Obere gastrointestinale Blutung

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Synonyme
Magenblutung, Bluterbrechen, Teerstuhl, Hämatemesis, Meläna, OGIB, obere GI-Blutung, Ulkusblutung
Fachgebiet
Innere Medizin · Gastroenterologie
Bilder
Endoskopie 1 · Klinik 1
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Bilder (2)
  2. Definition
  3. Einteilung
  4. Ätiopathogenese
  5. Klinik
  6. Diagnostik
  7. Weiterlernen in der App
  8. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  9. Querverweise

Bilder (2)

Obere gastrointestinale Blutung – Gastroskopie: Magenulkus mit sichtbarem Gefäßstumpf im Ulkusgrund (Forrest IIa)Endoskopie
Gastroskopie: Magenulkus mit sichtbarem Gefäßstumpf im Ulkusgrund (Forrest IIa)Bild: Jeremias (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 3.0 · Quelle
Obere gastrointestinale Blutung – klinisches Foto: Teerstuhl (Meläna): schwarzer, glänzender, klebriger Stuhl bei Blutung aus dem Duodenum
Teerstuhl (Meläna): schwarzer, glänzender, klebriger Stuhl bei Blutung aus dem DuodenumBild: Abdullah Sarhan (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 4.0 · Quelle
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Definition

Die obere gastrointestinale Blutung ist eine Blutung oberhalb des Treitz-Bandes, also aus Ösophagus, Magen oder Duodenum. Gastrointestinale Blutungen können sichtbar (overt) oder verborgen (okkult) verlaufen; die Erscheinungsform hängt von Lage und Geschwindigkeit der Blutung ab. Man unterscheidet variköse und nichtvariköse Blutungen.

Einteilung

Forrest-Klassifikation (endoskopisches Bild blutender Ulzera, 1974 eingeführt):

  • Ia: aktive arterielle, pulsierende Blutung
  • Ib: Sickerblutung
  • IIa: sichtbarer Gefäßstumpf ohne Blutung
  • IIb: aufsitzendes Koagel
  • IIc: pigmentierter Ulkusgrund
  • III: sauberer Ulkusgrund

Forrest Ia und Ib sind unabhängige Risikofaktoren für eine anhaltende oder erneute Blutung.

Risikoscores:

  • Glasgow-Blatchford-Score (vor der Endoskopie, 0–23 Punkte): Hämoglobin, Harnstoff, Herzfrequenz, systolischer Blutdruck, Begleiterkrankungen (Lebererkrankung, Herzinsuffizienz) und Leitsymptome (Synkope, Meläna).
  • Rockall-Score (0–11 Punkte): Alter, Kreislaufsituation, Begleiterkrankungen, endoskopische Diagnose und Zeichen der stattgehabten Blutung; eine Variante ohne endoskopische Angaben lässt sich bereits vor der Endoskopie berechnen.
  • ABC-Score: Alter, Harnstoff, Albumin, Kreatinin, Bewusstseinsveränderung, Leberzirrhose, disseminierte Tumorerkrankung und Klassifikation der American Society of Anesthesiologists; für obere und untere Blutungen.

Ätiopathogenese

Häufige Ursachen (Anteile an oberen gastrointestinalen Blutungen):

  • Ulcus duodeni (15–29 %) und Ulcus ventriculi (14–16 %); Magen- und Duodenalulzera zusammen machen bis zu 50 % aus.
  • Varizen (5–33 %).
  • Mallory-Weiss-Läsion (6–15 %).
  • Erosionen in Magen oder Duodenum (3–15 %) und erosive Ösophagitis (2–15 %).
  • Angiome (1–5 %), gastrointestinale Stromatumoren (1–5 %), arteriovenöse Malformationen (< 5 %), Hämobilie.
  • Weitere Gefäßläsionen: Dieulafoy-Läsion (abnorm großes Gefäß, vor allem im proximalen Magen, mit möglicher massiver Blutung), antrale vaskuläre Ektasie („Wassermelonenmagen"), Morbus Osler.

