FSP-Übungsfall Gürtelförmige Oberbauchschmerzen: Akute Pankreatitis
Ein 52-jähriger Patient stellt sich in der Notaufnahme vor, weil er seit dem Vorabend heftige, in den Rücken ausstrahlende Oberbauchschmerzen mit Übelkeit und mehrfachem Erbrechen hat. Auf dieser Seite findest du den ganzen Fall in den drei Teilen der Fachsprachprüfung: das Anamnesegespräch als Musterablauf, den ausgefüllten Anamnesebogen, einen Beispiel-Arztbrief und die Patientenvorstellung – dazu die wichtigsten Fachbegriffe in Laien- und Fachsprache.
📚 Das Krankheitsbild zum Nachlesen (Definition, Klinik, Diagnostik): Akute Pankreatitis
1. Patientenrolle: Steckbrief
Übst du mit einer Lernpartnerin oder einem Lernpartner, bekommt diese Person den Steckbrief und die Antworten aus Abschnitt 2. Sie erzählt zuerst nur den Einstiegssatz und gibt alles Weitere erst preis, wenn du passend nachfragst.
| Name | Herr Matthias Lehnert |
| Alter | 52 Jahre |
| Ort | Notaufnahme |
| Leitsymptom | Gürtelförmige Oberbauchschmerzen |
| Fachgebiet | Gastroenterologie |
| Lebenssituation | Vertreter, viel unterwegs; unregelmäßige Mahlzeiten, häufig auswärts |
| Schwierigkeit | mittel |
Einstiegssatz des Patienten:
„Seit gestern Abend habe ich furchtbare Schmerzen im Oberbauch. Es fühlt sich an, als würde sich ein Gürtel um den Bauch bis in den Rücken ziehen. Mir ist schlecht und ich habe mehrmals erbrochen.“
2. Musterablauf der Anamnese
So kann das Arzt-Patienten-Gespräch in diesem Fall ablaufen – gegliedert nach dem üblichen Anamnese-Schema: aktuelle Beschwerden, vegetative Anamnese, Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien, Noxen, Familien- und Sozialanamnese. Mit dem Patienten sprichst du Alltagssprache; Fachbegriffe kommen erst im Arztbrief. Mehr Fragen und Formulierungen: Anamnese auf Deutsch.
Begrüßung und Einstieg
Ärztin/ArztGuten Tag, Herr Lehnert. Mein Name ist Dr. Müller, ich bin heute für Sie zuständig. Alles, was wir besprechen, unterliegt der Schweigepflicht. Was führt Sie zu uns?
PatientSeit gestern Abend habe ich furchtbare Schmerzen im Oberbauch. Es fühlt sich an, als würde sich ein Gürtel um den Bauch bis in den Rücken ziehen. Mir ist schlecht und ich habe mehrmals erbrochen.
1. Aktuelle Beschwerden
Ärztin/ArztKönnen Sie mir die Schmerzen genauer beschreiben — wo genau sitzen sie und wie fühlen sie sich an?
PatientSie sitzen mitten im Oberbauch und ziehen wie ein Band um beide Seiten bis in den Rücken. Es ist ein tiefes, bohrendes Dauerweh.
Ärztin/ArztWann haben die Schmerzen begonnen und wie stark sind sie auf einer Skala von null bis zehn?
PatientGestern Abend, etwa zwei Stunden nach dem Essen. Sie sind sehr stark, ich würde acht von zehn sagen.
Ärztin/ArztGibt es etwas, das die Schmerzen bessert oder verschlimmert?
PatientWenn ich mich zusammenkrümme und die Beine anziehe, ist es etwas erträglicher. Im Liegen auf dem Rücken wird es schlimmer.
Ärztin/ArztHatten Sie am Abend zuvor etwas Besonderes gegessen oder getrunken?
PatientJa, wir hatten eine Feier. Ich habe deftig gegessen und ehrlich gesagt auch einige Gläser Alkohol getrunken.
Ärztin/ArztIst Ihnen aufgefallen, dass Ihre Haut oder Ihre Augen gelb geworden sind?
PatientNein, das ist mir nicht aufgefallen.
2. Vegetative Anamnese
Ärztin/ArztWie ist es mit Übelkeit, Erbrechen und dem Appetit?
PatientMir ist ständig übel, ich habe seit gestern viermal erbrochen und kann gar nichts essen.
Ärztin/ArztHaben Sie Fieber, und wie war zuletzt der Stuhlgang?
