Primär biliäre Cholangitis (PBC)

Prüfungsrelevanz: in 8 von 105 Prüfungsprotokollen · Rang 39
Synonyme
PBC, primär biliäre Zirrhose, PBZ, autoimmune Gallengangsentzündung, AMA-positive Cholestase
Fachgebiet
Innere Medizin · Leber & Gallenwege
Bilder
Histologie 1 · Blutausstrich & Zytologie 1
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Bilder (2)
  2. Definition
  3. Vorkommen & Epidemiologie
  4. Ätiopathogenese
  5. Klinik
  6. Histologie
  7. Diagnostik
  8. Weiterlernen in der App
  9. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  10. Querverweise

Bilder (2)

Primär biliäre Cholangitis (PBC) – Histologie (HE), Leberbiopsie bei primär biliärer Cholangitis: dichte portale Entzündung um Gallengänge mit lymphozytärer GallengangsschädigungHistologie
Histologie (HE), Leberbiopsie bei primär biliärer Cholangitis: dichte portale Entzündung um Gallengänge mit lymphozytärer GallengangsschädigungBild: Nephron (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 3.0 · Quelle
Primär biliäre Cholangitis (PBC) – Indirekte Immunfluoreszenz auf HEp-2-Zellen: fädig-netzförmige Zytoplasmafärbung (antimitochondriale Antikörper) und zahlreiche Kernpunkte (Sp100-Antikörper)Blutausstrich & Zytologie
Indirekte Immunfluoreszenz auf HEp-2-Zellen: fädig-netzförmige Zytoplasmafärbung (antimitochondriale Antikörper) und zahlreiche Kernpunkte (Sp100-Antikörper)Bild: Simon Caulton (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 3.0 · Quelle
1 / 2

Definition

Die primär biliäre Cholangitis (PBC) ist eine chronische, nichteitrige, granulomatöse und destruierende Entzündung der kleinen intrahepatischen Gallengänge, vermutlich autoimmuner Ursache. Sie führt zu chronischer Cholestase und kann über Jahre in eine Zirrhose übergehen. Der frühere Name „primär biliäre Zirrhose" wurde 2014 aufgegeben, weil viele Patienten heute in frühen Stadien ohne Zirrhose erkannt werden; die Abkürzung PBC blieb erhalten.

Vorkommen & Epidemiologie

Etwa 90–95 % der Betroffenen sind Frauen, meist im Alter von 40 bis 70 Jahren. Die Prävalenz wird mit etwa 2 bis 40 pro 100.000 Einwohner angegeben; die Inzidenz nimmt zu. Männer sind oft weniger symptomatisch.

Ätiopathogenese

Angenommen wird ein Zusammenspiel genetischer Faktoren und Umwelteinflüssen; Rauchen und häufige Harnwegsinfekte gehen mit einem höheren Erkrankungsrisiko einher. Bei 90–95 % finden sich antimitochondriale Antikörper (AMA) gegen Antigene der inneren Mitochondrienmembran. Die Immunreaktion zerstört die Epithelien der interlobulären und septalen Gallengänge, sodass Galle sich staut und die Leber geschädigt wird.

Häufig bestehen weitere Autoimmunerkrankungen, besonders Sjögren-Syndrom, systemische Sklerose bzw. CREST-Syndrom und Autoimmunthyreoiditis.

Klinik

Viele Patienten werden heute zufällig durch erhöhte Cholestaseparameter entdeckt. Bis zu 80 % leiden an Fatigue und Juckreiz, der oft schon vor dem Ikterus auftritt. Weitere Beschwerden und Befunde:

  • Missempfindungen im rechten Oberbauch, vergrößerte derbe Leber, Splenomegalie
  • Sicca-Symptomatik und Arthralgien
  • Xanthelasmen und Hyperpigmentierung der Haut
  • Ikterus als Zeichen fortgeschrittener Erkrankung
  • Fettmalabsorption mit Mangel an fettlöslichen Vitaminen und Osteoporose
  • im Spätstadium Zeichen der Zirrhose und portalen Hypertension

Histologie

Typisch ist eine Cholangitis der interlobulären und septalen Gallengänge. Die floriden Gallengangsläsionen mit ausgeprägter Entzündung um die Gänge, Nekrosen und Granulomen gelten als nahezu pathognomonisch. Das Infiltrat besteht vorwiegend aus Lymphozyten und mononukleären Zellen. Im Verlauf gehen Gallengänge verloren (Duktopenie). Die Stadieneinteilung erfolgt nach Ludwig oder Scheuer.

Diagnostik

Die Diagnose PBC wird gestellt, wenn mindestens zwei von drei Kriterien erfüllt sind:

  • chronisch erhöhte Cholestaseparameter (vor allem alkalische Phosphatase) über mehr als 6 Monate
  • antimitochondriale Antikörper oder PBC-spezifische antinukleäre Antikörper
  • typische Histologie

Weitere Befunde und Untersuchungen:

  • AP und γ-GT erhöht, Bilirubin anfangs meist normal; ein Anstieg zeigt Fortschreiten an
  • IgM häufig erhöht, Cholesterin oft erhöht
  • AMA-M2 im ELISA: Sensitivität etwa 90 %, Spezifität etwa 96 %; PBC-spezifische ANA gegen sp100 („nuclear dots") und gp210 (Kernmembranmuster), besonders bei AMA-negativen Patienten
  • Sonographie zum Ausschluss einer Gallenwegsobstruktion; vergrößerte Lymphknoten an der Leberpforte sind häufig
  • Elastographie zur Einschätzung des Fibrosestadiums
  • Leberbiopsie bei unklarer Diagnose oder Verdacht auf eine zusätzliche Lebererkrankung

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Primär biliäre Cholangitis (PBC) mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

Im Browser starten  InnereFuchs ansehen →

Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. DGVS/AWMF 021-027: S2k-Leitlinie Autoimmune Lebererkrankungen (Stand 2017)
  2. MSD Manual Professional: Primary Biliary Cholangitis (PBC)

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.