Ambulant erworbene Pneumonie
Prüfungsrelevanz: in 21 von 105 Prüfungsprotokollen · Rang 5- Synonyme
- Lungenentzündung, Pneumonie, CAP, Pneumokokken-Pneumonie, atypische Pneumonie
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Pneumologie
- Bilder
- Röntgen 2 · Schema 1 · CT 1 · Blutausstrich & Zytologie 1 · Histologie 1 · Makropräparat 1
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
Bilder (7)
Röntgen
Schema
Röntgen
CT
Blutausstrich & Zytologie
Histologie
MakropräparatDefinition
Die ambulant erworbene Pneumonie (community-acquired pneumonia, CAP) ist eine akute Infektion des Lungenparenchyms, die außerhalb des Krankenhauses erworben wird. Abgegrenzt werden die im Krankenhaus erworbene (nosokomiale) Pneumonie und Pneumonien bei schwerer Immunschwäche, die ein anderes Erregerspektrum haben.
Einteilung
- Nach Röntgenmuster: lobäre oder multilobäre Konsolidierung, interstitielle Pneumonie, kavitierende Pneumonie.
- Nach Erregern: bakterielle, „atypische“ (Chlamydien, Mykoplasmen, Legionellen) und virale Pneumonie.
- Nach Schweregrad: Einstufung mit Scores wie CRB-65, CURB-65 und dem Pneumonia Severity Index (PSI).
Ätiopathogenese
- Häufigste bakterielle Erreger: Streptococcus pneumoniae, Haemophilus influenzae, Chlamydia pneumoniae und Mycoplasma pneumoniae. C. pneumoniae ist die zweithäufigste Ursache von Lungeninfektionen bei gesunden 5- bis 35-Jährigen.
- Viren: Coronaviren (seit 2020 vor allem SARS-CoV-2), RSV, Adenoviren, Influenza-, Metapneumo- und Parainfluenzaviren. Die saisonale Influenza begünstigt schwere bakterielle Sekundärpneumonien.
- Staphylococcus aureus einschließlich MRSA: kann wie S. pneumoniae nekrotisierende und einschmelzende Pneumonien verursachen.
- Pseudomonas aeruginosa: vor allem bei schwerer COPD oder anderer struktureller Lungenerkrankung, früherer Pseudomonas-Besiedlung und Krankenhausaufenthalt in den letzten drei Monaten.
- Seltene Erreger: Chlamydia psittaci nach Kontakt mit Papageienvögeln, Q-Fieber und Tularämie nach Tierkontakt.
Selbst bei gezielter Testung lässt sich ein Erreger nur in weniger als 50 % der Fälle nachweisen.
Klinik
- Fieber, Husten, Auswurf, pleuritische Thoraxschmerzen, Atemnot
- Tachypnoe und Tachykardie
- Bei älteren Menschen oft unspezifisch, z. B. mit Verwirrtheit
Komplikationen: parapneumonischer Erguss und Pleuraempyem, nekrotisierende Pneumonie und Lungenabszess, Sepsis, akutes Lungenversagen.
Diagnostik
Die Diagnose wird anhand des klinischen Bildes vermutet und durch ein Infiltrat im Röntgen-Thorax bestätigt. Bei hohem klinischem Verdacht und unauffälligem Röntgenbild kommt eine CT oder eine Wiederholung der Aufnahme in Betracht.
- Röntgenmuster als Hinweis: multilobäre Infiltrate eher bei S. pneumoniae oder Legionella, interstitielles Muster eher bei Viren oder Mykoplasmen, Einschmelzungen eher bei S. aureus, Pilzen oder Mykobakterien. Eine sichere Zuordnung zum Erreger erlaubt das Röntgenbild nicht.
- Labor bei mittelschwerer und schwerer Pneumonie: Leukozyten, Elektrolyte, Harnstoff und Kreatinin; Pulsoxymetrie oder arterielle Blutgasanalyse zur Beurteilung der Oxygenierung.
- Mikrobiologie bei mittelschwerer und schwerer Pneumonie: zwei Blutkultur-Sets, Gram-Färbung und Kultur des Sputums, Urin-Antigentests auf Pneumokokken und Legionellen, Multiplex-PCR auf respiratorische Viren, HIV-Test. Die Urin-Antigentests sind schnell und sensitiver sowie spezifischer als Sputum-Gram-Färbung und -Kultur für diese Erreger.
Schweregrad-Scores
- CRB-65 Kriterien: C=Confusion + R=Respiratory rate ≥ 30/min + B=BP (sys < 90 oder dia ≤ 60) + 65=Alter ≥ 65 J..
- CURB-65 Zusatzkriterium: Urea > 7 mmol/l (Harnstoff).
- PSI (Pneumonia Severity Index): komplexerer Score mit 20 Variablen, alternative Risikostratifizierung.
Weitere Kriterien einer schweren CAP: Hypotonie mit Volumenbedarf, Atemfrequenz über 30/min, PaO₂/FiO₂ unter 250, multilobäre Pneumonie, Verwirrtheit, Harnstoff-Stickstoff über 7 mmol/l, Leukozyten unter 4.000/µl, Thrombozyten unter 100.000/µl und Körpertemperatur unter 36 °C.
Weiterlernen in der App
Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
- MSD Manual Profi-Ausgabe: Ambulant erworbene Pneumonie
- AWMF-Leitlinienregister 020-020: Ambulant erworbene Pneumonie
- StatPearls: Community-Acquired Pneumonia
- AWMF-Leitlinienregister 020-020: Ambulant erworbene Pneumonie (S3-Leitlinie, Langfassung 2021, PDF)
- Feldman C, Anderson R: Overview of community-acquired pneumonia (PMC3886318)
Querverweise
Weitere Themen: Pneumologie
- Tuberkulose
- Pneumothorax
- Sarkoidose
- Lungenkarzinom (Bronchialkarzinom)
- COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung)
- Pleuraerguss
- Asthma bronchiale
- ARDS (akutes Atemnotsyndrom)
- Legionellose (Legionärskrankheit)
- Pleuraempyem
- Alpha-1-Antitrypsin-Mangel
- Idiopathische Lungenfibrose und interstitielle Lungenerkrankungen
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.