Hepatitis D und Hepatitis E

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Synonyme
HDV, HEV, Delta-Hepatitis, Deltavirus, Leberentzündung Typ D, Leberentzündung Typ E
Fachgebiet
Innere Medizin · Leber & Gallenwege
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Definition
  2. Einteilung
  3. Vorkommen & Epidemiologie
  4. Ätiopathogenese
  5. Klinik
  6. Diagnostik
  7. Weiterlernen in der App
  8. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  9. Querverweise

Definition

Die Hepatitis D wird durch das Hepatitis-D-Virus (HDV, Delta-Virus) verursacht, ein defektes RNA-Virus. Es kann infektiöse Partikel nur bilden, wenn es die HBsAg-haltige Hülle des Hepatitis-B-Virus nutzt. Hepatitis D tritt daher immer zusammen mit einer Hepatitis B auf.

Die Hepatitis E wird durch das Hepatitis-E-Virus (HEV) verursacht, ein einzelsträngiges RNA-Virus aus der Familie der Hepeviridae. Menschen erkranken fast ausschließlich an den Genotypen 1 bis 4.

Einteilung

  • HDV-Koinfektion: gleichzeitige Ansteckung mit HBV und HDV bei zuvor nicht HBV-infizierten Personen; verläuft meist selbstlimitierend
  • HDV-Superinfektion: Ansteckung mit HDV bei bestehender chronischer Hepatitis B; wird bei über 90 % chronisch
  • HEV Genotyp 1 und 2: Mensch als einziges Reservoir, Übertragung über verunreinigtes Wasser in Asien und Afrika
  • HEV Genotyp 3 und 4: Zoonose mit Haus- und Wildschweinen als Hauptreservoir; Genotyp 3 kommt in Deutschland endemisch vor

Vorkommen & Epidemiologie

Weltweit sind mehr als 10 Millionen Menschen mit HDV infiziert. Im Mittelmeerraum ist HDV unter HBV-Trägern endemisch, in Westeuropa und Nordamerika betrifft es vor allem Menschen mit Blutkontakten, etwa durch Drogenkonsum. Neuinfektionen sind in Deutschland selten.

Antikörper gegen HEV finden sich bei 15,3 % der Erwachsenen in Deutschland, von etwa 5 % unter 30 Jahren bis 25 % über 60 Jahren. Gemeldete symptomatische Fälle betreffen zu etwa drei Vierteln Personen über 40 Jahren und zu etwa zwei Dritteln Männer.

Ätiopathogenese

HDV wird wie HBV über Blut und Körperflüssigkeiten übertragen: über gemeinsam genutzte Nadeln, Geschlechtsverkehr und enge persönliche Kontakte.

HEV Genotyp 3 wird in Industrieländern vor allem durch den Verzehr von unzureichend gegartem Schweine- oder Wildfleisch und daraus hergestellten Produkten übertragen, seltener über Muscheln oder Blutprodukte. Die Genotypen 1 und 2 werden über fäkal verunreinigtes Trinkwasser und Lebensmittel verbreitet. Die Inkubationszeit der Hepatitis E beträgt 15–64 Tage.

Klinik

Hepatitis D

Eine Koinfektion äußert sich als ungewöhnlich schwere akute Hepatitis B, eine Superinfektion als akuter Schub einer bekannten chronischen Hepatitis B. Die HDV-Koinfektion verursacht die schwerste Verlaufsform der chronischen HBV-Infektion: Sie führt häufiger und früher zu Leberzirrhose und hepatozellulärem Karzinom als eine alleinige HBV-Infektion.

Hepatitis E

Die in Deutschland vorkommende HEV-Infektion verläuft überwiegend asymptomatisch. Symptomatische Fälle sind meist akut und selbstlimitierend, oft ohne Ikterus, mit milden gastrointestinalen und Allgemeinsymptomen; möglich sind aber auch Ikterus, dunkler Urin, heller Stuhl und Fieber.

  • Fulminante Verläufe kommen vor allem bei vorgeschädigter Leber oder unter Immunsuppression vor; bei Schwangeren im letzten Drittel in Gebieten mit Genotyp 1 wurden schwere fulminante Hepatitiden beschrieben.
  • Chronische Hepatitis E (Virusnachweis länger als 6 Monate) tritt bei immungeschwächten Personen auf, etwa unter Immunsuppression oder bei fortgeschrittener HIV-Infektion, und kann rasch zur Zirrhose führen.
  • Neurologische Manifestationen: neuralgische Schulteramyotrophie (häufig beidseitig), Guillain-Barré-Syndrom sowie Enzephalitis oder Myelitis, oft bei nur leicht erhöhten Leberwerten.

Diagnostik

  • Hepatitis D: Bei jeder bestätigten HBV-Infektion Untersuchung auf Anti-HDV; ist es positiv, belegt der Nachweis von HDV-RNA (RT-PCR) eine aktive Infektion. Bei gleichzeitiger HDV-Infektion kann die HBV-Viruslast sehr niedrig sein.
  • Hepatitis E: Transaminasen typischerweise stärker erhöht als AP und γ-GT. Anti-HEV-IgM ist bei passender Klinik in der Regel beweisend und etwa 3–6 Monate nachweisbar; Anti-HEV-IgG zeigt sonst eine frühere Infektion an. HEV-RNA (PCR) in Blut oder Stuhl beweist eine frische Infektion.
  • Unter Immunsuppression ist die HEV-Serologie unzuverlässig; hier ist der direkte Virusnachweis per PCR entscheidend.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Hepatitis D und Hepatitis E mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

Im Browser starten  InnereFuchs ansehen →

Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. RKI-Ratgeber: Hepatitis B und D
  2. RKI-Ratgeber: Hepatitis E
  3. MSD Manual Professional: Hepatitis D
  4. MSD Manual Professional: Hepatitis E
  5. MSD Manual Professional: Hepatitis B, Chronic
  6. MSD Manual Professional: Cirrhosis

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.