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FSP-Übungsfall Brustschmerz: Akutes Koronarsyndrom

Von Dr. Pascal Bafteh · Stand 02.10.2026 · Fall 1 von 9

Ein 62-jähriger Patient wird in die Notaufnahme gebracht, weil er seit etwa einer Stunde einen starken Druck auf der Brust verspürt, der in den linken Arm ausstrahlt und trotz Ruhe nicht nachlässt. Auf dieser Seite findest du den ganzen Fall in den drei Teilen der Fachsprachprüfung: das Anamnesegespräch als Musterablauf, den ausgefüllten Anamnesebogen, einen Beispiel-Arztbrief und die Patientenvorstellung – dazu die wichtigsten Fachbegriffe in Laien- und Fachsprache.

Übungsfall im Stil der Fachsprachprüfung – kein Prüfungsprotokoll. Der Fall stammt aus dem Fallbestand des FSP-Med-Moduls der KLINIKFUCHS-App und dient dem Sprachtraining. Er gibt keine Original-Prüfungsaufgabe einer Ärztekammer wieder; Ablauf und Bewertung legt die zuständige Kammer fest. Behandlungsangaben enthält diese Seite bewusst nicht.
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1. Patientenrolle: Steckbrief

Übst du mit einer Lernpartnerin oder einem Lernpartner, bekommt diese Person den Steckbrief und die Antworten aus Abschnitt 2. Sie erzählt zuerst nur den Einstiegssatz und gibt alles Weitere erst preis, wenn du passend nachfragst.

NameHerr Manfred Richter
Alter62 Jahre
OrtNotaufnahme
LeitsymptomRetrosternaler Druckschmerz mit Ausstrahlung
FachgebietKardiologie
LebenssituationBusfahrer (überwiegend sitzend, wenig Bewegung); lebt mit Ehefrau
Schwierigkeitschwer

Einstiegssatz des Patienten:

„Ich habe seit einer Stunde einen furchtbaren Druck auf der Brust, wie ein schwerer Stein. Es zieht in den linken Arm und bis in den Hals, und es geht einfach nicht weg.“

2. Musterablauf der Anamnese

So kann das Arzt-Patienten-Gespräch in diesem Fall ablaufen – gegliedert nach dem üblichen Anamnese-Schema: aktuelle Beschwerden, vegetative Anamnese, Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien, Noxen, Familien- und Sozialanamnese. Mit dem Patienten sprichst du Alltagssprache; Fachbegriffe kommen erst im Arztbrief. Mehr Fragen und Formulierungen: Anamnese auf Deutsch.

Begrüßung und Einstieg

Ärztin/ArztGuten Tag, Herr Richter. Mein Name ist Dr. Müller, ich bin heute für Sie zuständig. Alles, was wir besprechen, unterliegt der Schweigepflicht. Was führt Sie zu uns?

PatientIch habe seit einer Stunde einen furchtbaren Druck auf der Brust, wie ein schwerer Stein. Es zieht in den linken Arm und bis in den Hals, und es geht einfach nicht weg.

1. Aktuelle Beschwerden

Ärztin/ArztKönnen Sie mir den Schmerz genauer beschreiben — wo genau, wie fühlt er sich an und wohin strahlt er?

PatientMitten auf der Brust, hinter dem Brustbein. Ein Druck und Enge, als würde jemand draufsitzen. Es zieht in den linken Arm und in den Unterkiefer.

Ärztin/ArztWann hat der Schmerz begonnen und was haben Sie gerade gemacht?

PatientVor etwa einer Stunde, ich habe im Garten Laub geharkt. Erst dachte ich, es geht vorbei, aber es wurde eher schlimmer.

Ärztin/ArztÄndert sich der Schmerz bei Bewegung, Atmung oder in Ruhe?

PatientNein, er bleibt gleich stark. Auch als ich mich hingesetzt und ausgeruht habe, ist er nicht weggegangen.