PatientIch fühle mich warm und verschwitzt. Stuhlgang hatte ich seit gestern nicht mehr, aber der Bauch ist aufgebläht.
Ärztin/ArztHaben Sie Herzrasen oder Schwindel?
PatientJa, mein Herz klopft schnell und mir ist etwas flau, wenn ich aufstehe.
3. Vorerkrankungen
Ärztin/ArztSind bei Ihnen Vorerkrankungen bekannt, zum Beispiel Gallensteine oder Magenprobleme?
PatientGallensteine sind nicht bekannt. Ich hatte vor etwa zwei Jahren schon einmal eine Bauchspeicheldrüsenentzündung, damals nach zu viel Alkohol.
Ärztin/ArztSind bei Ihnen erhöhte Blutfette oder ein zu hoher Kalziumwert bekannt?
PatientDie Blutfette sollen zu hoch sein, das hat der Hausarzt einmal gesagt. Vom Kalzium weiß ich nichts.
4. Medikamente
Ärztin/ArztWelche Medikamente nehmen Sie regelmäßig ein?
PatientEigentlich nur ab und zu eine Tablette gegen Sodbrennen, sonst nehme ich nichts regelmäßig.
5. Allergien
Ärztin/ArztSind bei Ihnen Allergien oder Unverträglichkeiten bekannt?
PatientNein, mir ist keine Allergie bekannt.
6. Noxen
Ärztin/ArztWie viel Alkohol trinken Sie üblicherweise in der Woche?
PatientUnter der Woche ein, zwei Bier am Abend, am Wochenende auch mal mehr. Bei Feiern kommt einiges zusammen.
Ärztin/ArztRauchen Sie?
PatientJa, etwa fünfzehn Zigaretten am Tag, seit vielen Jahren.
7. Familien- und Sozialanamnese
Ärztin/ArztGibt es in Ihrer Familie Gallensteine oder Magen-Darm-Erkrankungen?
PatientMeine Mutter wurde wegen Gallensteinen operiert. Sonst ist mir nichts bekannt.
Ärztin/ArztWas machen Sie beruflich und wie sieht Ihr Alltag aus?
PatientIch arbeite als Vertreter und bin viel unterwegs, esse oft unregelmäßig und auswärts.
Wenn der Patient selbst fragt
PatientHerr Doktor, ist das gefährlich? Kann ich daran sterben?
Ärztin/ArztIch verstehe, dass Ihnen das große Angst macht. Ihre Schmerzen nehmen wir sehr ernst. Deshalb untersuche ich Sie jetzt sofort, wir nehmen Blut ab und machen einen Ultraschall. Danach besprechen wir die Ergebnisse gemeinsam, und wir bleiben die ganze Zeit an Ihrer Seite.
Ehrlich bleiben, nichts versprechen und auf die Untersuchung und das anschließende Gespräch verweisen.
Zusammenfassung und Abschluss
Ärztin/ArztVielen Dank. Ich fasse kurz zusammen, was ich verstanden habe – bitte korrigieren Sie mich, wenn etwas nicht stimmt.
Ärztin/ArztGibt es noch etwas, das Sie mir sagen möchten, oder haben Sie Fragen an mich?
Ärztin/ArztAls Nächstes würde ich Sie gern körperlich untersuchen. Sind Sie damit einverstanden?
3. Ausgefüllter Anamnesebogen
So können deine Notizen am Ende des Gesprächs aussehen: Stichpunkte, schon in Fachsprache und mit üblichen Abkürzungen (J. = Jahre, Z. n. = Zustand nach, py = Packungsjahre, re./li. = rechts/links). Auf dieser Grundlage schreibst du danach den Arztbrief.
