Anatomische Lage- und Richtungsbezeichnungen

Von Dr. Pascal Bafteh, Arzt · Stand 10/2026

Mit Lage- und Richtungsbezeichnungen beschreibt man in der Medizin eindeutig, wo etwas liegt – bezogen auf den Körper in der anatomischen Grundstellung (aufrecht stehend, Arme hängend, Handflächen nach vorn). Sie gelten unabhängig davon, ob der Patient gerade steht oder liegt. Dazu kommen die Körperebenen und die Gelenkbewegungen.

Alle Begriffe A–ZKörperteile & AnatomieOrganeKrankheitszeichen & SymptomeUntersuchungen & DiagnostikKrankheiten & GrundbegriffeAbkürzungen
anterior vorne
Vorn gelegen; beim Menschen gleichbedeutend mit ventral. Gegenteil: posterior.Herkunft: lat. anterior ‚der vordere‘
posterior hinten
Hinten gelegen; beim Menschen gleichbedeutend mit dorsal. Gegenteil: anterior.Herkunft: lat. posterior ‚der hintere‘
ventral bauchseitig
Zur Bauchseite hin. Das Brustbein liegt ventral, die Wirbelsäule dorsal. Gegenteil: dorsal.Herkunft: lat. venter ‚Bauch‘
dorsal rückenseitig
Zur Rückseite hin; an der Hand bedeutet dorsal „zum Handrücken“, am Fuß „zum Fußrücken“. Gegenteil: ventral.Herkunft: lat. dorsum ‚Rücken‘
kranial kopfwärts
Zum Kopf hin gelegen. Gegenteil: kaudal.Herkunft: griech. kranion ‚Schädel‘
kaudal steißwärts, fußwärts
Zum Steiß bzw. zu den Füßen hin gelegen. Gegenteil: kranial.Herkunft: lat. cauda ‚Schwanz‘
superior oben
Weiter oben gelegen, z. B. Vena cava superior (obere Hohlvene). Gegenteil: inferior.Herkunft: lat. superior ‚der obere‘
inferior unten
Weiter unten gelegen, z. B. Vena cava inferior (untere Hohlvene). Gegenteil: superior.Herkunft: lat. inferior ‚der untere‘
medial zur Mitte hin
Näher an der Körpermittellinie gelegen; der Innenknöchel liegt medial. Gegenteil: lateral.Herkunft: lat. medius ‚mittlerer‘
lateral seitlich
Weiter von der Körpermittellinie entfernt; der Außenknöchel liegt lateral. Gegenteil: medial.Herkunft: lat. latus ‚Seite‘
median genau in der Mitte
In der Mittellinie gelegen, die den Körper in eine rechte und linke Hälfte teilt (Medianebene).Herkunft: lat. medianus ‚in der Mitte befindlich‘
proximal rumpfnah
Näher am Rumpf bzw. am Ursprung einer Struktur gelegen; der Oberarm liegt proximal des Unterarms. Gegenteil: distal.Herkunft: lat. proximus ‚der nächste‘
distal rumpffern
Weiter vom Rumpf bzw. vom Ursprung entfernt; die Finger liegen distal des Handgelenks. Gegenteil: proximal.Herkunft: lat. distare ‚entfernt sein‘
zentral im Zentrum
Im Mittelpunkt eines Organs oder des Körpers gelegen; auch für das Zentralnervensystem. Gegenteil: peripher.Herkunft: griech. kentron ‚Mittelpunkt‘
peripher am Rand, außen
Vom Zentrum entfernt; „periphere Pulse“ sind z. B. die Pulse an Händen und Füßen. Gegenteil: zentral.Herkunft: griech. periphereia ‚Umkreis‘
superfizial oberflächlich
Nahe der Körperoberfläche gelegen (auch superficialis), z. B. oberflächliche Venen. Gegenteil: profund.Herkunft: lat. superficies ‚Oberfläche‘
profund tief
In der Tiefe gelegen (auch profundus), z. B. tiefe Beinvenen. Gegenteil: superfizial.Herkunft: lat. profundus ‚tief‘
externus außen
Außen gelegen, z. B. äußerer Gehörgang. Gegenteil: internus.Herkunft: lat. externus ‚äußerer‘
internus innen
Innen gelegen, z. B. Innenohr (Auris interna). Gegenteil: externus.Herkunft: lat. internus ‚innerer‘
palmar handflächenseitig
