CTG auswerten lernen: FIGO-Kriterien, Muster & Systematik
Das CTG (Kardiotokogramm) gehört zu den wichtigsten Werkzeugen der Geburtshilfe – und zu denen, die man nur durch strukturiertes Befunden vieler Kurven sicher beherrscht. Dieser Ratgeber gibt dir das Gerüst: die vier Parameter, die FIGO-Einteilung und wie du systematisch besser wirst.
Was das CTG zeigt
Das CTG zeichnet gleichzeitig die fetale Herzfrequenz (FHF) und die Wehentätigkeit auf. Aus dem Zusammenspiel beider Kurven liest man ab, wie es dem Kind unter der Geburt oder in der Schwangerschaft geht. Befundet wird immer systematisch nach denselben vier Parametern – nie „aus dem Bauch".
Die vier Parameter
- Baseline (Grundfrequenz): mittlere FHF über 10 Minuten. Normal 110–160 bpm; darunter Bradykardie, darüber Tachykardie.
- Variabilität (Oszillation): die ständige Schwankung um die Baseline. Normal 5–25 bpm. Eine erhaltene Variabilität ist das beruhigendste Einzelmerkmal; eine anhaltend verminderte („silentes" CTG) ist ein Warnzeichen.
- Akzelerationen: vorübergehende Anstiege um ≥ 15 bpm für ≥ 15 s. Zeichen eines reaktiven, gesunden Fetus. (Im aktuellen FIGO-Schema nicht mehr als eigenes Kriterium gewertet.)
- Dezelerationen: vorübergehende Abfälle der FHF – der klinisch heikelste Parameter.
Dezelerationen richtig einordnen
- Frühe Dezelerationen: spiegelbildlich zur Wehe, meist harmlos (Kopfkompression).
- Variable Dezelerationen: wechselnd in Form und Zeitpunkt, oft Zeichen einer Nabelschnurkompression.
- Späte Dezelerationen: beginnen nach dem Wehengipfel – verdächtig auf fetale Hypoxie und immer ernst zu nehmen.
- Prolongierte Dezelerationen: ≥ 3 Minuten – potenzieller Notfall.
Die FIGO-Einteilung
Aus den Parametern ergibt sich die Gesamtbewertung in drei Kategorien:
- Normal: Baseline 110–160 bpm, Variabilität 5–25 bpm, keine wiederholten Dezelerationen → abwartendes Vorgehen.
- Suspekt: ein Kriterium außerhalb der Norm → engmaschiger überwachen, Ursachen suchen, Maßnahmen erwägen.
- Pathologisch: ≥ zwei Kriterien auffällig oder bedrohliche Muster (z. B. wiederholte späte/prolongierte Dezelerationen, anhaltend verminderte Variabilität, sinusoidales Muster) → rasches Handeln.
Wichtig: Das CTG wird immer im klinischen Kontext bewertet – Geburtsphase, Risikofaktoren und Verlauf gehören dazu.
So trainierst du die Befundung
- Immer dieselbe Reihenfolge: Baseline → Variabilität → Akzelerationen → Dezelerationen → FIGO-Kategorie. Routine schützt vor Übersehen.
- Viele Kurven sehen. Mustererkennung entsteht durch Wiederholung mit sofortigem Feedback – nicht durch einmaliges Lesen.
- Verwechslungsmuster gegenüberstellen (früh vs. spät, variabel vs. prolongiert, Sinusoidal vs. saltatorisch).
- Verteilt wiederholen – das Prinzip dahinter erklärt der Ratgeber zu Spaced Repetition.
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Im Browser startenHinweis: Dieser Artikel dient der Lern-Orientierung und ersetzt keine klinische Ausbildung. CTG-Befundung und daraus folgende Entscheidungen erfordern ärztliche Beurteilung im Einzelfall.