FSP-Übungsfall Wadenschmerzen beim Gehen: pAVK
Ein 66-jähriger Patient stellt sich vor, weil ihm seit einigen Wochen beim Spazierengehen die rechte Wade schmerzt und er immer wieder stehenbleiben muss. Auf dieser Seite findest du den ganzen Fall in den drei Teilen der Fachsprachprüfung: das Anamnesegespräch als Musterablauf, den ausgefüllten Anamnesebogen, einen Beispiel-Arztbrief und die Patientenvorstellung – dazu die wichtigsten Fachbegriffe in Laien- und Fachsprache.
📚 Das Krankheitsbild zum Nachlesen (Definition, Klinik, Diagnostik): Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
1. Patientenrolle: Steckbrief
Übst du mit einer Lernpartnerin oder einem Lernpartner, bekommt diese Person den Steckbrief und die Antworten aus Abschnitt 2. Sie erzählt zuerst nur den Einstiegssatz und gibt alles Weitere erst preis, wenn du passend nachfragst.
| Name | Herr Werner Kowalski |
| Alter | 66 Jahre |
| Ort | Sprechstunde |
| Leitsymptom | Belastungsabhängige Wadenschmerzen |
| Fachgebiet | Angiologie |
| Lebenssituation | pensionierter Lagerarbeiter; lebt mit Ehefrau, 2. OG |
| Schwierigkeit | mittel |
Einstiegssatz des Patienten:
„Seit etwa zwei Monaten bekomme ich beim Gehen Schmerzen in der rechten Wade. Nach ungefähr zweihundert Metern muss ich stehenbleiben, dann wird es langsam wieder besser.“
2. Musterablauf der Anamnese
So kann das Arzt-Patienten-Gespräch in diesem Fall ablaufen – gegliedert nach dem üblichen Anamnese-Schema: aktuelle Beschwerden, vegetative Anamnese, Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien, Noxen, Familien- und Sozialanamnese. Mit dem Patienten sprichst du Alltagssprache; Fachbegriffe kommen erst im Arztbrief. Mehr Fragen und Formulierungen: Anamnese auf Deutsch.
Begrüßung und Einstieg
Ärztin/ArztGuten Tag, Herr Kowalski. Mein Name ist Dr. Müller, ich bin heute für Sie zuständig. Alles, was wir besprechen, unterliegt der Schweigepflicht. Was führt Sie zu uns?
PatientSeit etwa zwei Monaten bekomme ich beim Gehen Schmerzen in der rechten Wade. Nach ungefähr zweihundert Metern muss ich stehenbleiben, dann wird es langsam wieder besser.
1. Aktuelle Beschwerden
Ärztin/ArztKönnen Sie mir die Schmerzen genauer beschreiben — wo genau und wie fühlen sie sich an?
PatientEs ist ein Ziehen und Krampfen in der rechten Wade, tief im Muskel. In Ruhe habe ich nichts.
Ärztin/ArztNach welcher Gehstrecke treten die Schmerzen auf, und was hilft dagegen?
PatientNach etwa zweihundert Metern. Wenn ich kurz stehenbleibe, lässt es innerhalb von ein paar Minuten nach.
Ärztin/ArztSind die Beschwerden über die Zeit gleich geblieben oder schlimmer geworden?
PatientEher schlimmer. Früher konnte ich weiter gehen, jetzt komme ich nicht mehr so weit.
Ärztin/ArztHaben Sie auch Schmerzen in Ruhe, besonders nachts im Liegen?
PatientNein, nachts habe ich Ruhe. Nur beim Gehen.
2. Vegetative Anamnese
Ärztin/ArztWie ist es mit Appetit, Gewicht und Schlaf?
PatientAppetit und Schlaf sind normal, das Gewicht ist stabil.
Ärztin/ArztHaben Sie Fieber, Nachtschweiß oder Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang?
PatientNein, davon nichts.
