FSP-Übungsfall Zunehmende Atemnot und Auswurf: COPD-Exazerbation
Ein 64-jähriger Patient stellt sich vor, weil sich seine seit Jahren bekannte Atemnot in den letzten Tagen deutlich verschlechtert hat und er nun vermehrt gelb-grünen Auswurf abhustet. Auf dieser Seite findest du den ganzen Fall in den drei Teilen der Fachsprachprüfung: das Anamnesegespräch als Musterablauf, den ausgefüllten Anamnesebogen, einen Beispiel-Arztbrief und die Patientenvorstellung – dazu die wichtigsten Fachbegriffe in Laien- und Fachsprache.
📚 Das Krankheitsbild zum Nachlesen (Definition, Klinik, Diagnostik): COPD (Exazerbation)
1. Patientenrolle: Steckbrief
Übst du mit einer Lernpartnerin oder einem Lernpartner, bekommt diese Person den Steckbrief und die Antworten aus Abschnitt 2. Sie erzählt zuerst nur den Einstiegssatz und gibt alles Weitere erst preis, wenn du passend nachfragst.
| Name | Herr Günther Reinhardt |
| Alter | 64 Jahre |
| Ort | Notaufnahme |
| Leitsymptom | Zunehmende Atemnot mit vermehrtem Auswurf |
| Fachgebiet | Pneumologie |
| Lebenssituation | ehem. Maler und Lackierer > 30 J. (Staub- und Dämpfeexposition); lebt mit Ehefrau, 3. OG ohne Aufzug |
| Schwierigkeit | mittel |
Einstiegssatz des Patienten:
„Ich habe seit Jahren eine Raucherlunge, aber in den letzten drei, vier Tagen ist die Luftnot viel schlimmer geworden. Ich huste ständig und es kommt viel gelb-grüner Schleim hoch.“
2. Musterablauf der Anamnese
So kann das Arzt-Patienten-Gespräch in diesem Fall ablaufen – gegliedert nach dem üblichen Anamnese-Schema: aktuelle Beschwerden, vegetative Anamnese, Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien, Noxen, Familien- und Sozialanamnese. Mit dem Patienten sprichst du Alltagssprache; Fachbegriffe kommen erst im Arztbrief. Mehr Fragen und Formulierungen: Anamnese auf Deutsch.
Begrüßung und Einstieg
Ärztin/ArztGuten Tag, Herr Reinhardt. Mein Name ist Dr. Müller, ich bin heute für Sie zuständig. Alles, was wir besprechen, unterliegt der Schweigepflicht. Was führt Sie zu uns?
PatientIch habe seit Jahren eine Raucherlunge, aber in den letzten drei, vier Tagen ist die Luftnot viel schlimmer geworden. Ich huste ständig und es kommt viel gelb-grüner Schleim hoch.
1. Aktuelle Beschwerden
Ärztin/ArztWie hat sich Ihre Atemnot in den letzten Tagen verändert?
PatientSonst komme ich mit dem Einkaufen gerade so zurecht. Jetzt bekomme ich schon beim Anziehen kaum noch Luft und muss dauernd stehenbleiben.
Ärztin/ArztWie viel Schleim kommt hoch, und hat sich die Farbe verändert?
PatientDeutlich mehr als sonst, und er ist jetzt gelb-grün statt weißlich. Zäh ist er auch geworden.
Ärztin/ArztHaben Sie Fieber, oder sind Sie erkältet?
PatientFieber habe ich nicht gemessen, aber ich fühle mich schlapp und hatte vor ein paar Tagen einen Schnupfen.
Ärztin/ArztKönnen Sie nachts flach liegen oder brauchen Sie mehrere Kissen?
PatientIch schlafe schon länger mit zwei Kissen halb sitzend, sonst bekomme ich schlecht Luft. In den letzten Nächten war es besonders schlimm.
Ärztin/ArztPfeift es beim Atmen, und fühlt sich die Brust eng an?
PatientJa, es pfeift richtig und die Brust ist eng. Beim Ausatmen muss ich mich richtig anstrengen.
2. Vegetative Anamnese
Ärztin/ArztWie sind Appetit, Gewicht und Schlaf zurzeit?
PatientDer Appetit ist mäßig, ich habe im letzten Jahr eher abgenommen. Der Schlaf ist wegen der Luftnot und dem Husten schlecht.
Ärztin/ArztHaben Sie geschwollene Beine oder Herzrasen bemerkt?
