COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung)
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- chronische Bronchitis, Lungenemphysem, Raucherlunge, Raucherhusten, chronisch obstruktive Bronchitis
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Pneumologie
- Bilder
- Röntgen 2 · CT 1 · Histologie 1 · Makropräparat 1 · Schema 1
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
Bilder (6)
Röntgen
Röntgen
CT
Histologie
Makropräparat
SchemaDefinition
Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist eine chronische, in der Regel fortschreitende Atemwegs- und Lungenerkrankung. Kennzeichnend ist eine Atemwegsobstruktion, die nach Bronchodilatation nicht vollständig reversibel ist. Sie geht mit einer chronisch obstruktiven Bronchitis und/oder einem Lungenemphysem einher; Ausmaß von Obstruktion, Überblähung und Gasaustauschstörung können unabhängig voneinander variieren.
- Chronische Bronchitis: dauerhafter Husten, in der Regel mit Auswurf, über mindestens ein Jahr.
- Lungenemphysem: Abnahme der Gasaustauschfläche der Lunge durch Zerstörung von Alveolarwänden.
Einteilung
Schweregrad der Atemwegsobstruktion nach GOLD (FEV1 nach Bronchodilatation in % des Sollwerts):
| GOLD-Grad | FEV1 |
|---|---|
| 1 – leicht | ≥ 80 % |
| 2 – mittelgradig | 50–79 % |
| 3 – schwer | 30–49 % |
| 4 – sehr schwer | < 30 % |
Symptomlast: Erfassung mit der mMRC-Dyspnoeskala und dem COPD Assessment Test (CAT); als stärker symptomatisch gelten nach GOLD Werte von CAT ≥ 10 bzw. mMRC ≥ 2.
Vorkommen & Epidemiologie
In Deutschland ergab die Befragung GEDA 2014/2015 eine 12-Monats-Prävalenz der bekannten COPD von 5,8 % bei Erwachsenen, bei Frauen und Männern auf ähnlichem Niveau. Die Häufigkeit steigt deutlich mit dem Alter: Bei über 65-Jährigen lag sie bei 11,0 % (Frauen) bzw. 12,5 % (Männer). Nach Abrechnungsdaten stieg die Diagnoseprävalenz bei über 40-Jährigen zwischen 2009 und 2016 von 5,1 % auf 6,4 %. Weltweit war die COPD 2019 für 3,23 Millionen Todesfälle verantwortlich und ist die dritthäufigste Todesursache.
Ätiopathogenese
- Tabakrauch: wichtigster Risikofaktor; das Risiko steigt mit der Dauer des Rauchens und der kumulativen Belastung (Packungsjahre).
- Biomasse-Brennstoffe: Holz, Gräser und andere organische Materialien tragen regional zur Häufigkeit bei.
- Alpha-1-Antitrypsin-Mangel: erbliche Ursache mit panlobulärem Emphysem.
- Bronchiale Hyperreagibilität: Raucher mit erhöhter Empfindlichkeit gegenüber Methacholin haben ein höheres Risiko.
Pathophysiologie: Inhalierte Noxen lösen eine chronische Entzündung aus, an der vor allem aktivierte neutrophile Granulozyten und Makrophagen beteiligt sind. Ein Ungleichgewicht zwischen Proteasen und Antiproteasen sowie oxidativer Stress zerstören das Lungenparenchym. Schleimhypersekretion, Wandverdickung und der Verlust der elastischen Rückstellkraft verengen die Atemwege; Folge sind Air Trapping, Überblähung, Hypoxämie und im Spätstadium Hyperkapnie, pulmonale Hypertonie und Cor pulmonale.
Klinik
- Leitsymptome: Husten, Auswurf und Atemnot, zunächst bei Belastung; der Verlauf ist meist fortschreitend.
