FSP-Übungsfall Umgeknickt, Sprunggelenk geschwollen: Sprunggelenksdistorsion
Herr Tobias Klein
25 Jahre · Notaufnahme
- Leitsymptom
- Schmerzhaft geschwollenes Sprunggelenk nach Umknicken
- Fachgebiet
- Unfallchirurgie/Orthopädie
- Schwierigkeit
- leicht
- Lebenssituation
- Student; Vereinsfußball 2–3×/Woche; keine Voroperationen
Porträt KI-generiert, keine reale Person · zeigt keine Krankheitszeichen
Ein 25-jähriger Freizeitsportler stellt sich vor, nachdem er beim Fußball mit dem rechten Fuß nach innen umgeknickt ist; das äußere Sprunggelenk ist geschwollen und schmerzt beim Auftreten. Auf dieser Seite übst du den ganzen Fall in den drei Teilen der Fachsprachprüfung: das Anamnesegespräch zum Antippen, den ausgefüllten Anamnesebogen, einen Beispiel-Arztbrief und die Patientenvorstellung – dazu die wichtigsten Fachbegriffe in Laien- und Fachsprache.
Anamnesegespräch: Du bist dran
Hier ist deine Aufgabe:
Du bist Ärztin/Arzt in der Notaufnahme. Versuch dich in die Situation hineinzuversetzen!
Und denk dran, dass du mit dem Patienten Alltagssprache sprichst.
Zu zweit üben
Deine Lernpartnerin oder dein Lernpartner spielt den Patienten mit der Karte oben und den Antworten. Sie oder er erzählt zuerst nur den Einstiegssatz und gibt alles Weitere erst preis, wenn du passend nachfragst. Das Gespräch folgt dem üblichen Anamnese-Schema; mehr Fragen und Formulierungen: Anamnese auf Deutsch.0Begrüßung und Einstieg
Guten Tag, Herr Klein. Mein Name ist Dr. Müller, ich bin heute für Sie zuständig. Alles, was wir besprechen, unterliegt der Schweigepflicht. Was führt Sie zu uns?
„Ich bin gestern beim Fußball unglücklich umgeknickt, mit dem rechten Fuß nach innen. Danach ist das Gelenk außen ziemlich angeschwollen, und beim Auftreten tut es weh.“
1Unfallhergang und aktuelle Beschwerden
Können Sie mir genau schildern, wie es zu dem Umknicken kam?
In welche Richtung ist der Fuß umgeknickt — nach innen oder nach außen?
Konnten Sie danach noch auftreten und gehen?
Wo genau sitzt der Schmerz und wie stark ist er?
Ist das Gelenk angeschwollen oder haben Sie einen Bluterguss bemerkt?
2Begleitverletzungen
Haben Sie sich außer am Sprunggelenk noch woanders verletzt?
Verspüren Sie ein Taubheitsgefühl oder Kribbeln im Fuß oder in den Zehen?
3Vorerkrankungen
Sind bei Ihnen Vorerkrankungen bekannt, und hatten Sie an diesem Gelenk früher schon einmal Probleme?
Wurden diese früheren Verletzungen ärztlich behandelt?
4Medikamente
Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein, und haben Sie seit gestern schon etwas gegen die Schmerzen genommen?
5Allergien
Sind bei Ihnen Allergien oder Unverträglichkeiten bekannt?
6Noxen
Rauchen Sie, und wie sieht es mit Alkohol aus?
7Sozial- und Sportanamnese
Was machen Sie beruflich, und wie viel Sport treiben Sie?
Hatten Sie schon einmal eine Operation?
8Wenn der Patient selbst fragt
Jetzt bist du dran: Was antwortest du? Erst überlegen, dann aufdecken.
Herr Doktor, muss das geröntgt werden, oder ist das nur eine Zerrung?
Ehrlich bleiben, nichts versprechen und auf die Untersuchung und das anschließende Gespräch verweisen.
✓Zusammenfassung und Abschluss
Vielen Dank. Ich fasse kurz zusammen, was ich verstanden habe – bitte korrigieren Sie mich, wenn etwas nicht stimmt.
Gibt es noch etwas, das Sie mir sagen möchten, oder haben Sie Fragen an mich?
Als Nächstes würde ich Sie gern körperlich untersuchen. Sind Sie damit einverstanden?
Weiter in der Prüfung
Nach dem Gespräch folgen die schriftliche Dokumentation und die Vorstellung beim Oberarzt. Erst selbst machen, dann aufklappen und vergleichen.
Ausgefüllter AnamnesebogenSo sehen deine Notizen nach dem Gespräch aus
Stichpunkte, schon in Fachsprache und mit üblichen Abkürzungen (J. = Jahre, Z. n. = Zustand nach, py = Packungsjahre, re./li. = rechts/links). Auf dieser Grundlage schreibst du danach den Arztbrief.
