Kolorektales Karzinom (Darmkrebs)
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- Darmkrebs, Dickdarmkrebs, Kolonkarzinom, Rektumkarzinom, Mastdarmkrebs, KRK, Kolon-Ca
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Gastroenterologie
- Bilder
- Endoskopie 1 · CT 1 · Histologie 1 · Makropräparat 1
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
Bilder (4)
Endoskopie
CT
Histologie
MakropräparatDefinition
Das kolorektale Karzinom (KRK) ist ein bösartiger Tumor des Dickdarms (Kolon) oder Mastdarms (Rektum). 95 % sind Adenokarzinome, die meist in adenomatösen Polypen entstehen. Mehr als die Hälfte der Tumoren liegt in Rektum und Sigma.
Einteilung
Die Stadieneinteilung erfolgt nach TNM:
- Tis: Carcinoma in situ
- T1: Submukosa; T2: Muscularis propria; T3: durch die Muscularis propria hindurch ins perikolorektale Gewebe (beim Rektumkarzinom ins Mesorektum); T4: viszerales Peritoneum durchbrochen (T4a) oder Nachbarorgane bzw. -strukturen infiltriert (T4b)
- N1: 1–3 regionäre Lymphknoten oder Tumorknoten ohne Lymphknotenbefall; N2: 4 oder mehr regionäre Lymphknoten
- M1: Fernmetastasen
Stadium I entspricht T1–2 N0 M0, Stadium II T3–4 N0 M0, Stadium III jedem T mit N1–2 M0 und Stadium IV jeder Fernmetastasierung.
Vorkommen & Epidemiologie
Etwa jede achte Krebserkrankung in Deutschland betrifft Kolon oder Rektum; 2023 erkrankten rund 25.000 Frauen und 30.000 Männer. Die Diagnose wird im Lauf des Lebens bei einer von 19 Frauen und einem von 15 Männern gestellt. Etwa zwei Drittel der Tumoren entstehen im Kolon. Das Erkrankungsrisiko steigt bis ins hohe Alter: Mehr als die Hälfte der Betroffenen erkrankt nach dem 70. Lebensjahr, nur etwa 10 % vor dem 55.; das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 75 (Frauen) bzw. 71 Jahren (Männer). Seit etwa 2003 gehen die altersstandardisierten Erkrankungsraten zurück, außer im aufsteigenden Kolon. Männer sind etwas häufiger betroffen; mehrere gleichzeitige Karzinome finden sich bei etwa 5 %.
Ätiopathogenese
Das KRK entsteht meist durch maligne Transformation in adenomatösen Polypen. Etwa 80 % der Fälle treten sporadisch auf, etwa 20 % haben eine erbliche Komponente.
Risikofaktoren:
- Tabakkonsum und Übergewicht als wichtigste Risikofaktoren, gefolgt von Bewegungsmangel und ballaststoffarmer Ernährung
- regelmäßiger Alkoholkonsum, viel rotes oder verarbeitetes Fleisch
- Darmkrebs bei Verwandten ersten Grades
- erbliche Syndrome: familiäre adenomatöse Polyposis, Lynch-Syndrom, Peutz-Jeghers-Syndrom, juvenile Polyposis, MUTYH-assoziierte Polyposis
- chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (Colitis ulcerosa, Crohn-Kolitis), mit steigender Krankheitsdauer zunehmend
Karzinogene stammen vermutlich weniger direkt aus der Nahrung als aus der bakteriellen Umsetzung von Nahrungsbestandteilen oder Gallen- und Darmsekreten. Das KRK breitet sich direkt durch die Darmwand, hämatogen, lymphogen und entlang von Nerven aus.
Klinik
Kolorektale Adenokarzinome wachsen langsam; bis zu ersten Beschwerden vergeht oft lange Zeit. Die Symptome hängen von Lage, Typ, Ausdehnung und Komplikationen ab.
- Rechtes Kolon: weites Lumen, dünne Wand, flüssiger Inhalt – ein Verschluss tritt spät auf; die Blutung ist meist okkult. Müdigkeit und Schwäche durch eine Anämie können die einzigen Beschwerden sein; mitunter ist der Tumor durch die Bauchdecke tastbar
- Linkes Kolon: engeres Lumen, festerer Stuhl – früher Teil- oder Komplettverschluss mit kolikartigen Bauchschmerzen; Blutauflagerungen oder -beimengungen im Stuhl; gelegentlich (meist gedeckte) Perforation
- Rektum: häufigstes erstes Symptom ist Blut beim Stuhlgang; Tenesmen oder Gefühl unvollständiger Entleerung; Schmerzen bei Ausbreitung ins perirektale Gewebe
- Metastasen können das erste Zeichen sein: Lebervergrößerung, Aszites, vergrößerte supraklavikuläre Lymphknoten
Diagnostik
- Koloskopie mit Biopsie: zur Sicherung der Diagnose bei Symptomen oder positivem Suchtest (Stuhltest auf okkultes Blut oder Stuhl-DNA-Test); Läsionen werden vollständig histologisch untersucht
- Auch bei bekannten Hämorrhoiden oder Divertikeln kann ein rektaler Blutabgang auf ein Karzinom zurückgehen
- Kontrasteinlauf: erkennt viele Läsionen, ist aber weniger genau als die Koloskopie
- Ausbreitungsdiagnostik: CT von Thorax, Abdomen und Becken sowie Routinelabor zur Suche nach Metastasen
- CEA: bei etwa 34 % der Patienten mit Kolonkarzinom (Stadium I–III) erhöht; weder sensitiv noch spezifisch, als Ausgangswert bestimmt
- Molekulare Untersuchung des Tumorgewebes auf Veränderungen, die auf ein Lynch-Syndrom hinweisen
Rektumkarzinom
- Stagings-MRT Becken: mrTNM + mesorektale Faszie.
Weiterlernen in der App
Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Weitere Themen: Gastroenterologie
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.