FSP-Übungsfall Brennende Oberbauchschmerzen: Ulcus ventriculi
Eine 52-jährige Patientin stellt sich vor, weil sie seit mehreren Wochen unter brennenden Schmerzen im Oberbauch leidet, die sich vor allem nach dem Essen bemerkbar machen. Auf dieser Seite findest du den ganzen Fall in den drei Teilen der Fachsprachprüfung: das Anamnesegespräch als Musterablauf, den ausgefüllten Anamnesebogen, einen Beispiel-Arztbrief und die Patientenvorstellung – dazu die wichtigsten Fachbegriffe in Laien- und Fachsprache.
1. Patientenrolle: Steckbrief
Übst du mit einer Lernpartnerin oder einem Lernpartner, bekommt diese Person den Steckbrief und die Antworten aus Abschnitt 2. Sie erzählt zuerst nur den Einstiegssatz und gibt alles Weitere erst preis, wenn du passend nachfragst.
| Name | Frau Marlene Schuster |
| Alter | 52 Jahre |
| Ort | Notaufnahme |
| Leitsymptom | Brennende Oberbauchschmerzen |
| Fachgebiet | Gastroenterologie |
| Lebenssituation | Pflegekraft im Schichtdienst; aktuell hohe berufliche Belastung |
| Schwierigkeit | mittel |
Einstiegssatz der Patientin:
„Seit ungefähr drei Wochen habe ich ein Brennen und Drücken im Oberbauch. Besonders schlimm ist es kurz nach dem Essen, und manchmal ist mir dabei übel.“
2. Musterablauf der Anamnese
So kann das Arzt-Patienten-Gespräch in diesem Fall ablaufen – gegliedert nach dem üblichen Anamnese-Schema: aktuelle Beschwerden, vegetative Anamnese, Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien, Noxen, Familien- und Sozialanamnese. Mit der Patientin sprichst du Alltagssprache; Fachbegriffe kommen erst im Arztbrief. Mehr Fragen und Formulierungen: Anamnese auf Deutsch.
Begrüßung und Einstieg
Ärztin/ArztGuten Tag, Frau Schuster. Mein Name ist Dr. Müller, ich bin heute für Sie zuständig. Alles, was wir besprechen, unterliegt der Schweigepflicht. Was führt Sie zu uns?
PatientinSeit ungefähr drei Wochen habe ich ein Brennen und Drücken im Oberbauch. Besonders schlimm ist es kurz nach dem Essen, und manchmal ist mir dabei übel.
1. Aktuelle Beschwerden
Ärztin/ArztKönnen Sie mir die Schmerzen genauer beschreiben — wo genau und wie fühlen sie sich an?
PatientinEs ist ein brennender, drückender Schmerz genau in der Magengegend, oben in der Mitte des Bauches, direkt unter dem Brustbein.
Ärztin/ArztHaben die Schmerzen mit dem Essen zu tun?
PatientinMeist kommen sie kurz nach dem Essen und werden dann eher schlimmer. Manchmal traue ich mich deshalb kaum, etwas zu essen.
Ärztin/ArztHaben Sie zusätzlich Übelkeit, Erbrechen oder ein Völlegefühl?
PatientinÜbelkeit habe ich oft, erbrochen habe ich einmal. Und ich fühle mich schon nach kleinen Portionen sehr voll.
Ärztin/ArztWar Ihr Stuhl schwarz, oder haben Sie Blut erbrochen?
PatientinJetzt wo Sie fragen — der Stuhl war in den letzten Tagen ungewöhnlich dunkel, fast schwarz. Blut erbrochen habe ich nicht.
Ärztin/ArztHaben Sie ungewollt an Gewicht verloren?
PatientinEin paar Kilo vielleicht, weil ich aus Angst vor den Schmerzen weniger esse.
2. Vegetative Anamnese
Ärztin/ArztWie steht es mit Appetit, Schlaf und dem Wasserlassen?
PatientinDer Appetit ist wegen der Schmerzen schlechter. Schlafen und Wasserlassen sind unauffällig.
Ärztin/ArztHatten Sie Fieber oder Schwindel, zum Beispiel beim Aufstehen?
PatientinFieber nicht, aber mir ist in den letzten Tagen öfter schwindelig, wenn ich schnell aufstehe.
