FSP-Übungsfall Bauchschmerzen und Durchfall: Morbus Crohn
Frau Svenja Albrecht
27 Jahre · Sprechstunde
- Leitsymptom
- Chronische Bauchschmerzen mit Durchfall
- Fachgebiet
- Gastroenterologie
- Schwierigkeit
- mittel
- Lebenssituation
- Bürotätigkeit; deutliche Einschränkung im Alltag durch Stuhlfrequenz und Müdigkeit
Eine 27-jährige Patientin stellt sich vor, weil sie seit mehreren Monaten immer wieder krampfartige Bauchschmerzen im rechten Unterbauch und Durchfälle hat und dabei an Gewicht verloren hat. Auf dieser Seite übst du den ganzen Fall in den drei Teilen der Fachsprachprüfung: das Anamnesegespräch zum Antippen, den ausgefüllten Anamnesebogen, einen Beispiel-Arztbrief und die Patientenvorstellung – dazu die wichtigsten Fachbegriffe in Laien- und Fachsprache.
📚 Das Krankheitsbild zum Nachlesen (Definition, Klinik, Diagnostik): Morbus Crohn
Anamnesegespräch: Du bist dran
Hier ist deine Aufgabe:
Du bist Ärztin/Arzt in der Sprechstunde. Versuch dich in die Situation hineinzuversetzen!
Und denk dran, dass du mit der Patientin Alltagssprache sprichst.
Zu zweit üben
Deine Lernpartnerin oder dein Lernpartner spielt die Patientin mit der Karte oben und den Antworten. Sie oder er erzählt zuerst nur den Einstiegssatz und gibt alles Weitere erst preis, wenn du passend nachfragst. Das Gespräch folgt dem üblichen Anamnese-Schema; mehr Fragen und Formulierungen: Anamnese auf Deutsch.0Begrüßung und Einstieg
Guten Tag, Frau Albrecht. Mein Name ist Dr. Müller, ich bin heute für Sie zuständig. Alles, was wir besprechen, unterliegt der Schweigepflicht. Was führt Sie zu uns?
„Ich habe seit ungefähr vier Monaten immer wieder Bauchschmerzen, vor allem rechts unten, und dazu häufig Durchfall. Manchmal wird es besser, dann kommt es wieder. In letzter Zeit habe ich auch abgenommen.“
1Aktuelle Beschwerden
Können Sie mir die Bauchschmerzen genauer beschreiben — wo sitzen sie und wie fühlen sie sich an?
Wie häufig haben Sie Durchfall und wie sieht der Stuhl aus?
Haben Sie Blut oder Schleim im Stuhl bemerkt?
Haben Sie außer am Bauch noch irgendwo Beschwerden?
2Vegetative Anamnese
Wie ist es mit Appetit, Gewicht und Fieber?
Fühlen Sie sich müde oder weniger leistungsfähig als früher?
3Vorerkrankungen
Sind bei Ihnen Vorerkrankungen bekannt?
Wurden Sie schon einmal am Bauch operiert?
4Medikamente
Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein?
5Allergien
Sind bei Ihnen Allergien oder Unverträglichkeiten bekannt?
6Noxen
Rauchen Sie, und wenn ja, wie viel?
Wie sieht es mit Alkohol aus?
7Familien- und Sozialanamnese
Gibt es in Ihrer Familie ähnliche Erkrankungen?
Was machen Sie beruflich, und wie belastet Sie die Situation im Alltag?
8Wenn die Patientin selbst fragt
Jetzt bist du dran: Was antwortest du? Erst überlegen, dann aufdecken.
Frau Doktor, ist das eine Erkrankung, die ich für immer habe?
Ehrlich bleiben, nichts versprechen und auf die Untersuchung und das anschließende Gespräch verweisen.
✓Zusammenfassung und Abschluss
Vielen Dank. Ich fasse kurz zusammen, was ich verstanden habe – bitte korrigieren Sie mich, wenn etwas nicht stimmt.
Gibt es noch etwas, das Sie mir sagen möchten, oder haben Sie Fragen an mich?
Als Nächstes würde ich Sie gern körperlich untersuchen. Sind Sie damit einverstanden?
Und jetzt: Was zeigt die Untersuchung?
Nach der Anamnese folgt die Diagnostik. Überlege zuerst, was du anordnen würdest und was du erwartest – dann aufdecken.

Dünndarm-Doppelkontrast (Enteroklysma): fixierte, fadenförmige Dünndarmstenose mit vorgeschalteter Erweiterung
Bild: Hellerhoff (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 3.0 · Quelle
Weiter in der Prüfung
Nach dem Gespräch folgen die schriftliche Dokumentation und die Vorstellung beim Oberarzt. Erst selbst machen, dann aufklappen und vergleichen.
