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FSP-Übungsfall Herzstolpern und Herzrasen: Vorhofflimmern

Von Dr. Pascal Bafteh · Stand 22.10.2026 · Fall 29 von 30

Ein 71-jähriger Patient kommt in die Notaufnahme, weil ihm seit dem Vormittag das Herz unregelmäßig bis zum Hals schlägt und er sich schwindelig und kurzatmig fühlt. Auf dieser Seite findest du den ganzen Fall in den drei Teilen der Fachsprachprüfung: das Anamnesegespräch als Musterablauf, den ausgefüllten Anamnesebogen, einen Beispiel-Arztbrief und die Patientenvorstellung – dazu die wichtigsten Fachbegriffe in Laien- und Fachsprache.

Übungsfall im Stil der Fachsprachprüfung – kein Prüfungsprotokoll. Der Fall stammt aus dem Fallbestand des FSP-Med-Moduls der KLINIKFUCHS-App und dient dem Sprachtraining. Er gibt keine Original-Prüfungsaufgabe einer Ärztekammer wieder; Ablauf und Bewertung legt die zuständige Kammer fest. Behandlungsangaben enthält diese Seite bewusst nicht.

📚 Das Krankheitsbild zum Nachlesen (Definition, Klinik, Diagnostik): Vorhofflimmern

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1. Patientenrolle: Steckbrief

Übst du mit einer Lernpartnerin oder einem Lernpartner, bekommt diese Person den Steckbrief und die Antworten aus Abschnitt 2. Sie erzählt zuerst nur den Einstiegssatz und gibt alles Weitere erst preis, wenn du passend nachfragst.

NameHerr Dietmar Ahrens
Alter71 Jahre
OrtNotaufnahme
LeitsymptomHerzstolpern und Herzrasen
FachgebietKardiologie
Lebenssituationverwitwet, lebt allein im Erdgeschoss; täglich Spaziergänge mit dem Hund
Schwierigkeitmittel

Einstiegssatz des Patienten:

„Seit heute Vormittag spüre ich, wie mein Herz ganz unregelmäßig und viel zu schnell schlägt. Es fühlt sich an, als würde es stolpern und dann rasen. Mir ist auch ein bisschen schwindelig geworden.“

2. Musterablauf der Anamnese

So kann das Arzt-Patienten-Gespräch in diesem Fall ablaufen – gegliedert nach dem üblichen Anamnese-Schema: aktuelle Beschwerden, vegetative Anamnese, Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien, Noxen, Familien- und Sozialanamnese. Mit dem Patienten sprichst du Alltagssprache; Fachbegriffe kommen erst im Arztbrief. Mehr Fragen und Formulierungen: Anamnese auf Deutsch.

Begrüßung und Einstieg

Ärztin/ArztGuten Tag, Herr Ahrens. Mein Name ist Dr. Müller, ich bin heute für Sie zuständig. Alles, was wir besprechen, unterliegt der Schweigepflicht. Was führt Sie zu uns?

PatientSeit heute Vormittag spüre ich, wie mein Herz ganz unregelmäßig und viel zu schnell schlägt. Es fühlt sich an, als würde es stolpern und dann rasen. Mir ist auch ein bisschen schwindelig geworden.

1. Aktuelle Beschwerden

Ärztin/ArztKönnen Sie mir genau beschreiben, wie sich das Herzstolpern anfühlt und wann es begonnen hat?

PatientEs hat heute gegen zehn Uhr beim Frühstück plötzlich angefangen. Das Herz schlägt völlig durcheinander, mal schnell, mal setzt es kurz aus. So etwas kenne ich sonst nicht.

Ärztin/ArztHaben Sie zusätzlich Schmerzen oder ein Druckgefühl in der Brust?

PatientEin leichtes Engegefühl habe ich schon, aber richtige Schmerzen nicht. Es ist eher ein unangenehmes Flattern.

Ärztin/ArztSind Sie kurzatmig, besonders bei Anstrengung?

PatientJa, schon beim Treppensteigen zu Ihnen herauf ging mir schnell die Puste aus. In Ruhe ist es etwas besser.

Ärztin/ArztHatten Sie Schwindel, oder waren Sie kurz ohnmächtig?

