Hepatozelluläres Karzinom (HCC)
- Synonyme
- HCC, Leberzellkarzinom, Leberkrebs, hepatozelluläres Karzinom, primärer Leberkrebs, Hepatom
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Leber & Gallenwege
- Bilder
- CT 1 · Blutausstrich & Zytologie 1 · Histologie 1
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
Bilder (3)
CT
Blutausstrich & Zytologie
HistologieDefinition
Das hepatozelluläre Karzinom (HCC) ist ein bösartiger Tumor, der von den Leberzellen ausgeht. Es ist der häufigste primäre Lebertumor und entsteht überwiegend auf dem Boden einer Leberzirrhose.
Einteilung
LI-RADS
LI-RADS ordnet Leberherde bei Patienten mit erhöhtem HCC-Risiko nach dem Verdachtsgrad von LR-1 (sicher gutartig) bis LR-5 (sicher HCC) ein; dazu kommen LR-M (wahrscheinlich bösartig, aber nicht HCC-spezifisch) und LR-TIV (Tumor in der Vene).
- Hauptmerkmale in CT und MRT: nicht randständige arterielle Hyperperfusion, nicht randständiges Auswaschen (Washout), kontrastmittelaufnehmende Kapsel und Schwellenwachstum (Größenzunahme um mindestens 50 % in höchstens 6 Monaten)
- Herde von 10–19 mm: arterielle Hyperperfusion plus Washout oder Schwellenwachstum ergibt LR-5, arterielle Hyperperfusion nur mit Kapsel LR-4
- Washout allein reicht für LR-5 nicht aus
Zur Stadieneinteilung werden die TNM-Klassifikation, die Okuda-Klassifikation und die Barcelona-Clinic-Liver-Cancer-Klassifikation (BCLC) verwendet. Okuda und BCLC berücksichtigen neben Größe, Zahl und Ausbreitung der Tumoren auch den Schweregrad der Lebererkrankung.
Vorkommen & Epidemiologie
Das HCC macht in den USA etwa drei Viertel aller primären Leberkrebsfälle aus. Deutlich häufiger ist es in Ostasien und Afrika südlich der Sahara, wo die Verbreitung der Erkrankung der Häufigkeit chronischer Hepatitis-B-Infektionen folgt. Männer sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Frauen.
Ätiopathogenese
Wichtigster Risikofaktor ist die Leberzirrhose jeder Ursache. Die jährliche HCC-Inzidenz bei Zirrhose liegt je nach Grunderkrankung bei etwa 1 % (z. B. MASH, Hämochromatose) bis 3–5 % (chronische Hepatitis C).
- Hepatitis B: erhöht das Risiko bei Virusträgern um mehr als das Hundertfache; durch Integration der Virus-DNA in das Erbgut kann ein HCC auch ohne Zirrhose entstehen
- Hepatitis C, alkoholische Zirrhose und Hämochromatose
- MASH: auch ohne Zirrhose möglich; MASH ist inzwischen für etwa die Hälfte der HCC ohne Zirrhose verantwortlich
- Aflatoxine: Schimmelpilzgifte in verunreinigten Lebensmitteln tragen zur hohen Rate in subtropischen Regionen bei
Klinik
Meist bestehen keine Beschwerden, und der Tumor wird bei Routineuntersuchungen entdeckt. Fortgeschrittene Tumoren verursachen Bauchschmerzen, Gewichtsverlust, eine tastbare Raumforderung im rechten Oberbauch, Fieber und eine unerklärte Verschlechterung einer bekannten Lebererkrankung. Gelegentlich ist ein Reibegeräusch oder Strömungsgeräusch über der Leber hörbar.
Selten ist eine Tumorblutung mit blutigem Aszites, Schock oder Peritonitis das erste Zeichen. Paraneoplastisch können Hypoglykämie, Erythrozytose, Hyperkalzämie und Hyperlipidämie auftreten.
Diagnostik
- Verdacht bei unerklärter Dekompensation einer chronischen Lebererkrankung oder einem neuen Leberherd, besonders bei Zirrhose
- Alpha-Fetoprotein (AFP): bei 40–65 % der Patienten stark erhöht (über 400 ng/ml); niedrigere Erhöhungen sind unspezifisch und kommen auch bei Leberzellregeneration, etwa bei Hepatitis, vor. AFP-L3 und Des-gamma-Carboxy-Prothrombin (DCP) ergänzen die Diagnostik.
- Bildgebung: kontrastmittelverstärkte Mehrphasen-CT oder MRT, alternativ Kontrastmittelsonographie; typisch sind arterielle Hyperperfusion, Auswaschen in der Spätphase, eine Pseudokapsel und Größenzunahme im Verlauf. Bei Zirrhose kann das HCC damit nach LI-RADS ohne Biopsie gesichert werden.
- Leberbiopsie: nur in unklaren Fällen
- Ausbreitungsdiagnostik: CT des Thorax, Darstellung der Pfortader (Tumorthrombus), bei Bedarf Skelettszintigraphie; Einschätzung der Leberfunktion mit Child-Pugh-Score
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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
- MSD Manual Professional: Hepatocellular Carcinoma
- MSD Manual Professional: Cirrhosis
- CT/MRI LI-RADS v2018 versus CEUS LI-RADS v2017 in primary hepatic nodules (Ann Transl Med 2021)
- CT/MRI LI-RADS v2018 vs. CEUS LI-RADS v2017 – Can Things Be Put Together? (Biology 2021)
- Diagnostic Performance of LI-RADS Version 2018 for Primary Liver Cancer in Liver Cirrhosis (Front Oncol 2022)
Querverweise
Weitere Themen: Leber & Gallenwege
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.