Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion)

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Synonyme
Schilddrüsenunterfunktion, Unterfunktion der Schilddrüse, latente Hypothyreose, subklinische Hypothyreose, Myxödem, erhöhtes TSH
Fachgebiet
Innere Medizin · Endokrinologie & Diabetologie
Bilder
Histologie 1
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Bilder (1)
  2. Definition
  3. Vorkommen & Epidemiologie
  4. Ätiopathogenese
  5. Klinik
  6. Diagnostik
  7. Weiterlernen in der App
  8. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  9. Querverweise

Bilder (1)

Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) – Histologie bei Hashimoto-Thyreoiditis als häufigster Ursache (HE, stark vergrößert): dichtes Lymphozyteninfiltrat (links) neben kleinen, verdrängten SchilddrüsenfollikelnHistologie
Histologie bei Hashimoto-Thyreoiditis als häufigster Ursache (HE, stark vergrößert): dichtes Lymphozyteninfiltrat (links) neben kleinen, verdrängten SchilddrüsenfollikelnBild: Librepath (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 3.0 · Quelle

Definition

Die Hypothyreose ist ein Mangel an Schilddrüsenhormonen. Bei der primären Form liegt die Ursache in der Schilddrüse selbst (TSH erhöht, fT4 erniedrigt), bei der sekundären bzw. tertiären Form in Hypophyse bzw. Hypothalamus (fT4 erniedrigt, TSH niedrig oder inadäquat normal). Bei der subklinischen (latenten) Hypothyreose ist das TSH erhöht, das fT4 normal; Beschwerden fehlen oder sind gering.

Vorkommen & Epidemiologie

Die Hypothyreose kann in jedem Alter auftreten und ist bei älteren Menschen besonders häufig: Über 65 Jahren betrifft sie knapp 10 % der Frauen und 6 % der Männer. Subklinische Funktionsstörungen der Schilddrüse finden sich bei etwa 15 % der älteren Frauen und 10 % der älteren Männer, vor allem bei zugrunde liegender Hashimoto-Thyreoiditis.

Ätiopathogenese

  • Hashimoto-Thyreoiditis: häufigste Ursache, z. B. in den USA
  • Iatrogen: zweithäufigste Ursache, etwa nach ablativen Maßnahmen bei Hyperthyreose oder Struma
  • Iodmangel: führt zur Struma, bei schwerem Mangel zur Hypothyreose, auch angeboren; seit Einführung iodierten Salzes in den meisten Regionen selten
  • Durch Pharmaka ausgelöst: z. B. durch iodhaltige Medikamente, bestimmte Psychopharmaka sowie bestimmte Immun- und Krebsmedikamente
  • Seltene Ursachen: angeborene Enzymdefekte der Hormonsynthese, Thyreoiditiden in der hypothyreoten Phase
  • Zentrale Hypothyreose: Hypophysen- oder Hypothalamuserkrankungen, oft mit weiteren hormonellen Ausfällen

Klinik

Leitbefunde

  • Manifeste primäre Hypothyreose: TSH erhöht, fT4 erniedrigt
  • Häufige Beschwerden: Kälteintoleranz, Müdigkeit, Gewichtszunahme, Obstipation, Bradykardie
  • Hautzeichen: trockene, raue Haut, myxödematöse Schwellung, schütteres, raues Haar
  • Labor-Begleitbefunde: Cholesterin meist erhöht, häufig eine meist normozytäre Anämie, bei älteren Menschen teils erhöhte Kreatinkinase

Die Beschwerden beginnen meist schleichend und unspezifisch; häufige erste Zeichen sind Flüssigkeitseinlagerung mit periorbitaler Schwellung, Müdigkeit, Kälteintoleranz und Konzentrationsschwäche.

  • Stoffwechsel: mäßige Gewichtszunahme, Kälteempfindlichkeit, Hypothermie
  • Nervensystem und Psyche: Vergesslichkeit, Verlangsamung, Depression, verzögerte Relaxation der Muskeleigenreflexe, Karpaltunnelsyndrom
  • Haut und Haare: teigig-gedunsene Haut (Myxödem), trockene, raue Haut, struppiges, trockenes Haar, Karotingelbfärbung an Handflächen und Fußsohlen, Makroglossie, heisere, langsame Sprache
  • Herz und seröse Häute: Bradykardie, Perikarderguss, Pleura- und Aszitesergüsse
  • Verdauung und Zyklus: Obstipation; Hypermenorrhö oder sekundäre Amenorrhö
  • Ältere Menschen: oft wenige, vage Symptome wie Verwirrtheit, Appetitlosigkeit, Stürze oder Muskelschmerzen mit erhöhter CK; das Bild kann einer Demenz ähneln
  • Myxödemkoma als lebensbedrohliche Dekompensation

Diagnostik

  • TSH ist der empfindlichste Test der primären Hypothyreose; zusammen mit fT4 wird zwischen subklinischer und manifester Form unterschieden. Das T3 bleibt oft lange normal und eignet sich nicht zur Diagnose.
  • Zentrale Form: fT4 niedrig bei niedrigem oder (mit verminderter Bioaktivität) normalem TSH; die Ursachen betreffen oft weitere Hormonachsen.
  • Anämie: meist normochrom-normozytär, teils hypochrom bei Eisenmangel durch verstärkte Regelblutungen oder makrozytär; selten schwer ausgeprägt. Das Cholesterin ist bei primärer Hypothyreose meist erhöht.
  • Ursachensuche: TPO-Antikörper und Sonographie bei Verdacht auf Hashimoto-Thyreoiditis.
  • Störgrößen: Ein erniedrigtes T4 kommt auch bei schwerer Allgemeinerkrankung (Euthyroid-sick-Syndrom) und bei Mangel an thyroxinbindendem Globulin vor.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

Im Browser starten  InnereFuchs ansehen →

Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Professional: Hypothyroidism
  2. MSD Manual Professional: Hashimoto Thyroiditis
  3. MSD Manual Professional: Overview of Thyroid Function

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.