Anamnesebogen · Übungsfall 22
| Patient | Herr Matthias Lehnert, 52 J. |
|---|---|
| Vorstellungsgrund | starke Oberbauchschmerzen seit dem Vorabend mit Nausea und rezidivierendem Erbrechen |
| Lokalisation / Ausstrahlung | mittlerer Oberbauch (epigastrisch); gürtelförmige Ausstrahlung beidseits in den Rücken |
| Charakter / Intensität | tief, bohrend, Dauerschmerz; NRS 8/10 |
| Beginn / Auslöser | ca. 2 h nach opulenter Mahlzeit mit Alkoholkonsum (Feier) |
| Modifikation | Linderung in gekrümmter Haltung mit angezogenen Beinen; Verstärkung in Rückenlage |
| Begleitsymptome | Nausea, 4× Emesis seit gestern; Meteorismus; Herzrasen, Schwindel beim Aufstehen; subjektiv warm und verschwitzt; kein Ikterus bemerkt |
| Vegetative Anamnese | keine Nahrungsaufnahme möglich; kein Stuhlgang seit gestern |
| Vorerkrankungen | Z. n. Pankreatitis vor ca. 2 J. (nach Alkoholkonsum); Hyperlipidämie; keine Gallensteine bekannt; Kalziumwerte unbekannt |
| Medikamente | keine Dauermedikation; gelegentlich Präparat gegen Sodbrennen |
| Allergien | keine bekannt |
| Noxen | Alkohol regelmäßig (1–2 Bier/Abend, am Wochenende und bei Feiern deutlich mehr); Nikotin ca. 15 Zig./d seit vielen Jahren |
| Familienanamnese | Mutter Z. n. Gallenstein-OP |
| Sozialanamnese | Vertreter, viel unterwegs; unregelmäßige Mahlzeiten, häufig auswärts |
4. Beispiel-Arztbrief (schriftliche Dokumentation)
Im zweiten Prüfungsteil dokumentierst du den Fall schriftlich – je nach Kammer als Arztbrief oder Dokumentationsbogen. Grundlage ist das Anamnesegespräch; Untersuchungsbefunde liegen in diesem Übungsfall noch nicht vor. Anamnese im Präteritum bzw. Präsens, Angaben des Patienten wahlweise in indirekter Rede (Konjunktiv I). Mehr dazu: Arztbrief in der Fachsprachprüfung.
Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,
wir berichten über Herrn Matthias Lehnert, 52 Jahre, der sich heute in unserer Notaufnahme vorstellte.
Verdachtsdiagnose
Akute Pankreatitis, am ehesten äthyltoxisch bedingt
Differenzialdiagnosen
- Perforiertes Magen- oder Duodenalulkus
- Biliäre Kolik bzw. akute Cholezystitis
- Mesenteriale Ischämie
- Hinterwandinfarkt mit abdomineller Symptomatik
Anamnese
Der Patient stellte sich notfallmäßig vor. Die aktuelle Anamnese ergab, dass die Oberbauchschmerzen seit dem Vorabend bestünden, akut aufgetreten seien und gürtelförmig in den Rücken ausstrahlten; die Stärke gab er mit acht von zehn an. Er berichtete, die Schmerzen hätten nach einem reichlichen Essen mit viel Alkohol begonnen und besserten sich, wenn er sich zusammenkauere. Begleitend klagte er über ausgeprägte Übelkeit und mehrfaches Erbrechen; das Abdomen sei aufgetrieben, zudem klagte er über Schwindel. Er gab außerdem Herzklopfen an. An Vorerkrankungen seien eine Pankreatitis vor zwei Jahren bei Alkoholkonsum und eine Hyperlipidämie bekannt. Er trinke regelmäßig Alkohol und rauche. In der Familienanamnese sei ein Gallensteinleiden bekannt. Eine Dauermedikation nehme er nicht ein, Allergien seien nicht bekannt.
Geplante Diagnostik
- Körperliche Untersuchung mit Palpation des Abdomens und Prüfung der Peritonismuszeichen
- Labor: Lipase und Amylase, Blutbild, CRP, Leber- und Cholestasewerte, Kalzium, Triglyceride, Blutzucker, Nierenwerte, Blutgasanalyse
- Abdomensonographie zur Frage Gallensteine und freie Flüssigkeit
- Kontrastmittel-Computertomographie des Abdomens bei schwerem Verlauf oder Verdacht auf Komplikationen (frühestens nach 72 Stunden aussagekräftig)
Procedere
Wird in der Prüfung im Arzt-Arzt-Gespräch mündlich besprochen – auf dieser Übungsseite bewusst nicht aufgeführt.
Mit freundlichen kollegialen Grüßen
Checkliste: Das muss im Brief stehen
- Leitsymptom mit gürtelförmiger Ausstrahlung
- akuter Beginn und zeitlicher Verlauf
- auslösendes Ereignis (Alkohol, opulente Mahlzeit)
- Begleitsymptome (Übelkeit, Erbrechen)
- Kreislaufzeichen (Tachykardie, Schwindel)
- relevante Vorerkrankungen (frühere Pankreatitis, Hyperlipidämie)
- Noxen (Alkohol, Nikotin)
- Allergien
5. Patientenvorstellung beim Oberarzt
Im dritten Teil stellst du den Fall einer Kollegin oder einem Kollegen aus der Prüfungskommission vor – knapp, strukturiert und in Fachsprache. Danach folgen meist Rückfragen. Mehr dazu: Arzt-Arzt-Gespräch und Übergabe.
