Obere gastrointestinale Blutung
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- Magenblutung, Bluterbrechen, Teerstuhl, Hämatemesis, Meläna, OGIB, obere GI-Blutung, Ulkusblutung
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Gastroenterologie
- Bilder
- Endoskopie 1 · Klinik 1
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
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Endoskopie
Definition
Die obere gastrointestinale Blutung ist eine Blutung oberhalb des Treitz-Bandes, also aus Ösophagus, Magen oder Duodenum. Gastrointestinale Blutungen können sichtbar (overt) oder verborgen (okkult) verlaufen; die Erscheinungsform hängt von Lage und Geschwindigkeit der Blutung ab. Man unterscheidet variköse und nichtvariköse Blutungen.
Einteilung
Forrest-Klassifikation (endoskopisches Bild blutender Ulzera, 1974 eingeführt):
- Ia: aktive arterielle, pulsierende Blutung
- Ib: Sickerblutung
- IIa: sichtbarer Gefäßstumpf ohne Blutung
- IIb: aufsitzendes Koagel
- IIc: pigmentierter Ulkusgrund
- III: sauberer Ulkusgrund
Forrest Ia und Ib sind unabhängige Risikofaktoren für eine anhaltende oder erneute Blutung.
Risikoscores:
- Glasgow-Blatchford-Score (vor der Endoskopie, 0–23 Punkte): Hämoglobin, Harnstoff, Herzfrequenz, systolischer Blutdruck, Begleiterkrankungen (Lebererkrankung, Herzinsuffizienz) und Leitsymptome (Synkope, Meläna).
- Rockall-Score (0–11 Punkte): Alter, Kreislaufsituation, Begleiterkrankungen, endoskopische Diagnose und Zeichen der stattgehabten Blutung; eine Variante ohne endoskopische Angaben lässt sich bereits vor der Endoskopie berechnen.
- ABC-Score: Alter, Harnstoff, Albumin, Kreatinin, Bewusstseinsveränderung, Leberzirrhose, disseminierte Tumorerkrankung und Klassifikation der American Society of Anesthesiologists; für obere und untere Blutungen.
Ätiopathogenese
Häufige Ursachen (Anteile an oberen gastrointestinalen Blutungen):
- Ulcus duodeni (15–29 %) und Ulcus ventriculi (14–16 %); Magen- und Duodenalulzera zusammen machen bis zu 50 % aus.
- Varizen (5–33 %).
- Mallory-Weiss-Läsion (6–15 %).
- Erosionen in Magen oder Duodenum (3–15 %) und erosive Ösophagitis (2–15 %).
- Angiome (1–5 %), gastrointestinale Stromatumoren (1–5 %), arteriovenöse Malformationen (< 5 %), Hämobilie.
- Weitere Gefäßläsionen: Dieulafoy-Läsion (abnorm großes Gefäß, vor allem im proximalen Magen, mit möglicher massiver Blutung), antrale vaskuläre Ektasie („Wassermelonenmagen"), Morbus Osler.
Begünstigende Faktoren: chronische Lebererkrankung, angeborene Gerinnungsstörungen sowie Medikamente, die die Gerinnung oder die Thrombozytenfunktion beeinflussen (z. B. NSAR, bestimmte Antidepressiva vom SSRI-Typ) oder die Schleimhautabwehr schwächen.
Klinik
- Hämatemesis: Erbrechen von rotem Blut; spricht für eine obere Blutung, meist aus Ulkus, Gefäßläsion oder Varize.
- Kaffeesatzerbrechen: dunkelbraunes, körniges Erbrochenes; die Blutung hat sich verlangsamt oder ist zum Stillstand gekommen, das Hämoglobin wurde durch Magensäure zu braunem Hämatin oxidiert.
- Meläna: schwarzer Teerstuhl; meist obere Blutung, aber auch aus Dünndarm oder rechtem Kolon möglich. Es braucht etwa 100–200 ml Blut im oberen Gastrointestinaltrakt; die Meläna kann nach Stillstand der Blutung noch mehrere Tage anhalten.
- Hämatochezie: Abgang von sichtbarem Blut peranal; meist untere Blutung, bei kräftiger oberer Blutung mit schneller Passage aber möglich.
- Hypovolämie und Schock: Synkope, Hypotonie, Blässe, Schwitzen, Tachykardie, Oligurie; eine orthostatische Hypotonie (Abfall > 20 mmHg systolisch oder 10 mmHg diastolisch mit Pulsanstieg) tritt oft nach akutem Verlust von mehr als 2 Einheiten Blut auf.
- Folgen bei Vorerkrankungen: Angina pectoris oder Myokardinfarkt bei koronarer Herzkrankheit; hepatische Enzephalopathie oder hepatorenales Syndrom bei Lebererkrankung.
- Hinweise auf die Ursache: epigastrische Schmerzen mit Besserung durch Nahrung (Ulkus, viele blutende Ulzera sind aber schmerzlos); Leberzirrhose oder Leberhautzeichen (Varizen); Erbrechen und Würgen vor der Blutung (Mallory-Weiss); Dysphagie (Ösophaguskarzinom, Striktur); Gewichtsverlust (Tumor).
Diagnostik
- Anamnese: Menge und Häufigkeit des Blutabgangs, Blut beim ersten oder erst nach nicht blutigem Erbrechen, Abgrenzung von Hämoptysen; frühere Blutungen, Lebererkrankung, Gerinnungsstörungen, Medikamente und Alkohol.
- Untersuchung: Vitalparameter und Schockzeichen; Zeichen einer Gerinnungsstörung (Petechien, Ekchymosen), chronischen Lebererkrankung und portalen Hypertension; digital-rektale Untersuchung (Stuhlfarbe, Tumoren, Fissuren).
- Labor: Blutbild; bei stärkerer Blutung Gerinnung (Thrombozyten, Quick/INR, PTT) und Leberwerte; Blutgruppenbestimmung und Kreuzprobe bei anhaltender Blutung. Ein Verhältnis von Harnstoff-Stickstoff zu Kreatinin > 30 spricht für eine obere Blutungsquelle.
- Magensonde: blutiges Aspirat zeigt eine aktive obere Blutung an; bis zu 15 % der oberen Blutungen haben jedoch kein Blut im Aspirat.
- Obere Endoskopie: zentrale Untersuchung zur Lokalisation und Einordnung der Blutungsquelle.
- Röntgen-Kontrastuntersuchungen: ohne Stellenwert bei akuter Blutung.
- Angiographie: in Einzelfällen bei oberer und unterer Blutung.
Weiterlernen in der App
Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Weitere Themen: Gastroenterologie
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.