Synkope

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Synonyme
Ohnmacht, Kreislaufkollaps, kurze Bewusstlosigkeit, vasovagale Synkope, kardiale Synkope
Fachgebiet
Innere Medizin · Kardiologie
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Definition
  2. Ätiopathogenese
  3. Klinik
  4. Diagnostik
  5. Weiterlernen in der App
  6. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  7. Querverweise

Definition

  • Synkope: transienter Bewusstseinsverlust durch zerebrale Minderperfusion mit raschem Beginn, kurzer Dauer und spontaner kompletter Erholung.
  • Drei Hauptgruppen:
  • Reflexsynkope (neural mediated): vasovagal, situativ, Karotissinus-Syndrom.
  • Orthostatische Synkope: medikamentös, autonomes Versagen (Parkinson, MSA, Diabetes), Hypovolämie.
  • Kardiogene Synkope: Arrhythmie (Brady/Tachy), strukturell (AS, HOCM, LAE, Tamponade), Ischämie — gefährlichste Gruppe.

Ätiopathogenese

  • Verminderte Hirndurchblutung ist der häufigste Mechanismus, meist durch ein vermindertes Herzzeitvolumen: Ausflussobstruktion (z. B. Aortenstenose, hypertrophe Kardiomyopathie), systolische oder diastolische Dysfunktion, Rhythmusstörungen oder verminderter venöser Rückstrom.
  • Rhythmusstörungen verursachen eine Synkope, wenn die Frequenz zu hoch für eine ausreichende Ventrikelfüllung (z. B. über 150–180/min) oder zu niedrig für ein ausreichendes Herzzeitvolumen ist (z. B. unter 30–35/min).
  • Vasovagale (neurokardiogene) Synkope: erhöhter intrathorakaler Druck, gesteigerter Vagotonus oder Verlust des Sympathikotonus; häufig und gutartig.
  • Orthostatische Hypotonie: Versagen der normalen Gegenregulation (Sinustachykardie, Vasokonstriktion) beim Aufstehen; bei Älteren häufigste Ursache.
  • Seltene Ursachen: Basilarisischämie, Lungenembolie, Hypoglykämie (Bewusstseinsverlust selten so abrupt wie bei Synkope).
  • Häufigste Ursachen insgesamt sind die vasovagale Synkope und ungeklärte (idiopathische) Fälle; ein kleinerer Teil hat eine ernste, meist kardiale Ursache.

Klinik

Vasovagale Synkope

  • Klassische Trias: Prodromi (Übelkeit, Schwitzen, Blässe) → Synkope → rasche Erholung im Liegen.
  • Trigger: langes Stehen, warme Räume, Schmerz, Blutsehen, Mikturition, Defäkation, Husten.

Orthostatische Synkope

  • Klassische orthostatische Hypotonie: anhaltender Abfall des systolischen Blutdrucks um mindestens 20 mmHg oder des diastolischen um mindestens 10 mmHg innerhalb von 3 Minuten nach dem Aufstehen.
  • Verzögerte orthostatische Hypotonie: anhaltender Blutdruckabfall gleichen Ausmaßes, der erst nach mehr als 3 Minuten Stehen auftritt.
  • Initiale orthostatische Hypotonie: vorübergehender Abfall (systolisch um mehr als 40 mmHg, diastolisch um mehr als 20 mmHg) innerhalb von 15 Sekunden nach dem Aufstehen.

Hinweise auf die Ursache

  • Vasovagal: ausgelöst durch unangenehme körperliche oder emotionale Reize (Schmerz, Schreck), meist im Stehen, mit Vorboten wie Übelkeit, Schwäche, Gähnen, Verschwommensehen und Schwitzen; Erholung rasch, aber nicht sofort (meist 5–15 Minuten).
  • Kardial: plötzlicher Beginn und spontanes Ende ohne Vorboten, sofortige Erholung; Synkope unter Belastung spricht für eine Ausflussobstruktion oder belastungsinduzierte Rhythmusstörung, oft mit Brustschmerz oder Palpitationen; Synkope im Liegen spricht für eine Rhythmusstörung.
  • Warnzeichen: Synkope bei Belastung, mehrere Ereignisse in kurzer Zeit, Herzgeräusch oder andere Hinweise auf eine strukturelle Herzerkrankung, höheres Alter, schwere Verletzung bei der Synkope, plötzlicher unerwarteter Tod in der Familie.
  • Hinweise auf einen Krampfanfall statt Synkope: Zuckungen über mehr als einige Sekunden, Inkontinenz, Speichelfluss, Zungenbiss, postiktale Verwirrtheit.

Diagnostik

  • Anamnese und Fremdanamnese: Situation, Körperlage und Dauer des Stehens vor dem Ereignis, Vorboten, Dauer der Erholung, Begleitsymptome; Vorerkrankungen, Medikamente, früher plötzlicher Herztod in der Familie.
  • Körperliche Untersuchung: Herzfrequenz und Blutdruck im Liegen und nach 3 Minuten Stehen; Pulsunregelmäßigkeit, Herzgeräusche und ihre Änderung bei Valsalva-Manöver, Stehen oder Hocke; Verletzungszeichen, neurologische Untersuchung.
  • EKG bei allen Patienten: Rhythmusstörung, Leitungsstörung, Hypertrophie, Präexzitation, QT-Verlängerung, Brugada-Muster, Schrittmacherfehlfunktion, Ischämie oder Infarkt.
  • Pulsoxymetrie während oder direkt nach dem Ereignis (Hypoxämie als Hinweis auf eine Lungenembolie).
  • Rhythmusaufzeichnung: Langzeit-EKG über mindestens 24 Stunden, Ereignisrekorder oder implantierbarer Loop-Rekorder je nach Häufigkeit der Ereignisse.
  • Echokardiographie bei ungeklärter oder belastungsinduzierter Synkope, Herzgeräusch oder Verdacht auf intrakardiale Tumoren.
  • Kipptischuntersuchung bei Verdacht auf orthostatische oder vasovagale Ursache.
  • Labor gezielt: Schwangerschaftstest bei Frauen im gebärfähigen Alter, Hämatokrit bei Anämieverdacht, Elektrolyte, Troponin bei Infarktverdacht.

Implantierbarer Loop-Rekorder

  • Unter die Haut implantierter Ereignisrekorder für seltene Ereignisse, etwa Synkopen in Abständen von mehr als 30 Tagen; die Batterie hält mehrere Jahre.
  • Ein Ringspeicher hält das EKG für Sekunden bis Minuten vor und nach der Aktivierung fest; die Aufzeichnung lässt sich z. B. mit einem kleinen Magneten auslösen.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Synkope mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

In der App: Karteikarten zu diesem Thema: 1

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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Professional: Syncope
  2. StatPearls: Syncope
  3. MSD Manual Professional: Electrocardiography

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.