Patientenvorstellung in der Fachsprachprüfung: 30 Beispiele
Im dritten Teil der Fachsprachprüfung stellst du den Fall einer Ärztin oder einem Arzt aus der Prüfungskommission vor – kurz, geordnet und in Fachsprache: wer, mit welchen Beschwerden, welche Vorgeschichte, welche Verdachtsdiagnose. Danach folgen meist Rückfragen. Hier stehen die Patientenvorstellungen aller Übungsfälle, sortiert nach Fachgebiet. Mehr zum Ablauf: Arzt-Arzt-Gespräch und Übergabe.
Siehe auch: Arztbrief in der Fachsprachprüfung: 30 Beispiele nach Diagnose · Alle Übungsfälle mit Anamnese
Gastroenterologie & Viszeralchirurgie
Bauchschmerzen: Akute Appendizitis
Ich möchte Ihnen Herrn Brenner vorstellen, einen 24-jährigen, bislang gesunden Patienten, der sich mit seit dem Vortag bestehenden Bauchschmerzen vorgestellt hat. Die Schmerzen begannen periumbilikal und wanderten in den rechten Unterbauch, begleitet von Appetitlosigkeit, Übelkeit, einmaligem Erbrechen und Fieber bis 38,3 Grad. Bei bewegungsabhängiger Schmerzverstärkung lautet meine Verdachtsdiagnose eine akute Appendizitis.
Differenzialdiagnosen: Gastroenteritis, Rechtsseitige Ureterkolik / Nephrolithiasis, Mesenteriale Lymphadenitis, Bei jungen Männern selten: Hodentorsion mit ausstrahlendem Unterbauchschmerz
Schmerzen im rechten Oberbauch: Cholezystitis bei Gallensteinen
Ich möchte Ihnen Frau Petersen vorstellen, eine 45-jährige Patientin, die sich mit seit dem Vorabend bestehenden, zunächst kolikartigen, nun dauerhaften Schmerzen im rechten Oberbauch mit Ausstrahlung in Schulter und Rücken vorgestellt hat. Die Beschwerden begannen nach einer fettreichen Mahlzeit; begleitend bestehen Übelkeit, Erbrechen sowie Fieber mit Schüttelfrost. Zusätzlich berichtet sie über gelblich verfärbte Augen, dunklen Urin und hellen Stuhl. Bei bekannter Cholezystolithiasis lautet meine Verdachtsdiagnose eine akute Cholezystitis.
Differenzialdiagnosen: Choledocholithiasis mit Cholangitis, Akute Pankreatitis (biliär), Ulcus ventriculi oder duodeni, Rechtsseitige basale Pneumonie oder akute Hepatitis
Blutig-schleimige Durchfälle: Colitis ulcerosa
Ich möchte Ihnen Herrn Wagner vorstellen, einen 31-jährigen Patienten, der sich mit seit sechs Wochen bestehenden blutig-schleimigen Durchfällen, sechs- bis achtmal täglich und teils nächtlich, mit schmerzhaftem imperativem Stuhldrang und krampfartigen Schmerzen im linken Unterbauch vorgestellt hat. Er hat drei Kilogramm abgenommen und berichtet über Blässe und Belastungsdyspnoe. Zusätzlich bestehen Arthralgien und eine abgelaufene Augenbeteiligung. Meine Verdachtsdiagnose ist eine Colitis ulcerosa.
Differenzialdiagnosen: Morbus Crohn mit Kolonbefall, Infektiöse Kolitis (z. B. Campylobacter, Salmonellen, Clostridioides difficile), Ischämische Kolitis, Kolorektales Karzinom
Schmerzen im linken Unterbauch: Akute Divertikulitis
Ich möchte Ihnen Frau Lindner vorstellen, eine 63-jährige Patientin, die sich mit seit drei Tagen progredienten Schmerzen im linken Unterbauch vorgestellt hat. Begleitend bestehen Fieber bis 38,7 Grad mit Frösteln und ein wechselndes Stuhlverhalten. Bei anamnestisch bekannter Divertikulose lautet meine Verdachtsdiagnose eine akute Divertikulitis des Sigmas.