PatientSchwindelig ja, richtig ohnmächtig war ich nicht. Aber ich musste mich kurz setzen, weil mir schwarz vor Augen wurde.

Ärztin/ArztHatten Sie solche Episoden schon einmal, und wie lange dauerten sie?

PatientEin- oder zweimal in den letzten Monaten hatte ich kurz so ein Flattern, aber das war nach ein paar Minuten wieder weg. Heute hört es einfach nicht auf.

2. Vegetative Anamnese

Ärztin/ArztWie steht es um Appetit, Gewicht, Schlaf und Verdauung?

PatientDas ist alles unauffällig. Ich schlafe gut und mein Gewicht ist seit Jahren stabil.

Ärztin/ArztHaben Sie Fieber oder vermehrtes Schwitzen bemerkt?

PatientNein, Fieber nicht. Geschwitzt habe ich vorhin schon etwas, aber ich glaube, das war eher die Aufregung.

3. Vorerkrankungen

Ärztin/ArztSind bei Ihnen Vorerkrankungen bekannt, zum Beispiel Bluthochdruck oder eine Herzschwäche?

PatientJa, ich habe seit vielen Jahren hohen Blutdruck. Vor drei Jahren war ich wegen einer Herzschwäche kurz im Krankenhaus.

Ärztin/ArztIst eine Schilddrüsenerkrankung oder eine Zuckerkrankheit bekannt?

PatientVon der Schilddrüse weiß ich nichts. Zucker habe ich seit ein paar Jahren, das wird mit Tabletten behandelt.

4. Medikamente

Ärztin/ArztWelche Medikamente nehmen Sie regelmäßig ein?

PatientEin Blutdruckmittel, ich glaube es heißt Amlodipin, dazu eine Wassertablette und Metformin für den Zucker. Blutverdünner nehme ich keine.

Ärztin/ArztNehmen Sie gelegentlich Schmerzmittel oder andere Präparate ohne Rezept ein?

PatientAb und zu eine Kopfschmerztablette, aber nichts Regelmäßiges.

5. Allergien

Ärztin/ArztSind bei Ihnen Allergien oder Unverträglichkeiten bekannt?

PatientJa, auf Penicillin bekomme ich einen Hautausschlag. Sonst ist mir nichts bekannt.

6. Noxen

Ärztin/ArztRauchen Sie oder haben Sie früher geraucht?

PatientFrüher ja, aber vor zwanzig Jahren habe ich aufgehört. Davor etwa zwanzig Jahre lang eine halbe Schachtel am Tag.

Ärztin/ArztWie viel Alkohol und Kaffee trinken Sie?

PatientGestern Abend war eine Feier, da hatte ich schon drei, vier Gläser Wein. Sonst trinke ich morgens zwei Tassen Kaffee.

7. Familien- und Sozialanamnese

Ärztin/ArztGibt es in Ihrer Familie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Schlaganfälle?

PatientMeine Mutter hatte mit Ende siebzig einen Schlaganfall. Mein Bruder hat auch Herzrhythmusstörungen.

Ärztin/ArztWie sieht Ihr Alltag aus — leben Sie allein und wie bewegen Sie sich?

PatientIch bin verwitwet und wohne allein in einer Erdgeschosswohnung. Ich gehe jeden Tag mit dem Hund spazieren.

Wenn der Patient selbst fragt

PatientHerr Doktor, ist das ein Herzinfarkt? Ich habe große Angst.

Ärztin/ArztIhre Angst kann ich sehr gut verstehen. Nach Ihrer Schilderung denke ich eher an eine Herzrhythmusstörung, aber das klären wir jetzt sofort mit einem EKG und einer Blutuntersuchung. Danach besprechen wir die Ergebnisse gemeinsam, und ich bleibe bei Ihnen.

Ehrlich bleiben, nichts versprechen und auf die Untersuchung und das anschließende Gespräch verweisen.

Zusammenfassung und Abschluss

Ärztin/ArztVielen Dank. Ich fasse kurz zusammen, was ich verstanden habe – bitte korrigieren Sie mich, wenn etwas nicht stimmt.

Ärztin/ArztGibt es noch etwas, das Sie mir sagen möchten, oder haben Sie Fragen an mich?