3. Vorerkrankungen
Ärztin/ArztSind bei Ihnen Vorerkrankungen bekannt?
PatientJa, ich habe hohen Blutdruck und Zucker, beides seit etwa zehn Jahren. Die Blutfette sollen auch zu hoch sein.
Ärztin/ArztNehmen Sie dafür regelmäßig Medikamente ein?
PatientIch nehme Tabletten dafür, aber ich muss zugeben, dass ich sie nicht immer regelmäßig nehme.
4. Medikamente
Ärztin/ArztWelche Medikamente nehmen Sie genau ein?
PatientEin Blutdruckmittel namens Ramipril, Metformin für den Zucker und irgendetwas für die Blutfette, den Namen weiß ich nicht mehr.
5. Allergien
Ärztin/ArztSind bei Ihnen Allergien oder Unverträglichkeiten bekannt?
PatientNein, mir ist nichts bekannt.
6. Noxen
Ärztin/ArztRauchen Sie oder haben Sie früher geraucht, und wie viel am Tag?
PatientJa, leider. Etwa eine Schachtel am Tag, und das seit über vierzig Jahren.
Ärztin/ArztWie sieht es mit Alkohol aus?
PatientAb und zu ein Bier am Wochenende, mehr nicht.
7. Familien- und Sozialanamnese
Ärztin/ArztGibt es in Ihrer Familie Herz-Kreislauf-Erkrankungen?
PatientMein Vater hatte mit sechzig einen Herzinfarkt.
Ärztin/ArztWas machen Sie beruflich und wie wohnen Sie?
PatientIch bin pensionierter Lagerarbeiter, wohne mit meiner Frau in einer Wohnung im zweiten Stock.
Wenn der Patient selbst fragt
PatientHerr Doktor, ist das gefährlich? Muss ich mir Sorgen machen?
Ärztin/ArztIch verstehe Ihre Sorge gut. Ihre Beschwerden können von einer Durchblutungsstörung der Beine kommen, und das nehmen wir ernst. Deshalb taste ich jetzt die Pulse an Ihren Beinen und messe den Blutdruck an Armen und Knöcheln. Danach besprechen wir die Ergebnisse gemeinsam.
Ehrlich bleiben, nichts versprechen und auf die Untersuchung und das anschließende Gespräch verweisen.
Zusammenfassung und Abschluss
Ärztin/ArztVielen Dank. Ich fasse kurz zusammen, was ich verstanden habe – bitte korrigieren Sie mich, wenn etwas nicht stimmt.
Ärztin/ArztGibt es noch etwas, das Sie mir sagen möchten, oder haben Sie Fragen an mich?
Ärztin/ArztAls Nächstes würde ich Sie gern körperlich untersuchen. Sind Sie damit einverstanden?
3. Ausgefüllter Anamnesebogen
So können deine Notizen am Ende des Gesprächs aussehen: Stichpunkte, schon in Fachsprache und mit üblichen Abkürzungen (J. = Jahre, Z. n. = Zustand nach, py = Packungsjahre, re./li. = rechts/links). Auf dieser Grundlage schreibst du danach den Arztbrief.