Anamnesebogen · Übungsfall 33
| Patient | Herr Tobias Klein, 25 J. |
|---|---|
| Vorstellungsgrund | Schmerz und Schwellung am re. Außenknöchel nach Umknicken beim Fußball am Vortag |
| Unfallhergang | Landung nach Sprung auf dem Fuß eines Gegenspielers; Supinationstrauma re. OSG (Fußsohle nach innen) |
| Belastbarkeit | direkt danach einige Schritte humpelnd möglich; heute unter Schmerzen eingeschränkt belastbar |
| Schmerz | lateral, vor und unterhalb des Außenknöchels; NRS 6/10 bei Belastung, in Ruhe deutlich geringer |
| Lokalbefund (anamnestisch) | Schwellung lateral, seit dem Morgen Hämatom; keine weiteren Verletzungen (Knie, Fuß unauffällig) |
| DMS | keine Parästhesien, Zehen frei beweglich |
| Vorerkrankungen / Vorverletzungen | gesund; 2 frühere Supinationstraumata re., zuletzt vor ca. 1 J., nicht ärztlich behandelt |
| Medikamente | keine Dauermedikation; einmalig Ibuprofen am Vorabend |
| Allergien | keine bekannt |
| Noxen | Nichtraucher; Alkohol selten |
| Sozialanamnese | Student; Vereinsfußball 2–3×/Woche; keine Voroperationen |
Beispiel-ArztbriefTeil 2: schriftliche Dokumentation, mit Checkliste
Im zweiten Prüfungsteil dokumentierst du den Fall schriftlich – je nach Kammer als Arztbrief oder Dokumentationsbogen. Grundlage ist das Anamnesegespräch; Untersuchungsbefunde liegen in diesem Übungsfall noch nicht vor. Anamnese im Präteritum bzw. Präsens, Angaben des Patienten wahlweise in indirekter Rede (Konjunktiv I). Mehr dazu: Arztbrief in der Fachsprachprüfung.
Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,
wir berichten über Herrn Tobias Klein, 25 Jahre, der sich heute in unserer Notaufnahme vorstellte.
Verdachtsdiagnose
Distorsion des rechten oberen Sprunggelenks mit Läsion des lateralen Bandapparats (v. a. Ligamentum fibulotalare anterius)
Differenzialdiagnosen
- Außenknöchelfraktur (Weber-Fraktur der distalen Fibula)
- Fraktur der Basis des Os metatarsale V
- Verletzung der Syndesmose (hohe Sprunggelenksverletzung)
- Osteochondrale Läsion oder Peronealsehnenverletzung
Anamnese
Die aktuelle Anamnese ergab, dass der Patient am Vortag beim Fußball ein Supinationstrauma des rechten oberen Sprunggelenks erlitten habe. Er gab an, der Fuß sei bei der Landung nach innen umgeknickt; danach seien eine Schwellung und ein Bluterguss am Außenknöchel aufgetreten. Belasten könne er den Fuß unter Schmerzen und Humpeln. Die Schmerzen lokalisierte er vor und unterhalb des Außenknöchels; Taubheitsgefühl oder Kribbeln verneinte er, die Zehen könne er frei bewegen. Angaben zu Begleitverletzungen wurden verneint. Weiterhin berichtete er über zwei frühere Umknickverletzungen desselben Gelenks, die nicht ärztlich behandelt worden seien. Er sei ansonsten gesund, nehme keine Dauermedikation ein und habe am Vorabend einmalig Ibuprofen mit gutem Erfolg eingenommen. Allergien seien nicht bekannt.
Geplante Diagnostik
- Inspektion und Palpation mit Lokalisation des Druckschmerzes am lateralen Bandapparat
- Prüfung von Durchblutung, Motorik und Sensibilität sowie der Belastbarkeit
- Anwendung der Ottawa-Ankle-Rules zur Indikationsstellung für ein Röntgen
- Bei Erfüllung der Kriterien Röntgen des Sprunggelenks in zwei Ebenen (und ggf. des Fußes)
- Stabilitätsprüfung (z. B. vorderer Schubladentest) im schmerzarmen Verlauf, bei Unklarheit MRT
Procedere
Wird in der Prüfung im Arzt-Arzt-Gespräch mündlich besprochen – auf dieser Übungsseite bewusst nicht aufgeführt.