Ärztin/ArztAls Nächstes würde ich Sie gern körperlich untersuchen. Sind Sie damit einverstanden?

3. Ausgefüllter Anamnesebogen

So können deine Notizen am Ende des Gesprächs aussehen: Stichpunkte, schon in Fachsprache und mit üblichen Abkürzungen (J. = Jahre, Z. n. = Zustand nach, py = Packungsjahre, re./li. = rechts/links). Auf dieser Grundlage schreibst du danach den Arztbrief.

Anamnesebogen · Übungsfall 29

PatientHerr Dietmar Ahrens, 71 J.
Vorstellungsgrundunregelmäßiges Herzrasen seit heute Vormittag mit Schwindel
Beginnplötzlich gegen 10 Uhr beim Frühstück; seitdem anhaltend
Charakterunregelmäßiger, schneller Herzschlag; Gefühl des Stolperns und kurzer Aussetzer, „Flattern“
Begleitsymptomeleichtes thorakales Engegefühl ohne Schmerz; Belastungsdyspnoe (Treppensteigen), in Ruhe gebessert; Schwindel, Präsynkope, keine Synkope; Schwitzen (am ehesten Aufregung)
Vorgeschichte1–2 kurze, selbstlimitierende Episoden von Herzflattern in den letzten Monaten (wenige Minuten)
Vegetative AnamneseAppetit, Gewicht, Schlaf und Verdauung unauffällig; kein Fieber
Vorerkrankungenlangjährige arterielle Hypertonie; Herzinsuffizienz (vor 3 J. kurz stationär); Diabetes mellitus (Tabletten); keine Schilddrüsenerkrankung bekannt
MedikamenteAmlodipin, Diuretikum, Metformin; keine Antikoagulation; gelegentlich Analgetikum bei Kopfschmerzen
AllergienPenicillin (Exanthem)
NoxenEx-Raucher (ca. 20 J. ½ Schachtel/d, ca. 10 py; Nikotinkarenz seit 20 J.); Alkohol am Vorabend 3–4 Gläser Wein (Feier); Kaffee 2 Tassen/d
FamilienanamneseMutter mit Schlaganfall (Ende 70); Bruder mit Herzrhythmusstörungen
Sozialanamneseverwitwet, lebt allein im Erdgeschoss; täglich Spaziergänge mit dem Hund

4. Beispiel-Arztbrief (schriftliche Dokumentation)

Im zweiten Prüfungsteil dokumentierst du den Fall schriftlich – je nach Kammer als Arztbrief oder Dokumentationsbogen. Grundlage ist das Anamnesegespräch; Untersuchungsbefunde liegen in diesem Übungsfall noch nicht vor. Anamnese im Präteritum bzw. Präsens, Angaben des Patienten wahlweise in indirekter Rede (Konjunktiv I). Mehr dazu: Arztbrief in der Fachsprachprüfung.

Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,

wir berichten über Herrn Dietmar Ahrens, 71 Jahre, der sich heute in unserer Notaufnahme vorstellte.

Verdachtsdiagnose

Symptomatisches Vorhofflimmern mit tachykarder Überleitung, erstmalig dokumentiert

Differenzialdiagnosen

Anamnese

Der Patient stellte sich notfallmäßig vor. Die aktuelle Anamnese ergab, dass die unregelmäßige Tachykardie seit dem Vormittag anhalte und akut aufgetreten sei. Er gab an, es bestünden Palpitationen, bei Belastung sei er dyspnoisch und verspüre ein leichtes Engegefühl in der Brust; außerdem bestünden Schwindel und eine kurzzeitige Präsynkope. Weiterhin berichtete er über kürzere Episoden in den letzten Monaten, die von selbst aufgehört hätten. Am Vorabend habe er vermehrt Alkohol getrunken. An Vorerkrankungen seien ein langjähriger arterieller Hypertonus, ein Diabetes mellitus Typ 2 und eine Herzinsuffizienz bekannt. An Dauermedikation nehme er Amlodipin, ein Diuretikum und Metformin ein; eine Blutverdünnung nehme er nicht ein. Es bestehe eine Penicillinallergie. In der Familienanamnese seien ein Schlaganfall und Herzrhythmusstörungen bekannt.