Ärztin/ArztHaben Sie zusätzlich Luftnot, Übelkeit, Schweißausbruch oder Angst?

PatientJa, mir ist übel, und ich schwitze am ganzen Körper, obwohl mir kalt ist. Und ich habe richtig Angst.

Ärztin/ArztHatten Sie so etwas früher schon einmal, vielleicht in leichterer Form bei Anstrengung?

PatientIn den letzten Wochen hatte ich beim Treppensteigen manchmal so ein Ziehen in der Brust, aber das ging immer schnell wieder weg.

2. Vegetative Anamnese

Ärztin/ArztWie sind sonst Appetit, Gewicht und Schlaf, und wie ist Ihr Wasserlassen?

PatientDas ist alles normal, damit habe ich keine Probleme.

Ärztin/ArztHatten Sie Fieber, Husten oder zuletzt einen Infekt?

PatientNein, ich war eigentlich gesund, nur eben diese Sache jetzt.

3. Vorerkrankungen

Ärztin/ArztWelche Erkrankungen sind bei Ihnen bekannt?

PatientIch habe hohen Blutdruck und hohe Cholesterinwerte. Und Zucker habe ich auch, Typ 2.

Ärztin/ArztIst bei Ihnen jemals eine Herzerkrankung festgestellt worden?

PatientNein, am Herzen war angeblich alles in Ordnung, untersucht wurde es aber nie richtig.

4. Medikamente

Ärztin/ArztWelche Medikamente nehmen Sie regelmäßig ein?

PatientEine Tablette gegen den Blutdruck, etwas gegen das Cholesterin und Metformin für den Zucker.

Ärztin/ArztNehmen Sie blutverdünnende Mittel wie Aspirin?

PatientNein, so etwas nehme ich nicht.

5. Allergien

Ärztin/ArztSind bei Ihnen Allergien oder Unverträglichkeiten bekannt?

PatientNein, davon weiß ich nichts.

6. Noxen

Ärztin/ArztRauchen Sie, und wenn ja, wie viel und wie lange schon?

PatientJa, etwa zwanzig Zigaretten am Tag, seit ich jung war, also über vierzig Jahre.

Ärztin/ArztWie viel Alkohol trinken Sie?

PatientAm Abend gern ein, zwei Bier.

7. Familien- und Sozialanamnese

Ärztin/ArztGibt es in Ihrer Familie Herzinfarkte oder Schlaganfälle, besonders in jungen Jahren?

PatientMein Bruder hatte mit achtundfünfzig einen Herzinfarkt, und mein Vater ist an einem Herzinfarkt gestorben.

Ärztin/ArztWas machen Sie beruflich und wie ist Ihre Lebenssituation?

PatientIch arbeite als Busfahrer, sitze viel und bewege mich wenig. Ich wohne mit meiner Frau zusammen.

Wenn der Patient selbst fragt

PatientHerr Doktor, ist das ein Herzinfarkt? Werde ich sterben?

Ärztin/ArztIch nehme Ihre Angst sehr ernst. Es könnte tatsächlich das Herz sein – genau deshalb untersuchen wir Sie jetzt sofort. Sie sind hier in guten Händen, und wir bleiben die ganze Zeit bei Ihnen.

Ehrlich bleiben, nichts versprechen und auf die Untersuchung und das anschließende Gespräch verweisen.

Zusammenfassung und Abschluss

Ärztin/ArztVielen Dank. Ich fasse kurz zusammen, was ich verstanden habe – bitte korrigieren Sie mich, wenn etwas nicht stimmt.

Ärztin/ArztGibt es noch etwas, das Sie mir sagen möchten, oder haben Sie Fragen an mich?

Ärztin/ArztAls Nächstes würde ich Sie gern körperlich untersuchen. Sind Sie damit einverstanden?

