Körperliche Untersuchung auf Deutsch: höfliche Anweisungen für Patientinnen und Patienten
Während der körperlichen Untersuchung sprichst du ununterbrochen – du kündigst an, erklärst und gibst Anweisungen. Genau hier fallen sprachliche Unsicherheiten auf: Ein knappes „Hinlegen!" wirkt unhöflich, ein zu komplizierter Satz verwirrt. Mit ein paar festen Mustern klingst du freundlich, klar und professionell.
Die Grundregeln
- Ankündigen, bevor du anfasst: Jede Berührung wird vorher erklärt.
- Einverständnis einholen: „Sind Sie damit einverstanden?"
- Höflich anleiten: mit „bitte" oder im Konjunktiv II („Könnten Sie …?", „Würden Sie …?").
- Schmerzen ernst nehmen: „Sagen Sie mir bitte sofort, wenn etwas wehtut."
- Alltagssprache verwenden: „Ich höre jetzt Ihre Lunge ab" statt „Ich auskultiere jetzt".
Grammatik: Sie-Imperativ und trennbare Verben
Die höfliche Aufforderung bildest du mit dem Verb am Satzanfang und „Sie": „Setzen Sie sich bitte." Viele Untersuchungsverben sind trennbar – das Präfix wandert ans Satzende: einatmen → „Atmen Sie bitte tief ein.", freimachen → „Machen Sie bitte den Oberkörper frei.", hinlegen → „Legen Sie sich bitte auf den Rücken.". Noch etwas weicher wirkt der Konjunktiv: „Könnten Sie sich bitte auf die linke Seite drehen?"
Umgangssprachlich oder professionell?
| Eher vermeiden | Besser |
|---|---|
| „Wir schauen mal." | „Ich würde Sie jetzt gerne körperlich untersuchen – sind Sie damit einverstanden?" |
| „Machen Sie sich frei." | „Bitte machen Sie den Oberkörper frei." |
| „Zeigen Sie mal den Arm." | „Darf ich bitte Ihren Arm untersuchen?" |
| „Halten Sie mal still." | „Bitte halten Sie kurz still." |
| „Das pikst gleich." | „Sie spüren gleich einen kurzen Einstich." |
| „Sagen Sie Bescheid, wenn's wehtut." | „Bitte sagen Sie mir sofort, wenn es schmerzt." |
| „Sie können sich wieder anziehen." | „Bitte ziehen Sie sich wieder an, danach besprechen wir alles in Ruhe." |
Der Einstieg
- „Ich würde Sie jetzt gerne untersuchen. Sind Sie damit einverstanden?"
- „Ich desinfiziere mir kurz die Hände."
- „Bitte machen Sie den Oberkörper frei und setzen Sie sich auf die Liege."
- „Wenn Ihnen etwas unangenehm ist, sagen Sie es bitte jederzeit."
Herz und Lunge
- „Setzen Sie sich bitte aufrecht hin, ich höre jetzt Herz und Lunge ab."
- „Das Stethoskop ist vielleicht etwas kühl – entschuldigen Sie."
- „Bitte atmen Sie tief durch den offenen Mund ein und aus."
- „Halten Sie bitte kurz die Luft an. – Und jetzt wieder normal weiteratmen."
- „Würden Sie bitte einmal kräftig husten?"
- „Ich klopfe jetzt Ihren Rücken ab."
Bauch
Bei der Bauchuntersuchung ist die übliche Reihenfolge Anschauen, Abhören, Abklopfen, Abtasten – deine Ankündigungen folgen derselben Reihenfolge.
- „Bitte machen Sie den Bauch frei und legen Sie sich flach auf den Rücken."
- „Winkeln Sie bitte die Knie leicht an, dann entspannt sich die Bauchdecke."
- „Wo genau tut es weh? Zeigen Sie es mir bitte mit einem Finger."
- „Ich höre jetzt Ihren Bauch ab – atmen Sie bitte ruhig weiter."
- „Ich klopfe jetzt sanft Ihren Bauch ab."
- „Ich taste jetzt zuerst ganz vorsichtig. – Jetzt etwas tiefer. Sagen Sie mir bitte sofort, wenn es schmerzt."
Beginne mit dem Abtasten dort, wo es nicht wehtut, und kündige das an: „Ich fange auf der Seite an, die nicht schmerzt."
Neurologische Untersuchung
Hier sind die Anweisungen besonders genau, weil die Person oft ungewohnte Bewegungen machen soll. Zeig die Bewegung bei Bedarf vor.
