Diabetische Retinopathie
- Synonyme
- Netzhautschaden bei Diabetes, diabetische Augenerkrankung, Zucker im Auge, NPDR, PDR, Makulaödem, diabetische Makulopathie
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Endokrinologie & Diabetologie
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- Klinik 2
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
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Definition
Die diabetische Retinopathie ist eine mikrovaskuläre Folgeerkrankung des Diabetes mellitus an der Netzhaut. Sie zeigt sich mit Mikroaneurysmen, intraretinalen Blutungen, Exsudaten, Makulaödem und Makulaischämie und kann in Gefäßneubildungen, Glaskörperblutung und traktive Netzhautablösung übergehen. Sie ist eine wichtige Erblindungsursache, besonders bei Erwachsenen im Erwerbsalter.
Einteilung
- Nichtproliferative Retinopathie (NPDR): entsteht zuerst; erhöhte Kapillarpermeabilität, Mikroaneurysmen, Punkt- und Fleckblutungen, harte Exsudate und Cotton-Wool-Herde; in späteren Stadien venöse Erweiterungen und intraretinale mikrovaskuläre Anomalien (IRMA).
- Proliferative Retinopathie (PDR): folgt auf die NPDR und ist schwerer; Gefäßneubildungen an der Papille oder der Netzhautoberfläche, die in den Glaskörper wachsen können.
- Diabetisches Makulaödem: kann bei nichtproliferativer wie proliferativer Retinopathie auftreten und ist die häufigste Ursache des Sehverlusts.
Vorkommen & Epidemiologie
Im Laufe der Zeit entwickelt nahezu jeder Mensch mit Diabetes eine Retinopathie. Die Angaben zur Häufigkeit schwanken stark mit Stichprobe und Erhebungsmethode: In deutschen Studien lagen die Raten bei Typ-2-Diabetes zwischen 10,3 % und 15,7 %, in der bevölkerungsbasierten Gutenberg-Gesundheitsstudie (Fundusfotografie) bei 21,7 %, eine Makulopathie bei 2,3 %. In den Daten des DMP (strukturiertes Versorgungsprogramm) Nordrhein sank die dokumentierte Rate von 11,4 % (2009) auf 7,6 % (2018).
Ätiopathogenese
Chronische Hyperglykämie schädigt die retinalen Kapillaren über die Bildung fortgeschrittener Glykierungsendprodukte (AGE), die Aktivierung der Proteinkinase C mit Endothelfunktionsstörung und gesteigerter Permeabilität sowie über den Polyolweg mit Sorbitolanreicherung. Es kommt zu Kapillarverschlüssen und Ischämie der Netzhaut; die ischämische Netzhaut stimuliert die Neubildung fragiler Gefäße.
Risikofaktoren: Diabetesdauer, Ausmaß der Hyperglykämie und arterielle Hypertonie. Eine Schwangerschaft kann die Retinopathie verschlechtern.
Klinik
Lange Zeit bestehen keine Beschwerden; auch eine fortgeschrittene Retinopathie kann ohne Sehverlust verlaufen. Sehstörungen entstehen durch Makulaödem oder Makulaischämie.
- Befunde der NPDR: Mikroaneurysmen, Punkt- und Fleckblutungen, harte Exsudate (gelbliche, scharf begrenzte Ablagerungen als Zeichen eines chronischen Ödems) und Cotton-Wool-Herde (weiße, unscharf begrenzte Mikroinfarkte der Nervenfaserschicht)
- Befunde der PDR: feine Gefäßneubildungen an der Papille oder Netzhautoberfläche, präretinales Bindegewebe
- Komplikationen: Glaskörperblutung und traktive Netzhautablösung mit verschwommenem Sehen, Glaskörpertrübungen (Mouches volantes), Lichtblitzen oder plötzlichem, schmerzlosem Sehverlust; Gefäßneubildungen an der Iris (Rubeosis iridis) mit Neovaskularisationsglaukom
Diagnostik
- Funduskopie in Mydriasis als Grundlage der Diagnose
- Farbfundusfotografie zur Graduierung des Retinopathiestadiums
- Fluoreszeinangiographie zur Darstellung von Leckagen, Kapillarverschlüssen und Gefäßneubildungen
- Optische Kohärenztomographie (OCT) zur Beurteilung von Ausmaß und Dicke eines Makulaödems
- Spaltlampenbiomikroskopie: Das Makulaödem zeigt sich als Verdickung und Unschärfe der Netzhautschichten.
Weiterlernen in der App
Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Weitere Themen: Endokrinologie & Diabetologie
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.