3. Vorerkrankungen
Ärztin/ArztSind bei Ihnen Vorerkrankungen bekannt, oder hatten Sie schon einmal Magenprobleme oder ein Geschwür?
PatientinIch habe immer wieder mal Sodbrennen, ein Geschwür wurde aber nie festgestellt. Ansonsten habe ich eine Arthrose im Knie und in den Händen.
Ärztin/ArztHat man bei Ihnen schon einmal nach einem Magenkeim gesucht?
PatientinDavon habe ich noch nie gehört, das wurde bei mir nie untersucht.
4. Medikamente
Ärztin/ArztWelche Medikamente nehmen Sie regelmäßig oder bei Bedarf ein?
PatientinWegen der Arthrose nehme ich fast täglich Ibuprofen gegen die Schmerzen, oft mehrere Tabletten am Tag. Sonst nehme ich nichts Regelmäßiges.
Ärztin/ArztNehmen Sie dazu etwas für den Magen ein?
PatientinNein, einen Magenschutz habe ich nie dazu bekommen.
5. Allergien
Ärztin/ArztSind bei Ihnen Allergien oder Unverträglichkeiten bekannt?
PatientinNein, mir ist keine Allergie bekannt.
6. Noxen
Ärztin/ArztRauchen Sie, und wenn ja, wie viel?
PatientinJa, etwa zehn Zigaretten am Tag, seit gut zwanzig Jahren.
Ärztin/ArztWie viel Alkohol und Kaffee trinken Sie?
PatientinKaffee trinke ich viel, vier bis fünf Tassen am Tag. Alkohol nur selten, mal ein Glas Wein.
7. Familien- und Sozialanamnese
Ärztin/ArztGibt es in Ihrer Familie Magen-Darm-Erkrankungen oder Magenkrebs?
PatientinMeine Großmutter hatte Magenkrebs, sonst ist mir nichts bekannt.
Ärztin/ArztWas machen Sie beruflich und stehen Sie unter besonderem Stress?
PatientinIch arbeite als Pflegekraft im Schichtdienst, und im Moment ist es sehr stressig und hektisch.
Wenn die Patientin selbst fragt
PatientinFrau Doktor, ist der schwarze Stuhl schlimm? Muss ich mir Sorgen machen?
Ärztin/ArztEs ist sehr gut, dass Sie das erwähnen, und ich nehme es ernst. Schwarzer Stuhl kann ein Hinweis auf eine Blutung im Magen sein. Deshalb untersuche ich Sie jetzt gründlich und nehme Blut ab. Danach besprechen wir die Ergebnisse und die nächsten Untersuchungen gemeinsam.
Ehrlich bleiben, nichts versprechen und auf die Untersuchung und das anschließende Gespräch verweisen.
Zusammenfassung und Abschluss
Ärztin/ArztVielen Dank. Ich fasse kurz zusammen, was ich verstanden habe – bitte korrigieren Sie mich, wenn etwas nicht stimmt.
Ärztin/ArztGibt es noch etwas, das Sie mir sagen möchten, oder haben Sie Fragen an mich?
Ärztin/ArztAls Nächstes würde ich Sie gern körperlich untersuchen. Sind Sie damit einverstanden?
3. Ausgefüllter Anamnesebogen
So können deine Notizen am Ende des Gesprächs aussehen: Stichpunkte, schon in Fachsprache und mit üblichen Abkürzungen (J. = Jahre, Z. n. = Zustand nach, py = Packungsjahre, re./li. = rechts/links). Auf dieser Grundlage schreibst du danach den Arztbrief.
