Vorhofflimmern
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- VHF, AF, AFib, Herzrhythmusstörung, absolute Arrhythmie, Arrhythmia absoluta, Herzstolpern, unregelmäßiger Herzschlag, Tachyarrhythmia absoluta
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Kardiologie
- Bilder
- EKG 1
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
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EKGDefinition
Vorhofflimmern ist eine schnelle, völlig unregelmäßige Vorhoftätigkeit. Die Vorhöfe kontrahieren nicht mehr geordnet; der AV-Knoten wird mit zahlreichen elektrischen Impulsen überflutet und leitet sie unregelmäßig weiter. So entsteht ein absolut unregelmäßiger Kammerrhythmus (absolute Arrhythmie), der meist im tachykarden Bereich liegt.
Einteilung
Formen nach Verlauf
- Paroxysmal: dauert weniger als eine Woche und endet spontan oder wird beendet; Episoden können wiederkehren
- Persistierend: kontinuierlich länger als eine Woche
- Lang anhaltend persistierend: länger als ein Jahr, ein Sinusrhythmus ist aber noch erreichbar
- Permanent: nicht mehr in einen Sinusrhythmus überführbar oder bewusst nicht mehr angestrebt
- Idiopathisches („lone“) Vorhofflimmern: ohne erkennbare Ursache bei Menschen unter 60 Jahren
Vorkommen & Epidemiologie
Vorhofflimmern gehört zu den häufigsten Herzrhythmusstörungen. Die Häufigkeit steigt mit dem Alter; Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Das Lebenszeitrisiko liegt bei etwa 25 % für Männer und 20 % für Frauen. Vorhofflimmern ist für etwa 20–25 % aller Schlaganfälle verantwortlich.
Ätiopathogenese
Häufigste Ursachen: arterielle Hypertonie, koronare Herzkrankheit, Kardiomyopathien, Herzklappenerkrankungen (Mitralstenose, Mitral- und Trikuspidalinsuffizienz), Hyperthyreose und exzessiver Alkoholkonsum („Holiday-Heart“). Seltenere Ursachen: Lungenembolie, Vorhofseptumdefekt und andere angeborene Herzfehler, COPD, Schlafapnoe, Myokarditis und Perikarditis.
Mechanismus: Zu Beginn dominieren fokale Automatie und Mikro-Reentry, die überwiegend von Muskelmanschetten in den Pulmonalvenen ausgehen. Elektrisches und strukturelles Remodeling der Vorhöfe begünstigt anschließend funktionelle Reentry-Kreise und Rotoren; je länger das Flimmern besteht, desto stabiler wird es.
Durch die fehlende Vorhofkontraktion entstehen Thromben, ganz überwiegend im linken Vorhofohr (etwa 90 % der linksatrialen Thromben bei nicht-valvulärem Vorhofflimmern). Der Wegfall der Vorhofkontraktion kann das Herzzeitvolumen bei normaler Frequenz um bis zu 20 % senken.
Klinik
- Häufig asymptomatisch; sonst Palpitationen, Brustbeschwerden, Schwäche, Schwindel, Belastungsintoleranz und Dyspnoe, besonders bei sehr schneller Kammerfrequenz (oft 140–160/min)
- Befund: absolut unregelmäßiger Puls, fehlende a-Wellen im Jugularvenenpuls, Pulsdefizit (auskultierte Herzfrequenz höher als die am Handgelenk getastete)
- Thromboembolien: Schlaganfall und systemische Embolien in Darm, Nieren, Extremitäten oder Augen, teils als Erstmanifestation
- Herzinsuffizienz, vor allem bei hoher Kammerfrequenz oder vorbestehend eingeschränkter Pumpfunktion; bei anhaltender Tachykardie tachykardieinduzierte Kardiomyopathie
- Bei Präexzitation (WPW-Syndrom) kann Vorhofflimmern mit breiten QRS-Komplexen und sehr hoher Kammerfrequenz einhergehen.
Diagnostik
EKG
- Fehlende P-Wellen
- Flimmerwellen (f-Wellen) zwischen den QRS-Komplexen, unregelmäßig in Abstand und Form, mit einer Frequenz von über 300/min; meist am besten in V1 sichtbar, nicht in allen Ableitungen erkennbar
- Absolut unregelmäßige RR-Intervalle; meist schmale QRS-Komplexe
- Aberrant geleitete Schläge nach langem-kurzem RR-Intervall (Ashman-Phänomen), typischerweise mit Rechtsschenkelblock-Morphologie, können ventrikuläre Extrasystolen vortäuschen.
Weitere Untersuchungen
- Langzeit-EKG oder Ereignisrekorder bei Verdacht auf paroxysmales Vorhofflimmern
- Schilddrüsenwerte (Hyperthyreose als Ursache), ergänzend Elektrolyte
- Transthorakale Echokardiographie: strukturelle Herzerkrankung (z. B. Vergrößerung des linken Vorhofs, Wandbewegungsstörungen, Herzklappenfehler, Kardiomyopathie)
- Transösophageale Echokardiographie: Thromben im Vorhofohr, die transthorakal oft nicht erkennbar sind
- Schlaganfallrisiko: Risikofaktoren wie höheres Alter, Hypertonie, Diabetes mellitus, linksventrikuläre Dysfunktion und frühere Thromboembolien gehen in Scores wie den CHA₂DS₂-VA(Sc)-Score ein.
CHA₂DS₂-VA-Score (ESC 2024)
- Änderung 2024: weibliches Geschlecht als Sc-Punkt gestrichen.
- Punktewerte: C 1 + H 1 + A₂ (≥ 75) 2 + D 1 + S₂ 2 + V 1 + A (65–74) 1.
Weiterlernen in der App
Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Weitere Themen: Kardiologie
- Akutes Koronarsyndrom (Herzinfarkt, STEMI/NSTEMI)
- Herzinsuffizienz
- Arterielle Hypertonie (Bluthochdruck)
- AV-Block
- Sekundäre Hypertonie
- Hypercholesterinämie und familiäre Hypercholesterinämie
- Infektiöse Endokarditis
- Long-QT-Syndrom und Torsade de pointes
- Myokarditis
- Schenkelblöcke (Links- und Rechtsschenkelblock)
- Ventrikuläre Tachykardie
- Dilatative Kardiomyopathie
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.