3. Ausgefüllter Anamnesebogen

So können deine Notizen am Ende des Gesprächs aussehen: Stichpunkte, schon in Fachsprache und mit üblichen Abkürzungen (J. = Jahre, Z. n. = Zustand nach, py = Packungsjahre, re./li. = rechts/links). Auf dieser Grundlage schreibst du danach den Arztbrief.

Anamnesebogen · Übungsfall 1

PatientHerr Manfred Richter, 62 J.
Vorstellungsgrundakuter retrosternaler Druckschmerz seit ca. 1 h
Lokalisation / Ausstrahlungretrosternal; Ausstrahlung in den li. Arm und den Unterkiefer
Beginn / Auslöservor ca. 1 h unter körperlicher Belastung (Gartenarbeit); in Ruhe persistierend
Charakterdrückend, beengend; bewegungs- und atemunabhängig
BegleitsymptomeNausea, Kaltschweißigkeit, ausgeprägte Angst
Vorgeschichte der Beschwerdenseit einigen Wochen belastungsabhängiges thorakales Ziehen (Treppensteigen), rasch regredient
Vegetative AnamneseAppetit, Gewicht, Schlaf, Miktion unauffällig; kein Fieber, kein Infekt
Vorerkrankungenarterielle Hypertonie, Hyperlipidämie, Diabetes mellitus Typ 2; keine bekannte Herzerkrankung
MedikamenteAntihypertensivum, Lipidsenker, Metformin; kein ASS
Allergienkeine bekannt
NoxenNikotin ca. 20 Zig./d seit > 40 J. (ca. 40 py); Alkohol 1–2 Bier/Abend
FamilienanamneseBruder Myokardinfarkt mit 58 J.; Vater an Myokardinfarkt verstorben
SozialanamneseBusfahrer (überwiegend sitzend, wenig Bewegung); lebt mit Ehefrau

4. Beispiel-Arztbrief (schriftliche Dokumentation)

Im zweiten Prüfungsteil dokumentierst du den Fall schriftlich – je nach Kammer als Arztbrief oder Dokumentationsbogen. Grundlage ist das Anamnesegespräch; Untersuchungsbefunde liegen in diesem Übungsfall noch nicht vor. Anamnese im Präteritum bzw. Präsens, Angaben des Patienten wahlweise in indirekter Rede (Konjunktiv I). Mehr dazu: Arztbrief in der Fachsprachprüfung.

Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,

wir berichten über Herrn Manfred Richter, 62 Jahre, der sich heute in unserer Notaufnahme vorstellte.

Verdachtsdiagnose

Akutes Koronarsyndrom (Differenzierung STEMI / NSTEMI / instabile Angina nach EKG und Troponin)

Differenzialdiagnosen

Anamnese

Herr Richter, 62 Jahre, wurde mit einem seit etwa einer Stunde bestehenden, anhaltenden retrosternalen Druckschmerz mit Ausstrahlung in den linken Arm und den Unterkiefer vorstellig. Der Schmerz trat unter körperlicher Belastung auf, ist bewegungs- und atemunabhängig und persistiert in Ruhe. Begleitend bestehen vegetative Symptome mit Übelkeit, Kaltschweißigkeit und Vernichtungsangst. Anamnestisch wird über eine kurz zurückliegende Belastungsangina berichtet. An kardiovaskulären Risikofaktoren finden sich ein arterieller Hypertonus, eine Hyperlipidämie, ein Diabetes mellitus Typ 2, ein langjähriger Nikotinabusus von etwa 40 Packungsjahren sowie eine deutlich positive Familienanamnese. Die Dauermedikation umfasst ein Antihypertensivum, ein Statin und Metformin. Allergien sind nicht bekannt.