Anamnesebogen · Übungsfall 30
| Patientin | Frau Marlene Schuster, 52 J. |
|---|---|
| Vorstellungsgrund | brennend-drückende Oberbauchschmerzen seit ca. 3 Wochen |
| Lokalisation / Charakter | epigastrisch, direkt unter dem Sternum; brennend, drückend |
| Nahrungsabhängigkeit | Verstärkung kurz nach dem Essen; Nahrungsaufnahme aus Angst vor Schmerzen reduziert |
| Begleitsymptome | häufig Nausea, 1× Emesis; frühes Sättigungsgefühl |
| Blutungszeichen | seit einigen Tagen fast schwarzer Stuhl; keine Hämatemesis; Schwindel beim raschen Aufstehen |
| Gewicht | Gewichtsverlust einige kg (reduzierte Nahrungsaufnahme) |
| Vegetative Anamnese | Appetit vermindert; Schlaf und Miktion unauffällig; kein Fieber |
| Vorerkrankungen | rezidivierendes Sodbrennen; kein Ulkus bekannt; Arthrose (Knie, Hände); Helicobacter pylori nie untersucht |
| Medikamente | Ibuprofen fast täglich, oft mehrere Tabletten/d (Arthrose); kein Magenschutz |
| Allergien | keine bekannt |
| Noxen | Nikotin ca. 10 Zig./d seit > 20 J. (ca. 10 py); Kaffee 4–5 Tassen/d; Alkohol selten |
| Familienanamnese | Großmutter mit Magenkarzinom |
| Sozialanamnese | Pflegekraft im Schichtdienst; aktuell hohe berufliche Belastung |
4. Beispiel-Arztbrief (schriftliche Dokumentation)
Im zweiten Prüfungsteil dokumentierst du den Fall schriftlich – je nach Kammer als Arztbrief oder Dokumentationsbogen. Grundlage ist das Anamnesegespräch; Untersuchungsbefunde liegen in diesem Übungsfall noch nicht vor. Anamnese im Präteritum bzw. Präsens, Angaben der Patientin wahlweise in indirekter Rede (Konjunktiv I). Mehr dazu: Arztbrief in der Fachsprachprüfung.
Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,
wir berichten über Frau Marlene Schuster, 52 Jahre, die sich heute in unserer Notaufnahme vorstellte.
Verdachtsdiagnose
Ulcus ventriculi (Magengeschwür) mit Verdacht auf obere gastrointestinale Blutung
Differenzialdiagnosen
- Ulcus duodeni
- Gastritis / funktionelle Dyspepsie
- Gastroösophageale Refluxkrankheit
- Magenkarzinom
Anamnese
Die aktuelle Anamnese ergab, dass die brennend-drückenden Oberbauchschmerzen seit etwa drei Wochen bestünden. Die Patientin gab an, die Schmerzen nähmen nach dem Essen zu. Begleitend berichtete sie über Übelkeit, einmaliges Erbrechen, ein frühes Sättigungsgefühl und einen leichten Gewichtsverlust. Weiterhin gab sie an, der Stuhl sei seit einigen Tagen schwarz, und beim Aufstehen bestehe Schwindel. Als wesentlichen Risikofaktor berichtete sie, wegen einer bekannten Arthrose regelmäßig Ibuprofen in hoher Menge einzunehmen, ohne ein Magenmittel dazu. Weiterhin rauche sie und trinke viel Kaffee; in der Familienanamnese sei ein Magenkrebs bekannt. Allergien seien nicht bekannt.
Geplante Diagnostik
- Ösophago-Gastro-Duodenoskopie (ÖGD) mit Biopsien zur Diagnosesicherung und zum Malignitätsausschluss
- Helicobacter-pylori-Nachweis (Urease-Schnelltest/Histologie aus der Biopsie)
- Labor: Blutbild (Anämie), Ferritin, Gerinnung, Blutgruppe und Kreuzblut bei Blutungsverdacht
- Kreislaufüberwachung und Beurteilung des Blutungsstatus
Procedere
Wird in der Prüfung im Arzt-Arzt-Gespräch mündlich besprochen – auf dieser Übungsseite bewusst nicht aufgeführt.
Mit freundlichen kollegialen Grüßen
Checkliste: Das muss im Brief stehen
- Leitsymptom (brennende Oberbauchschmerzen, postprandial)
- Dauer und Verlauf
- Begleitsymptome (Übelkeit, Erbrechen, frühe Sättigung)
- Hinweis auf obere GI-Blutung (Teerstuhl, orthostatischer Schwindel)
- regelmäßige NSAR-Einnahme ohne Magenschutz
- Nikotin- und Kaffeekonsum
- Familienanamnese (Magenkarzinom)
- Allergien und übrige Medikation
5. Patientenvorstellung beim Oberarzt
Im dritten Teil stellst du den Fall einer Kollegin oder einem Kollegen aus der Prüfungskommission vor – knapp, strukturiert und in Fachsprache. Danach folgen meist Rückfragen. Mehr dazu: Arzt-Arzt-Gespräch und Übergabe.
