Morbus Wilson

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Synonyme
Kupferspeicherkrankheit, hepatolentikuläre Degeneration, Wilson-Krankheit, Kayser-Fleischer-Ring, ATP7B
Fachgebiet
Innere Medizin · Leber & Gallenwege
Bilder
Klinik 2
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Bilder (2)
  2. Definition
  3. Vorkommen & Epidemiologie
  4. Ätiopathogenese
  5. Klinik
  6. Diagnostik
  7. Weiterlernen in der App
  8. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  9. Querverweise

Bilder (2)

Morbus Wilson – klinisches Foto: Spaltlampe bei Morbus Wilson: Kayser-Fleischer-Ring (Kupferablagerung am Hornhautrand) und Sonnenblumenkatarakt (Pfeile)
Spaltlampe bei Morbus Wilson: Kayser-Fleischer-Ring (Kupferablagerung am Hornhautrand) und Sonnenblumenkatarakt (Pfeile)Bild: Imrankabirhossain (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 4.0 · Quelle
Morbus Wilson – klinisches Foto: Nahaufnahme: grünlich-brauner Kayser-Fleischer-Ring am unteren Hornhautrand bei Morbus Wilson
Nahaufnahme: grünlich-brauner Kayser-Fleischer-Ring am unteren Hornhautrand bei Morbus WilsonBild: Imrankabirhossain (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 4.0 · Quelle
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Definition

Der Morbus Wilson (hepatolentikuläre Degeneration) ist eine erbliche Störung des Kupferstoffwechsels. Durch eine verminderte Ausscheidung von Kupfer über die Galle reichert sich Kupfer zunächst in der Leber und später in Gehirn, Hornhaut, Nieren und anderen Organen an.

Vorkommen & Epidemiologie

Etwa 1 von 30.000 Menschen ist betroffen, Männer und Frauen gleichermaßen. Etwa 1,1 % der Bevölkerung sind symptomlose heterozygote Anlageträger. Symptome beginnen meist zwischen 5 und 35 Jahren, können aber im Alter von 2 bis 72 Jahren auftreten.

Ätiopathogenese

Die Erkrankung wird autosomal-rezessiv vererbt; ursächlich sind Mutationen im ATP7B-Gen auf Chromosom 13, das für eine kupfertransportierende ATPase kodiert. Der gestörte Transport verringert die Kupferausscheidung in die Galle und den Einbau von Kupfer in das Transportprotein Coeruloplasmin, dessen Serumspiegel daher meist sinkt. Die Kupferüberladung der Leber beginnt bereits ab Geburt und führt über Entzündung und Fibrose zur Zirrhose. Freigesetztes Kupfer gelangt über das Blut ins Gehirn (besonders Basalganglien), in die Hornhaut und die Nieren und kann eine Hämolyse auslösen.

Klinik

Bei knapp der Hälfte der Patienten, vor allem Jugendlichen, ist eine Hepatitis das erste Zeichen: akut, chronisch aktiv oder fulminant mit akutem Leberversagen, oft zusammen mit einer Coombs-negativen hämolytischen Anämie. Bei etwa 40 %, vor allem jungen Erwachsenen, stehen neurologische und psychiatrische Symptome am Anfang: Tremor, Dystonie, Dysarthrie, Schluckstörungen, Chorea, Speichelfluss, Koordinationsstörungen sowie kognitive und psychische Veränderungen. Bei 5–10 % führen zufällig entdeckte Kayser-Fleischer-Ringe, Amenorrhö, wiederholte Fehlgeburten oder eine Hämaturie zur Diagnose.

Weitere Befunde sind die Kayser-Fleischer-Ringe am Hornhautrand, seltener eine Sonnenblumenkatarakt, sowie eine Schädigung der Nierentubuli. Die Leberbeteiligung reicht von asymptomatisch erhöhten Transaminasen bis zur Zirrhose.

Diagnostik

Ein Morbus Wilson wird bei Menschen unter 40 Jahren mit unklarer Leber-, neurologischer oder psychiatrischer Erkrankung, anhaltend erhöhten Transaminasen, fulminanter Hepatitis oder betroffenen Verwandten vermutet.

  • Spaltlampenuntersuchung: goldbraune bis grünliche Kayser-Fleischer-Ringe durch Kupferablagerung in der Descemet-Membran
  • Coeruloplasmin im Serum: normal etwa 20–35 mg/dl, beim Morbus Wilson meist erniedrigt, kann aber normal sein; Werte unter 5 mg/dl sprechen stark für die Erkrankung. Niedrige Werte kommen auch bei Anlageträgern und anderen Lebererkrankungen vor.
  • Kupferausscheidung im 24-Stunden-Urin: normal höchstens 30 Mikrogramm pro Tag, beim Morbus Wilson meist über 100 Mikrogramm pro Tag
  • Serumkupfer: wenig aussagekräftig, kann hoch, normal oder niedrig sein
  • Leberbiopsie mit Bestimmung des Kupfergehalts in unklaren Fällen; falsch negative Ergebnisse durch ungleichmäßige Verteilung oder fulminante Nekrose möglich
  • Molekulargenetik: Nachweis von ATP7B-Mutationen

Niedriges Coeruloplasmin zusammen mit Kayser-Fleischer-Ringen oder hoher Urinkupferausscheidung sichert die Diagnose.

Leipzig-Score

  • Punkte aus: Kayser-Fleischer, Neurologie, Coombs-neg. Hämolyse, Coeruloplasmin, 24-h-Urin-Cu, Leberbiopsie-Cu, ATP7B-Mutationen.
  • Score ≥ 4: Diagnose Wilson gesichert.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Morbus Wilson mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

In der App: Karteikarten zu diesem Thema: 1

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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Professional: Wilson Disease
  2. Usefulness of the Leipzig Score in the Diagnosis of Wilson's Disease – case report (Int Med Case Rep J 2024)

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.