Mikroskopische Kolitis
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- kollagene Kolitis, lymphozytäre Kolitis, Kollagenkolitis, wässriger Durchfall, chronischer Durchfall
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Gastroenterologie
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- Histologie 3
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
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Histologie
Histologie
HistologieDefinition
Die mikroskopische Kolitis ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, vermutlich mit immunvermitteltem Entstehungsmechanismus, und eine häufige Ursache chronischer, wässriger, unblutiger Durchfälle. Kennzeichnend ist die Trias aus chronisch-wässrigem Durchfall, endoskopisch normal erscheinender Schleimhaut und typischem histologischem Befund. Unterschieden werden die kollagene und die lymphozytäre Kolitis.
Einteilung
Histologische Kriterien (europäische Leitlinie 2021, Hämatoxylin-Eosin-Färbung):
- Kollagene Kolitis: verdicktes subepitheliales Kollagenband von mehr als 10 µm.
- Lymphozytäre Kolitis: mindestens 20 intraepitheliale Lymphozyten pro 100 Oberflächenepithelzellen mit vermehrtem Entzündungsinfiltrat der Lamina propria, ohne deutlich verdicktes Kollagenband (< 10 µm).
- Inkomplette kollagene Kolitis: Kollagenband über 5 µm, aber unter 10 µm.
- Inkomplette lymphozytäre Kolitis: mehr als 10, aber weniger als 20 intraepitheliale Lymphozyten bei normalem Kollagenband.
Vorkommen & Epidemiologie
Die Inzidenz wird auf etwa 11,4 pro 100.000 Personenjahre geschätzt und nimmt zu. Das mittlere Alter bei Diagnose liegt bei 60–65 Jahren; Frauen sind deutlich häufiger betroffen, mit einem Verhältnis von Frauen zu Männern von bis zu 9:1.
Ätiopathogenese
Die Entstehung ist unbekannt und vermutlich multifaktoriell. Diskutiert wird eine abnorme Immunreaktion auf luminale Antigene bei genetischer Veranlagung.
- Genetische Prädisposition.
- Veränderte Darmmikrobiota mit verminderter Vielfalt.
- Immunologische Prozesse: u. a. Vermehrung von CD8-positiven Lymphozyten in Epithel und Lamina propria.
- Gallensäure-Malabsorption: Gallensäuren steigern die Chloridsekretion, vermindern die Flüssigkeitsaufnahme und beschleunigen die Darmmotilität.
- Autoimmunerkrankungen: häufig begleitend, z. B. Zöliakie.
- Rauchen sowie bestimmte Medikamente: insbesondere säurehemmende Medikamente sind mit der Erkrankung verbunden.
Klinik
- Chronischer, wässriger, unblutiger Durchfall als typisches Leitsymptom.
- Befallsmuster: alle Kolonabschnitte außer dem Rektum können betroffen sein; der Befall ist ungleichmäßig, fleckförmig und meist im proximalen Kolon am stärksten.
- Laborbefunde: etwa die Hälfte der Betroffenen hat eine leichte Anämie.
Histologie
Beide Formen zeigen ein leichtes Entzündungsinfiltrat der Lamina propria. Die kollagene Kolitis ist durch das verdickte subepitheliale Kollagenband gekennzeichnet, die lymphozytäre Kolitis durch die Vermehrung intraepithelialer Lymphozyten. Da die Veränderungen fleckförmig und proximal betont sind, haben Rektumbiopsien die höchste Rate falsch-negativer Befunde.
Diagnostik
- Anamnese: Reisen, kürzliche Einnahme antibakterieller Medikamente (Clostridioides-difficile-Risiko), Medikamente und Ernährungsänderungen.
- Stuhluntersuchungen: Clostridioides difficile und Stuhlkulturen zum Ausschluss einer Infektion; fäkales Calprotectin oder Laktoferrin zur Abgrenzung anderer chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen.
- Labor: kein Laborwert sichert die Diagnose; Blutbild und Elektrolyte sind für Diagnose und Screening nicht hilfreich.
- Koloskopie mit Biopsien: Die Diagnose beruht auf der Histologie. Üblich sind mindestens acht Biopsien (je zwei oder mehr aus rechtem, transversalem, linkem und Sigma-Kolon) oder mindestens sechs Biopsien (je drei aus Colon ascendens und descendens). Werden keine Biopsien oberhalb des Rektosigmoids entnommen, wird etwa jede fünfte mikroskopische Kolitis übersehen; Proben aus einer Sigmoidoskopie allein sind wenig sensitiv.
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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Weitere Themen: Gastroenterologie
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.