„Ich möchte Ihnen Frau Schuster vorstellen, eine 52-jährige Patientin, die sich mit seit drei Wochen bestehenden, brennenden Oberbauchschmerzen vorgestellt hat, die nach dem Essen zunehmen. Begleitend bestehen Übelkeit, frühe Sättigung und ein leichter Gewichtsverlust. Auffällig ist ein Teerstuhl bei orthostatischem Schwindel. Bei regelmäßiger Ibuprofen-Einnahme in hoher Menge ohne Magenschutz lautet meine Verdachtsdiagnose ein Ulcus ventriculi mit möglicher oberer gastrointestinaler Blutung.“
Mögliche Rückfragen
Welche Risikofaktoren für ein Ulkus hat die Patientin?▾
An erster Stelle die regelmäßige Einnahme von NSAR wie Ibuprofen ohne Magenschutz, dazu das Rauchen. Eine Helicobacter-pylori-Infektion wurde nie ausgeschlossen; sie ist neben den NSAR die häufigste Ulkusursache. Stress und Kaffee spielen allenfalls eine untergeordnete Rolle.
Woran erkennen Sie eine obere gastrointestinale Blutung, und wie schätzen Sie den Schweregrad klinisch ein?▾
Typisch sind Teerstuhl, also schwarzer, glänzender, klebriger Stuhl, und Hämatemesis als frisches Blut oder kaffeesatzartiges Erbrechen. Den Schweregrad schätze ich an den Kreislaufzeichen ab: Schwindel beim Aufstehen, Tachykardie, Hypotonie, Blässe und ein Hämoglobinabfall. Der orthostatische Schwindel der Patientin kann auf einen relevanten Blutverlust hinweisen. Zur Risikoeinschätzung eignet sich zum Beispiel der Glasgow-Blatchford-Score.
6. Fachbegriffe: Laiensprache ↔ Fachsprache
Vom Gespräch in den Arztbrief
| Die Patientin sagt | Im Arztbrief |
|---|---|
| „ein Brennen und Drücken im Oberbauch“ | brennend-drückende epigastrische Schmerzen |
| „besonders schlimm ist es kurz nach dem Essen“ | postprandiale Schmerzverstärkung |
| „ich fühle mich schon nach kleinen Portionen sehr voll“ | frühes Sättigungsgefühl |
| „ungewöhnlich dunkel, fast schwarz“ | Teerstuhl (Meläna) |
| „schwindelig, wenn ich schnell aufstehe“ | orthostatischer Schwindel |
| „Sodbrennen“ | Pyrosis |
| „eine Arthrose im Knie und in den Händen“ | Gonarthrose und Fingerarthrose |
| „fast täglich Ibuprofen gegen die Schmerzen“ | regelmäßige NSAR-Einnahme |
Vom Fachbegriff zur Erklärung für die Patientin
| Fachbegriff | So erklärst du es |
|---|---|
| Ulcus ventriculi | ein Magengeschwür, also ein tiefer Defekt in der Magenschleimhaut |
| Teerstuhl (Meläna) | schwarz gefärbter, glänzender Stuhl, der auf eine Blutung im oberen Magen-Darm-Trakt hinweist |
| nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) | entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen, die den Magen angreifen können |
Verlinkte Begriffe stehen im Glossar Medizinische Fachbegriffe: Patientensprache → Fachsprache (mit Übersetzungen in 12 Sprachen).
FSP-Med: Fälle im Prüfungsablauf üben
Im FSP-Med-Modul der KLINIKFUCHS-App übst du Arzt-Patienten-Gespräche im FSP-Simulator, den Arztbrief und die Patientenvorstellung – mit Übersetzungshilfe in 13 Sprachen. Die App ist kostenlos: im Browser oder als iOS-App.
Übungsmaterial zum Sprachtraining, kein Ersatz für ärztliche Aus- und Weiterbildung und keine Behandlungsempfehlung. Prüfungsablauf und Anforderungen können je nach Ärztekammer und Bundesland variieren; verbindlich sind die Vorgaben der für dich zuständigen Kammer.