Medizinische Fachbegriffe für Untersuchungen und Diagnostik

Von Dr. Pascal Bafteh, Arzt · Stand 10/2026

Von der Anamnese über die körperliche Untersuchung bis zu Labor, Bildgebung und Endoskopie: die wichtigsten Begriffe der Diagnostik, kurz erklärt. Klinische Zeichen sind nach ihren Erstbeschreibern benannt und werden im Arztbrief genau so dokumentiert.

Alle Begriffe A–ZKörperteile & AnatomieOrganeLage- & RichtungsbezeichnungenKrankheitszeichen & SymptomeKrankheiten & GrundbegriffeAbkürzungen
Anamnese Krankengeschichte
Das strukturierte Erfragen der aktuellen Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien sowie Familien- und Sozialanamnese.Herkunft: griech. anamnesis ‚Erinnerung‘ Mehr: Anamnese auf Deutsch: Fragen und Formulierungen für die Fachsprachprüfung →
Fremdanamnese Befragung von Angehörigen
Anamnese, die nicht vom Patienten selbst, sondern von Angehörigen, Pflegekräften oder Zeugen erhoben wird, z. B. bei Bewusstlosen.
Körperliche Untersuchung Abtasten, Abhören, Ansehen
Systematische Untersuchung mit Inspektion, Palpation, Perkussion und Auskultation (Abkürzung KU). Mehr: Körperliche Untersuchung auf Deutsch: höfliche Anweisungen für Patientinnen und Patienten →
Inspektion Betrachten
Untersuchung durch Ansehen, z. B. von Hautfarbe, Atmung, Schwellungen oder Gangbild.Herkunft: lat. inspicere ‚hineinsehen‘
Palpation Abtasten
Untersuchung durch Abtasten, z. B. von Bauch, Lymphknoten oder Puls.Herkunft: lat. palpare ‚streicheln, betasten‘
Perkussion Abklopfen
Untersuchung durch Abklopfen der Körperoberfläche; der Klopfschall gibt Hinweise auf Luft, Flüssigkeit oder festes Gewebe darunter.Herkunft: lat. percutere ‚schlagen‘
Auskultation Abhören
Abhören von Herz, Lunge, Bauch oder Gefäßen mit dem Stethoskop.Herkunft: lat. auscultare ‚zuhören‘
Vitalparameter Lebenszeichen
Grundlegende Messwerte: Puls, Blutdruck, Atemfrequenz, Sauerstoffsättigung, Temperatur und Bewusstseinslage.Herkunft: lat. vita ‚Leben‘
Pulsoxymetrie Sauerstoff-Fingerclip
Messung der Sauerstoffsättigung des Blutes (SpO2) und des Pulses mit einem Lichtsensor am Finger oder Ohr.
Blutgasanalyse Blutgase messen
Messung von Sauerstoff, Kohlendioxid, pH-Wert und Bikarbonat im arteriellen oder venösen Blut (Abkürzung BGA). Mehr: Metabolische Azidose →
Blutbild Blutwerte
Bestimmung der Zahl der roten und weißen Blutkörperchen, der Blutplättchen sowie von Hämoglobin und Hämatokrit; das Differenzialblutbild unterscheidet zusätzlich die Arten der weißen Blutkörperchen.
Entzündungswerte
Laborwerte, die bei Entzündungen ansteigen, vor allem CRP, Leukozyten und Blutsenkung (BSG); bei bakteriellen Infektionen zusätzlich Procalcitonin.
Urinstatus Urintest
Untersuchung des Urins mit Teststreifen (Urinstix) und ggf. unter dem Mikroskop (Sediment) auf Blut, Eiweiß, Zucker, Leukozyten und Nitrit.
Blutkultur Blut auf Keime untersuchen
Anzucht von Erregern aus einer Blutprobe, um eine Blutstrominfektion nachzuweisen und den Erreger zu bestimmen. Mehr: Sepsis und septischer Schock →
Abstrich
Entnahme von Material von Haut oder Schleimhaut mit einem Tupfer für mikrobiologische oder zytologische Untersuchungen, z. B. Rachen- oder Gebärmutterhalsabstrich.
