Vorhofflimmern

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Synonyme
VHF, AF, AFib, Herzrhythmusstörung, absolute Arrhythmie, Arrhythmia absoluta, Herzstolpern, unregelmäßiger Herzschlag, Tachyarrhythmia absoluta
Fachgebiet
Innere Medizin · Kardiologie
Bilder
EKG 1
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Bilder (1)
  2. Definition
  3. Einteilung
  4. Vorkommen & Epidemiologie
  5. Ätiopathogenese
  6. Klinik
  7. Diagnostik
  8. Weiterlernen in der App
  9. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  10. Querverweise

Bilder (1)

Vorhofflimmern – EKG: Absolute Arrhythmie ohne abgrenzbare P-Wellen, wechselnde RR-AbständeEKG
Absolute Arrhythmie ohne abgrenzbare P-Wellen, wechselnde RR-AbständeBild: CardioNetworks: Googletrans (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 3.0 · Quelle

Definition

Vorhofflimmern ist eine schnelle, völlig unregelmäßige Vorhoftätigkeit. Die Vorhöfe kontrahieren nicht mehr geordnet; der AV-Knoten wird mit zahlreichen elektrischen Impulsen überflutet und leitet sie unregelmäßig weiter. So entsteht ein absolut unregelmäßiger Kammerrhythmus (absolute Arrhythmie), der meist im tachykarden Bereich liegt.

Einteilung

Formen nach Verlauf

  • Paroxysmal: dauert weniger als eine Woche und endet spontan oder wird beendet; Episoden können wiederkehren
  • Persistierend: kontinuierlich länger als eine Woche
  • Lang anhaltend persistierend: länger als ein Jahr, ein Sinusrhythmus ist aber noch erreichbar
  • Permanent: nicht mehr in einen Sinusrhythmus überführbar oder bewusst nicht mehr angestrebt
  • Idiopathisches („lone“) Vorhofflimmern: ohne erkennbare Ursache bei Menschen unter 60 Jahren

Vorkommen & Epidemiologie

Vorhofflimmern gehört zu den häufigsten Herzrhythmusstörungen. Die Häufigkeit steigt mit dem Alter; Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Das Lebenszeitrisiko liegt bei etwa 25 % für Männer und 20 % für Frauen. Vorhofflimmern ist für etwa 20–25 % aller Schlaganfälle verantwortlich.

Ätiopathogenese

Häufigste Ursachen: arterielle Hypertonie, koronare Herzkrankheit, Kardiomyopathien, Herzklappenerkrankungen (Mitralstenose, Mitral- und Trikuspidalinsuffizienz), Hyperthyreose und exzessiver Alkoholkonsum („Holiday-Heart“). Seltenere Ursachen: Lungenembolie, Vorhofseptumdefekt und andere angeborene Herzfehler, COPD, Schlafapnoe, Myokarditis und Perikarditis.

Mechanismus: Zu Beginn dominieren fokale Automatie und Mikro-Reentry, die überwiegend von Muskelmanschetten in den Pulmonalvenen ausgehen. Elektrisches und strukturelles Remodeling der Vorhöfe begünstigt anschließend funktionelle Reentry-Kreise und Rotoren; je länger das Flimmern besteht, desto stabiler wird es.

Durch die fehlende Vorhofkontraktion entstehen Thromben, ganz überwiegend im linken Vorhofohr (etwa 90 % der linksatrialen Thromben bei nicht-valvulärem Vorhofflimmern). Der Wegfall der Vorhofkontraktion kann das Herzzeitvolumen bei normaler Frequenz um bis zu 20 % senken.

Klinik

  • Häufig asymptomatisch; sonst Palpitationen, Brustbeschwerden, Schwäche, Schwindel, Belastungsintoleranz und Dyspnoe, besonders bei sehr schneller Kammerfrequenz (oft 140–160/min)
  • Befund: absolut unregelmäßiger Puls, fehlende a-Wellen im Jugularvenenpuls, Pulsdefizit (auskultierte Herzfrequenz höher als die am Handgelenk getastete)
  • Thromboembolien: Schlaganfall und systemische Embolien in Darm, Nieren, Extremitäten oder Augen, teils als Erstmanifestation
  • Herzinsuffizienz, vor allem bei hoher Kammerfrequenz oder vorbestehend eingeschränkter Pumpfunktion; bei anhaltender Tachykardie tachykardieinduzierte Kardiomyopathie
  • Bei Präexzitation (WPW-Syndrom) kann Vorhofflimmern mit breiten QRS-Komplexen und sehr hoher Kammerfrequenz einhergehen.

Diagnostik

EKG

  • Fehlende P-Wellen
  • Flimmerwellen (f-Wellen) zwischen den QRS-Komplexen, unregelmäßig in Abstand und Form, mit einer Frequenz von über 300/min; meist am besten in V1 sichtbar, nicht in allen Ableitungen erkennbar
  • Absolut unregelmäßige RR-Intervalle; meist schmale QRS-Komplexe
  • Aberrant geleitete Schläge nach langem-kurzem RR-Intervall (Ashman-Phänomen), typischerweise mit Rechtsschenkelblock-Morphologie, können ventrikuläre Extrasystolen vortäuschen.

Weitere Untersuchungen

  • Langzeit-EKG oder Ereignisrekorder bei Verdacht auf paroxysmales Vorhofflimmern
  • Schilddrüsenwerte (Hyperthyreose als Ursache), ergänzend Elektrolyte
  • Transthorakale Echokardiographie: strukturelle Herzerkrankung (z. B. Vergrößerung des linken Vorhofs, Wandbewegungsstörungen, Herzklappenfehler, Kardiomyopathie)
  • Transösophageale Echokardiographie: Thromben im Vorhofohr, die transthorakal oft nicht erkennbar sind
  • Schlaganfallrisiko: Risikofaktoren wie höheres Alter, Hypertonie, Diabetes mellitus, linksventrikuläre Dysfunktion und frühere Thromboembolien gehen in Scores wie den CHA₂DS₂-VA(Sc)-Score ein.

CHA₂DS₂-VA-Score (ESC 2024)

  • Änderung 2024: weibliches Geschlecht als Sc-Punkt gestrichen.
  • Punktewerte: C 1 + H 1 + A₂ (≥ 75) 2 + D 1 + S₂ 2 + V 1 + A (65–74) 1.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Vorhofflimmern mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

In der App: Karteikarten zu diesem Thema: 1

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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Professional: Atrial Fibrillation
  2. StatPearls: Atrial Fibrillation
  3. MSD Manual Professional: Overview of Arrhythmias
  4. The 2024 European Society of Cardiology Atrial Fibrillation Guidelines: A Moving Goalpost (Eur Cardiol 2025, PMC11865665)

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.