Geplante Diagnostik

Procedere

Wird in der Prüfung im Arzt-Arzt-Gespräch mündlich besprochen – auf dieser Übungsseite bewusst nicht aufgeführt.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

Checkliste: Das muss im Brief stehen

5. Patientenvorstellung beim Oberarzt

Im dritten Teil stellst du den Fall einer Kollegin oder einem Kollegen aus der Prüfungskommission vor – knapp, strukturiert und in Fachsprache. Danach folgen meist Rückfragen. Mehr dazu: Arzt-Arzt-Gespräch und Übergabe.

„Ich möchte Ihnen Herrn Ahrens vorstellen, einen 71-jährigen Patienten, der sich notfallmäßig mit einem seit dem Vormittag anhaltenden, unregelmäßigen Herzrasen vorgestellt hat. Begleitend bestehen Belastungsdyspnoe, ein Schwindel mit kurzer Präsynkope und ein leichtes thorakales Engegefühl. Bei arteriellem Hypertonus, Diabetes und bekannter Herzinsuffizienz lautet meine Verdachtsdiagnose ein erstmals dokumentiertes symptomatisches Vorhofflimmern mit tachykarder Überleitung.“

Mögliche Rückfragen

Woran erkennen Sie Vorhofflimmern im EKG?▾

An einer absoluten Arrhythmie mit unregelmäßigen RR-Abständen, fehlenden P-Wellen und stattdessen feinen oder groben Flimmerwellen in der Grundlinie; die QRS-Komplexe sind meist schmal. Beim Vorhofflattern sieht man dagegen sägezahnartige Flatterwellen, und die Überleitung kann regelmäßig oder wechselnd sein.

Warum ist das Vorhofflimmern bei diesem Patienten besonders relevant, und nach welchen Auslösern fragen Sie?▾

Die wichtigste Komplikation ist ein kardioembolischer Schlaganfall. Der Patient hat mehrere Risikofaktoren dafür: Alter über 65 Jahre, arterielle Hypertonie, Diabetes mellitus und Herzinsuffizienz. Als Auslöser frage ich nach Alkohol – hier am Vorabend, im Sinne eines „Holiday-Heart-Syndroms“ –, nach einer Hyperthyreose, Elektrolytstörungen, Infekten, einer Myokardischämie und einer Lungenembolie.

6. Fachbegriffe: Laiensprache ↔ Fachsprache

Vom Gespräch in den Arztbrief

Der Patient sagtIm Arztbrief
„als würde es stolpern und dann rasen“unregelmäßige Tachykardie, Palpitationen
„das Herz schlägt völlig durcheinander“absolute Arrhythmie
„ein leichtes Engegefühl“thorakales Engegefühl
„ging mir schnell die Puste aus“Belastungsdyspnoe
„weil mir schwarz vor Augen wurde“Präsynkope
„wegen einer Herzschwäche kurz im Krankenhaus“Herzinsuffizienz (Z. n. stationärem Aufenthalt)
„drei, vier Gläser Wein“Alkoholexzess am Vorabend

Vom Fachbegriff zur Erklärung für den Patienten

FachbegriffSo erklärst du es
Vorhofflimmerneine Herzrhythmusstörung, bei der die Herzvorhöfe ungeordnet und viel zu schnell zucken, sodass das Herz unregelmäßig schlägt
Palpitationendas spürbare Herzstolpern oder Herzklopfen, das man bis zum Hals wahrnehmen kann

Verlinkte Begriffe stehen im Glossar Medizinische Fachbegriffe: Patientensprache → Fachsprache (mit Übersetzungen in 12 Sprachen).

FSP-Med: Fälle im Prüfungsablauf üben

Im FSP-Med-Modul der KLINIKFUCHS-App übst du Arzt-Patienten-Gespräche im FSP-Simulator, den Arztbrief und die Patientenvorstellung – mit Übersetzungshilfe in 13 Sprachen. Die App ist kostenlos: im Browser oder als iOS-App.

Übungsmaterial zum Sprachtraining, kein Ersatz für ärztliche Aus- und Weiterbildung und keine Behandlungsempfehlung. Prüfungsablauf und Anforderungen können je nach Ärztekammer und Bundesland variieren; verbindlich sind die Vorgaben der für dich zuständigen Kammer.

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