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FSP-Übungsfall Flankenschmerz mit Fieber: Akute Pyelonephritis

Von Dr. Pascal Bafteh · Stand 22.10.2026 · Fall 24 von 30

Eine 34-jährige Patientin stellt sich vor, weil sie seit zwei Tagen zunehmende Schmerzen in der rechten Flanke, hohes Fieber mit Schüttelfrost und Schmerzen beim Wasserlassen hat. Auf dieser Seite findest du den ganzen Fall in den drei Teilen der Fachsprachprüfung: das Anamnesegespräch als Musterablauf, den ausgefüllten Anamnesebogen, einen Beispiel-Arztbrief und die Patientenvorstellung – dazu die wichtigsten Fachbegriffe in Laien- und Fachsprache.

Übungsfall im Stil der Fachsprachprüfung – kein Prüfungsprotokoll. Der Fall stammt aus dem Fallbestand des FSP-Med-Moduls der KLINIKFUCHS-App und dient dem Sprachtraining. Er gibt keine Original-Prüfungsaufgabe einer Ärztekammer wieder; Ablauf und Bewertung legt die zuständige Kammer fest. Behandlungsangaben enthält diese Seite bewusst nicht.

📚 Das Krankheitsbild zum Nachlesen (Definition, Klinik, Diagnostik): Akute Pyelonephritis

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1. Patientenrolle: Steckbrief

Übst du mit einer Lernpartnerin oder einem Lernpartner, bekommt diese Person den Steckbrief und die Antworten aus Abschnitt 2. Sie erzählt zuerst nur den Einstiegssatz und gibt alles Weitere erst preis, wenn du passend nachfragst.

NameFrau Sandra Keller
Alter34 Jahre
OrtNotaufnahme
LeitsymptomFlankenschmerz mit Fieber und Schüttelfrost
FachgebietInnere Medizin / Urologie
LebenssituationErzieherin im Kindergarten; lebt mit Partner
Schwierigkeitmittel

Einstiegssatz der Patientin:

„Seit zwei Tagen habe ich starke Schmerzen in der rechten Seite, im Rücken über der Hüfte. Dazu ist mir seit gestern richtig schlecht, ich habe hohes Fieber mit Schüttelfrost, und das Wasserlassen brennt.“

2. Musterablauf der Anamnese

So kann das Arzt-Patienten-Gespräch in diesem Fall ablaufen – gegliedert nach dem üblichen Anamnese-Schema: aktuelle Beschwerden, vegetative Anamnese, Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien, Noxen, Familien- und Sozialanamnese. Mit der Patientin sprichst du Alltagssprache; Fachbegriffe kommen erst im Arztbrief. Mehr Fragen und Formulierungen: Anamnese auf Deutsch.

Begrüßung und Einstieg

Ärztin/ArztGuten Tag, Frau Keller. Mein Name ist Dr. Müller, ich bin heute für Sie zuständig. Alles, was wir besprechen, unterliegt der Schweigepflicht. Was führt Sie zu uns?

PatientinSeit zwei Tagen habe ich starke Schmerzen in der rechten Seite, im Rücken über der Hüfte. Dazu ist mir seit gestern richtig schlecht, ich habe hohes Fieber mit Schüttelfrost, und das Wasserlassen brennt.

1. Aktuelle Beschwerden

Ärztin/ArztKönnen Sie mir den Schmerz genauer beschreiben — wo genau sitzt er und strahlt er irgendwohin?

PatientinEr sitzt rechts hinten in der Flanke, etwa über der Hüfte. Es ist ein dumpfer, klopfender Schmerz, der manchmal nach vorne unten in Richtung Unterbauch zieht.

Ärztin/ArztHat der Schmerz plötzlich begonnen, oder kam er allmählich?

PatientinEr kam allmählich und ist über die zwei Tage stärker geworden. Er ist eigentlich dauernd da, nicht wellenartig.

Ärztin/ArztHaben Sie Beschwerden beim Wasserlassen?

PatientinJa, es brennt beim Wasserlassen, und ich muss ständig, obwohl kaum etwas kommt. Der Urin ist trüb und riecht streng, Blut habe ich aber keins gesehen.

