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FSP-Übungsfall Bauchschmerzen: Akute Appendizitis

Von Dr. Pascal Bafteh · Stand 02.10.2026 · Fall 2 von 9

Ein 24-jähriger Patient stellt sich in der Notaufnahme vor, weil er seit dem Vortag zunehmende Bauchschmerzen hat, die inzwischen vor allem im rechten Unterbauch sitzen. Auf dieser Seite findest du den ganzen Fall in den drei Teilen der Fachsprachprüfung: das Anamnesegespräch als Musterablauf, den ausgefüllten Anamnesebogen, einen Beispiel-Arztbrief und die Patientenvorstellung – dazu die wichtigsten Fachbegriffe in Laien- und Fachsprache.

Übungsfall im Stil der Fachsprachprüfung – kein Prüfungsprotokoll. Der Fall stammt aus dem Fallbestand des FSP-Med-Moduls der KLINIKFUCHS-App und dient dem Sprachtraining. Er gibt keine Original-Prüfungsaufgabe einer Ärztekammer wieder; Ablauf und Bewertung legt die zuständige Kammer fest. Behandlungsangaben enthält diese Seite bewusst nicht.
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1. Patientenrolle: Steckbrief

Übst du mit einer Lernpartnerin oder einem Lernpartner, bekommt diese Person den Steckbrief und die Antworten aus Abschnitt 2. Sie erzählt zuerst nur den Einstiegssatz und gibt alles Weitere erst preis, wenn du passend nachfragst.

NameHerr Lukas Brenner
Alter24 Jahre
OrtNotaufnahme
LeitsymptomWandernde Bauchschmerzen mit Verlagerung in den rechten Unterbauch
FachgebietViszeralchirurgie
LebenssituationStudent (Maschinenbau), lebt in einer WG, ledig
Schwierigkeitmittel

Einstiegssatz des Patienten:

„Die Schmerzen haben gestern Mittag rund um den Bauchnabel angefangen und waren erst eher dumpf. Seit heute Morgen sind sie in den rechten Unterbauch gewandert und deutlich stärker geworden.“

2. Musterablauf der Anamnese

So kann das Arzt-Patienten-Gespräch in diesem Fall ablaufen – gegliedert nach dem üblichen Anamnese-Schema: aktuelle Beschwerden, vegetative Anamnese, Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien, Noxen, Familien- und Sozialanamnese. Mit dem Patienten sprichst du Alltagssprache; Fachbegriffe kommen erst im Arztbrief. Mehr Fragen und Formulierungen: Anamnese auf Deutsch.

Begrüßung und Einstieg

Ärztin/ArztGuten Tag, Herr Brenner. Mein Name ist Dr. Müller, ich bin heute für Sie zuständig. Alles, was wir besprechen, unterliegt der Schweigepflicht. Was führt Sie zu uns?

PatientDie Schmerzen haben gestern Mittag rund um den Bauchnabel angefangen und waren erst eher dumpf. Seit heute Morgen sind sie in den rechten Unterbauch gewandert und deutlich stärker geworden.

1. Aktuelle Beschwerden

Ärztin/ArztKönnen Sie mir beschreiben, wo die Schmerzen jetzt genau sitzen und wie sie sich anfühlen?

PatientJetzt vor allem rechts unten im Bauch. Es ist ein stechender, andauernder Schmerz, der bei jeder Bewegung schlimmer wird.

Ärztin/ArztWann und wie haben die Beschwerden begonnen, und haben sie sich verändert?

PatientGestern Mittag um den Bauchnabel herum, eher dumpf. Über Nacht sind sie stärker geworden und heute nach rechts unten gewandert.

Ärztin/ArztWerden die Schmerzen durch bestimmte Bewegungen wie Husten, Gehen oder Erschütterungen schlimmer?

PatientJa, beim Husten und wenn ich beim Gehen auftrete, zieht es richtig. Am liebsten liege ich ganz still.

Ärztin/ArztHaben Sie Fieber gemessen oder sich fiebrig gefühlt?

PatientHeute Morgen hatte ich 38,3 Grad. Mir ist auch etwas schummrig und ich schwitze mehr als sonst.

2. Vegetative Anamnese

Ärztin/ArztWie ist es mit Appetit, Übelkeit oder Erbrechen?

PatientIch habe seit gestern gar keinen Appetit mehr und war einmal übel, erbrochen habe ich einmal heute früh.

Ärztin/ArztWie war zuletzt der Stuhlgang, und wie ist es beim Wasserlassen?

PatientStuhlgang hatte ich seit gestern keinen. Beim Wasserlassen habe ich keine Probleme.

