Hepatitis A
- Synonyme
- HAV, Reisehepatitis, Gelbsucht, infektiöse Hepatitis, Leberentzündung Typ A
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Leber & Gallenwege
- Bilder
- Klinik 1 · Histologie 1
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
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HistologieDefinition
Die Hepatitis A ist eine akute Leberentzündung durch das Hepatitis-A-Virus (HAV), ein einzelsträngiges RNA-Virus aus der Familie der Picornaviridae (Genus Hepatovirus). Das Virus ist in der Umwelt sehr stabil und hitzebeständig. Die Erkrankung verläuft ausschließlich akut; chronische Infektionen kommen nicht vor.
Vorkommen & Epidemiologie
HAV ist weltweit verbreitet. In Ländern mit mittlerer und hoher Verbreitung infizieren sich die meisten Menschen bereits im Kindes- und Jugendalter; in manchen Ländern hatten über 90 % der Kinder bis zum 10. Lebensjahr Kontakt mit dem Virus. In Industrieländern ist die Erkrankung durch hohe Hygienestandards selten geworden, sodass viele Jugendliche und Erwachsene keine Immunität besitzen. In Deutschland wurden vor der COVID-19-Pandemie etwa 30–40 % der gemeldeten Fälle im Ausland erworben.
Ätiopathogenese
Der Mensch ist das einzige relevante Reservoir. Die Übertragung erfolgt fäkal-oral:
- als Kontakt- oder Schmierinfektion bei engem Personenkontakt, etwa in Haushalt oder Kindergarten, sowie bei Sexualkontakten (besonders zwischen Männern, die Sex mit Männern haben)
- über kontaminiertes Trinkwasser und Lebensmittel, z. B. Muscheln, mit Fäkalien gedüngtes Gemüse oder gefrorene Beeren
- selten in der virämischen Phase über Blut oder gemeinsam genutzte Drogenutensilien
Die Inkubationszeit beträgt 15–50 Tage, im Mittel etwa 28–30 Tage. Das Virus wird schon bis zu etwa 3 Wochen vor Beginn des Ikterus im Stuhl ausgeschieden; die höchste Ansteckungsfähigkeit besteht in den 2 Wochen vor Ikterus oder Transaminasenanstieg. Der Leberschaden entsteht überwiegend durch die Immunreaktion gegen infizierte Leberzellen.
Klinik
Bei kleinen Kindern verläuft die Infektion meist asymptomatisch: Unter 6 Jahren sind 70–90 % der Infektionen symptomlos, ein Ikterus ist selten. Bei älteren Kindern und Erwachsenen entsteht dagegen meist eine symptomatische akute Hepatitis mit Ikterus bei über 70 %.
- Prodromalphase: Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Krankheitsgefühl, gelegentlich Fieber
- Ikterische Phase: Gelbfärbung von Haut und Skleren, heller Stuhl, dunkler Urin, häufig Juckreiz; Dauer wenige Tage bis mehrere Wochen
- Befunde: vergrößerte, druckschmerzhafte Leber mit Oberbauchbeschwerden; bei etwa 25 % auch Milzvergrößerung; gelegentlich flüchtiges scharlachähnliches Exanthem
Die meisten Erkrankten erholen sich innerhalb von 2–3 Monaten vollständig. Bei etwa 10–15 % kommt es zu einem protrahierten cholestatischen oder zweigipfligen (rezidivierenden) Verlauf. Fulminante Verläufe mit akutem Leberversagen sind selten und betreffen vor allem ältere Menschen und Personen mit vorgeschädigter Leber, etwa bei chronischer Hepatitis B oder C. Die Infektion hinterlässt eine lebenslange Immunität.
Diagnostik
- Labor: deutlicher Anstieg der Transaminasen, Erhöhung des direkten und indirekten Bilirubins sowie Urobilinogen im Urin
- Anti-HAV-IgM: bei passender Klinik beweisend für eine frische Infektion; schon bei Symptombeginn nachweisbar und etwa 3–4 Monate positiv
- Anti-HAV-IgG (bzw. Gesamt-Anti-HAV): zu Beginn der Symptome meist bereits positiv; allein (bei negativem IgM) Zeichen einer früheren Infektion bzw. einer Immunität
- HAV-RNA (PCR) in Stuhl oder Blut: beweist eine frische Infektion; die Sequenzierung des Virusgenoms dient in Speziallaboren der Aufklärung von Infektionsketten bei Ausbrüchen
- Bei schwerem Verlauf: Gerinnung (INR) zur Beurteilung der Lebersyntheseleistung
Weiterlernen in der App
Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Weitere Themen: Leber & Gallenwege
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.