Begünstigende Faktoren: chronische Lebererkrankung, angeborene Gerinnungsstörungen sowie Medikamente, die die Gerinnung oder die Thrombozytenfunktion beeinflussen (z. B. NSAR, bestimmte Antidepressiva vom SSRI-Typ) oder die Schleimhautabwehr schwächen.

Klinik

  • Hämatemesis: Erbrechen von rotem Blut; spricht für eine obere Blutung, meist aus Ulkus, Gefäßläsion oder Varize.
  • Kaffeesatzerbrechen: dunkelbraunes, körniges Erbrochenes; die Blutung hat sich verlangsamt oder ist zum Stillstand gekommen, das Hämoglobin wurde durch Magensäure zu braunem Hämatin oxidiert.
  • Meläna: schwarzer Teerstuhl; meist obere Blutung, aber auch aus Dünndarm oder rechtem Kolon möglich. Es braucht etwa 100–200 ml Blut im oberen Gastrointestinaltrakt; die Meläna kann nach Stillstand der Blutung noch mehrere Tage anhalten.
  • Hämatochezie: Abgang von sichtbarem Blut peranal; meist untere Blutung, bei kräftiger oberer Blutung mit schneller Passage aber möglich.
  • Hypovolämie und Schock: Synkope, Hypotonie, Blässe, Schwitzen, Tachykardie, Oligurie; eine orthostatische Hypotonie (Abfall > 20 mmHg systolisch oder 10 mmHg diastolisch mit Pulsanstieg) tritt oft nach akutem Verlust von mehr als 2 Einheiten Blut auf.
  • Folgen bei Vorerkrankungen: Angina pectoris oder Myokardinfarkt bei koronarer Herzkrankheit; hepatische Enzephalopathie oder hepatorenales Syndrom bei Lebererkrankung.
  • Hinweise auf die Ursache: epigastrische Schmerzen mit Besserung durch Nahrung (Ulkus, viele blutende Ulzera sind aber schmerzlos); Leberzirrhose oder Leberhautzeichen (Varizen); Erbrechen und Würgen vor der Blutung (Mallory-Weiss); Dysphagie (Ösophaguskarzinom, Striktur); Gewichtsverlust (Tumor).

Diagnostik

  • Anamnese: Menge und Häufigkeit des Blutabgangs, Blut beim ersten oder erst nach nicht blutigem Erbrechen, Abgrenzung von Hämoptysen; frühere Blutungen, Lebererkrankung, Gerinnungsstörungen, Medikamente und Alkohol.
  • Untersuchung: Vitalparameter und Schockzeichen; Zeichen einer Gerinnungsstörung (Petechien, Ekchymosen), chronischen Lebererkrankung und portalen Hypertension; digital-rektale Untersuchung (Stuhlfarbe, Tumoren, Fissuren).
  • Labor: Blutbild; bei stärkerer Blutung Gerinnung (Thrombozyten, Quick/INR, PTT) und Leberwerte; Blutgruppenbestimmung und Kreuzprobe bei anhaltender Blutung. Ein Verhältnis von Harnstoff-Stickstoff zu Kreatinin > 30 spricht für eine obere Blutungsquelle.
  • Magensonde: blutiges Aspirat zeigt eine aktive obere Blutung an; bis zu 15 % der oberen Blutungen haben jedoch kein Blut im Aspirat.
  • Obere Endoskopie: zentrale Untersuchung zur Lokalisation und Einordnung der Blutungsquelle.
  • Röntgen-Kontrastuntersuchungen: ohne Stellenwert bei akuter Blutung.
  • Angiographie: in Einzelfällen bei oberer und unterer Blutung.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Obere gastrointestinale Blutung mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Professional: Overview of Gastrointestinal Bleeding
  2. MSD Manual Professional: Vascular Gastrointestinal Lesions
  3. PMC-Volltext: A Review of Risk Scores within Upper Gastrointestinal Bleeding (J Clin Med 2023)
  4. StatPearls: Upper Gastrointestinal Bleeding

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.