Differenzialdiagnosen: Kolonkarzinom, Chronisch-entzündliche Darmerkrankung (z. B. Colitis ulcerosa, Morbus Crohn), Infektiöse Kolitis / Gastroenteritis, Gynäkologische Ursachen (z. B. Adnexitis, Ovarialzyste)
Veränderter Stuhlgang mit Blut: Kolonkarzinom
Ich möchte Ihnen Frau Krämer vorstellen, eine 68-jährige Patientin, die sich mit einer seit drei Monaten bestehenden Änderung der Stuhlgewohnheiten mit Wechsel von Verstopfung und Durchfall, bleistiftförmigem Stuhl und dunkler Blutbeimengung vorgestellt hat. Zusätzlich bestehen ein ungewollter Gewichtsverlust von sechs Kilogramm, eine Leistungsminderung und Blässe. Anamnestisch wurden früher Polypen abgetragen, und die Familienanamnese ist positiv für Darmkrebs. Meine Verdachtsdiagnose ist ein Kolonkarzinom.
Differenzialdiagnosen: Divertikulitis bzw. Divertikelblutung, Chronisch-entzündliche Darmerkrankung (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn), Hämorrhoiden bzw. anorektale Blutungsquelle, Ischämische Kolitis
Gürtelförmige Oberbauchschmerzen: Akute Pankreatitis
Ich möchte Ihnen Herrn Lehnert vorstellen, einen 52-jährigen Patienten, der sich notfallmäßig mit seit gestern Abend bestehenden, starken gürtelförmigen Oberbauchschmerzen mit Ausstrahlung in den Rücken, Übelkeit und mehrfachem Erbrechen vorgestellt hat. Die Beschwerden traten nach reichlichem Alkoholkonsum auf. Anamnestisch sind eine Pankreatitis vor zwei Jahren und eine Hyperlipidämie bekannt. Er berichtet zudem über einen geblähten Bauch, Herzklopfen und ein flaues Gefühl beim Aufstehen. Meine Verdachtsdiagnose ist eine akute Pankreatitis.
Differenzialdiagnosen: Perforiertes Magen- oder Duodenalulkus, Biliäre Kolik bzw. akute Cholezystitis, Mesenteriale Ischämie, Hinterwandinfarkt mit abdomineller Symptomatik
Brennende Oberbauchschmerzen: Ulcus ventriculi
Ich möchte Ihnen Frau Schuster vorstellen, eine 52-jährige Patientin, die sich mit seit drei Wochen bestehenden, brennenden Oberbauchschmerzen vorgestellt hat, die nach dem Essen zunehmen. Begleitend bestehen Übelkeit, frühe Sättigung und ein leichter Gewichtsverlust. Auffällig ist ein Teerstuhl bei orthostatischem Schwindel. Bei regelmäßiger Ibuprofen-Einnahme in hoher Menge ohne Magenschutz lautet meine Verdachtsdiagnose ein Ulcus ventriculi mit möglicher oberer gastrointestinaler Blutung.
Differenzialdiagnosen: Ulcus duodeni, Gastritis / funktionelle Dyspepsie, Gastroösophageale Refluxkrankheit, Magenkarzinom
Kardiologie & Angiologie
Brustschmerz: Akutes Koronarsyndrom
Ich möchte Ihnen Herrn Richter vorstellen, einen 62-jährigen Patienten, der sich mit einem seit etwa einer Stunde anhaltenden retrosternalen Druckschmerz mit Ausstrahlung in den linken Arm und Unterkiefer vorstellt. Der Schmerz ist belastungsausgelöst, in Ruhe persistierend und von Übelkeit, Kaltschweißigkeit und Vernichtungsangst begleitet. Bei ausgeprägtem kardiovaskulärem Risikoprofil und positiver Familienanamnese lautet meine Verdachtsdiagnose ein akutes Koronarsyndrom.
Differenzialdiagnosen: Aortendissektion, Lungenembolie, Perimyokarditis, Ösophageale oder muskuloskelettale Ursache (z. B. Refluxkrankheit, Kostochondritis)
Atemnot und dicke Beine: Herzinsuffizienz
Ich möchte Ihnen Frau Neumann vorstellen, eine 74-jährige Patientin mit seit zwei Monaten progredienter Belastungsdyspnoe, inzwischen bereits nach einem Stockwerk. Zusätzlich bestehen eine Orthopnoe mit nächtlicher paroxysmaler Dyspnoe, eindrückbare Unterschenkelödeme, eine Nykturie und eine Gewichtszunahme. Bei Zustand nach Myokardinfarkt, arteriellem Hypertonus und Vorhofflimmern lautet meine Verdachtsdiagnose eine dekompensierte chronische Herzinsuffizienz.