3. Vorerkrankungen

Ärztin/ArztSind bei Ihnen Vorerkrankungen bekannt oder wurden Sie schon einmal operiert?

PatientNein, ich bin eigentlich immer gesund gewesen und noch nie operiert worden.

Ärztin/ArztHatten Sie so etwas Ähnliches schon einmal?

PatientNein, so starke Bauchschmerzen hatte ich noch nie.

4. Medikamente

Ärztin/ArztNehmen Sie regelmäßig Medikamente ein?

PatientNein, keine. Heute Morgen habe ich nur eine Ibuprofen genommen, die hat aber kaum geholfen.

5. Allergien

Ärztin/ArztSind bei Ihnen Allergien oder Unverträglichkeiten bekannt, auch gegen Medikamente?

PatientNein, mir ist keine Allergie bekannt.

6. Noxen

Ärztin/ArztRauchen Sie, und wie sieht es mit Alkohol aus?

PatientIch rauche nicht. Alkohol trinke ich nur gelegentlich am Wochenende.

7. Familien- und Sozialanamnese

Ärztin/ArztGibt es in Ihrer Familie bekannte Erkrankungen des Bauchraums?

PatientNichts Besonderes, soweit ich weiß.

Ärztin/ArztWas machen Sie beruflich und wie ist Ihre Lebenssituation?

PatientIch studiere Maschinenbau und wohne in einer WG. Ich bin Single.

Wenn der Patient selbst fragt

PatientHerr Doktor, muss ich jetzt sofort operiert werden?

Ärztin/ArztDas kann ich Ihnen jetzt noch nicht sagen. Zuerst untersuche ich Sie genau, wir machen eine Ultraschalluntersuchung und nehmen Blut ab. Danach besprechen wir die Ergebnisse gemeinsam, und ich erkläre Ihnen jeden Schritt.

Ehrlich bleiben, nichts versprechen und auf die Untersuchung und das anschließende Gespräch verweisen.

Zusammenfassung und Abschluss

Ärztin/ArztVielen Dank. Ich fasse kurz zusammen, was ich verstanden habe – bitte korrigieren Sie mich, wenn etwas nicht stimmt.

Ärztin/ArztGibt es noch etwas, das Sie mir sagen möchten, oder haben Sie Fragen an mich?

Ärztin/ArztAls Nächstes würde ich Sie gern körperlich untersuchen. Sind Sie damit einverstanden?

3. Ausgefüllter Anamnesebogen

So können deine Notizen am Ende des Gesprächs aussehen: Stichpunkte, schon in Fachsprache und mit üblichen Abkürzungen (J. = Jahre, Z. n. = Zustand nach, py = Packungsjahre, re./li. = rechts/links). Auf dieser Grundlage schreibst du danach den Arztbrief.

Anamnesebogen · Übungsfall 2

PatientHerr Lukas Brenner, 24 J.
VorstellungsgrundAbdominalschmerzen seit dem Vortag, jetzt im rechten Unterbauch
Lokalisation / Verlaufinitial periumbilikal und dumpf; seit heute Morgen Schmerzwanderung in den re. Unterbauch, progredient
Charakterstechend, kontinuierlich; Verstärkung bei Bewegung, Husten und Erschütterung; Schonhaltung
BegleitsymptomeFieber 38,3 °C, vermehrtes Schwitzen, Schwindelgefühl
Vegetative AnamneseInappetenz seit dem Vortag, Nausea, 1× Emesis; kein Stuhlgang seit dem Vortag; Miktion unauffällig
Vorerkrankungen / Voroperationenkeine; erstmalige Episode
Medikamentekeine Dauermedikation; einmalig Ibuprofen heute Morgen ohne wesentliche Besserung
Allergienkeine bekannt
NoxenNichtraucher; Alkohol gelegentlich am Wochenende
Familienanamnesekeine Erkrankungen des Bauchraums bekannt
SozialanamneseStudent (Maschinenbau), lebt in einer WG, ledig

4. Beispiel-Arztbrief (schriftliche Dokumentation)

Im zweiten Prüfungsteil dokumentierst du den Fall schriftlich – je nach Kammer als Arztbrief oder Dokumentationsbogen. Grundlage ist das Anamnesegespräch; Untersuchungsbefunde liegen in diesem Übungsfall noch nicht vor. Anamnese im Präteritum bzw. Präsens, Angaben des Patienten wahlweise in indirekter Rede (Konjunktiv I). Mehr dazu: Arztbrief in der Fachsprachprüfung.

Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,

wir berichten über Herrn Lukas Brenner, 24 Jahre, der sich heute in unserer Notaufnahme vorstellte.

