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Schlechte Nachrichten überbringen: das SPIKES-Modell auf Deutsch

Lesezeit ca. 8 Minuten · Für internationale Ärztinnen und Ärzte

Von Dr. Pascal Bafteh · zuletzt aktualisiert 09/2026

Ein auffälliger Befund, eine schwere Diagnose, eine Todesnachricht: Solche Gespräche sind in der Muttersprache schon anspruchsvoll – in einer Fremdsprache erst recht. Das SPIKES-Modell gibt dir einen roten Faden. Dieser Ratgeber zeigt die sechs Schritte mit deutschen Formulierungen, die ehrlich, klar und einfühlsam klingen.

Warum eine Struktur hilft

In schwierigen Gesprächen passiert oft zweierlei: Man redet zu schnell und zu viel Fachsprache – oder man weicht aus und bleibt unklar. SPIKES ordnet das Gespräch in sechs Schritte: Setting, Perception, Invitation, Knowledge, Emotions, Strategy/Summary. Du musst die englischen Begriffe nicht auswendig aufsagen; wichtig ist, dass du die Abfolge verinnerlichst.

S – Setting: den Rahmen schaffen

Such einen ruhigen Raum, setz dich auf Augenhöhe, schalte das Telefon stumm und plane genug Zeit ein. Frag, ob jemand dabei sein soll.

P – Perception: den Wissensstand erfragen

Bevor du informierst, findest du heraus, was die Person schon weiß oder vermutet. So kannst du an ihre Vorstellungen und auch an ihre Wortwahl anknüpfen.

I – Invitation: fragen, wie viel jemand wissen möchte

Nicht jeder möchte alle Einzelheiten auf einmal hören. Frag nach und respektiere die Antwort.

K – Knowledge: die Nachricht klar mitteilen

Kündige die schlechte Nachricht mit einem Warnsatz an („warning shot"). Dann folgt die Information – in einfachen Worten, in kleinen Portionen und mit Pausen.

Übersetze Fachbegriffe konsequent in Alltagssprache, zum Beispiel:

FachbegriffErklärung für Patientinnen und Patienten
maligner Tumor„eine bösartige Gewebewucherung"
Metastasen„Tochterabsiedlungen in anderen Organen"
Myokardinfarkt„Ein Teil Ihres Herzmuskels hat zu wenig Sauerstoff bekommen und ist geschädigt."
Herzinsuffizienz„Ihr Herz pumpt nicht mehr so kräftig wie früher."
Niereninsuffizienz„Die Nieren können das Blut nicht mehr ausreichend reinigen."
Zufallsbefund„etwas, das wir nebenbei entdeckt haben und genauer anschauen möchten"

Auch Laborwerte brauchen eine Übersetzung: „Das ist ein Entzündungswert, der bei Infekten ansteigt." Eine Zahl allein sagt der Person nichts.

E – Emotions: Gefühle auffangen

Nach einer schlechten Nachricht reagieren Menschen mit Schock, Tränen, Schweigen oder Wut. Jetzt ist nicht der Moment für weitere Informationen, sondern für Empathie. Eine hilfreiche Ergänzung ist das Schema NURSE:

SchrittFormulierung
Naming – Gefühl benennen„Ich sehe, dass Sie das sehr trifft."
Understanding – Verständnis zeigen„Das ist eine völlig verständliche Reaktion."
Respecting – Respekt ausdrücken„Sie haben in den letzten Wochen viel durchgemacht."
Supporting – Unterstützung anbieten„Wir lassen Sie damit nicht allein."
Exploring – nachfragen„Was geht Ihnen gerade durch den Kopf?"

Schweigen darfst du aushalten. Ein ruhiges „Nehmen Sie sich Zeit" ist oft besser als ein hastiger Satz.

S – Strategy and Summary: zusammenfassen und Verständnis sichern

Zum Schluss fasst du das Wichtigste zusammen, klärst offene Fragen und vereinbarst, wie es mit dem Gespräch weitergeht – zum Beispiel einen zweiten Termin oder eine feste Ansprechperson.

Diese Rückfrage heißt Teach-back. Wichtig ist die Haltung: Du prüfst deine eigene Erklärung, nicht das Verständnis deines Gegenübers.

Fragen nach dem Verlauf

„Wie lange habe ich noch?" ist eine der schwersten Fragen. Ehrlichkeit und Hoffnung schließen sich nicht aus.

Die Todesnachricht an Angehörige

Hier gelten dieselben Prinzipien, nur noch klarer. Stell sicher, dass du mit den richtigen Angehörigen sprichst, und bereite einen ruhigen Raum vor. Verwende das Wort „verstorben" – Umschreibungen wie „eingeschlafen" oder „von uns gegangen" führen leicht zu Missverständnissen.

Wenn das Gespräch kippt

Manchmal schlägt Trauer in Wut um. Bleib ruhig, sprich langsamer und etwas tiefer, und nimm das Gefühl ernst, ohne dich zu rechtfertigen.

Wird es bedrohlich, geht deine eigene Sicherheit vor: Raum verlassen und Hilfe holen.

Mit Dolmetscherin oder Dolmetscher

Sprich die Patientin oder den Patienten direkt an („Sie", nicht „er" oder „sie"), setz dich so, dass ihr euch anschaut, und bilde kurze Sätze mit nur einer Information. Bitte darum, wörtlich und vollständig zu übersetzen. Kinder sollten nicht dolmetschen.

Häufige Fehler

Die Grundlagen der Gesprächsführung – offene Fragen, Paraphrasieren, Zusammenfassen – findest du im Ratgeber „Anamnese auf Deutsch". Wie du einen Fall anschließend an Kolleginnen und Kollegen übergibst, erklärt der Artikel zum Arzt-Arzt-Gespräch.

FSP-Med: Fachsprache täglich üben

Im KLINIKFUCHS-Modul FSP-Med übst du genau diese Formulierungen: Karteikarten mit Lücken, Patientengespräche zum Mitsprechen und eine simulierte Prüfung – kostenlos, mit Hilfen in 13 Sprachen.

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Hinweis: Dieser Ratgeber behandelt ausschließlich Sprache und Gesprächsstruktur. Er enthält keine Behandlungs- oder Therapieempfehlungen. Ablauf und Anforderungen der Fachsprachprüfung legt die für dich zuständige Ärztekammer fest.