Morbus Meulengracht (Gilbert-Syndrom)
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- Gilbert-Syndrom, Morbus Gilbert, Icterus juvenilis intermittens, Meulengracht-Syndrom, harmlose Gelbsucht, erhöhtes indirektes Bilirubin
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Leber & Gallenwege
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
Definition
Der Morbus Meulengracht (Gilbert-Syndrom) ist eine harmlose, vermutlich lebenslange Stoffwechselvariante, bei der die einzige wesentliche Auffälligkeit eine leichte, symptomlose Erhöhung des unkonjugierten (indirekten) Bilirubins ist. Die Leber ist ansonsten gesund. Das Syndrom gehört zu den erblichen Hyperbilirubinämien mit unkonjugiertem Bilirubin, zu denen auch das seltene, schwerere Crigler-Najjar-Syndrom zählt.
Vorkommen & Epidemiologie
Der Morbus Meulengracht betrifft etwa 3–10 % der Bevölkerung. Er wird meist bei jungen Erwachsenen zufällig entdeckt, entweder durch einen leichten Ikterus oder durch einen erhöhten Bilirubinwert bei einer Routineuntersuchung.
Ätiopathogenese
Ursache sind Mutationen im Gen UGT1A1, das für das Enzym UDP-Glucuronyltransferase kodiert. Dieses Enzym koppelt Bilirubin an Glucuronsäure und macht es dadurch wasserlöslich und über die Galle ausscheidbar. Beim Morbus Meulengracht ist die Enzymaktivität vermindert, aber nicht so stark wie beim Crigler-Najjar-Syndrom Typ II. Je nach Mutation erfolgt die Vererbung autosomal-dominant oder autosomal-rezessiv.
Zusätzlich ist häufig die Aufnahme von Bilirubin in die Leberzelle gestört, und der Abbau roter Blutkörperchen ist leicht beschleunigt, ohne dass dies zu einer Anämie führt. Fasten, Infekte und andere Belastungen lassen das Bilirubin ansteigen.
Klinik
Die meisten Betroffenen haben keine Beschwerden. Auffällig ist allenfalls ein leichter, schwankender Ikterus, vor allem der Skleren, der bei Fasten, Infekten, körperlicher Anstrengung oder Stress deutlicher wird. Eine Lebererkrankung entwickelt sich nicht; die Leberhistologie ist normal. Der Befund kann jedoch mit einer chronischen Hepatitis oder anderen Lebererkrankungen verwechselt werden.
Diagnostik
- Bilirubin: leicht erhöht, meist schwankend zwischen 2 und 5 mg/dl, ganz überwiegend unkonjugiert (indirekt); Anstieg bei Fasten
- Übrige Leberwerte normal: Transaminasen, alkalische Phosphatase und γ-GT unauffällig
- Urin: kein Bilirubin im Urin, da unkonjugiertes Bilirubin nicht über die Niere ausgeschieden wird
- Abgrenzung einer Hämolyse: keine Anämie und keine vermehrten Retikulozyten
- Molekulargenetik: Nachweis einer UGT1A1-Variante kann die Diagnose bestätigen, ist aber meist nicht erforderlich
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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Weitere Themen: Leber & Gallenwege
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.