Ausgefüllter AnamnesebogenSo sehen deine Notizen nach dem Gespräch aus
Stichpunkte, schon in Fachsprache und mit üblichen Abkürzungen (J. = Jahre, Z. n. = Zustand nach, py = Packungsjahre, re./li. = rechts/links). Auf dieser Grundlage schreibst du danach den Arztbrief.
Anamnesebogen · Übungsfall 32
| Patientin | Frau Svenja Albrecht, 27 J. |
|---|---|
| Vorstellungsgrund | rezidivierende krampfartige Schmerzen im re. Unterbauch und Diarrhö seit ca. 4 Monaten |
| Schmerz | re. Unterbauch, krampfartig; postprandial betont, Besserung nach Defäkation; schubweiser Verlauf |
| Stuhlgang | 4–6×/d breiig bis wässrig, auch nachts; gelegentlich Schleimbeimengung, kein relevantes Blut |
| Begleitbeschwerden | Arthralgien der Knie- und Handgelenke ohne Schwellung; kürzlich schmerzhafte perianale Entzündung (hausärztlich versorgt) |
| Vegetative Anamnese | Inappetenz; ungewollter Gewichtsverlust ca. 5 kg in 3 Monaten; rezidivierend subfebrile Temperaturen; Müdigkeit, Blässe |
| Vorerkrankungen / Voroperationen | keine; keine abdominellen Voroperationen |
| Medikamente | orales Kontrazeptivum; Ibuprofen bei Bedarf |
| Allergien | keine bekannt |
| Noxen | Nikotin ca. 10 Zig./d seit 8 J. (ca. 4 py); Alkohol gelegentlich |
| Familienanamnese | Onkel mit chronisch-entzündlicher Darmerkrankung (am ehesten Morbus Crohn) |
| Sozialanamnese | Bürotätigkeit; deutliche Einschränkung im Alltag durch Stuhlfrequenz und Müdigkeit |
Beispiel-ArztbriefTeil 2: schriftliche Dokumentation, mit Checkliste
Im zweiten Prüfungsteil dokumentierst du den Fall schriftlich – je nach Kammer als Arztbrief oder Dokumentationsbogen. Grundlage ist das Anamnesegespräch; Untersuchungsbefunde liegen in diesem Übungsfall noch nicht vor. Anamnese im Präteritum bzw. Präsens, Angaben der Patientin wahlweise in indirekter Rede (Konjunktiv I). Mehr dazu: Arztbrief in der Fachsprachprüfung.
Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,
wir berichten über Frau Svenja Albrecht, 27 Jahre, die sich heute in unserer Sprechstunde vorstellte.
Verdachtsdiagnose
Morbus Crohn (chronisch-entzündliche Darmerkrankung mit terminalem Ileumbefall)
Differenzialdiagnosen
- Colitis ulcerosa
- Infektiöse Enterokolitis (z. B. Yersinien, Campylobacter)
- Reizdarmsyndrom
- Appendizitis bzw. Darmtuberkulose bei Ileozökalbefall
Anamnese
Die aktuelle Anamnese ergab, dass die krampfartigen Schmerzen im rechten Unterbauch seit etwa vier Monaten immer wieder aufträten. Die Patientin gab an, vier- bis sechsmal täglich an Diarrhö zu leiden, teils auch nachts, gelegentlich mit Schleimbeimengung. Begleitend berichtete sie über einen ungewollten Gewichtsverlust von etwa fünf Kilogramm in drei Monaten, erhöhte Temperaturen und ausgeprägte Müdigkeit; einer Kollegin sei ihre Blässe aufgefallen. Weiterhin klagte sie über Schmerzen in Knie- und Handgelenken und berichtete über eine Veränderung am After. In der Familienanamnese sei eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung bekannt. Sie rauche. An Medikamenten nehme sie ein orales Kontrazeptivum ein, zeitweise zusätzlich Ibuprofen. Allergien seien nicht bekannt.
Geplante Diagnostik
- Körperliche Untersuchung inklusive Inspektion der Perianalregion
- Labor: Blutbild, CRP, BSG, Eisenstatus, Vitamin B12, Albumin, Leber- und Nierenwerte
- Stuhluntersuchung: fäkales Calprotectin sowie Erregerdiagnostik zum Ausschluss einer Infektion
- Ileokoloskopie mit Stufenbiopsien zur histologischen Sicherung
- MRT nach Sellink zur Beurteilung des Dünndarms, von Fisteln und Stenosen
- Abdomensonographie zur Darstellung von Wandverdickung und Komplikationen
Procedere
Wird in der Prüfung im Arzt-Arzt-Gespräch mündlich besprochen – auf dieser Übungsseite bewusst nicht aufgeführt.