Biopsie Gewebeprobe
Entnahme einer Gewebeprobe zur feingeweblichen (histologischen) Untersuchung.Herkunft: griech. bios ‚Leben‘ + opsis ‚Sehen‘
Histologie Gewebeuntersuchung
Untersuchung von Gewebeschnitten unter dem Mikroskop, z. B. zur Sicherung einer Krebsdiagnose.Herkunft: griech. histos ‚Gewebe‘ + logos ‚Lehre‘
Zytologie Zelluntersuchung
Untersuchung einzelner Zellen unter dem Mikroskop, z. B. beim Gebärmutterhalsabstrich (Pap-Test).Herkunft: griech. kytos ‚Zelle‘ + logos ‚Lehre‘ Mehr: Zervixdysplasie (CIN) →
Lumbalpunktion Nervenwasser-Entnahme
Entnahme von Nervenwasser (Liquor) mit einer Nadel zwischen zwei Lendenwirbeln, z. B. bei Verdacht auf Hirnhautentzündung.Herkunft: lat. lumbus ‚Lende‘ + punctio ‚Stich‘ Mehr: Bakterielle Meningitis →
Liquor Nervenwasser
Die klare Flüssigkeit, die Gehirn und Rückenmark umspült (Liquor cerebrospinalis).Herkunft: lat. liquor ‚Flüssigkeit‘
Sonographie Ultraschall
Bildgebung mit Schallwellen ohne Strahlenbelastung (Kurzform „Sono“); Dopplersonographie zeigt zusätzlich den Blutfluss.Herkunft: lat. sonus ‚Klang‘ + griech. graphein ‚schreiben‘
Echokardiographie Herzultraschall
Ultraschalluntersuchung des Herzens, durch die Brustwand (TTE) oder über die Speiseröhre (TEE); misst u. a. die Pumpfunktion.Herkunft: griech. echo ‚Widerhall‘ + kardia ‚Herz‘ Mehr: Herzinsuffizienz →
Kompressionssonographie Venen-Ultraschall
Ultraschall der Beinvenen, bei dem geprüft wird, ob sich die Vene zusammendrücken lässt – eine nicht komprimierbare Vene spricht für eine Thrombose.Herkunft: lat. comprimere ‚zusammendrücken‘ Mehr: Tiefe Venenthrombose →
Röntgen Röntgenbild
Bildgebung mit Röntgenstrahlen, z. B. Röntgen-Thorax (Lunge, Herz) oder Skelettaufnahmen bei Verdacht auf Knochenbruch.Herkunft: nach W. C. Röntgen
Computertomographie CT
Schnittbildverfahren mit Röntgenstrahlen; schnell verfügbar, z. B. bei Schlaganfall oder Unfallverletzten.Herkunft: lat. computare ‚berechnen‘ + griech. tome ‚Schnitt‘
Magnetresonanztomographie MRT, Kernspin
Schnittbildverfahren mit Magnetfeld und Radiowellen ohne Röntgenstrahlen; besonders gut für Gehirn, Rückenmark, Gelenke und Weichteile.
Szintigraphie nuklearmedizinische Aufnahme
Bildgebung mit schwach radioaktiven Substanzen, die sich in bestimmten Organen anreichern, z. B. Schilddrüsen- oder Skelettszintigraphie.Herkunft: lat. scintilla ‚Funke‘ + griech. graphein ‚schreiben‘ Mehr: Struma und Schilddrüsenknoten →
Angiographie Gefäßdarstellung
Darstellung von Blutgefäßen mit Kontrastmittel im Röntgen, CT oder MRT.Herkunft: griech. angeion ‚Gefäß‘ + graphein ‚schreiben‘
Mammographie Röntgen der Brust
Röntgenuntersuchung der weiblichen Brust zur Früherkennung und Abklärung von Brustkrebs.Herkunft: lat. mamma ‚Brust‘ + griech. graphein ‚schreiben‘ Mehr: Mammakarzinom →
Kontrastmittel
Substanz, die Gefäße oder Organe in der Bildgebung besser sichtbar macht (Abkürzung KM).
