagnosen
- Bakterielle Streptokokken-Angina
- Zytomegalievirus-Infektion
- Akute HIV-Infektion
- Hämatologische Erkrankung (z. B. akute Leukämie oder Lymphom)
Anamnese
Die aktuelle Anamnese ergab, dass die Halsschmerzen seit etwa zehn Tagen bestünden. Der Patient gab an, seit über einer Woche wechselndes Fieber, meist um 38,5 Grad Celsius, zeitweise höher, zu haben und sich zunehmend erschöpft zu fühlen. Er berichtete über beidseits geschwollene Lymphknoten am Hals, eine Schwellung in den Achseln sowie ein Druckgefühl im linken Oberbauch. Weiterhin berichtete er über Nachtschweiß und Appetitminderung. Er gab an, vor vier Tagen sei eine Behandlung mit Amoxicillin begonnen worden; ein Ansprechen sei ausgeblieben, stattdessen sei ein makulöses Exanthem an Stamm und Armen aufgetreten. Vorerkrankungen und Allergien bestünden nicht. Weiterhin erwähnte er Kontakt zu einer erkrankten Person in seinem Freundeskreis.
Geplante Diagnostik
- Körperliche Untersuchung mit Racheninspektion, Lymphknoten- und Milzpalpation
- Blutbild mit Differenzialblutbild (Lymphozytose mit atypischen, aktivierten Lymphozyten)
- EBV-spezifische Serologie (VCA-IgM, VCA-IgG, EBNA-1-IgG)
- Leberwerte (Transaminasen häufig erhöht), ggf. Sonographie zur Beurteilung von Milz und Leber
- Bei unklarem Befund: Ausschluss von CMV und HIV, Streptokokken-Schnelltest
Procedere
Wird in der Prüfung im Arzt-Arzt-Gespräch mündlich besprochen – auf dieser Übungsseite bewusst nicht aufgeführt.
Mit freundlichen kollegialen Grüßen
Checkliste: Das muss im Brief stehen
- Leitsymptom (Halsschmerzen, Fieber, Fatigue) und Dauer
- generalisierte Lymphadenopathie
- Hinweis auf Splenomegalie (linksseitiger Oberbauchdruck)
- Nachtschweiß / B-Symptomatik-nahe Angaben
- Amoxicillin-Einnahme mit nachfolgendem Exanthem
- fehlendes Ansprechen auf Antibiotikum
- Allergien und Vorerkrankungen
- Infektkontakt / Sozialanamnese
5. Patientenvorstellung beim Oberarzt
Im dritten Teil stellst du den Fall einer Kollegin oder einem Kollegen aus der Prüfungskommission vor – knapp, strukturiert und in Fachsprache. Danach folgen meist Rückfragen. Mehr dazu: Arzt-Arzt-Gespräch und Übergabe.
„Ich möchte Ihnen Herrn Weiß vorstellen, einen 19-jährigen Patienten, der sich mit seit etwa zehn Tagen bestehenden Halsschmerzen, Fieber und einer ausgeprägten Erschöpfung vorgestellt hat. Er berichtet über geschwollene Lymphknoten am Hals und in den Achseln sowie ein Druckgefühl im linken Oberbauch. Unter einer laufenden Amoxicillintherapie ist ein makulopapulöses Exanthem aufgetreten, und die Beschwerden bessern sich unter dem Antibiotikum nicht. Bei dieser Konstellation lautet meine Verdachtsdiagnose eine infektiöse Mononukleose durch das Epstein-Barr-Virus.“
Mögliche Rückfragen
Warum ist der Ausschlag unter Amoxicillin hier ein diagnostischer Hinweis?▾
Bei einer akuten EBV-Infektion entwickeln viele Patientinnen und Patienten unter Aminopenicillinen wie Amoxicillin oder Ampicillin ein makulopapulöses Exanthem. Meist handelt es sich nicht um eine echte Penicillinallergie, sondern um eine infektassoziierte Reaktion. Das Exanthem stützt damit den Verdacht auf eine Mononukleose.
Welche Komplikation fürchten Sie, und woran denken Sie bei den Beschwerden im linken Oberbauch?▾
Das Druckgefühl im linken Oberbauch weist auf eine Splenomegalie hin, die bei der Mononukleose häufig ist. Gefürchtet ist die Milzruptur, die schon nach leichtem Trauma, etwa beim Kontaktsport, auftreten kann und sich mit akuten linksseitigen Oberbauchschmerzen, Schmerzen in der linken Schulter (Kehr-Zeichen) und Schockzeichen zeigt. Weitere Komplikationen sind eine Atemwegsverlegung durch massive Tonsillenschwellung, eine Begleithepatitis und hämatologische Komplikationen.
6. Fachbegriffe: Laiensprache ↔ Fachsprache
Vom Gespräch in den Arztbrief
| Der Patient sagt | Im Arztbrief |
|---|---|
| „ich bin völlig erschöpft“ | ausgeprägte Fatigue |
| „am Hals sind auf beiden Seiten dicke Knoten“ | zervikale Lymphadenopathie beidseits |
| „auch in den Achseln fühlt sich etwas geschwollen an“ | axilläre Lymphadenopathie |
| „links oben im Bauch fühlt es sich manchmal gespannt“ | Druckgefühl im linken Oberbauch (V. a. Splenomegalie) |
| „einen roten, fleckigen Ausschlag“ | makulöses Exanthem |
| „nachts ziemlich verschwitzt aufgewacht“ | Nachtschweiß |
| „es geht seit über einer Woche auf und ab“ | wechselnd hohes Fieber |
Vom Fachbegriff zur Erklärung für den Patienten
| Fachbegriff | So erklärst du es |
|---|---|
| Lymphadenopathie | geschwollene Lymphknoten, im Volksmund geschwollene Drüsen |
| Splenomegalie | eine Vergrößerung der Milz |
| makulopapulöses Exanthem | ein Hautausschlag aus roten Flecken und kleinen Erhebungen |
| Fatigue | eine ausgeprägte, anhaltende Erschöpfung und Müdigkeit |
Verlinkte Begriffe stehen im Glossar Medizinische Fachbegriffe: Patientensprache → Fachsprache (mit Übersetzungen in 12 Sprachen).
FSP-Med: Fälle im Prüfungsablauf üben
Im FSP-Med-Modul der KLINIKFUCHS-App übst du Arzt-Patienten-Gespräche im FSP-Simulator, den Arztbrief und die Patientenvorstellung – mit Übersetzungshilfe in 13 Sprachen. Die App ist kostenlos: im Browser oder als iOS-App.
Übungsmaterial zum Sprachtraining, kein Ersatz für ärztliche Aus- und Weiterbildung und keine Behandlungsempfehlung. Prüfungsablauf und Anforderungen können je nach Ärztekammer und Bundesland variieren; verbindlich sind die Vorgaben der für dich zuständigen Kammer.