Ärztin/ArztWie hoch ist das Fieber, und hatten Sie Schüttelfrost?

PatientinHeute Morgen hatte ich 39,5 Grad. Gestern Abend hat mich ein heftiger Schüttelfrost regelrecht durchgeschüttelt.

Ärztin/ArztIst Ihnen übel, oder haben Sie erbrochen?

PatientinMir ist ständig übel, und einmal habe ich heute auch erbrochen.

2. Vegetative Anamnese

Ärztin/ArztWie sind Appetit, Schlaf und Ihr allgemeines Befinden?

PatientinIch habe keinen Appetit und fühle mich richtig krank und schwach. Geschlafen habe ich wegen der Schmerzen und des Fiebers schlecht.

Ärztin/ArztHatten Sie zuvor schon Beschwerden beim Wasserlassen, und wie ist der Stuhlgang?

PatientinVor ein paar Tagen hatte ich schon leichtes Brennen beim Wasserlassen, dachte aber, es sei nur eine kleine Blasenentzündung. Der Stuhlgang ist normal.

3. Vorerkrankungen

Ärztin/ArztSind bei Ihnen Vorerkrankungen bekannt, besonders an den Nieren?

PatientinIch habe öfter Blasenentzündungen, so zwei- bis dreimal im Jahr. Nierensteine oder andere Nierenerkrankungen sind mir nicht bekannt.

Ärztin/ArztKönnten Sie schwanger sein?

PatientinNein, ich nehme die Pille und habe meine Regel pünktlich gehabt. Schwanger bin ich sicher nicht.

4. Medikamente

Ärztin/ArztNehmen Sie regelmäßig Medikamente, und haben Sie schon etwas gegen die Beschwerden genommen?

PatientinIch nehme die Antibabypille. Gegen die Schmerzen habe ich gestern Ibuprofen genommen, das hat nur wenig geholfen.

5. Allergien

Ärztin/ArztSind bei Ihnen Allergien oder Unverträglichkeiten bekannt?

PatientinJa, ich vertrage kein Ibuprofen gut, davon bekomme ich Magenschmerzen. Eine richtige Allergie gegen Medikamente habe ich aber nicht.

6. Noxen

Ärztin/ArztRauchen Sie, und wie ist es mit Alkohol und der Trinkmenge über den Tag?

PatientinIch rauche nicht und trinke kaum Alkohol. Ehrlich gesagt trinke ich generell zu wenig, meist nur ein bis zwei Gläser am Tag.

7. Familien- und Sozialanamnese

Ärztin/ArztGibt es in Ihrer Familie Nierenerkrankungen, und was machen Sie beruflich?

PatientinIn der Familie ist mir nichts an den Nieren bekannt. Ich arbeite als Erzieherin im Kindergarten und wohne mit meinem Partner zusammen.

Wenn die Patientin selbst fragt

PatientinFrau Doktor, ist das gefährlich für meine Nieren?

Ärztin/ArztIhre Sorge ist verständlich, und wir nehmen Ihre Beschwerden sehr ernst. Ich untersuche Sie jetzt, wir untersuchen Urin und Blut und machen einen Ultraschall der Nieren. Danach besprechen wir die Ergebnisse gemeinsam, und ich beantworte gern alle Ihre Fragen.

Ehrlich bleiben, nichts versprechen und auf die Untersuchung und das anschließende Gespräch verweisen.

Zusammenfassung und Abschluss

Ärztin/ArztVielen Dank. Ich fasse kurz zusammen, was ich verstanden habe – bitte korrigieren Sie mich, wenn etwas nicht stimmt.

Ärztin/ArztGibt es noch etwas, das Sie mir sagen möchten, oder haben Sie Fragen an mich?

Ärztin/ArztAls Nächstes würde ich Sie gern körperlich untersuchen. Sind Sie damit einverstanden?

3. Ausgefüllter Anamnesebogen

So können deine Notizen am Ende des Gesprächs aussehen: Stichpunkte, schon in Fachsprache und mit üblichen Abkürzungen (J. = Jahre, Z. n. = Zustand nach, py = Packungsjahre, re./li. = rechts/links). Auf dieser Grundlage schreibst du danach den Arztbrief.

