FSP-Übungsfall Einseitige Beinschwellung: Tiefe Venenthrombose
Eine 54-jährige Patientin stellt sich vor, weil ihr linkes Bein seit zwei Tagen dick geschwollen ist, spannt und schmerzt. Vor einer Woche ist sie mit dem Flugzeug aus dem Urlaub zurückgekommen. Auf dieser Seite findest du den ganzen Fall in den drei Teilen der Fachsprachprüfung: das Anamnesegespräch als Musterablauf, den ausgefüllten Anamnesebogen, einen Beispiel-Arztbrief und die Patientenvorstellung – dazu die wichtigsten Fachbegriffe in Laien- und Fachsprache.
📚 Das Krankheitsbild zum Nachlesen (Definition, Klinik, Diagnostik): Tiefe Venenthrombose (TVT)
1. Patientenrolle: Steckbrief
Übst du mit einer Lernpartnerin oder einem Lernpartner, bekommt diese Person den Steckbrief und die Antworten aus Abschnitt 2. Sie erzählt zuerst nur den Einstiegssatz und gibt alles Weitere erst preis, wenn du passend nachfragst.
| Name | Frau Birgit Osterloh |
| Alter | 54 Jahre |
| Ort | Sprechstunde |
| Leitsymptom | Einseitige schmerzhafte Beinschwellung |
| Fachgebiet | Angiologie |
| Lebenssituation | Bürotätigkeit (überwiegend sitzend); wenig Sport |
| Schwierigkeit | mittel |
Einstiegssatz der Patientin:
„Mein linkes Bein ist seit vorgestern richtig dick geworden, es spannt und tut weh, vor allem in der Wade. Das rechte Bein ist ganz normal.“
2. Musterablauf der Anamnese
So kann das Arzt-Patienten-Gespräch in diesem Fall ablaufen – gegliedert nach dem üblichen Anamnese-Schema: aktuelle Beschwerden, vegetative Anamnese, Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien, Noxen, Familien- und Sozialanamnese. Mit der Patientin sprichst du Alltagssprache; Fachbegriffe kommen erst im Arztbrief. Mehr Fragen und Formulierungen: Anamnese auf Deutsch.
Begrüßung und Einstieg
Ärztin/ArztGuten Tag, Frau Osterloh. Mein Name ist Dr. Müller, ich bin heute für Sie zuständig. Alles, was wir besprechen, unterliegt der Schweigepflicht. Was führt Sie zu uns?
PatientinMein linkes Bein ist seit vorgestern richtig dick geworden, es spannt und tut weh, vor allem in der Wade. Das rechte Bein ist ganz normal.
1. Aktuelle Beschwerden
Ärztin/ArztKönnen Sie mir genau beschreiben, wo das Bein geschwollen ist und wie sich der Schmerz anfühlt?
PatientinDie ganze Wade und der Unterschenkel links sind geschwollen. Es fühlt sich prall und schwer an, und beim Auftreten zieht es in der Wade.
Ärztin/ArztWann hat die Schwellung begonnen und hat sie sich seitdem verändert?
PatientinVorgestern früh ist mir das aufgefallen. Seitdem ist es eher noch etwas mehr geworden.
Ärztin/ArztHat sich die Haut an dem Bein verändert?
PatientinJa, die Wade ist wärmer als am anderen Bein und wirkt etwas bläulich-rot.
Ärztin/ArztHaben Sie Beschwerden beim Atmen, Brustschmerzen oder Herzrasen bemerkt?
PatientinNein, Luft bekomme ich gut, und in der Brust habe ich nichts gespürt.
Ärztin/ArztWaren Sie kürzlich auf einer längeren Reise?
PatientinJa, ich bin vor einer Woche aus dem Urlaub zurückgeflogen, das waren gut sechs Stunden im Flugzeug. Verletzt habe ich mich nicht.
2. Vegetative Anamnese
Ärztin/ArztWie steht es um Appetit, Gewicht, Schlaf und Verdauung?
PatientinAlles normal, da hat sich nichts geändert.
Ärztin/ArztHatten Sie Fieber, Husten oder Nachtschweiß?
PatientinNein, Fieber oder Husten habe ich nicht.