Differenzialdiagnosen: Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) oder andere pulmonale Ursache, Niereninsuffizienz mit Überwässerung, Erneutes akutes Koronarsyndrom / Myokardischämie, Anämie als Ursache der Belastungsdyspnoe
Wadenschmerzen beim Gehen: pAVK
Ich möchte Ihnen Herrn Kowalski vorstellen, einen 66-jährigen Patienten, der sich mit belastungsabhängigen Schmerzen der rechten Wade seit zwei Monaten vorgestellt hat. Die schmerzfreie Gehstrecke beträgt etwa 200 Meter, ein Ruheschmerz besteht nicht. Bei ausgeprägtem kardiovaskulärem Risikoprofil lautet meine Verdachtsdiagnose eine periphere arterielle Verschlusskrankheit im Stadium Fontaine II b.
Differenzialdiagnosen: Tiefe Venenthrombose, Diabetische Polyneuropathie, Spinalkanalstenose mit Claudicatio spinalis, Muskuloskelettale Ursache (z. B. Baker-Zyste, Wadenmuskelläsion)
Einseitige Beinschwellung: Tiefe Venenthrombose
Ich möchte Ihnen Frau Osterloh vorstellen, eine 54-jährige Patientin, die sich mit einer seit zwei Tagen zunehmenden, schmerzhaften Schwellung des linken Unterschenkels vorgestellt hat. Sie berichtet über eine einseitige Schwellung, Überwärmung und livide Verfärbung des Unterschenkels. Bei stattgehabtem Langstreckenflug, Einnahme oraler Kontrazeptiva, Nikotinabusus und positiver Familienanamnese lautet meine Verdachtsdiagnose eine tiefe Venenthrombose des linken Beins.
Differenzialdiagnosen: Erysipel oder Weichteilinfektion des Unterschenkels, Rupturierte Baker-Zyste, Oberflächliche Thrombophlebitis bzw. chronisch-venöse Insuffizienz, Muskelfaserriss oder Wadenhämatom
Herzstolpern und Herzrasen: Vorhofflimmern
Ich möchte Ihnen Herrn Ahrens vorstellen, einen 71-jährigen Patienten, der sich notfallmäßig mit einem seit dem Vormittag anhaltenden, unregelmäßigen Herzrasen vorgestellt hat. Begleitend bestehen Belastungsdyspnoe, ein Schwindel mit kurzer Präsynkope und ein leichtes thorakales Engegefühl. Bei arteriellem Hypertonus, Diabetes und bekannter Herzinsuffizienz lautet meine Verdachtsdiagnose ein erstmals dokumentiertes symptomatisches Vorhofflimmern mit tachykarder Überleitung.
Differenzialdiagnosen: Vorhofflattern mit wechselnder Überleitung, AV-Knoten-Reentrytachykardie (AVNRT) oder andere supraventrikuläre Tachykardie, Akutes Koronarsyndrom, Hyperthyreose als Auslöser der Tachyarrhythmie
Pneumologie
Atemnot: Lungenembolie
Ich möchte Ihnen Frau Thalmann vorstellen, eine 58-jährige Patientin, die sich notfallmäßig mit einer akut aufgetretenen Atemnot und einem atemabhängigen rechtsthorakalen Schmerz vorgestellt hat. Begleitend bestehen Hämoptyse, eine Präsynkope und eine Tachykardie. Bei Zustand nach Knieoperation mit Immobilisation, abgesetzter Thromboseprophylaxe und anamnestischen Hinweisen auf eine tiefe Beinvenenthrombose rechts lautet meine Verdachtsdiagnose eine Lungenembolie.
Differenzialdiagnosen: Akutes Koronarsyndrom / Myokardinfarkt, Pneumonie mit Pleuritis, Pneumothorax, Aortendissektion
Fieber und Husten: Pneumonie
Ich möchte Ihnen Frau Voss vorstellen, eine 68-jährige Patientin, die sich mit seit drei Tagen bestehendem hohem Fieber, produktivem Husten mit gelblich-grünem Auswurf und einem rechts-basalen atemabhängigen Thoraxschmerz vorgestellt hat. Zusätzlich bestehen Schüttelfrost, Nachtschweiß und eine Belastungsdyspnoe. Bei einer vorbestehenden COPD, einem Diabetes und fortgesetztem Nikotinkonsum lautet meine Verdachtsdiagnose eine ambulant erworbene Pneumonie des rechten Unterlappens.