Elektrokardiogramm Herzstromkurve
Aufzeichnung der elektrischen Herzaktivität (Abkürzung EKG), als Ruhe-, Langzeit- oder Belastungs-EKG.Herkunft: griech. elektron + kardia ‚Herz‘ + gramma ‚Aufzeichnung‘ Mehr: Vorhofflimmern →
Elektroenzephalogramm Hirnstromkurve
Aufzeichnung der elektrischen Hirnaktivität über Elektroden auf der Kopfhaut (Abkürzung EEG), z. B. bei Epilepsie.Herkunft: griech. enkephalos ‚Gehirn‘ + gramma
Spirometrie Lungenfunktionstest
Messung von Atemvolumina und Atemfluss durch kräftiges Ausatmen in ein Mundstück; wichtig bei Asthma und COPD.Herkunft: lat. spirare ‚atmen‘ + griech. metron ‚Maß‘ Mehr: COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) →
Endoskopie Spiegelung
Untersuchung von Hohlorganen von innen mit einem Schlauch oder Rohr mit Kamera.Herkunft: griech. endon ‚innen‘ + skopein ‚betrachten‘
Gastroskopie Magenspiegelung
Endoskopie von Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm (Ösophago-Gastro-Duodenoskopie, ÖGD).Herkunft: griech. gaster ‚Magen‘ + skopein ‚betrachten‘ Mehr: Gastritis (Typ A, B und C) →
Koloskopie Darmspiegelung
Endoskopie des gesamten Dickdarms und meist des letzten Dünndarmabschnitts; dient auch der Darmkrebsvorsorge.Herkunft: griech. kolon ‚Dickdarm‘ + skopein Mehr: Kolorektale Adenome (Darmpolypen) →
Bronchoskopie Lungenspiegelung
Endoskopie von Luftröhre und Bronchien, z. B. zur Gewebeentnahme bei Verdacht auf Lungenkrebs.Herkunft: griech. bronchos + skopein Mehr: Lungenkarzinom (Bronchialkarzinom) →
Zystoskopie Blasenspiegelung
Endoskopie von Harnröhre und Harnblase.Herkunft: griech. kystis ‚Blase‘ + skopein
Laparoskopie Bauchspiegelung
Spiegelung der Bauchhöhle über kleine Schnitte; dient der Diagnostik und wird auch für Operationen genutzt.Herkunft: griech. lapara ‚Weiche, Flanke‘ + skopein Mehr: Endometriose →
Kolposkopie Lupenuntersuchung des Gebärmutterhalses
Betrachtung von Scheide und Gebärmutterhals mit einem Vergrößerungsgerät, z. B. bei auffälligem Krebsvorsorge-Abstrich.Herkunft: griech. kolpos ‚Scheide‘ + skopein Mehr: Zervixdysplasie (CIN) →
Dermatoskopie Auflichtmikroskopie
Untersuchung von Hautveränderungen mit einer beleuchteten Lupe, vor allem zur Unterscheidung harmloser Muttermale vom Melanom.Herkunft: griech. derma ‚Haut‘ + skopein Mehr: Dermatoskopie lernen: Grundlagen, Muster & Systematik →
Funduskopie Augenspiegelung
Betrachtung des Augenhintergrunds mit Netzhaut, Sehnerv und Gefäßen (auch Ophthalmoskopie).Herkunft: lat. fundus ‚Grund‘ + griech. skopein Mehr: Diabetische Retinopathie →
Otoskopie Ohrspiegelung
Betrachtung von Gehörgang und Trommelfell mit einem Ohrtrichter oder Otoskop.Herkunft: griech. ous, otos ‚Ohr‘ + skopein
Digital-rektale Untersuchung Austastung des Enddarms
Abtasten des Enddarms mit dem Finger, z. B. zur Beurteilung der Prostata oder bei Blut im Stuhl (Abkürzung DRU).Herkunft: lat. digitus ‚Finger‘ + rectum
Knöchel-Arm-Index Blutdruckvergleich Bein–Arm
Verhältnis des Blutdrucks am Knöchel zu dem am Arm (englisch ankle-brachial index, ABI); ein erniedrigter Wert spricht für eine periphere arterielle Verschlusskrankheit. Mehr: Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) →
Schellong-Test Steh-Test
Wiederholte Messung von Blutdruck und Puls im Liegen und danach im Stehen, um eine Kreislaufregulationsstörung beim Aufstehen zu erkennen. Mehr: Synkope →
Oraler Glukosetoleranztest Zuckerbelastungstest
Messung des Blutzuckers vor und nach dem Trinken einer definierten Zuckerlösung (oGTT), z. B. beim Screening auf Schwangerschaftsdiabetes. Mehr: Gestationsdiabetes (GDM) →
Prick-Test Allergietest auf der Haut