Verdachtsdiagnose

Akute Appendizitis

Differenzialdiagnosen

Anamnese

Herr Brenner, 24 Jahre, stellte sich mit seit dem Vortag bestehenden, initial periumbilikalen und dumpfen Bauchschmerzen vor, die im Verlauf nach rechts in den Unterbauch wanderten und an Intensität zunahmen. Begleitend bestehen Appetitlosigkeit, einmaliges Erbrechen, Übelkeit sowie subfebrile bis febrile Temperaturen bis 38,3 Grad Celsius. Die Schmerzen sind bewegungs- und erschütterungsabhängig verstärkt, ein Ruhebedürfnis besteht. Der letzte Stuhlgang liegt seit dem Vortag zurück, die Miktion ist unauffällig. An Vorerkrankungen, Voroperationen, Allergien oder einer Dauermedikation ergibt sich anamnestisch kein Anhalt; einmalig wurde eigenständig Ibuprofen ohne wesentliche Besserung eingenommen. Ein Nikotinkonsum wird verneint.

Geplante Diagnostik

Procedere

Wird in der Prüfung im Arzt-Arzt-Gespräch mündlich besprochen – auf dieser Übungsseite bewusst nicht aufgeführt.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

Checkliste: Das muss im Brief stehen

5. Patientenvorstellung beim Oberarzt

Im dritten Teil stellst du den Fall einer Kollegin oder einem Kollegen aus der Prüfungskommission vor – knapp, strukturiert und in Fachsprache. Danach folgen meist Rückfragen. Mehr dazu: Arzt-Arzt-Gespräch und Übergabe.

„Ich möchte Ihnen Herrn Brenner vorstellen, einen 24-jährigen, bislang gesunden Patienten, der sich mit seit dem Vortag bestehenden Bauchschmerzen vorgestellt hat. Die Schmerzen begannen periumbilikal und wanderten in den rechten Unterbauch, begleitet von Appetitlosigkeit, Übelkeit, einmaligem Erbrechen und Fieber bis 38,3 Grad. Bei bewegungsabhängiger Schmerzverstärkung lautet meine Verdachtsdiagnose eine akute Appendizitis.“

Mögliche Rückfragen

Welche klinischen Zeichen sprechen bei diesem Patienten für eine Appendizitis?▾

Die typische Schmerzwanderung vom Nabel in den rechten Unterbauch, der Druck- und Loslassschmerz über dem McBurney-Punkt, ein positives Rovsing- oder Psoas-Zeichen, dazu Appetitlosigkeit, Übelkeit und subfebrile bis febrile Temperaturen.

Welche Komplikation fürchten Sie?▾

Die Perforation des Wurmfortsatzes mit Übertritt von Darminhalt in die freie Bauchhöhle und Entwicklung einer Peritonitis oder eines periappendikulären Abszesses.

6. Fachbegriffe: Laiensprache ↔ Fachsprache

Vom Gespräch in den Arztbrief

Der Patient sagtIm Arztbrief
„um den Bauchnabel herum“periumbilikal
„rechts unten im Bauch“rechter Unterbauch
„die Schmerzen sind gewandert“Schmerzwanderung
„ich habe gar keinen Appetit“Inappetenz
„ich habe einmal erbrochen“einmaliges Erbrechen (Emesis)
„Wasserlassen“Miktion

Vom Fachbegriff zur Erklärung für den Patienten

FachbegriffSo erklärst du es
Appendizitiseine Entzündung des Wurmfortsatzes am Blinddarm, umgangssprachlich Blinddarmentzündung
McBurney-Punktein bestimmter Druckpunkt im rechten Unterbauch, der bei einer Blinddarmentzündung typischerweise schmerzt
Loslassschmerzein Schmerz, der entsteht, wenn man beim Abtasten des Bauches die Hand plötzlich loslässt — ein Hinweis auf eine Bauchfellreizung

Verlinkte Begriffe stehen im Glossar Medizinische Fachbegriffe: Patientensprache → Fachsprache (mit Übersetzungen in 12 Sprachen).

FSP-Med: Fälle im Prüfungsablauf üben

Im FSP-Med-Modul der KLINIKFUCHS-App übst du Arzt-Patienten-Gespräche im FSP-Simulator, den Arztbrief und die Patientenvorstellung – mit Übersetzungshilfe in 13 Sprachen. Die App ist kostenlos: im Browser oder als iOS-App.

Übungsmaterial zum Sprachtraining, kein Ersatz für ärztliche Aus- und Weiterbildung und keine Behandlungsempfehlung. Prüfungsablauf und Anforderungen können je nach Ärztekammer und Bundesland variieren; verbindlich sind die Vorgaben der für dich zuständigen Kammer.

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