3. Vorerkrankungen
Ärztin/ArztSind bei Ihnen Vorerkrankungen bekannt, oder gab es früher schon einmal eine Thrombose?
PatientinIch habe einen leicht erhöhten Blutdruck. Eine Thrombose hatte ich noch nie.
Ärztin/ArztHatten Sie in letzter Zeit eine Operation?
PatientinNein, operiert wurde ich zuletzt vor vielen Jahren am Blinddarm, sonst nichts.
4. Medikamente
Ärztin/ArztWelche Medikamente nehmen Sie regelmäßig ein?
PatientinEine Tablette gegen den Blutdruck, und seit einigen Jahren die Pille, weil ich immer starke Beschwerden hatte.
Ärztin/ArztNehmen Sie gelegentlich Schmerzmittel?
PatientinNur ganz selten mal eine Tablette gegen Kopfschmerzen.
5. Allergien
Ärztin/ArztSind bei Ihnen Allergien oder Unverträglichkeiten bekannt?
PatientinJa, gegen Penicillin bekomme ich einen Hautausschlag.
6. Noxen
Ärztin/ArztRauchen Sie, und wenn ja, wie viel?
PatientinJa, so zehn Zigaretten am Tag, seit ich etwa zwanzig bin.
Ärztin/ArztWie sieht es mit Alkohol aus?
PatientinEin Glas Wein am Abend, aber nicht jeden Tag.
7. Familien- und Sozialanamnese
Ärztin/ArztGibt es in Ihrer Familie Thrombosen?
PatientinMeine Mutter hatte einmal eine Thrombose im Bein, so um die fünfzig herum.
Ärztin/ArztWas machen Sie beruflich und wie sieht Ihr Alltag aus?
PatientinIch arbeite im Büro und sitze viel. Sport mache ich eher wenig.
Wenn die Patientin selbst fragt
PatientinFrau Doktor, kann so ein Gerinnsel in die Lunge wandern? Ich habe da große Angst.
Ärztin/ArztIhre Sorge ist verständlich, und es ist gut, dass Sie gekommen sind. Ob überhaupt ein Gerinnsel vorliegt, klären wir jetzt mit einer Ultraschalluntersuchung Ihrer Beinvenen, und ich untersuche auch Herz und Lunge. Danach besprechen wir die Ergebnisse gemeinsam.
Ehrlich bleiben, nichts versprechen und auf die Untersuchung und das anschließende Gespräch verweisen.
Zusammenfassung und Abschluss
Ärztin/ArztVielen Dank. Ich fasse kurz zusammen, was ich verstanden habe – bitte korrigieren Sie mich, wenn etwas nicht stimmt.
Ärztin/ArztGibt es noch etwas, das Sie mir sagen möchten, oder haben Sie Fragen an mich?
Ärztin/ArztAls Nächstes würde ich Sie gern körperlich untersuchen. Sind Sie damit einverstanden?
3. Ausgefüllter Anamnesebogen
So können deine Notizen am Ende des Gesprächs aussehen: Stichpunkte, schon in Fachsprache und mit üblichen Abkürzungen (J. = Jahre, Z. n. = Zustand nach, py = Packungsjahre, re./li. = rechts/links). Auf dieser Grundlage schreibst du danach den Arztbrief.