Anamnesebogen · Übungsfall 23
| Patient | Herr Werner Kowalski, 66 J. |
|---|---|
| Vorstellungsgrund | belastungsabhängige Schmerzen in der re. Wade seit ca. 2 Monaten |
| Lokalisation / Charakter | re. Wade, tief im Muskel; ziehend-krampfartig |
| Gehstrecke | Schmerzbeginn nach ca. 200 m; nach kurzem Stehenbleiben innerhalb weniger Minuten regredient |
| Verlauf | progredient, Gehstrecke abnehmend |
| Ruheschmerz | keiner, auch nachts nicht |
| Vegetative Anamnese | Appetit, Schlaf und Gewicht unauffällig; kein Fieber, kein Nachtschweiß; Miktion und Stuhlgang unauffällig |
| Vorerkrankungen | arterielle Hypertonie und Diabetes mellitus (jeweils seit ca. 10 J.); Hyperlipidämie |
| Medikamente | Ramipril, Metformin, Lipidsenker (Name unbekannt); Einnahme nicht regelmäßig |
| Allergien | keine bekannt |
| Noxen | Nikotin ca. 1 Schachtel/d seit > 40 J. (> 40 py); Alkohol gelegentlich am Wochenende |
| Familienanamnese | Vater mit Myokardinfarkt mit 60 J. |
| Sozialanamnese | pensionierter Lagerarbeiter; lebt mit Ehefrau, 2. OG |
4. Beispiel-Arztbrief (schriftliche Dokumentation)
Im zweiten Prüfungsteil dokumentierst du den Fall schriftlich – je nach Kammer als Arztbrief oder Dokumentationsbogen. Grundlage ist das Anamnesegespräch; Untersuchungsbefunde liegen in diesem Übungsfall noch nicht vor. Anamnese im Präteritum bzw. Präsens, Angaben des Patienten wahlweise in indirekter Rede (Konjunktiv I). Mehr dazu: Arztbrief in der Fachsprachprüfung.
Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,
wir berichten über Herrn Werner Kowalski, 66 Jahre, der sich heute in unserer Sprechstunde vorstellte.
Verdachtsdiagnose
Periphere arterielle Verschlusskrankheit, Stadium Fontaine II b (rechtes Bein)
Differenzialdiagnosen
- Tiefe Venenthrombose
- Diabetische Polyneuropathie
- Spinalkanalstenose mit Claudicatio spinalis
- Muskuloskelettale Ursache (z. B. Baker-Zyste, Wadenmuskelläsion)
Anamnese
Die aktuelle Anamnese ergab, dass die belastungsabhängigen Schmerzen in der rechten Wade seit etwa zwei Monaten bestünden und langsam zugenommen hätten. Der Patient gab an, die Schmerzen träten reproduzierbar nach einer Gehstrecke von rund 200 Metern auf und ließen nach kurzem Stehenbleiben wieder nach; Schmerzen in Ruhe habe er nicht. An Risikofaktoren seien ein langjähriger arterieller Hypertonus, ein Diabetes mellitus Typ 2 und eine Hyperlipidämie bekannt; er rauche seit Langem, etwa 40 Packungsjahre, und in der Familienanamnese sei ein Myokardinfarkt des Vaters mit 60 Jahren bekannt. An Dauermedikation nehme er Ramipril, Metformin und ein Präparat zur Senkung der Blutfette ein — nach eigener Angabe nicht regelmäßig. Allergien seien nicht bekannt.
Geplante Diagnostik
- Körperliche Untersuchung mit Pulsstatus und Auskultation der Strömungsgeräusche
- Bestimmung des Knöchel-Arm-Index (ABI)
- Farbkodierte Duplexsonographie der Beinarterien
- Labor: Blutbild, Nüchternglukose, HbA1c, Lipidprofil, Nierenwerte
Procedere
Wird in der Prüfung im Arzt-Arzt-Gespräch mündlich besprochen – auf dieser Übungsseite bewusst nicht aufgeführt.
Mit freundlichen kollegialen Grüßen
Checkliste: Das muss im Brief stehen
- Leitsymptom + betroffene Seite
- Dauer und Verlauf (progredient)
- schmerzfreie Gehstrecke
- kein Ruheschmerz
- kardiovaskuläre Risikofaktoren
- Nikotinanamnese in Packungsjahren
- Dauermedikation
- Allergien
5. Patientenvorstellung beim Oberarzt
Im dritten Teil stellst du den Fall einer Kollegin oder einem Kollegen aus der Prüfungskommission vor – knapp, strukturiert und in Fachsprache. Danach folgen meist Rückfragen. Mehr dazu: Arzt-Arzt-Gespräch und Übergabe.