Allergietest, bei dem Allergenlösungen auf den Unterarm getropft und die Haut oberflächlich angestochen wird; abgelesen wird nach etwa 15–20 Minuten.Herkunft: engl. prick ‚Stich‘ Mehr: Allergische Rhinitis (Heuschnupfen) →
Epikutantest Pflastertest
Allergietest auf Kontaktallergien, bei dem Testsubstanzen unter Pflastern auf den Rücken geklebt und nach 2–3 Tagen abgelesen werden.Herkunft: griech. epi ‚auf‘ + lat. cutis ‚Haut‘ Mehr: Kontaktekzem (Kontaktdermatitis) →
Kardiotokographie Wehenschreiber
Gleichzeitige Aufzeichnung der kindlichen Herzfrequenz und der Wehentätigkeit in Schwangerschaft und Geburt (Abkürzung CTG).Herkunft: griech. kardia ‚Herz‘ + tokos ‚Geburt‘ + graphein Mehr: CTG auswerten lernen: FIGO-Kriterien, Muster & Systematik →
Lasègue-Zeichen Schmerz beim Beinheben
Beim Anheben des gestreckten Beins in Rückenlage schießt ein Schmerz vom Rücken ins Bein ein – Hinweis auf eine Reizung der unteren Lendennervenwurzeln, z. B. bei Bandscheibenvorfall.Herkunft: nach Ch. Lasègue
Murphy-Zeichen Schmerz unter dem rechten Rippenbogen
Bei Druck unter den rechten Rippenbogen bricht der Patient die tiefe Einatmung schmerzbedingt ab – Hinweis auf eine Gallenblasenentzündung.Herkunft: nach J. B. Murphy Mehr: Cholezystolithiasis und akute Cholezystitis →
McBurney-Punkt Druckpunkt im rechten Unterbauch
Punkt am Übergang vom äußeren zum mittleren Drittel der Verbindungslinie zwischen Bauchnabel und rechtem vorderen oberen Darmbeinstachel; Druckschmerz dort spricht für eine Blinddarmentzündung.Herkunft: nach C. McBurney
Babinski-Zeichen Großzehenreflex
Beim Bestreichen des äußeren Fußsohlenrands streckt sich die Großzehe nach oben – beim Erwachsenen Hinweis auf eine Schädigung der Pyramidenbahn, beim Säugling normal.Herkunft: nach J. Babinski
Romberg-Versuch Stehversuch
Stehen mit geschlossenen Füßen, erst mit offenen, dann mit geschlossenen Augen; deutliches Schwanken erst bei geschlossenen Augen spricht für eine Störung der Tiefensensibilität.Herkunft: nach M. H. Romberg
Nierenlager-Klopfschmerz Schmerz beim Klopfen auf die Flanke
Schmerz beim leichten Beklopfen der Nierengegend am Rücken, typisch bei Nierenbeckenentzündung oder Harnstau. Mehr: Akute Pyelonephritis →
pDMS Durchblutung, Motorik, Sensibilität
Prüfung von peripherer Durchblutung (Puls), Motorik und Sensibilität einer Gliedmaße, z. B. nach Knochenbrüchen oder Verbänden.
Differenzialdiagnose andere mögliche Ursachen
Erkrankungen, die ähnliche Beschwerden verursachen und gegeneinander abgegrenzt werden müssen (Abkürzung DD).Herkunft: lat. differentia ‚Unterschied‘
Verdachtsdiagnose vermutete Diagnose
Vorläufige, noch nicht gesicherte Diagnose (im Arztbrief: „V. a.“ = Verdacht auf).
Ausschlussdiagnose Diagnose nach Ausschluss
Diagnose, die erst gestellt wird, wenn andere mögliche Ursachen ausgeschlossen sind, z. B. das Reizdarmsyndrom. Mehr: Reizdarmsyndrom →
Screening Reihenuntersuchung
Untersuchung beschwerdefreier Menschen, um eine Krankheit früh zu erkennen, z. B. Mammographie-Screening.Herkunft: engl. screening ‚Durchsiebung‘
Sensitivität Treffsicherheit bei Kranken
Anteil der Erkrankten, die ein Test richtig als krank erkennt; ein hochsensitiver Test übersieht wenige Kranke.
Spezifität Treffsicherheit bei Gesunden
Anteil der Gesunden, die ein Test richtig als gesund erkennt; ein hochspezifischer Test liefert wenige falsch positive Ergebnisse.
Staging Ausbreitungsdiagnostik
Untersuchungen, mit denen bestimmt wird, wie weit sich ein Tumor ausgebreitet hat (z. B. nach dem TNM-System).Herkunft: engl. stage ‚Stadium‘ Mehr: Kolorektales Karzinom (Darmkrebs) →

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