Zur Handfläche hin; gleichbedeutend wird „volar“ verwendet. An der Hand ist palmar das Gegenstück zu dorsal.Herkunft: lat. palma ‚Handfläche‘
volar hohlhandseitig
Zur Hohlhand hin; in der Praxis meist gleichbedeutend mit palmar (z. B. volare Platte am Handgelenk).Herkunft: lat. vola ‚Hohlhand‘
plantar fußsohlenseitig
Zur Fußsohle hin. Am Fuß ist plantar das Gegenstück zu dorsal (Fußrücken).Herkunft: lat. planta ‚Fußsohle‘
radial daumenseitig
An Unterarm und Hand zur Speiche bzw. zum Daumen hin; den Radialispuls tastet man daumenseitig am Handgelenk. Gegenteil: ulnar.Herkunft: lat. radius ‚Speiche‘
ulnar kleinfingerseitig
An Unterarm und Hand zur Elle bzw. zum Kleinfinger hin. Gegenteil: radial.Herkunft: lat. ulna ‚Elle‘
tibial schienbeinseitig
Am Unterschenkel zur Schienbeinseite, also nach innen hin. Gegenteil: fibular.Herkunft: lat. tibia ‚Schienbein‘
fibular wadenbeinseitig
Am Unterschenkel zur Wadenbeinseite, also nach außen hin; gleichbedeutend „peroneal“. Gegenteil: tibial.Herkunft: lat. fibula ‚Wadenbein‘
dexter rechts
Rechts gelegen (Abkürzung dext. oder re.), z. B. Arteria carotis dextra. Gemeint ist immer die rechte Seite des Patienten.Herkunft: lat. dexter ‚rechts‘
sinister links
Links gelegen (Abkürzung sin. oder li.), z. B. Arteria carotis sinistra. Gemeint ist immer die linke Seite des Patienten.Herkunft: lat. sinister ‚links‘
ipsilateral gleichseitig
Auf derselben Körperseite gelegen. Gegenteil: kontralateral.Herkunft: lat. ipse ‚selbst‘ + latus ‚Seite‘
kontralateral gegenseitig
Auf der gegenüberliegenden Körperseite; ein Schlaganfall in der linken Hirnhälfte lähmt z. B. die kontralaterale, also rechte Körperhälfte.Herkunft: lat. contra ‚gegen‘ + latus ‚Seite‘
bilateral beidseits
Auf beiden Seiten (Abkürzung bds.). Gegenteil: unilateral.Herkunft: lat. bi- ‚zwei‘ + latus ‚Seite‘
unilateral einseitig
Nur auf einer Körperseite.Herkunft: lat. unus ‚eins‘ + latus ‚Seite‘
apikal an der Spitze
Zur Spitze eines Organs hin, z. B. Lungenspitze oder Herzspitze. Gegenteil: basal.Herkunft: lat. apex ‚Spitze‘
basal an der Basis
Zur Grundfläche eines Organs hin, z. B. basale Lungenabschnitte über dem Zwerchfell. Gegenteil: apikal.Herkunft: griech. basis ‚Grundlage‘
rostral zum Gesicht hin
Vor allem am Gehirn: zur Stirn bzw. Nase hin gelegen.Herkunft: lat. rostrum ‚Schnabel‘
axial zur Achse hin
Zur Längsachse des Körpers oder einer Gliedmaße hin; in der Bildgebung auch Bezeichnung für Querschnittbilder.Herkunft: lat. axis ‚Achse‘
Sagittalebene Längsschnitt von vorn nach hinten
Senkrechte Ebene, die von vorn nach hinten verläuft (wie ein Pfeil, der den Körper von vorn trifft) und ihn in rechts und links teilt; die mittlere Sagittalebene ist die Medianebene.Herkunft: lat. sagitta ‚Pfeil‘
Frontalebene Längsschnitt parallel zur Stirn
Senkrechte Ebene parallel zur Stirn, die den Körper in vorn und hinten teilt; in der Bildgebung auch koronare Ebene genannt.Herkunft: lat. frons ‚Stirn‘
Transversalebene Querschnitt
Waagerechte Ebene, die den stehenden Körper in oben und unten teilt; in CT und MRT als axiale Schnitte dargestellt.Herkunft: lat. transversus ‚quer‘
Neutral-Null-Methode Gelenkmessung
Standardisierte Messung der Gelenkbeweglichkeit in Grad, ausgehend von der Neutralstellung; dokumentiert werden drei Werte, z. B. Knie Streckung/Neutral/Beugung 5/0/140.