Mit freundlichen kollegialen Grüßen
Checkliste: Das muss im Brief stehen
- Leitsymptom (chronische Bauchschmerzen im rechten Unterbauch)
- Stuhlfrequenz, Beschaffenheit und nächtliche Diarrhö
- ungewollter Gewichtsverlust und subfebrile Temperaturen
- extraintestinale Manifestationen (Arthralgien, perianale Läsion)
- Dauer und schubförmiger Verlauf
- positive Familienanamnese für CED
- Noxen (Nikotin) und Medikation (NSAR, orales Kontrazeptivum)
- Allergien
Patientenvorstellung beim OberarztTeil 3: Vorstellung und Rückfragen
Im dritten Teil stellst du den Fall einer Kollegin oder einem Kollegen aus der Prüfungskommission vor – knapp, strukturiert und in Fachsprache. Danach folgen meist Rückfragen. Mehr dazu: Arzt-Arzt-Gespräch und Übergabe.
„Ich möchte Ihnen Frau Albrecht vorstellen, eine 27-jährige Patientin, die sich mit seit vier Monaten bestehenden krampfartigen Schmerzen im rechten Unterbauch, chronischer, teils nächtlicher Diarrhö, einem ungewollten Gewichtsverlust von fünf Kilogramm und subfebrilen Temperaturen vorgestellt hat. Zusätzlich bestehen Arthralgien und eine perianale Läsion, und die Familienanamnese ist positiv für eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung. Meine Verdachtsdiagnose ist ein Morbus Crohn.“
Mögliche Rückfragen – erst selbst antworten
Welche typischen Befunde unterscheiden den Morbus Crohn von der Colitis ulcerosa?▾
Der Morbus Crohn kann den gesamten Verdauungstrakt vom Mund bis zum After befallen, typischerweise das terminale Ileum, und zeigt einen diskontinuierlichen, segmentalen Befall mit Skip-Läsionen. Die Entzündung ist transmural, es treten Fisteln und Stenosen auf, und histologisch finden sich Epitheloidzellgranulome. Die Colitis ulcerosa ist auf das Kolon begrenzt, breitet sich kontinuierlich vom Rektum nach proximal aus und befällt nur Mukosa und Submukosa.
Welche extraintestinalen Manifestationen erfragen und suchen Sie?▾
Gelenkbeschwerden wie periphere Arthritiden und eine Sakroiliitis, Hautveränderungen wie Erythema nodosum und Pyoderma gangraenosum, Augenbeteiligungen wie Episkleritis oder Uveitis, eine primär sklerosierende Cholangitis sowie aphthöse Läsionen der Mundschleimhaut.
Was spricht hier gegen ein Reizdarmsyndrom, und wofür bestimmen Sie das fäkale Calprotectin?▾
Gegen ein Reizdarmsyndrom sprechen die Warnzeichen: nächtliche Durchfälle, ungewollter Gewichtsverlust, subfebrile Temperaturen, Blässe, eine perianale Läsion und eine positive Familienanamnese. Calprotectin ist ein Eiweiß aus neutrophilen Granulozyten; im Stuhl erhöht zeigt es eine Entzündung der Darmschleimhaut an, beim Reizdarmsyndrom ist es normal.
Fachbegriffe: Laiensprache ↔ FachspracheZum Umdrehen und als Tabelle
Vom Gespräch in den Arztbrief
Tippe auf den Satz der Patientin – wie heißt es im Arztbrief?
Vom Fachbegriff zur Erklärung für die Patientin
| Fachbegriff | So erklärst du es |
|---|---|
| Morbus Crohn | eine chronische Entzündung, die den ganzen Verdauungstrakt befallen kann und in Schüben verläuft |
| Diarrhö | Durchfall, also häufiger und dünnflüssiger Stuhlgang |
| extraintestinale Manifestation | Krankheitszeichen außerhalb des Darms, zum Beispiel an Gelenken, Haut oder Augen |
| fäkales Calprotectin | ein Entzündungswert, der aus einer Stuhlprobe bestimmt wird und eine Darmentzündung anzeigt |
Verlinkte Begriffe stehen im Glossar Medizinische Fachbegriffe: Patientensprache → Fachsprache (mit Übersetzungen in 12 Sprachen).
FSP-Med: Fälle im Prüfungsablauf üben
Im FSP-Med-Modul der KLINIKFUCHS-App übst du Arzt-Patienten-Gespräche im FSP-Simulator, den Arztbrief und die Patientenvorstellung – mit Übersetzungshilfe in 13 Sprachen. Die App ist kostenlos: im Browser oder als iOS-App.
Übungsmaterial zum Sprachtraining, kein Ersatz für ärztliche Aus- und Weiterbildung und keine Behandlungsempfehlung. Prüfungsablauf und Anforderungen können je nach Ärztekammer und Bundesland variieren; verbindlich sind die Vorgaben der für dich zuständigen Kammer.