PatientDie Knöchel sind abends manchmal etwas dick. Herzrasen habe ich hin und wieder, wenn ich das Spray zu oft nehme.
3. Vorerkrankungen
Ärztin/ArztWelche Vorerkrankungen sind bei Ihnen bekannt?
PatientDie COPD habe ich seit etwa acht Jahren. Dazu hoher Blutdruck und vor zwei Jahren wurde eine leichte Herzschwäche festgestellt.
Ärztin/ArztWie oft war es schon so schlimm, und mussten Sie ins Krankenhaus?
PatientIm letzten Winter zweimal. Einmal musste ich für ein paar Tage in die Klinik und bekam Kortison und Antibiotika.
4. Medikamente
Ärztin/ArztWelche Sprays und Tabletten nehmen Sie regelmäßig?
PatientIch habe zwei Sprays, ein langwirksames zum Vorbeugen und ein Notfallspray. Dazu eine Blutdrucktablette und eine Wassertablette.
Ärztin/ArztNehmen Sie die Sprays regelmäßig, und wie oft brauchen Sie das Notfallspray zurzeit?
PatientDas Notfallspray brauche ich in den letzten Tagen sehr oft, fast stündlich. Das lange Spray nehme ich ehrlich gesagt nicht immer regelmäßig.
5. Allergien
Ärztin/ArztSind bei Ihnen Allergien oder Medikamentenunverträglichkeiten bekannt?
PatientNein, mir ist keine Allergie bekannt.
6. Noxen
Ärztin/ArztRauchen Sie, und wenn ja, wie viel am Tag und seit wie vielen Jahren?
PatientJa, ich rauche immer noch, etwa fünfzehn Zigaretten am Tag, und das seit über vierzig Jahren. Aufhören habe ich schon oft versucht.
Ärztin/ArztWie sieht es mit Alkohol aus?
PatientAbends trinke ich meistens zwei Flaschen Bier.
7. Familien- und Sozialanamnese
Ärztin/ArztWie wohnen Sie, und schaffen Sie den Alltag allein?
PatientIch wohne mit meiner Frau zusammen im dritten Stock ohne Aufzug. Die Treppen sind für mich das größte Problem geworden.
Ärztin/ArztWas haben Sie beruflich gemacht?
PatientIch war über dreißig Jahre Maler und Lackierer, da war ich viel Staub und Dämpfen ausgesetzt.
Wenn der Patient selbst fragt
PatientHerr Doktor, muss ich jetzt im Krankenhaus bleiben?
Ärztin/ArztDas kann ich Ihnen jetzt noch nicht sagen. Zuerst untersuche ich Sie, wir messen den Sauerstoff im Blut und machen ein Röntgenbild der Lunge. Danach besprechen wir die Ergebnisse gemeinsam, und ich erkläre Ihnen jeden Schritt.
Ehrlich bleiben, nichts versprechen und auf die Untersuchung und das anschließende Gespräch verweisen.
Zusammenfassung und Abschluss
Ärztin/ArztVielen Dank. Ich fasse kurz zusammen, was ich verstanden habe – bitte korrigieren Sie mich, wenn etwas nicht stimmt.
Ärztin/ArztGibt es noch etwas, das Sie mir sagen möchten, oder haben Sie Fragen an mich?
Ärztin/ArztAls Nächstes würde ich Sie gern körperlich untersuchen. Sind Sie damit einverstanden?
3. Ausgefüllter Anamnesebogen
So können deine Notizen am Ende des Gesprächs aussehen: Stichpunkte, schon in Fachsprache und mit üblichen Abkürzungen (J. = Jahre, Z. n. = Zustand nach, py = Packungsjahre, re./li. = rechts/links). Auf dieser Grundlage schreibst du danach den Arztbrief.