Anamnesebogen · Übungsfall 27
| Patientin | Frau Birgit Osterloh, 54 J. |
|---|---|
| Vorstellungsgrund | schmerzhafte Schwellung des li. Unterschenkels seit 2 Tagen |
| Lokalisation / Beschreibung | gesamte Wade und Unterschenkel li.; prall, Schweregefühl; überwärmt, bläulich-rot verfärbt; re. Bein unauffällig |
| Schmerz | Wadenschmerz, v. a. beim Auftreten |
| Verlauf | seit vorgestern früh, leicht progredient |
| Risikofaktoren | Flugreise (ca. 6 h) vor 1 Woche; orales Kontrazeptivum; Nikotin; überwiegend sitzende Tätigkeit; kein Trauma |
| Hinweise auf Lungenembolie | keine Dyspnoe, kein Thoraxschmerz, kein Herzrasen |
| Vegetative Anamnese | Appetit, Gewicht, Schlaf und Verdauung unauffällig; kein Fieber, kein Husten, kein Nachtschweiß |
| Vorerkrankungen / Voroperationen | arterielle Hypertonie; keine Thrombose in der Vorgeschichte; Z. n. Blinddarm-OP vor vielen Jahren, keine kürzliche Operation |
| Medikamente | Antihypertensivum; orales Kontrazeptivum seit einigen Jahren (starke Beschwerden); selten Analgetikum bei Kopfschmerzen |
| Allergien | Penicillin (Exanthem) |
| Noxen | Nikotin ca. 10 Zig./d seit dem ca. 20. Lj. (ca. 17 py); Alkohol 1 Glas Wein an manchen Abenden |
| Familienanamnese | Mutter mit Beinvenenthrombose (um das 50. Lj.) |
| Sozialanamnese | Bürotätigkeit (überwiegend sitzend); wenig Sport |
4. Beispiel-Arztbrief (schriftliche Dokumentation)
Im zweiten Prüfungsteil dokumentierst du den Fall schriftlich – je nach Kammer als Arztbrief oder Dokumentationsbogen. Grundlage ist das Anamnesegespräch; Untersuchungsbefunde liegen in diesem Übungsfall noch nicht vor. Anamnese im Präteritum bzw. Präsens, Angaben der Patientin wahlweise in indirekter Rede (Konjunktiv I). Mehr dazu: Arztbrief in der Fachsprachprüfung.
Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,
wir berichten über Frau Birgit Osterloh, 54 Jahre, die sich heute in unserer Sprechstunde vorstellte.
Verdachtsdiagnose
Tiefe Venenthrombose des linken Beins (Mehretagenthrombose nicht ausgeschlossen)
Differenzialdiagnosen
- Erysipel oder Weichteilinfektion des Unterschenkels
- Rupturierte Baker-Zyste
- Oberflächliche Thrombophlebitis bzw. chronisch-venöse Insuffizienz
- Muskelfaserriss oder Wadenhämatom
Anamnese
Die aktuelle Anamnese ergab, dass die schmerzhafte Schwellung des linken Unterschenkels seit zwei Tagen bestehe und zugenommen habe. Die Patientin gab an, der linke Unterschenkel sei prall geschwollen, überwärmt und bläulich-rot verfärbt; die Wade schmerze vor allem bei Belastung. An Risikofaktoren berichtete sie über einen etwa eine Woche zurückliegenden Langstreckenflug von rund sechs Stunden; sie nehme ein orales Kontrazeptivum ein und rauche. In der Familienanamnese sei eine Beinvenenthrombose der Mutter bekannt. Angaben zu Luftnot und Brustschmerz als Hinweis auf eine Lungenembolie wurden verneint. An Vorerkrankungen sei ein arterieller Hypertonus bekannt. Es bestehe eine Penicillinallergie, die sich als Exanthem gezeigt habe.
Geplante Diagnostik
- Klinische Untersuchung mit Bestimmung des Wells-Scores und Seitenvergleich des Beinumfangs
- D-Dimer-Bestimmung (hoher negativer prädiktiver Wert bei niedriger Vortestwahrscheinlichkeit)
- Kompressionssonographie der Bein- und Beckenvenen als Goldstandard
- Labor: Blutbild, Gerinnung, Nierenwerte
- Bei klinischem Verdacht auf Lungenembolie: CT-Angiographie des Thorax
- Bei jungem Alter, Rezidiv oder positiver Familienanamnese: Thrombophilie-Abklärung im Verlauf
Procedere
Wird in der Prüfung im Arzt-Arzt-Gespräch mündlich besprochen – auf dieser Übungsseite bewusst nicht aufgeführt.
Mit freundlichen kollegialen Grüßen
Checkliste: Das muss im Brief stehen
- Leitsymptom + betroffene Seite (einseitige Beinschwellung links)
- Dauer und Verlauf (progredient)
- klinische Zeichen (Überwärmung, livide Verfärbung, Wadenschmerz)
- auslösende/Risikofaktoren (Langstreckenflug, orale Kontrazeptiva, Nikotin)
- positive Familienanamnese für Thromboembolien
- Ausschluss von Lungenemboliezeichen
- Dauermedikation
- Allergien (Penicillin)
5. Patientenvorstellung beim Oberarzt
Im dritten Teil stellst du den Fall einer Kollegin oder einem Kollegen aus der Prüfungskommission vor – knapp, strukturiert und in Fachsprache. Danach folgen meist Rückfragen. Mehr dazu: Arzt-Arzt-Gespräch und Übergabe.
