Akute Pyelonephritis
Prüfungsrelevanz: in 1 von 105 Prüfungsprotokollen · Rang 181- Synonyme
- Nierenbeckenentzündung, Pyelonephritis, obere Harnwegsinfektion, Nierenentzündung durch Bakterien, Urosepsis
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Nephrologie
- Bilder
- Histologie 1 · Makropräparat 1
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
Bilder (2)
Histologie
MakropräparatDefinition
Die akute Pyelonephritis ist eine bakterielle Infektion des Nierenbeckens und des Nierenparenchyms. In der internationalen Einteilung (z. B. der amerikanischen Infektiologen) zählt sie zu den komplizierten Harnwegsinfektionen, weil sich die Infektion über die Blase hinaus ausgebreitet hat; die deutsche S3-Leitlinie unterscheidet dagegen auch eine unkomplizierte Pyelonephritis bei Fehlen komplizierender Faktoren. Die Pyelonephritis kann zur Urosepsis führen.
Vorkommen & Epidemiologie
Bei Frauen ist die Pyelonephritis eine häufige Ursache einer ambulant erworbenen Bakteriämie; häufig ist sie zudem bei jungen Mädchen und bei Schwangeren nach Blasenkatheterisierung. Bei Männern mit normalen Harnwegen ist sie selten.
Ätiopathogenese
Meist steigen Bakterien aus der Blase über den Harnleiter zur Niere auf; häufigster Erreger ist Escherichia coli. Begünstigend wirken Abflussstörungen (Strikturen, Steine, Tumoren, neurogene Blase, vesikoureteraler Reflux) und eine verminderte Harnleiterperistaltik, z. B. in der Schwangerschaft. Die meisten Frauen mit Pyelonephritis haben jedoch keine nachweisbare Anomalie, während bei Männern immer eine funktionelle oder anatomische Ursache vorliegt. Hämatogene Infektionen sind typisch für Staphylococcus aureus, Pseudomonas aeruginosa, Salmonellen und Candida.
Klinik
Symptome und Komplikationen
Typisch sind Schüttelfrost, Fieber, Flankenschmerzen, kolikartige Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Etwa ein Drittel der Betroffenen hat zusätzlich Zystitisbeschwerden wie Pollakisurie und Dysurie. Das Nierenlager der betroffenen Seite ist in der Regel klopfschmerzhaft; gelegentlich ist eine vergrößerte, druckschmerzhafte Niere tastbar. Ältere Menschen zeigen mitunter nur Verwirrtheit oder eine Sepsis.
- Urosepsis mit Kreislaufinstabilität und Organdysfunktion
- Nierenabszesse im Mark und unter der Rinde
- Papillennekrose, besonders bei Diabetes, Obstruktion, Sichelzellkrankheit oder Analgetikanephropathie
- bei Kindern Narbenbildung der Niere, bei Erwachsenen ohne Reflux oder Obstruktion meist nicht
Histologie
Die Niere ist durch Ödem und neutrophile Infiltration vergrößert. Die Entzündung ist herdförmig und fleckig, beginnt in Nierenbecken und Mark und breitet sich keilförmig in die Rinde aus; dazwischen liegt oft normales Gewebe. Nach wenigen Tagen treten chronische Entzündungszellen hinzu.
Diagnostik
- Urin: Teststreifen und Mikroskopie mit Leukozyturie, Bakteriurie und evtl. Leukozytenzylindern; in der Urinkultur gelten bei Symptomen in der Regel > 10⁴ KBE/ml als relevant.
- Hohes Fieber, Klopfschmerz des Nierenlagers und eine ausgeprägte Leukozyturie mit Zylindern machen eine Pyelonephritis sehr wahrscheinlich.
- Blut bei schwerer Erkrankung: Blutbild, Elektrolyte, Laktat, Harnstoff, Kreatinin und Blutkulturen zur Sepsisabklärung
- Bildgebung: Sonographie oder CT zur Suche nach Harnstau, Steinen, Abszessen oder anderen Anomalien; aussagekräftig vor allem bei Männern, rezidivierenden oder komplizierten Verläufen (z. B. Diabetes, Immunschwäche), Steinanamnese, früheren urologischen Prozeduren oder fehlender Besserung
Weiterlernen in der App
Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Weitere Themen: Nephrologie
- Akute Nierenschädigung (akutes Nierenversagen)
- Nephrotisches Syndrom
- Chronische Nierenkrankheit (chronische Niereninsuffizienz)
- Nephritisches Syndrom und Glomerulonephritis
- Akute interstitielle Nephritis
- Goodpasture-Syndrom (Anti-GBM-Erkrankung)
- Membranöse Nephropathie
- Nierenarterienstenose
- Diabetische Nephropathie
- Harnwegsinfektion und Zystitis
- Autosomal-dominante polyzystische Nierenerkrankung (ADPKD)
- Hantavirus-Infektion (Nephropathia epidemica)
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.