Mit freundlichen kollegialen Grüßen
Checkliste: Das muss im Brief stehen
- Unfallmechanismus (Supinationstrauma) und betroffene Seite
- Zeitpunkt des Traumas und Verlauf (Schwellung, Hämatom)
- Belastbarkeit/Gehfähigkeit
- Lokalisation des Druckschmerzes (lateraler Bandapparat)
- periphere Durchblutung, Motorik, Sensibilität (pDMS)
- frühere Distorsionen desselben Gelenks (rezidivierend)
- Begleitverletzungen
- Medikation und Allergien
Patientenvorstellung beim OberarztTeil 3: Vorstellung und Rückfragen
Im dritten Teil stellst du den Fall einer Kollegin oder einem Kollegen aus der Prüfungskommission vor – knapp, strukturiert und in Fachsprache. Danach folgen meist Rückfragen. Mehr dazu: Arzt-Arzt-Gespräch und Übergabe.
„Ich möchte Ihnen Herrn Klein vorstellen, einen 25-jährigen Patienten, der sich einen Tag nach einem Supinationstrauma des rechten Sprunggelenks beim Fußball vorgestellt hat. Es bestehen eine Schwellung und ein Hämatom am Außenknöchel mit Schmerzen vor und unterhalb des Außenknöchels; die Belastung ist unter Schmerzen möglich, Sensibilitätsstörungen werden verneint. Bei rezidivierenden Distorsionen desselben Gelenks lautet meine Verdachtsdiagnose eine Distorsion des rechten oberen Sprunggelenks mit Verletzung des lateralen Bandapparats.“
Mögliche Rückfragen – erst selbst antworten
Wie entscheiden Sie, ob dieser Patient überhaupt geröntgt werden muss?▾
Anhand der Ottawa-Ankle-Rules. Ein Röntgen des Sprunggelenks ist indiziert bei Knochendruckschmerz an der Hinterkante oder Spitze des Innen- oder Außenknöchels (jeweils distale 6 cm) oder wenn der Patient weder unmittelbar nach dem Trauma noch in der Untersuchung vier Schritte gehen kann. Für den Fuß gelten Druckschmerz an der Basis des Os metatarsale V oder am Os naviculare. Die Regeln haben eine hohe Sensitivität und vermeiden unnötige Röntgenbilder.
Welche Begleitverletzungen dürfen Sie beim Supinationstrauma nicht übersehen?▾
Frakturen des Außenknöchels (Einteilung nach Weber) und der Basis des Os metatarsale V, eine Syndesmosenverletzung, die man mit dem Squeeze-Test und dem Außenrotationstest prüft, bei proximalem Fibuladruckschmerz eine Maisonneuve-Fraktur, außerdem osteochondrale Läsionen des Talus und Verletzungen der Peronealsehnen.
Wann und wie prüfen Sie die Bandstabilität?▾
In der akuten Phase sind Schwellung und Schmerz zu stark, die Tests sind dann wenig aussagekräftig. Nach etwa vier bis fünf Tagen prüft man mit dem vorderen Schubladentest das Ligamentum fibulotalare anterius und mit dem Taluskippungstest zusätzlich das Ligamentum fibulocalcaneare, immer im Seitenvergleich. Bei unklarem Befund oder Verdacht auf Begleitverletzungen folgt eine MRT. Die wiederholten Distorsionen dieses Patienten sprechen für eine chronische Instabilität, die man dabei gezielt mitbeurteilt.
Fachbegriffe: Laiensprache ↔ FachspracheZum Umdrehen und als Tabelle
Vom Gespräch in den Arztbrief
Tippe auf den Satz des Patienten – wie heißt es im Arztbrief?
Vom Fachbegriff zur Erklärung für den Patienten
| Fachbegriff | So erklärst du es |
|---|---|
| Distorsion | eine Verstauchung, also eine Überdehnung oder Zerrung der Bänder eines Gelenks |
| Supinationstrauma | das Umknicken des Fußes nach innen, wobei die Außenbänder überdehnt werden |
| Hämatom | ein Bluterguss, also eine Einblutung ins Gewebe |
| Propriozeption | der Lage- und Gleichgewichtssinn des Körpers, mit dem man die Stellung eines Gelenks spürt |
Verlinkte Begriffe stehen im Glossar Medizinische Fachbegriffe: Patientensprache → Fachsprache (mit Übersetzungen in 12 Sprachen).
FSP-Med: Fälle im Prüfungsablauf üben
Im FSP-Med-Modul der KLINIKFUCHS-App übst du Arzt-Patienten-Gespräche im FSP-Simulator, den Arztbrief und die Patientenvorstellung – mit Übersetzungshilfe in 13 Sprachen. Die App ist kostenlos: im Browser oder als iOS-App.
Übungsmaterial zum Sprachtraining, kein Ersatz für ärztliche Aus- und Weiterbildung und keine Behandlungsempfehlung. Prüfungsablauf und Anforderungen können je nach Ärztekammer und Bundesland variieren; verbindlich sind die Vorgaben der für dich zuständigen Kammer.