Anamnesebogen · Übungsfall 24

PatientinFrau Sandra Keller, 34 J.
Vorstellungsgrundzunehmender Flankenschmerz re. seit 2 Tagen mit hohem Fieber, Schüttelfrost und Dysurie
Lokalisation / Ausstrahlungre. Flanke dorsal, oberhalb der Hüfte; Ausstrahlung nach ventral-kaudal Richtung Unterbauch
Charakter / Verlaufdumpf, klopfend; Dauerschmerz, nicht wellenartig; allmählicher Beginn, progredient
Fieber39,5 °C (heute Morgen); heftiger Schüttelfrost gestern Abend
MiktionDysurie, Pollakisurie mit kleinen Mengen; Urin trüb, übelriechend; keine Makrohämaturie
BegleitsymptomeNausea seit gestern, 1× Emesis heute; ausgeprägtes Krankheitsgefühl
Vorgeschichteeinige Tage zuvor leichtes Brennen beim Wasserlassen (als Zystitis gedeutet)
Vegetative AnamneseInappetenz; Schlafstörung durch Schmerz und Fieber; Stuhlgang unauffällig
Vorerkrankungenrezidivierende Zystitiden (2–3×/J.); keine Nephrolithiasis, keine Nierenerkrankung bekannt
Gynäkologische AnamneseSchwangerschaft verneint (orales Kontrazeptivum, letzte Menstruation regelrecht)
Medikamenteorales Kontrazeptivum; gestern Ibuprofen (Selbstmedikation), wenig wirksam
Allergien / UnverträglichkeitenIbuprofen-Unverträglichkeit (Magenschmerzen); keine Medikamentenallergie
NoxenNichtraucherin; kaum Alkohol; geringe Trinkmenge (1–2 Gläser/d)
Familienanamnesekeine Nierenerkrankungen bekannt
SozialanamneseErzieherin im Kindergarten; lebt mit Partner

4. Beispiel-Arztbrief (schriftliche Dokumentation)

Im zweiten Prüfungsteil dokumentierst du den Fall schriftlich – je nach Kammer als Arztbrief oder Dokumentationsbogen. Grundlage ist das Anamnesegespräch; Untersuchungsbefunde liegen in diesem Übungsfall noch nicht vor. Anamnese im Präteritum bzw. Präsens, Angaben der Patientin wahlweise in indirekter Rede (Konjunktiv I). Mehr dazu: Arztbrief in der Fachsprachprüfung.

Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,

wir berichten über Frau Sandra Keller, 34 Jahre, die sich heute in unserer Notaufnahme vorstellte.

Verdachtsdiagnose

Akute Pyelonephritis rechts (aufsteigende Harnwegsinfektion)

Differenzialdiagnosen

Anamnese

Die aktuelle Anamnese ergab, dass die rechtsseitigen Flankenschmerzen seit zwei Tagen bestünden und zugenommen hätten. Die Patientin gab an, hohes Fieber bis 39,5 Grad Celsius mit Schüttelfrost zu haben, ihr sei übel und sie habe einmal erbrochen. Weiterhin berichtete sie über Brennen beim Wasserlassen, häufigen Harndrang und einen trüben, streng riechenden Urin; zuvor habe sie leichtes Brennen beim Wasserlassen bemerkt. An Vorerkrankungen seien wiederkehrende Harnwegsinfekte bekannt. Eine Schwangerschaft wurde verneint, sie nehme ein orales Kontrazeptivum ein. Es bestehe eine Unverträglichkeit gegen Ibuprofen mit Magenbeschwerden. Sie gab an, wenig zu trinken.

Geplante Diagnostik

Procedere

Wird in der Prüfung im Arzt-Arzt-Gespräch mündlich besprochen – auf dieser Übungsseite bewusst nicht aufgeführt.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

Checkliste: Das muss im Brief stehen

5. Patientenvorstellung beim Oberarzt

Im dritten Teil stellst du den Fall einer Kollegin oder einem Kollegen aus der Prüfungskommission vor – knapp, strukturiert und in Fachsprache. Danach folgen meist Rückfragen. Mehr dazu: Arzt-Arzt-Gespräch und Übergabe.