Differenzialdiagnosen: Akute Bronchitis oder COPD-Exazerbation, Lungenembolie mit Infarktpneumonie, Lungentuberkulose, Bronchialkarzinom mit poststenotischer Pneumonie
Anfallsartige Atemnot: Asthma bronchiale
Ich möchte Ihnen Frau Hartmann vorstellen, eine 27-jährige Patientin, die sich mit seit einigen Wochen anfallsartig auftretender Atemnot, exspiratorischem Giemen und Thoraxenge vorgestellt hat. Die Beschwerden treten typischerweise bei Anstrengung, Kälte und Katzenkontakt auf, dazu besteht eine nächtliche Hustensymptomatik. Bei ausgeprägter atopischer Eigen- und Familienanamnese lautet meine Verdachtsdiagnose ein allergisches Asthma bronchiale.
Differenzialdiagnosen: COPD (bei fehlendem Nikotinabusus und jungem Alter unwahrscheinlich), Vocal Cord Dysfunction (stimmbandbedingte Atemnot), Chronische Rhinosinusitis mit postnasalem Sekretfluss und Hustenreiz, Kardial bedingte Dyspnoe
Zunehmende Atemnot und Auswurf: COPD-Exazerbation
Ich möchte Ihnen Herrn Reinhardt vorstellen, einen 64-jährigen Patienten mit seit acht Jahren bekannter COPD, der sich mit einer seit drei bis vier Tagen progredienten Verschlechterung vorgestellt hat. Er berichtet über eine zunehmende Atemnot schon bei geringer Belastung, vermehrten und nun gelb-grün gefärbten Auswurf sowie vermehrten Husten nach vorausgegangenem Atemwegsinfekt. Bei einem Nikotinabusus von rund 30 Packungsjahren lautet meine Verdachtsdiagnose eine akute Exazerbation der COPD, am ehesten infektgetriggert.
Differenzialdiagnosen: Ambulant erworbene Pneumonie, Dekompensierte Herzinsuffizienz / kardiales Lungenödem, Lungenembolie, Pneumothorax
Endokrinologie
Herzrasen und Gewichtsverlust: Hyperthyreose (Morbus Basedow)
Ich möchte Ihnen Frau Sandner vorstellen, eine 34-jährige Patientin, die sich mit seit sechs Wochen progredientem Herzrasen in Ruhe, innerer Unruhe, Gewichtsverlust trotz gesteigertem Appetit, Tremor und Wärmeintoleranz vorgestellt hat. Zusätzlich bestehen neu aufgetretene Augenbeschwerden mit leichter Protrusion. Bei positiver Familienanamnese lautet meine Verdachtsdiagnose eine Hyperthyreose, am ehesten im Rahmen eines Morbus Basedow.
Differenzialdiagnosen: Schilddrüsenautonomie (autonomes Adenom / multifokale Autonomie), Thyreoiditis (z. B. subakute Thyreoiditis de Quervain, Postpartum-Thyreoiditis), Angststörung / vegetative Erregung, Herzrhythmusstörung anderer Ursache oder Phäochromozytom
Müdigkeit und Frieren: Hypothyreose (Hashimoto)
Ich möchte Ihnen Frau Sommer vorstellen, eine 47-jährige Patientin, die sich mit seit einigen Monaten progredienter Müdigkeit, Kälteintoleranz und Gewichtszunahme vorgestellt hat. Zusätzlich bestehen Obstipation, trockene Haut, Haarausfall und eine gedrückte Stimmung. Bei bekannter Vitiligo und positiver Familienanamnese lautet meine Verdachtsdiagnose eine Hypothyreose, am ehesten im Rahmen einer Autoimmunthyreoiditis vom Typ Hashimoto.