Anamnesebogen · Übungsfall 13
| Patient | Herr Günther Reinhardt, 64 J. |
|---|---|
| Vorstellungsgrund | Zunahme der vorbekannten Dyspnoe seit 3–4 Tagen mit vermehrtem, gelb-grünem Auswurf |
| Dyspnoe | sonst Belastungsgrenze Einkaufen; aktuell Dyspnoe schon bei geringer Belastung (Anziehen), häufige Pausen |
| Husten / Auswurf | vermehrter Husten; Sputummenge gesteigert, gelb-grün statt weißlich, zäh |
| Weitere Symptome | Giemen, thorakales Engegefühl, erschwerte Exspiration; Orthopnoe (seit Längerem 2 Kissen, halb sitzend), in den letzten Nächten verstärkt |
| Auslöser | Rhinitis vor einigen Tagen; Fieber nicht gemessen; Abgeschlagenheit |
| Vegetative Anamnese | Appetit mäßig; Gewichtsabnahme im letzten Jahr; Schlafstörung durch Dyspnoe und Husten; abends Knöchelödeme; gelegentlich Herzrasen bei häufigem Gebrauch des Bedarfssprays |
| Vorerkrankungen | COPD seit ca. 8 J.; im letzten Winter 2 Exazerbationen, davon 1× stationär; arterielle Hypertonie; Herzinsuffizienz (vor 2 J. diagnostiziert) |
| Medikamente | langwirksames Inhalativum (unregelmäßig angewendet), Bedarfsspray (zuletzt fast stündlich), Antihypertensivum, Diuretikum |
| Allergien | keine bekannt |
| Noxen | aktiver Raucher, ca. 15 Zig./d seit > 40 J. (ca. 30 py); Alkohol ca. 2 Flaschen Bier/Abend |
| Sozialanamnese | ehem. Maler und Lackierer > 30 J. (Staub- und Dämpfeexposition); lebt mit Ehefrau, 3. OG ohne Aufzug |
4. Beispiel-Arztbrief (schriftliche Dokumentation)
Im zweiten Prüfungsteil dokumentierst du den Fall schriftlich – je nach Kammer als Arztbrief oder Dokumentationsbogen. Grundlage ist das Anamnesegespräch; Untersuchungsbefunde liegen in diesem Übungsfall noch nicht vor. Anamnese im Präteritum bzw. Präsens, Angaben des Patienten wahlweise in indirekter Rede (Konjunktiv I). Mehr dazu: Arztbrief in der Fachsprachprüfung.
Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,
wir berichten über Herrn Günther Reinhardt, 64 Jahre, der sich heute in unserer Notaufnahme vorstellte.
Verdachtsdiagnose
Akute Exazerbation der COPD, wahrscheinlich infektgetriggert
Differenzialdiagnosen
- Ambulant erworbene Pneumonie
- Dekompensierte Herzinsuffizienz / kardiales Lungenödem
- Lungenembolie
- Pneumothorax
Anamnese
Die aktuelle Anamnese ergab, dass sich die vorbekannte COPD seit drei bis vier Tagen zunehmend verschlechtert habe. Der Patient gab an, die Luftnot habe bei Belastung deutlich zugenommen und trete inzwischen schon bei geringer Belastung wie dem Anziehen auf; der Auswurf sei vermehrt und gelb-grün, Husten und pfeifendes Ausatmen hätten zugenommen. Weiterhin berichtete er, ein Infekt der oberen Atemwege sei vorausgegangen und er benutze sein Bedarfsspray deutlich häufiger als sonst. An Vorerkrankungen seien eine seit acht Jahren bekannte COPD mit zwei Exazerbationen im vergangenen Winter, davon eine stationär behandelt, ein arterieller Hypertonus und eine Herzinsuffizienz bekannt. An Dauermedikation nehme er ein langwirksames Inhalativum — nach eigener Angabe unregelmäßig —, ein Bedarfsspray, ein Antihypertensivum und ein Diuretikum ein. Er rauche weiterhin, etwa 30 Packungsjahre, und sei als Maler beruflich Staub und Dämpfen ausgesetzt gewesen. Allergien seien nicht bekannt.
Geplante Diagnostik
- Körperliche Untersuchung mit Auskultation (Giemen, verlängertes Exspirium), Vitalparameter und Atemfrequenz
- Pulsoxymetrie und arterielle Blutgasanalyse (Frage nach respiratorischer Insuffizienz und Hyperkapnie)
- Röntgen-Thorax zum Ausschluss von Pneumonie, Stauung und Pneumothorax
- Labor: Blutbild, CRP, ggf. Procalcitonin, Elektrolyte, Nierenwerte, bei Verdacht D-Dimer und BNP
- EKG zur Beurteilung von Rhythmus und Rechtsherzbelastung
- Sputumdiagnostik bei fehlendem Ansprechen oder schwerer Exazerbation
Procedere
Wird in der Prüfung im Arzt-Arzt-Gespräch mündlich besprochen – auf dieser Übungsseite bewusst nicht aufgeführt.