„Ich möchte Ihnen Frau Osterloh vorstellen, eine 54-jährige Patientin, die sich mit einer seit zwei Tagen zunehmenden, schmerzhaften Schwellung des linken Unterschenkels vorgestellt hat. Sie berichtet über eine einseitige Schwellung, Überwärmung und livide Verfärbung des Unterschenkels. Bei stattgehabtem Langstreckenflug, Einnahme oraler Kontrazeptiva, Nikotinabusus und positiver Familienanamnese lautet meine Verdachtsdiagnose eine tiefe Venenthrombose des linken Beins.“
Mögliche Rückfragen
Wie gehen Sie diagnostisch bei Verdacht auf eine tiefe Venenthrombose vor?▾
Zuerst schätze ich die klinische Wahrscheinlichkeit mit dem Wells-Score ab. Bei niedriger Wahrscheinlichkeit bestimme ich die D-Dimere; sind sie negativ, ist eine Thrombose weitgehend ausgeschlossen. Bei hoher Wahrscheinlichkeit oder positiven D-Dimeren folgt die Kompressionssonographie der Bein- und Beckenvenen; eine nicht komprimierbare Vene beweist die Thrombose.
Welche Risikofaktoren für eine Thrombose hat die Patientin?▾
Im Sinne der Virchow-Trias eine venöse Stase durch den sechsstündigen Flug und die sitzende Tätigkeit sowie eine gesteigerte Gerinnungsneigung durch das orale Kontrazeptivum und das Rauchen. Dazu kommt die positive Familienanamnese, die auf eine erbliche Thrombophilie hinweisen kann.
6. Fachbegriffe: Laiensprache ↔ Fachsprache
Vom Gespräch in den Arztbrief
| Die Patientin sagt | Im Arztbrief |
|---|---|
| „mein linkes Bein ist seit vorgestern richtig dick geworden“ | einseitige Beinschwellung links (Umfangsvermehrung) |
| „es fühlt sich prall und schwer an“ | Spannungs- und Schweregefühl |
| „die Wade ist wärmer als am anderen Bein“ | Überwärmung |
| „wirkt etwas bläulich-rot“ | livide Verfärbung |
| „beim Auftreten zieht es in der Wade“ | Wadenschmerz bei Belastung |
| „die Pille“ | orales Kontrazeptivum |
| „eine Thrombose im Bein“ | tiefe Beinvenenthrombose |
Vom Fachbegriff zur Erklärung für die Patientin
| Fachbegriff | So erklärst du es |
|---|---|
| tiefe Venenthrombose | ein Blutgerinnsel in einer tiefen Beinvene, das den Blutabfluss behindert |
| Lungenembolie | ein Gerinnsel, das sich löst und ein Gefäß in der Lunge verstopft |
| Kompressionssonographie | eine Ultraschalluntersuchung der Venen, bei der geprüft wird, ob sich die Vene noch zusammendrücken lässt |
Verlinkte Begriffe stehen im Glossar Medizinische Fachbegriffe: Patientensprache → Fachsprache (mit Übersetzungen in 12 Sprachen).
FSP-Med: Fälle im Prüfungsablauf üben
Im FSP-Med-Modul der KLINIKFUCHS-App übst du Arzt-Patienten-Gespräche im FSP-Simulator, den Arztbrief und die Patientenvorstellung – mit Übersetzungshilfe in 13 Sprachen. Die App ist kostenlos: im Browser oder als iOS-App.
Übungsmaterial zum Sprachtraining, kein Ersatz für ärztliche Aus- und Weiterbildung und keine Behandlungsempfehlung. Prüfungsablauf und Anforderungen können je nach Ärztekammer und Bundesland variieren; verbindlich sind die Vorgaben der für dich zuständigen Kammer.