- Befund: verlängerte Exspiration, Giemen, abgeschwächtes Atemgeräusch, vergrößerter anterior-posteriorer Thoraxdurchmesser (Fassthorax); bei fortgeschrittener Erkrankung Lippenbremse, Einsatz der Atemhilfsmuskulatur, paradoxe Einwärtsbewegung der unteren Rippen bei der Einatmung, Zyanose und Zeichen der Rechtsherzinsuffizienz.
- Schwere Verläufe: Gewichtsverlust, Pneumothorax, häufige akute Verschlechterungen, Rechtsherzinsuffizienz, akutes Lungenversagen.
- Exazerbation: akute, über mindestens zwei Tage anhaltende Verschlechterung mit Zunahme von Atemnot, Husten, Sputummenge und/oder -purulenz; ausgelöst durch Virusinfekte, Bakterien (Haemophilus influenzae, Streptococcus pneumoniae, gelegentlich Moraxella catarrhalis) und Luftschadstoffe.
Begleiterkrankungen
Häufige Begleiterkrankungen sind kardiovaskuläre Erkrankungen (vor allem arterielle Hypertonie und koronare Herzkrankheit), Diabetes, Adipositas, schlafbezogene Atemstörungen, Osteoporose, Lungenkarzinom, pulmonale Hypertonie, Kachexie, Muskelschwäche, Angststörungen und Depression. In einer Metaanalyse lag die Prävalenz einer Depression bei COPD bei 27,1 % (Kontrollgruppe 10,0 %).
Diagnostik
Lungenfunktion
- Spirometrie nach Bronchodilatation: Nachweis einer persistierenden Obstruktion mit erniedrigtem FEV1/FVC-Quotienten. Die NVL COPD bevorzugt den unteren Grenzwert (LLN) nach den Referenzwerten der Global Lung Initiative (GLI); der feste Grenzwert FEV1/FVC < 0,7 kann bei Jüngeren zu Unter- und bei Älteren zu Überdiagnosen führen. Die FEV1 bestimmt den GOLD-Grad.
- Ganzkörperplethysmographie: Überblähung und Air Trapping.
- Diffusionskapazität (DLCO): beim Emphysem erniedrigt, beim Asthma normal oder erhöht.
- Abgrenzung zum Asthma: Die COPD wird meist nicht vor der 6. Lebensdekade diagnostiziert, die Obstruktion ist immer nachweisbar und nie voll reversibel, FeNO ist normal bis niedrig.
Bildgebung, Labor und Herz
- Röntgen-Thorax: beim Emphysem Überblähung mit abgeflachtem Zwerchfell, vermehrte Strahlentransparenz und Bullae; bei chronischer Bronchitis oft normal oder mit vermehrter bronchovaskulärer Zeichnung durch Bronchialwandverdickung. Dient auch dem Nachweis von Pneumonie oder Pneumothorax.
- CT-Thorax: zeigt Veränderungen, die im Röntgenbild nicht sichtbar sind, sowie Begleiterkrankungen wie Pneumonie, Pneumokoniosen oder Lungenkarzinom.
- Labor: Blutbild (Erythrozytose mit Hämatokrit über 48 % bei chronischer Hypoxämie), Alpha-1-Antitrypsin; Blutgasanalyse bei respiratorischer Insuffizienz.
- EKG und Echokardiographie: Hinweise auf Rechtsherzbelastung und kardiale Begleiterkrankungen.
Weiterlernen in der App
Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
- Nationale VersorgungsLeitlinie COPD: Kapitel 1 Definition und Epidemiologie
- Nationale VersorgungsLeitlinie COPD: Kapitel 2 Diagnostik
- MSD Manual Profi-Ausgabe: Chronische obstruktive Lungenerkrankung
- StatPearls: Chronic Obstructive Pulmonary Disease (COPD)
- MSD Manual Professional Edition: Chronic Obstructive Pulmonary Disease (COPD)
- Fregonese L, Stolk J: Hereditary alpha-1-antitrypsin deficiency and its clinical consequences (Orphanet J Rare Dis 2008)
Querverweise
Weitere Themen: Pneumologie
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.