- „Schauen Sie bitte geradeaus, ich leuchte Ihnen kurz in die Augen."
- „Folgen Sie bitte meinem Finger mit den Augen, ohne den Kopf zu bewegen."
- „Runzeln Sie bitte die Stirn. – Und jetzt zeigen Sie mir bitte die Zähne."
- „Strecken Sie bitte beide Arme nach vorne, die Handflächen nach oben, und schließen Sie die Augen."
- „Berühren Sie bitte mit dem Zeigefinger Ihre Nasenspitze und dann meinen Finger."
- „Sagen Sie mir bitte mit geschlossenen Augen, ob sich das spitz oder stumpf anfühlt."
- „Stellen Sie sich bitte mit geschlossenen Füßen hin und schließen Sie die Augen – ich stehe direkt neben Ihnen."
- „Gehen Sie bitte ein paar Schritte, Fuß vor Fuß, wie auf einer Linie."
Intime Untersuchungen: taktvoll und mit Einverständnis
Bei Untersuchungen im Brust- oder Genitalbereich ist sensible Sprache besonders wichtig. Erkläre, warum die Untersuchung nötig ist, hol ausdrücklich das Einverständnis ein und biete eine Begleitperson an.
- „Für eine vollständige Beurteilung ist es notwendig, dass ich Sie auch im Genitalbereich untersuche."
- „Sind Sie damit einverstanden? Sie können jederzeit Nein sagen oder unterbrechen."
- „Möchten Sie, dass eine Pflegekraft während der Untersuchung dabei ist?"
- „Ich erkläre Ihnen jeden Schritt, bevor ich ihn mache."
- „Ich decke den Bereich, den ich gerade nicht untersuche, mit einem Tuch ab."
Lehnt jemand ab, respektierst du das und dokumentierst es sachlich.
Wenn eine Anweisung nicht verstanden wird
Wiederhole die Anweisung mit einfacheren Worten, statt sie nur lauter zu sagen, und zeig die Bewegung selbst vor:
- „Ich zeige es Ihnen einmal – machen Sie es mir bitte nach."
- „Anders gesagt: Bitte heben Sie beide Arme hoch."
- „Kein Problem, wir machen das ganz in Ruhe noch einmal."
Nach der Untersuchung
- „Vielen Dank, wir sind fertig. Bitte ziehen Sie sich in Ruhe wieder an."
- „Danach setzen wir uns zusammen, und ich erkläre Ihnen, was ich festgestellt habe."
- „Haben Sie bis hierhin Fragen?"
Vom Gespräch in die Dokumentation
Während du mit der Patientin oder dem Patienten Alltagssprache sprichst, dokumentierst du in Fachsprache. Die wichtigsten Paare: abhören – Auskultation, abklopfen – Perkussion, abtasten – Palpation, anschauen – Inspektion, Reflexe testen – Prüfung der Muskeleigenreflexe. Typische Befundsprache ist etwa „vesikuläres Atemgeräusch beidseits" oder „Darmgeräusche regelrecht". Wie du den Befund im Brief formulierst, steht im Ratgeber „Arztbrief in der Fachsprachprüfung".
Häufige Fehler
- Stille Untersuchung: Wer wortlos untersucht, verunsichert – und verschenkt in der Prüfung Punkte.
- Infinitiv-Befehle: „Einatmen! Luft anhalten!" klingt wie im Kasernenhof.
- Fachwörter: „Ich palpiere jetzt Ihr Abdomen" versteht kaum jemand.
- Getrennte Präfixe vergessen: „Bitte atmen Sie tief" – das „ein" fehlt.
Die Untersuchung folgt in der Regel auf die Anamnese. Musst du anschließend einen auffälligen Befund mitteilen, hilft das SPIKES-Modell.
FSP-Med: Fachsprache täglich üben
Im KLINIKFUCHS-Modul FSP-Med übst du genau diese Formulierungen: Karteikarten mit Lücken, Patientengespräche zum Mitsprechen und eine simulierte Prüfung – kostenlos, mit Hilfen in 13 Sprachen.
Im Browser starten Im App Store ladenHinweis: Dieser Ratgeber behandelt ausschließlich Sprache und Gesprächsstruktur. Er enthält keine Behandlungs- oder Therapieempfehlungen. Ablauf und Anforderungen der Fachsprachprüfung legt die für dich zuständige Ärztekammer fest.