Infektiöse Mononukleose (Pfeiffersches Drüsenfieber)
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- Pfeiffersches Drüsenfieber, Kusskrankheit, Mononukleose, EBV-Infektion, Epstein-Barr-Virus
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Infektiologie
- Bilder
- Blutausstrich & Zytologie 1 · Klinik 1 · CT 1
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
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Blutausstrich & Zytologie
CTDefinition
Die infektiöse Mononukleose (Pfeiffersches Drüsenfieber, „Kusskrankheit“) ist die symptomatische Primärinfektion mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV, humanes Herpesvirus 4). Typisch ist die Trias aus Fieber, Pharyngitis und Lymphknotenschwellung, oft begleitet von ausgeprägter Müdigkeit, die Wochen bis Monate anhalten kann.
Vorkommen & Epidemiologie
- EBV infiziert etwa die Hälfte der Kinder vor dem 5. Lebensjahr; mehr als 95 % der Erwachsenen sind seropositiv. EBV zählt damit zu den am weitesten verbreiteten Viren des Menschen.
- Bei kleinen Kindern verläuft die Primärinfektion meist symptomlos; eine Mononukleose entwickelt sich vor allem bei Jugendlichen und Erwachsenen.
- In niedrigeren sozioökonomischen Schichten und bei beengten Wohnverhältnissen erfolgt die Ansteckung häufiger schon in früher Kindheit.
Ätiopathogenese
- Übertragung: vor allem über Speichel beim Küssen, meist durch seropositive Menschen, die das Virus ohne Symptome ausscheiden; nur etwa 5 % stecken sich bei einer akut erkrankten Person an. Selten über Blutprodukte. Das Virus ist wenig kontagiös und in der Umwelt nicht nachweisbar.
- Inkubationszeit: etwa 30–50 Tage.
- Pathogenese: EBV infiziert nach Aufnahme im Mund-Rachen-Raum B-Lymphozyten. Die atypischen Lymphozyten im Blut stammen überwiegend von CD8-positiven T-Zellen, die infizierte B-Zellen zytotoxisch eliminieren. Danach bleibt EBV lebenslang v. a. in B-Zellen latent und wird intermittierend über den Rachen ausgeschieden (bei 10–20 % der seropositiven Erwachsenen nachweisbar, häufiger bei Immunschwäche).
- Assoziierte Erkrankungen: Burkitt-Lymphom, bestimmte Formen des Hodgkin-Lymphoms und großzellige B-Zell-Lymphome, lymphoproliferative Erkrankung nach Transplantation, Nasopharynxkarzinom (v. a. Südchina), manche Fälle von hämophagozytischer Lymphohistiozytose. Das X-chromosomale lymphoproliferative Syndrom prädisponiert zu schweren Verläufen.
Klinik
Symptome
- Fieber: Gipfel meist nachmittags oder abends um 39,5 °C, mitunter bis 40,5 °C.
- Pharyngitis/Tonsillitis: oft schmerzhaft und mit Belägen, ähnlich einer Streptokokken-Angina; Petechien am Gaumen, periorbitale Schwellung.
- Lymphknotenschwellung: meist symmetrisch, besonders vordere und hintere Halslymphknoten; teils einziges Zeichen.
- Splenomegalie bei etwa 50 %, maximal in der 2. und 3. Woche; leichte Hepatomegalie mit Klopfschmerz.
- Exanthem: makulopapulös, nach neueren Daten bei bis zu etwa 20 %.
- Müdigkeit: am stärksten in den ersten 2–3 Wochen, kann aber Monate anhalten.
Komplikationen
- Leber: Transaminasenanstieg auf etwa das 2- bis 3-Fache bei etwa 90 %, Normalisierung über 3–4 Wochen.
- Blut: vorübergehende leichte Granulozytopenie oder Thrombozytopenie bei etwa 50 %; hämolytische Anämie durch Kälteagglutinine (Anti-i).
- Milzruptur: am ehesten 10–21 Tage nach Erstvorstellung (dann sind Milzvergrößerung und Kapselschwellung am stärksten), nur in etwa der Hälfte der Fälle nach Trauma; meist schmerzhaft, selten nur mit Hypotonie.
- Atemwege: selten Verlegung der oberen Atemwege durch Schwellung von Rachen und Lymphknoten.
- Nervensystem (selten): Enzephalitis (auch zerebellär), Krampfanfälle, Guillain-Barré-Syndrom, periphere Neuropathie, Meningitis, Myelitis, Hirnnervenparesen, Psychose.
- Chronisch aktive EBV-Infektion (selten): Fieber, interstitielle Pneumonitis, Panzytopenie, Hepatitis oder Uveitis.
Histologie
Blutausstrich
Im Blutausstrich finden sich reichlich atypische (reaktive) Lymphozyten, bis etwa 30 % der Leukozyten. Sie sind im Gegensatz zu leukämischen Zellen heterogen gestaltet. Sehr hohe Anteile atypischer Lymphozyten kommen fast nur bei primärer EBV- und CMV-Infektion vor.
Diagnostik
- Klinischer Verdacht: Hintere zervikale oder generalisierte Lymphknotenschwellung und Hepatosplenomegalie sprechen eher für eine Mononukleose als für eine Streptokokken-Angina; ein Streptokokkennachweis im Rachen schließt eine Mononukleose nicht aus.
- Blutbild: Lymphozytose mit atypischen Lymphozyten.
- Heterophile Antikörper (Schnelltest, „Monospot“): positiv bei 85–90 % der Jugendlichen und Erwachsenen, aber nur bei etwa 50 % der Kinder von 2–5 Jahren; Titer steigen in der 2. und 3. Krankheitswoche, daher bei frühem negativem Ergebnis Wiederholung nach etwa 7 Tagen. Falsch positive Ergebnisse bei akuter HIV-Infektion sind möglich.
- EBV-spezifische Serologie: VCA-IgM spricht für eine Primärinfektion (verschwindet innerhalb von 3 Monaten); VCA-IgG entsteht früh und bleibt lebenslang; Anti-EA-IgG tritt in der akuten Phase auf und fällt nach 3–6 Monaten ab; EBNA-IgG entsteht erst nach 2–4 Monaten und bleibt lebenslang. Nachweisbares EBNA-IgG spricht damit gegen eine frische Infektion.
- Leberwerte: Transaminasen meist mäßig erhöht; bei Ikterus oder stärkerem Anstieg Suche nach anderen Hepatitisursachen.
- Weitere Tests: Bei Risikofaktoren HIV-RNA und kombinierter Antigen-/Antikörpertest, da eine akute HIV-Infektion ähnlich verlaufen kann; CMV-Serologie bei negativem EBV-Befund.
Weiterlernen in der App
Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.