Flexion Beugung
Beugen eines Gelenks, z. B. Ellenbogen beugen. Gegenteil: Extension.Herkunft: lat. flectere ‚beugen‘
Extension Streckung
Strecken eines Gelenks. Gegenteil: Flexion.Herkunft: lat. extendere ‚ausstrecken‘
Abduktion Abspreizen
Bewegung von der Körpermitte weg, z. B. Arm seitlich anheben. Gegenteil: Adduktion.Herkunft: lat. abducere ‚wegführen‘
Adduktion Heranführen
Bewegung zur Körpermitte hin. Gegenteil: Abduktion.Herkunft: lat. adducere ‚heranführen‘
Innenrotation Einwärtsdrehung
Drehung einer Gliedmaße um ihre Längsachse zur Körpermitte hin, z. B. im Schulter- oder Hüftgelenk. Gegenteil: Außenrotation.
Außenrotation Auswärtsdrehung
Drehung um die Längsachse von der Körpermitte weg; ein verkürztes, außenrotiertes Bein ist typisch für den Schenkelhalsbruch. Gegenteil: Innenrotation.
Pronation Einwärtsdrehung des Unterarms
Unterarmdrehung, bei der die Handfläche nach unten zeigt. Gegenteil: Supination.Herkunft: lat. pronus ‚vorwärts geneigt‘
Supination Auswärtsdrehung des Unterarms
Unterarmdrehung, bei der die Handfläche nach oben zeigt (Merkhilfe: „Suppe tragen“). Am Fuß: Anheben des inneren Fußrandes; beim Supinationstrauma kippt der Fuß beim Umknicken nach innen und die Außenbänder werden überdehnt.Herkunft: lat. supinus ‚rückwärts gelehnt‘
Dorsalextension Fuß bzw. Hand nach oben
Am Sprunggelenk: Anheben des Fußes Richtung Schienbein; am Handgelenk: Strecken der Hand zum Handrücken. Gegenteil: Plantar- bzw. Palmarflexion.
Plantarflexion Fuß nach unten
Senken des Fußes Richtung Fußsohle, z. B. beim Zehenstand. Gegenteil: Dorsalextension.
Inversion Fußsohle nach innen
Kombinierte Bewegung, bei der die Fußsohle nach innen zeigt. Gegenteil: Eversion.Herkunft: lat. invertere ‚umwenden‘
Eversion Fußsohle nach außen
Kombinierte Bewegung, bei der die Fußsohle nach außen zeigt. Gegenteil: Inversion.Herkunft: lat. evertere ‚herausdrehen‘
Elevation Anheben
Anheben, z. B. der Schultern oder des Arms über die Horizontale. Gegenteil: Depression.Herkunft: lat. elevare ‚emporheben‘
Anteversion Vorführen
Bewegung eines Arms oder Beins nach vorn; auch die Neigung der Gebärmutter nach vorn. Gegenteil: Retroversion.Herkunft: lat. ante ‚vor‘ + vertere ‚wenden‘
Retroversion Zurückführen
Bewegung eines Arms oder Beins nach hinten. Gegenteil: Anteversion.Herkunft: lat. retro ‚zurück‘ + vertere ‚wenden‘
Opposition Daumen gegenüberstellen
Bewegung, bei der der Daumen den Langfingern gegenübergestellt wird – Voraussetzung für das Greifen.Herkunft: lat. opponere ‚entgegenstellen‘
Lateralflexion Seitneigung
Seitliches Neigen, z. B. von Kopf oder Rumpf.
Reklination Zurückneigen
Das Zurückneigen des Kopfes in den Nacken bzw. des Rumpfes nach hinten.Herkunft: lat. reclinare ‚zurücklehnen‘

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