„Ich möchte Ihnen Herrn Kowalski vorstellen, einen 66-jährigen Patienten, der sich mit belastungsabhängigen Schmerzen der rechten Wade seit zwei Monaten vorgestellt hat. Die schmerzfreie Gehstrecke beträgt etwa 200 Meter, ein Ruheschmerz besteht nicht. Bei ausgeprägtem kardiovaskulärem Risikoprofil lautet meine Verdachtsdiagnose eine periphere arterielle Verschlusskrankheit im Stadium Fontaine II b.“
Mögliche Rückfragen
Wie teilen Sie die pAVK klinisch ein, und welches Stadium liegt hier vor?▾
Nach Fontaine: Stadium I asymptomatisch, II Claudicatio intermittens – IIa mit schmerzfreier Gehstrecke über 200 Meter, IIb unter 200 Meter –, III ischämischer Ruheschmerz und IV Nekrose oder Gangrän. Hier liegt die Gehstrecke bei etwa 200 Metern ohne Ruheschmerz, also an der Grenze zwischen IIa und IIb; bei abnehmender Gehstrecke eher IIb.
Wie grenzen Sie die Claudicatio intermittens von einer Claudicatio spinalis ab?▾
Bei der vaskulären Claudicatio bessern sich die Schmerzen rasch im Stehen, ohne Positionswechsel; die Fußpulse sind abgeschwächt oder fehlen, und der Knöchel-Arm-Index ist erniedrigt. Bei der Claudicatio spinalis durch eine Spinalkanalstenose bessern sich die Beschwerden erst im Sitzen oder beim Vornüberbeugen; oft bestehen Rückenschmerzen und Sensibilitätsstörungen, und die Pulse sind tastbar.
6. Fachbegriffe: Laiensprache ↔ Fachsprache
Vom Gespräch in den Arztbrief
| Der Patient sagt | Im Arztbrief |
|---|---|
| „nach ungefähr zweihundert Metern muss ich stehenbleiben“ | Claudicatio intermittens, Gehstrecke ca. 200 m |
| „ein Ziehen und Krampfen in der rechten Wade“ | krampfartiger Wadenschmerz rechts |
| „in Ruhe habe ich nichts“ | kein Ruheschmerz |
| „hohen Blutdruck und Zucker“ | arterielle Hypertonie und Diabetes mellitus |
| „die Blutfette sollen auch zu hoch sein“ | Hyperlipidämie |
| „etwa eine Schachtel am Tag, und das seit über vierzig Jahren“ | Nikotinabusus > 40 Packungsjahre |
| „nicht immer regelmäßig“ | eingeschränkte Adhärenz |
Vom Fachbegriff zur Erklärung für den Patienten
| Fachbegriff | So erklärst du es |
|---|---|
| Claudicatio intermittens | belastungsabhängige Schmerzen in den Beinen, die einen zum Stehenbleiben zwingen — umgangssprachlich Schaufensterkrankheit |
| Knöchel-Arm-Index (ABI) | ein Vergleich des Blutdrucks am Knöchel mit dem am Arm, um die Durchblutung der Beine einzuschätzen |
Verlinkte Begriffe stehen im Glossar Medizinische Fachbegriffe: Patientensprache → Fachsprache (mit Übersetzungen in 12 Sprachen).
FSP-Med: Fälle im Prüfungsablauf üben
Im FSP-Med-Modul der KLINIKFUCHS-App übst du Arzt-Patienten-Gespräche im FSP-Simulator, den Arztbrief und die Patientenvorstellung – mit Übersetzungshilfe in 13 Sprachen. Die App ist kostenlos: im Browser oder als iOS-App.
Übungsmaterial zum Sprachtraining, kein Ersatz für ärztliche Aus- und Weiterbildung und keine Behandlungsempfehlung. Prüfungsablauf und Anforderungen können je nach Ärztekammer und Bundesland variieren; verbindlich sind die Vorgaben der für dich zuständigen Kammer.