Differenzialdiagnosen: Depression, Anämie, Nebenniereninsuffizienz, Klimakterische Beschwerden / Perimenopause
Zittern, Schwitzen, Verwirrtheit: Hypoglykämie
Ich möchte Ihnen Frau Bergmann vorstellen, eine 71-jährige Patientin mit insulinpflichtigem Diabetes mellitus, die heute Morgen nüchtern nach Insulingabe eine akute Symptomatik aus Tremor, Kaltschweißigkeit, Palpitationen, Heißhunger und einer Vigilanzminderung mit Verwirrtheit entwickelt hat. Nach oraler Glukosezufuhr kam es zu einer prompten Besserung. Bei zusätzlich kürzlich gesteigerter Glibenclamid-Einnahme, eingeschränkter Nierenfunktion und reduzierter Nahrungsaufnahme lautet meine Verdachtsdiagnose eine schwere Hypoglykämie.
Differenzialdiagnosen: Zerebrale Ischämie / transitorische ischämische Attacke, Kardiale Rhythmusstörung mit Synkope, Epileptischer Anfall, Delir anderer Ursache (z. B. Infekt, Exsikkose)
Neurologie
Kopfschmerzen: Migräne mit Aura
Ich möchte Ihnen Frau Rühl vorstellen, eine 29-jährige Patientin mit seit dem 19. Lebensjahr bestehenden, rezidivierenden, überwiegend linksseitigen und pulsierenden Kopfschmerzen. Den Attacken geht eine visuelle Aura mit Flimmerskotom voraus, begleitet werden sie von Übelkeit sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit. Die Frequenz hat auf zwei- bis dreimal monatlich zugenommen, die Akutmedikation mit Ibuprofen wirkt zunehmend schlechter. Bei typischer Anamnese und positiver Familienanamnese lautet meine Verdachtsdiagnose eine Migräne mit Aura.
Differenzialdiagnosen: Kopfschmerz vom Spannungstyp, Cluster-Kopfschmerz, Medikamentenübergebrauchs-Kopfschmerz, Sekundärer Kopfschmerz bei struktureller Läsion (z. B. Raumforderung, Gefäßprozess)
Erster Krampfanfall: Erster generalisierter Anfall
Ich möchte Ihnen Herrn Roth vorstellen, einen 24-jährigen Patienten, der nach einem erstmaligen, fremdanamnestisch beobachteten generalisierten tonisch-klonischen Anfall vorgestellt wird. Der Anfall dauerte etwa eine Minute, es kam zu Sturz, lateralem Zungenbiss und Einnässen, gefolgt von einer postiktalen Verwirrtheit über eine halbe Stunde. Vorausgegangen waren erheblicher Schlafentzug und ein Alkoholexzess. Bei zusätzlich anamnestisch berichteten morgendlichen Myoklonien und positiver Familienanamnese lautet meine Verdachtsdiagnose ein erster generalisierter Anfall, differentialdiagnostisch im Rahmen einer juvenilen myoklonischen Epilepsie.
Differenzialdiagnosen: Gelegenheitsanfall bei Schlafentzug und Alkohol (provozierter Anfall), Synkope mit konvulsiver Begleitsymptomatik, Psychogener nichtepileptischer Anfall (dissoziativer Anfall), Symptomatischer Anfall bei struktureller, entzündlicher oder metabolischer Ursache
Halbseitige Schwäche und Sprachstörung: Ischämischer Schlaganfall
Ich möchte Ihnen Herrn Bauer vorstellen, einen 71-jährigen Patienten mit akut um 08:30 Uhr aufgetretener, brachiofazialer Parese rechts und Dysarthrie, aktuell partiell regredient. Vor zwei Wochen bestand eine passagere sensomotorische Episode im Sinne einer TIA. Bei bekanntem, nicht antikoaguliertem Vorhofflimmern und vaskulärem Risikoprofil lautet meine Verdachtsdiagnose ein akuter ischämischer Schlaganfall im Versorgungsgebiet der linken Arteria cerebri media, am ehesten kardioembolisch.
Differenzialdiagnosen: Transitorische ischämische Attacke (TIA) bei rascher Rückbildung, Intrazerebrale Blutung, Migräne mit Aura oder postiktale (Todd-)Parese, Hypoglykämie oder andere metabolische bzw. toxische Ursache
Unfallchirurgie & Orthopädie
Rückenschmerzen: Lumbaler Bandscheibenvorfall
Ich möchte Ihnen Herrn Vogel vorstellen, einen 45-jährigen Lagerarbeiter mit seit vier Tagen bestehenden, beim Heben akut aufgetretenen lumbalen Rückenschmerzen mit radikulärer Ausstrahlung in das rechte Bein bis zum lateralen Fußrand. Er berichtet über einen Husten- und Pressschmerz, ein Taubheitsgefühl am lateralen Fußrand sowie einen erschwerten Zehenstand rechts als Hinweis auf eine Fußsenkerschwäche. Kauda-Warnzeichen und B-Symptomatik bestehen nicht. Meine Verdachtsdiagnose ist ein lumbaler Bandscheibenvorfall in Höhe L5/S1 mit Radikulopathie der Wurzel S1 rechts.