„Ich möchte Ihnen Frau Keller vorstellen, eine 34-jährige Patientin, die sich mit seit zwei Tagen bestehenden, zunehmenden rechtsseitigen Flankenschmerzen vorgestellt hat. Begleitend bestehen hohes Fieber bis 39,5 Grad mit Schüttelfrost, Übelkeit mit Erbrechen sowie Brennen und häufiger Harndrang beim Wasserlassen. Vorausgegangen war eine Blasenentzündungssymptomatik, und es bestehen rezidivierende Harnwegsinfekte. Bei diesem Bild lautet meine Verdachtsdiagnose eine akute Pyelonephritis rechts, also eine aufsteigende Harnwegsinfektion mit Beteiligung des Nierenbeckens.“

Mögliche Rückfragen

Wie unterscheiden Sie klinisch eine Pyelonephritis von einer unkomplizierten Zystitis?▾

Die Zystitis verursacht nur lokale Beschwerden wie Dysurie, Pollakisurie und suprapubische Schmerzen, meist ohne Fieber. Für eine Pyelonephritis sprechen Flankenschmerzen, ein Nierenlagerklopfschmerz, Fieber über 38 Grad mit Schüttelfrost und ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl mit Übelkeit und Erbrechen.

Wann sprechen Sie von einer komplizierten Harnwegsinfektion?▾

Wenn anatomische oder funktionelle Besonderheiten der Harnwege vorliegen, etwa eine Harnabflussstörung oder Steine, oder relevante Begleiterkrankungen wie eine eingeschränkte Nierenfunktion oder ein schlecht eingestellter Diabetes mellitus. Auch Schwangere werden gesondert betrachtet. Deshalb habe ich nach einer Schwangerschaft gefragt, und deshalb wird sonographisch ein Harnstau ausgeschlossen.

6. Fachbegriffe: Laiensprache ↔ Fachsprache

Vom Gespräch in den Arztbrief

Die Patientin sagtIm Arztbrief
„rechts hinten in der Flanke“rechtsseitiger Flankenschmerz
„ein dumpfer, klopfender Schmerz“dumpfer, klopfender Dauerschmerz
„es brennt beim Wasserlassen“Dysurie
„ich muss ständig, obwohl kaum etwas kommt“Pollakisurie
„der Urin ist trüb und riecht streng“trüber, übelriechender Urin
„ein heftiger Schüttelfrost“Schüttelfrost
„öfter Blasenentzündungen“rezidivierende Zystitiden
„ich vertrage kein Ibuprofen gut“Ibuprofen-Unverträglichkeit

Vom Fachbegriff zur Erklärung für die Patientin

FachbegriffSo erklärst du es
Pyelonephritiseine Entzündung des Nierenbeckens und des Nierengewebes, oft als Nierenbeckenentzündung bezeichnet
DysurieSchmerzen oder Brennen beim Wasserlassen
Pollakisuriehäufiger Harndrang mit jeweils nur kleinen Urinmengen
Nierenlagerklopfschmerzein Schmerz, der auftritt, wenn man mit der Hand leicht auf die Nierengegend am Rücken klopft

Verlinkte Begriffe stehen im Glossar Medizinische Fachbegriffe: Patientensprache → Fachsprache (mit Übersetzungen in 12 Sprachen).

FSP-Med: Fälle im Prüfungsablauf üben

Im FSP-Med-Modul der KLINIKFUCHS-App übst du Arzt-Patienten-Gespräche im FSP-Simulator, den Arztbrief und die Patientenvorstellung – mit Übersetzungshilfe in 13 Sprachen. Die App ist kostenlos: im Browser oder als iOS-App.

Übungsmaterial zum Sprachtraining, kein Ersatz für ärztliche Aus- und Weiterbildung und keine Behandlungsempfehlung. Prüfungsablauf und Anforderungen können je nach Ärztekammer und Bundesland variieren; verbindlich sind die Vorgaben der für dich zuständigen Kammer.

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