„Ich möchte Ihnen Herrn Lehnert vorstellen, einen 52-jährigen Patienten, der sich notfallmäßig mit seit gestern Abend bestehenden, starken gürtelförmigen Oberbauchschmerzen mit Ausstrahlung in den Rücken, Übelkeit und mehrfachem Erbrechen vorgestellt hat. Die Beschwerden traten nach reichlichem Alkoholkonsum auf. Anamnestisch sind eine Pankreatitis vor zwei Jahren und eine Hyperlipidämie bekannt. Er berichtet zudem über einen geblähten Bauch, Herzklopfen und ein flaues Gefühl beim Aufstehen. Meine Verdachtsdiagnose ist eine akute Pankreatitis.“
Mögliche Rückfragen
Wie stellen Sie die Diagnose einer akuten Pankreatitis?▾
Nach der revidierten Atlanta-Klassifikation, wenn zwei von drei Kriterien erfüllt sind: typischer, oft gürtelförmiger Oberbauchschmerz, eine Erhöhung der Lipase auf mehr als das Dreifache des oberen Normwerts und charakteristische Befunde in der Bildgebung. Hier sind die Schmerzen typisch; ich erwarte zusätzlich eine deutlich erhöhte Lipase.
Welche Ursachen einer akuten Pankreatitis kennen Sie, und welche ist hier wahrscheinlich?▾
Am häufigsten sind Gallensteine und Alkohol. Seltener sind eine Hypertriglyzeridämie, eine Hyperkalzämie, Medikamente, eine Pankreatitis nach ERCP, Infektionen, Traumen sowie genetische oder autoimmune Ursachen. Hier sprechen der regelmäßige Alkoholkonsum und die frühere Episode nach Alkohol für eine äthyltoxische Genese. Wegen der Hyperlipidämie und der Gallensteine in der Familie bestimme ich trotzdem Triglyzeride und Kalzium und suche sonographisch nach Gallensteinen.
6. Fachbegriffe: Laiensprache ↔ Fachsprache
Vom Gespräch in den Arztbrief
| Der Patient sagt | Im Arztbrief |
|---|---|
| „als würde sich ein Gürtel um den Bauch bis in den Rücken ziehen“ | gürtelförmiger Oberbauchschmerz mit Ausstrahlung in den Rücken |
| „mitten im Oberbauch“ | epigastrisch |
| „ein tiefes, bohrendes Dauerweh“ | bohrender Dauerschmerz |
| „wenn ich mich zusammenkrümme und die Beine anziehe“ | Schonhaltung mit angezogenen Beinen |
| „der Bauch ist aufgebläht“ | Meteorismus |
| „mein Herz klopft schnell“ | Tachykardie |
| „eine Bauchspeicheldrüsenentzündung“ | Pankreatitis |
| „die Blutfette sollen zu hoch sein“ | Hyperlipidämie |
Vom Fachbegriff zur Erklärung für den Patienten
| Fachbegriff | So erklärst du es |
|---|---|
| Pankreatitis | eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse |
| Lipase | ein Verdauungsenzym der Bauchspeicheldrüse, dessen Wert im Blut bei einer Entzündung stark ansteigt |
| gürtelförmiger Schmerz | ein Schmerz, der sich wie ein Gürtel um den Oberbauch bis in den Rücken zieht |
| Cholezystolithiasis | Gallensteine in der Gallenblase |
Verlinkte Begriffe stehen im Glossar Medizinische Fachbegriffe: Patientensprache → Fachsprache (mit Übersetzungen in 12 Sprachen).
FSP-Med: Fälle im Prüfungsablauf üben
Im FSP-Med-Modul der KLINIKFUCHS-App übst du Arzt-Patienten-Gespräche im FSP-Simulator, den Arztbrief und die Patientenvorstellung – mit Übersetzungshilfe in 13 Sprachen. Die App ist kostenlos: im Browser oder als iOS-App.
Übungsmaterial zum Sprachtraining, kein Ersatz für ärztliche Aus- und Weiterbildung und keine Behandlungsempfehlung. Prüfungsablauf und Anforderungen können je nach Ärztekammer und Bundesland variieren; verbindlich sind die Vorgaben der für dich zuständigen Kammer.