Differenzialdiagnosen: Unspezifischer Kreuzschmerz / muskuläre Lumbago, Spinalkanalstenose mit Claudicatio spinalis, Pseudoradikuläre Beschwerden bei ISG-Syndrom oder Piriformis-Syndrom, Spezifische Ursache (z. B. Spondylodiszitis, ossäre Metastase oder Fraktur)
Sturz auf die Hand: Distale Radiusfraktur
Ich möchte Ihnen Frau Steinbach vorstellen, eine 68-jährige Patientin, die nach einem Sturz auf die ausgestreckte rechte Hand vorstellig wurde. Sie berichtet über eine schmerzhafte Schwellung und sichtbare Fehlstellung des rechten Handgelenks sowie Parästhesien in den Fingern eins bis drei; die Hand sei warm. Bei bekannter Osteoporose lautet meine Verdachtsdiagnose eine distale Radiusfraktur rechts.
Differenzialdiagnosen: Handgelenksdistorsion oder Kontusion ohne Fraktur, Skaphoidfraktur (Kahnbeinbruch), Distale Ulnafraktur oder Abriss des Processus styloideus ulnae, Perilunäre Luxation oder karpale Bandverletzung
Sturz und Hüftschmerz: Schenkelhalsfraktur
Ich möchte Ihnen Frau Krause vorstellen, eine 82-jährige Patientin, die nach einem häuslichen Sturz auf die rechte Hüfte vorgestellt wurde. Sie ist seither nicht mehr belastungsfähig und gibt einen inguinalen Schmerz mit Ausstrahlung zum Knie an. Ein Taubheitsgefühl oder Kribbeln im Bein verneint sie. An Vorerkrankungen bestehen eine arterielle Hypertonie, ein Vorhofflimmern und eine Osteoporose mit stattgehabter Handgelenksfraktur. Relevant ist die Antikoagulation mit Apixaban, letzte Einnahme heute um sieben Uhr. Die Patientin lebt allein im ersten Stock ohne Aufzug. Zusammenfassend gehe ich von einer medialen Schenkelhalsfraktur rechts aus.
Differenzialdiagnosen: Pertrochantäre Femurfraktur, Beckenring- oder Schambeinastfraktur, Hüftgelenkluxation oder Kontusion ohne Fraktur, Pathologische Fraktur bei Knochenmetastase
Urologie & Nephrologie
Flankenschmerz mit Fieber: Akute Pyelonephritis
Ich möchte Ihnen Frau Keller vorstellen, eine 34-jährige Patientin, die sich mit seit zwei Tagen bestehenden, zunehmenden rechtsseitigen Flankenschmerzen vorgestellt hat. Begleitend bestehen hohes Fieber bis 39,5 Grad mit Schüttelfrost, Übelkeit mit Erbrechen sowie Brennen und häufiger Harndrang beim Wasserlassen. Vorausgegangen war eine Blasenentzündungssymptomatik, und es bestehen rezidivierende Harnwegsinfekte. Bei diesem Bild lautet meine Verdachtsdiagnose eine akute Pyelonephritis rechts, also eine aufsteigende Harnwegsinfektion mit Beteiligung des Nierenbeckens.
Differenzialdiagnosen: Unkomplizierte Zystitis, Nephrolithiasis mit Harnstau (Uretersteinkolik), Akute Appendizitis oder Adnexitis, Cholezystitis oder basale Pneumonie rechts
Kolikartiger Flankenschmerz: Urolithiasis (Nierenkolik)
Ich möchte Ihnen Herrn Vollmer vorstellen, einen 42-jährigen Patienten, der sich notfallmäßig mit seit heute Morgen akut aufgetretenen, kolikartigen linksseitigen Flankenschmerzen mit Ausstrahlung in die Leiste vorgestellt hat. Begleitend bestehen Übelkeit mit Erbrechen, eine Makrohämaturie und eine Pollakisurie; Fieber wird verneint. Bei Zustand nach Urolithiasis, positiver Familienanamnese und Hyperurikämie lautet meine Verdachtsdiagnose eine erneute linksseitige Urolithiasis mit Nierenkolik.