Geplante Diagnostik

Procedere

Wird in der Prüfung im Arzt-Arzt-Gespräch mündlich besprochen – auf dieser Übungsseite bewusst nicht aufgeführt.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

Checkliste: Das muss im Brief stehen

5. Patientenvorstellung beim Oberarzt

Im dritten Teil stellst du den Fall einer Kollegin oder einem Kollegen aus der Prüfungskommission vor – knapp, strukturiert und in Fachsprache. Danach folgen meist Rückfragen. Mehr dazu: Arzt-Arzt-Gespräch und Übergabe.

„Ich möchte Ihnen Herrn Richter vorstellen, einen 62-jährigen Patienten, der sich mit einem seit etwa einer Stunde anhaltenden retrosternalen Druckschmerz mit Ausstrahlung in den linken Arm und Unterkiefer vorstellt. Der Schmerz ist belastungsausgelöst, in Ruhe persistierend und von Übelkeit, Kaltschweißigkeit und Vernichtungsangst begleitet. Bei ausgeprägtem kardiovaskulärem Risikoprofil und positiver Familienanamnese lautet meine Verdachtsdiagnose ein akutes Koronarsyndrom.“

Mögliche Rückfragen

Wie grenzen Sie einen STEMI von einem NSTEMI und einer instabilen Angina ab?▾

Der STEMI zeigt persistierende ST-Hebungen im EKG. Beim NSTEMI fehlen diese, aber das Troponin ist erhöht. Bei der instabilen Angina bestehen typische Beschwerden ohne relevanten Troponinanstieg. STEMI und NSTEMI sind Myokardinfarkte, die instabile Angina noch nicht.

Welche Differenzialdiagnose ist hier besonders wichtig, und woran denken Sie klinisch?▾

Vor allem die Aortendissektion. Hinweise wären ein reißender Thoraxschmerz, eine Blutdruckdifferenz zwischen den Armen oder ein Pulsdefizit. Außerdem denke ich an eine Lungenembolie und eine Perimyokarditis.

6. Fachbegriffe: Laiensprache ↔ Fachsprache

Vom Gespräch in den Arztbrief

Der Patient sagtIm Arztbrief
„ein Druck auf der Brust, wie ein schwerer Stein“retrosternales Druckgefühl
„es zieht in den linken Arm und in den Unterkiefer“Ausstrahlung in den linken Arm und den Unterkiefer
„ich schwitze, obwohl mir kalt ist“Kaltschweißigkeit
„beim Treppensteigen ein Ziehen in der Brust“Belastungsangina (Angina pectoris)
„hoher Blutdruck“arterielle Hypertonie
„hohe Cholesterinwerte“Hyperlipidämie
„Zucker, Typ 2“Diabetes mellitus Typ 2

Vom Fachbegriff zur Erklärung für den Patienten

FachbegriffSo erklärst du es
akutes Koronarsyndromein plötzlicher Sammelbegriff für Durchblutungsstörungen des Herzens, von der drohenden bis zur eingetretenen Herzinfarkt-Situation
retrosternaler Schmerzein Schmerz hinter dem Brustbein, mitten auf der Brust
Troponinein Eiweißstoff im Blut, der bei einer Schädigung des Herzmuskels ansteigt und einen Infarkt anzeigt

Verlinkte Begriffe stehen im Glossar Medizinische Fachbegriffe: Patientensprache → Fachsprache (mit Übersetzungen in 12 Sprachen).

FSP-Med: Fälle im Prüfungsablauf üben

Im FSP-Med-Modul der KLINIKFUCHS-App übst du Arzt-Patienten-Gespräche im FSP-Simulator, den Arztbrief und die Patientenvorstellung – mit Übersetzungshilfe in 13 Sprachen. Die App ist kostenlos: im Browser oder als iOS-App.

Übungsmaterial zum Sprachtraining, kein Ersatz für ärztliche Aus- und Weiterbildung und keine Behandlungsempfehlung. Prüfungsablauf und Anforderungen können je nach Ärztekammer und Bundesland variieren; verbindlich sind die Vorgaben der für dich zuständigen Kammer.

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