Mit freundlichen kollegialen Grüßen
Checkliste: Das muss im Brief stehen
- Leitsymptom (akut zunehmende Dyspnoe)
- Verlauf und Dauer der Verschlechterung
- Zunahme und Purulenz des Auswurfs (Anthonisen-Kriterien)
- vorbekannte COPD und frühere Exazerbationen
- gesteigerter Bedarfssprayverbrauch und Adhärenz
- Nikotinanamnese in Packungsjahren
- berufliche Exposition und Komorbiditäten
- Dauermedikation und Allergien
5. Patientenvorstellung beim Oberarzt
Im dritten Teil stellst du den Fall einer Kollegin oder einem Kollegen aus der Prüfungskommission vor – knapp, strukturiert und in Fachsprache. Danach folgen meist Rückfragen. Mehr dazu: Arzt-Arzt-Gespräch und Übergabe.
„Ich möchte Ihnen Herrn Reinhardt vorstellen, einen 64-jährigen Patienten mit seit acht Jahren bekannter COPD, der sich mit einer seit drei bis vier Tagen progredienten Verschlechterung vorgestellt hat. Er berichtet über eine zunehmende Atemnot schon bei geringer Belastung, vermehrten und nun gelb-grün gefärbten Auswurf sowie vermehrten Husten nach vorausgegangenem Atemwegsinfekt. Bei einem Nikotinabusus von rund 30 Packungsjahren lautet meine Verdachtsdiagnose eine akute Exazerbation der COPD, am ehesten infektgetriggert.“
Mögliche Rückfragen
Welche Kriterien sprechen für eine infektgetriggerte Exazerbation?▾
Nach den Anthonisen-Kriterien die Zunahme der Dyspnoe, die Zunahme der Sputummenge und die Purulenz des Sputums. Liegen wie hier alle drei vor, spricht das für eine bakterielle Genese. Der vorausgegangene Infekt der oberen Atemwege passt dazu.
Woran erkennen Sie eine respiratorische Insuffizienz, und wozu dient die Blutgasanalyse?▾
Klinisch an Ruhedyspnoe, erhöhter Atemfrequenz, Einsatz der Atemhilfsmuskulatur und Zyanose, bei Hyperkapnie auch an Somnolenz oder Verwirrtheit. Die arterielle Blutgasanalyse unterscheidet die hypoxämische Partialinsuffizienz von der hyperkapnischen Globalinsuffizienz und zeigt, ob eine respiratorische Azidose besteht. Das ist entscheidend für die Einschätzung des Schweregrads.
6. Fachbegriffe: Laiensprache ↔ Fachsprache
Vom Gespräch in den Arztbrief
| Der Patient sagt | Im Arztbrief |
|---|---|
| „eine Raucherlunge“ | COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) |
| „viel gelb-grüner Schleim“ | purulentes Sputum |
| „schon beim Anziehen kaum noch Luft“ | Dyspnoe bei geringer Belastung |
| „mit zwei Kissen halb sitzend“ | Orthopnoe |
| „es pfeift richtig und die Brust ist eng“ | Giemen und thorakales Engegefühl |
| „die Knöchel sind abends manchmal etwas dick“ | abendliche Knöchelödeme |
| „eine leichte Herzschwäche“ | Herzinsuffizienz |
Vom Fachbegriff zur Erklärung für den Patienten
| Fachbegriff | So erklärst du es |
|---|---|
| COPD | eine chronisch verengende Lungenerkrankung, meist durch langjähriges Rauchen, mit dauerhaftem Husten und Atemnot |
| Exazerbation | eine akute Verschlechterung der Erkrankung mit deutlich stärkeren Beschwerden als sonst |
| purulenter Auswurf | eitriger, gelb-grün gefärbter Schleim, der auf eine bakterielle Infektion hindeuten kann |
Verlinkte Begriffe stehen im Glossar Medizinische Fachbegriffe: Patientensprache → Fachsprache (mit Übersetzungen in 12 Sprachen).
FSP-Med: Fälle im Prüfungsablauf üben
Im FSP-Med-Modul der KLINIKFUCHS-App übst du Arzt-Patienten-Gespräche im FSP-Simulator, den Arztbrief und die Patientenvorstellung – mit Übersetzungshilfe in 13 Sprachen. Die App ist kostenlos: im Browser oder als iOS-App.
Übungsmaterial zum Sprachtraining, kein Ersatz für ärztliche Aus- und Weiterbildung und keine Behandlungsempfehlung. Prüfungsablauf und Anforderungen können je nach Ärztekammer und Bundesland variieren; verbindlich sind die Vorgaben der für dich zuständigen Kammer.