Differenzialdiagnosen: Pyelonephritis, Rupturiertes oder symptomatisches Bauchaortenaneurysma, Appendizitis oder Divertikulitis (bei entsprechender Lokalisation), Hodentorsion oder Epididymitis (bei Ausstrahlung in die Leiste)
Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde
Halsschmerzen und Fieber: Angina tonsillaris
Ich möchte Ihnen Frau Hofmann vorstellen, eine 22-jährige Patientin, die sich mit seit zwei Tagen bestehenden, starken beidseitigen Halsschmerzen mit schmerzhaftem Schlucken und in die Ohren ausstrahlenden Schmerzen vorgestellt hat. Sie hat hohes Fieber bis 39,2 Grad mit Schüttelfrost und ein deutliches Krankheitsgefühl, jedoch keinen Husten und keinen Schnupfen. Bei Infektkontakt und fehlenden Erkältungszeichen lautet meine Verdachtsdiagnose eine akute Angina tonsillaris, am ehesten bakterieller Genese durch A-Streptokokken.
Differenzialdiagnosen: Infektiöse Mononukleose (Epstein-Barr-Virus), Virale Pharyngitis, Peritonsillarabszess, Seitenstrangangina oder Diphtherie (selten)
Hämatologie & Onkologie
Müdigkeit und Blässe: Eisenmangelanämie
Ich möchte Ihnen Frau Yıldız vorstellen, eine 39-jährige Patientin, die sich mit einer seit drei bis vier Monaten schleichend zunehmenden Symptomatik aus ausgeprägter Müdigkeit, Belastungsluftnot, Herzklopfen und Blässe vorgestellt hat. Begleitend bestehen brüchige Nägel, Mundwinkelrhagaden und ein auffälliges Verlangen, Eiswürfel zu kauen. Bei gleichzeitig deutlicher Hypermenorrhoe und eisenarmer Ernährung lautet meine Verdachtsdiagnose eine Eisenmangelanämie.
Differenzialdiagnosen: Anämie bei chronischer Erkrankung (Entzündungsanämie), Vitamin-B12- oder Folsäuremangelanämie, Thalassämie oder andere Hämoglobinopathie, Gastrointestinaler Blutverlust (z. B. Ulkus, Malignom) oder Malabsorption (z. B. Zöliakie)
Infektiologie
Halsschmerzen, Fieber, Müdigkeit: Infektiöse Mononukleose
Ich möchte Ihnen Herrn Weiß vorstellen, einen 19-jährigen Patienten, der sich mit seit etwa zehn Tagen bestehenden Halsschmerzen, Fieber und einer ausgeprägten Erschöpfung vorgestellt hat. Er berichtet über geschwollene Lymphknoten am Hals und in den Achseln sowie ein Druckgefühl im linken Oberbauch. Unter einer laufenden Amoxicillintherapie ist ein makulopapulöses Exanthem aufgetreten, und die Beschwerden bessern sich unter dem Antibiotikum nicht. Bei dieser Konstellation lautet meine Verdachtsdiagnose eine infektiöse Mononukleose durch das Epstein-Barr-Virus.
Differenzialdiagnosen: Bakterielle Streptokokken-Angina, Zytomegalievirus-Infektion, Akute HIV-Infektion, Hämatologische Erkrankung (z. B. akute Leukämie oder Lymphom)
FSP-Med: Fälle im Prüfungsablauf üben
Im FSP-Med-Modul der KLINIKFUCHS-App übst du Arzt-Patienten-Gespräche im FSP-Simulator, den Arztbrief und die Patientenvorstellung – mit Übersetzungshilfe in 13 Sprachen. Die App ist kostenlos: im Browser oder als iOS-App.
Übungsmaterial zum Sprachtraining, kein Ersatz für ärztliche Aus- und Weiterbildung und keine Behandlungsempfehlung. Prüfungsablauf und Anforderungen können je nach Ärztekammer variieren; verbindlich sind die Vorgaben der für dich zuständigen Kammer.