Laktoseintoleranz

Synonyme
Milchzuckerunverträglichkeit, Laktasemangel, Laktosemalabsorption, Laktose-Unverträglichkeit, Milchunverträglichkeit, Hypolaktasie
Fachgebiet
Innere Medizin · Gastroenterologie
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Definition
  2. Einteilung
  3. Vorkommen & Epidemiologie
  4. Ätiopathogenese
  5. Klinik
  6. Diagnostik
  7. Weiterlernen in der App
  8. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  9. Querverweise

Definition

Die Laktoseintoleranz ist die häufigste Form der Kohlenhydratintoleranz, eines Malabsorptionssyndroms: Wegen eines Mangels des Darmenzyms Laktase kann Milchzucker (Laktose) nicht ausreichend gespalten werden. Normalerweise zerlegen Disaccharidasen im Bürstensaum der Dünndarmzellen (u. a. Laktase, Maltase, Isomaltase, Sucrase) Zweifachzucker in Einfachzucker.

Einteilung

  • Erworbener (primärer) Laktasemangel (primäre adulte Hypolaktasie): häufigste Form; die Laktaseaktivität nimmt nach dem Abstillen ab
  • Sekundärer Laktasemangel: bei Schädigung der Dünndarmschleimhaut, z. B. durch Zöliakie, tropische Sprue oder akute Darminfektionen; bei Säuglingen auch vorübergehend nach Darminfektionen oder postoperativ nach Eingriffen am Bauch; nach Abheilen der Grunderkrankung steigt die Enzymaktivität wieder an
  • Kongenitaler Enzymmangel: selten, z. B. angeborener Laktase- oder Sucrase-Isomaltase-Mangel

Vorkommen & Epidemiologie

Bei Neugeborenen ist die Laktaseaktivität hoch, sodass Milch verdaut werden kann. Bei der Mehrheit der Weltbevölkerung sinkt sie nach dem Abstillen, sodass ältere Kinder und Erwachsene größere Mengen Laktose nicht mehr verdauen können; der Laktasemangel ist damit der übliche Zustand der meisten Erwachsenen weltweit. Bestimmte Bevölkerungsgruppen nordwesteuropäischer, ostafrikanischer und nahöstlicher Herkunft, die traditionell Milchwirtschaft betrieben, bilden dagegen lebenslang Laktase (Laktase-Persistenz); diese ist genetisch bedingt und betrifft eine Minderheit der Weltbevölkerung.

Ätiopathogenese

Nicht gespaltene Zweifachzucker erzeugen eine osmotische Last, die Wasser und Elektrolyte in den Darm zieht – es kommt zu wässrigem Durchfall. Im Kolon vergären Bakterien die Kohlenhydrate zu Gasen (Wasserstoff, Kohlendioxid, Methan); die Folgen sind vermehrte Winde, Blähungen, ein aufgetriebener Bauch und Bauchschmerzen.

Klinik

Die Beschwerden sind bei allen Disaccharidase-Mängeln ähnlich. Erwachsene haben nach Laktoseaufnahme wässrigen Durchfall, Blähungen, vermehrte Winde, Übelkeit, Darmgeräusche (Borborygmi) und Bauchkrämpfe. Ein Kind mit Laktoseintoleranz bekommt nach größeren Milchmengen Durchfall und nimmt mitunter nicht zu. Viele Betroffene bemerken früh, dass Milchprodukte Beschwerden verursachen.

Beschwerden treten typischerweise erst nach mehr als etwa 250–375 ml Milch auf; Symptome schon nach viel kleineren Mengen sprechen eher für eine andere Ursache. Der Durchfall kann so stark sein, dass auch andere Nährstoffe nicht mehr aufgenommen werden. Das Beschwerdebild kann einem Reizdarmsyndrom ähneln.

Diagnostik

Die Diagnose wird meist klinisch anhand einer sorgfältigen Anamnese gestellt, gestützt durch einen Belastungsversuch mit Milchprodukten oder eine laktosefreie Kostphase. Die Testergebnisse werden immer mit den Beschwerden abgeglichen.

  • Stuhl-pH: saurer Stuhl (pH unter 6) bei chronischem oder wiederkehrendem Durchfall spricht für eine Laktoseintoleranz
  • H2-Atemtest (Laktose-Atemtest): nach Trinken von 50 g Laktose wird der von Bakterien gebildete Wasserstoff nach 2, 3 und 4 Stunden gemessen; ein Anstieg um mehr als 20 ppm über den Ausgangswert spricht für eine Malabsorption; Sensitivität 78 %, Spezifität über 95 %
  • Laktosetoleranztest: Blutzucker vor sowie 60 und 120 Minuten nach oraler Laktosebelastung; bei Intoleranz steigt er um weniger als 1,1 mmol/l (20 mg/dl), und innerhalb von 20–30 Minuten treten Durchfall, Blähungen und Unwohlsein auf; Sensitivität etwa 90 %, Spezifität 90–95 %

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Laktoseintoleranz mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Professional: Carbohydrate Intolerance
  2. StatPearls: Lactose Intolerance

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.