Diabetische Retinopathie

Synonyme
Netzhautschaden bei Diabetes, diabetische Augenerkrankung, Zucker im Auge, NPDR, PDR, Makulaödem, diabetische Makulopathie
Fachgebiet
Innere Medizin · Endokrinologie & Diabetologie
Bilder
Klinik 2
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Bilder (2)
  2. Definition
  3. Einteilung
  4. Vorkommen & Epidemiologie
  5. Ätiopathogenese
  6. Klinik
  7. Diagnostik
  8. Weiterlernen in der App
  9. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  10. Querverweise

Bilder (2)

Diabetische Retinopathie – klinisches Foto: Fundusfoto bei diabetischer Retinopathie mit markierten Cotton-Wool-Herden und Netzhautblutungen
Fundusfoto bei diabetischer Retinopathie mit markierten Cotton-Wool-Herden und NetzhautblutungenBild: Renátó Besenczi János Tóth András Hajdu (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 4.0 · Quelle
Diabetische Retinopathie – klinisches Foto: Fundusfoto bei diabetischer Retinopathie: harte Exsudate, Mikroaneurysmen und kleine Netzhautblutungen
Fundusfoto bei diabetischer Retinopathie: harte Exsudate, Mikroaneurysmen und kleine NetzhautblutungenBild: Shaofeng Hao, Changyan Liu, Na Li, Yanrong Wu, Dongdong Li, Qingyue Gao, Ziyou Yuan, Guanyan Li, Huilin Li, Jianzhou Yang, and Shengfu Fan. (Wikimedia Commons) · CC BY 4.0 · Quelle
1 / 2

Definition

Die diabetische Retinopathie ist eine mikrovaskuläre Folgeerkrankung des Diabetes mellitus an der Netzhaut. Sie zeigt sich mit Mikroaneurysmen, intraretinalen Blutungen, Exsudaten, Makulaödem und Makulaischämie und kann in Gefäßneubildungen, Glaskörperblutung und traktive Netzhautablösung übergehen. Sie ist eine wichtige Erblindungsursache, besonders bei Erwachsenen im Erwerbsalter.

Einteilung

  • Nichtproliferative Retinopathie (NPDR): entsteht zuerst; erhöhte Kapillarpermeabilität, Mikroaneurysmen, Punkt- und Fleckblutungen, harte Exsudate und Cotton-Wool-Herde; in späteren Stadien venöse Erweiterungen und intraretinale mikrovaskuläre Anomalien (IRMA).
  • Proliferative Retinopathie (PDR): folgt auf die NPDR und ist schwerer; Gefäßneubildungen an der Papille oder der Netzhautoberfläche, die in den Glaskörper wachsen können.
  • Diabetisches Makulaödem: kann bei nichtproliferativer wie proliferativer Retinopathie auftreten und ist die häufigste Ursache des Sehverlusts.

Vorkommen & Epidemiologie

Im Laufe der Zeit entwickelt nahezu jeder Mensch mit Diabetes eine Retinopathie. Die Angaben zur Häufigkeit schwanken stark mit Stichprobe und Erhebungsmethode: In deutschen Studien lagen die Raten bei Typ-2-Diabetes zwischen 10,3 % und 15,7 %, in der bevölkerungsbasierten Gutenberg-Gesundheitsstudie (Fundusfotografie) bei 21,7 %, eine Makulopathie bei 2,3 %. In den Daten des DMP (strukturiertes Versorgungsprogramm) Nordrhein sank die dokumentierte Rate von 11,4 % (2009) auf 7,6 % (2018).

Ätiopathogenese

Chronische Hyperglykämie schädigt die retinalen Kapillaren über die Bildung fortgeschrittener Glykierungsendprodukte (AGE), die Aktivierung der Proteinkinase C mit Endothelfunktionsstörung und gesteigerter Permeabilität sowie über den Polyolweg mit Sorbitolanreicherung. Es kommt zu Kapillarverschlüssen und Ischämie der Netzhaut; die ischämische Netzhaut stimuliert die Neubildung fragiler Gefäße.

Risikofaktoren: Diabetesdauer, Ausmaß der Hyperglykämie und arterielle Hypertonie. Eine Schwangerschaft kann die Retinopathie verschlechtern.

Klinik

Lange Zeit bestehen keine Beschwerden; auch eine fortgeschrittene Retinopathie kann ohne Sehverlust verlaufen. Sehstörungen entstehen durch Makulaödem oder Makulaischämie.

  • Befunde der NPDR: Mikroaneurysmen, Punkt- und Fleckblutungen, harte Exsudate (gelbliche, scharf begrenzte Ablagerungen als Zeichen eines chronischen Ödems) und Cotton-Wool-Herde (weiße, unscharf begrenzte Mikroinfarkte der Nervenfaserschicht)
  • Befunde der PDR: feine Gefäßneubildungen an der Papille oder Netzhautoberfläche, präretinales Bindegewebe
  • Komplikationen: Glaskörperblutung und traktive Netzhautablösung mit verschwommenem Sehen, Glaskörpertrübungen (Mouches volantes), Lichtblitzen oder plötzlichem, schmerzlosem Sehverlust; Gefäßneubildungen an der Iris (Rubeosis iridis) mit Neovaskularisationsglaukom

Diagnostik

  • Funduskopie in Mydriasis als Grundlage der Diagnose
  • Farbfundusfotografie zur Graduierung des Retinopathiestadiums
  • Fluoreszeinangiographie zur Darstellung von Leckagen, Kapillarverschlüssen und Gefäßneubildungen
  • Optische Kohärenztomographie (OCT) zur Beurteilung von Ausmaß und Dicke eines Makulaödems
  • Spaltlampenbiomikroskopie: Das Makulaödem zeigt sich als Verdickung und Unschärfe der Netzhautschichten.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Diabetische Retinopathie mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

Im Browser starten  InnereFuchs ansehen →

Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Professional: Diabetic Retinopathy
  2. NVL Typ-2-Diabetes: Kapitel 1 Epidemiologie
  3. MSD Manual Professional: Long-Term Complications of Diabetes Mellitus

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.