Hantavirus-Infektion (Nephropathia epidemica)

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Synonyme
Nephropathia epidemica, Hantavirus, Hantafieber, hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom, HFRS, Puumalavirus, Mäusefieber
Fachgebiet
Innere Medizin · Nephrologie
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Definition
  2. Vorkommen & Epidemiologie
  3. Ätiopathogenese
  4. Klinik
  5. Histologie
  6. Diagnostik
  7. Weiterlernen in der App
  8. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  9. Querverweise

Definition

Hantavirus-Erkrankungen sind Zoonosen durch Viren der Gattung Orthohantavirus, die von Nagetieren auf den Menschen übertragen werden. Europäische und asiatische Virustypen verursachen das hämorrhagische Fieber mit renalem Syndrom (HFRS). Die in Deutschland vorkommenden Typen Puumalavirus und Dobrava-Belgrad-Virus (Genotyp Kurkino) führen meist zu einer milderen Verlaufsform, der Nephropathia epidemica.

Vorkommen & Epidemiologie

In Deutschland überwiegen Puumalavirus-Infektionen vor allem im Süden und Westen, Dobrava-Kurkino-Infektionen im Osten und Norden. Mehr als zwei Drittel der Erkrankten sind Männer, davon mehr als die Hälfte im Alter von 30 bis 49 Jahren; Kinder erkranken sehr selten. Die Seroprävalenz in der Bevölkerung liegt bei etwa 1 %. Die gemeldeten Fallzahlen schwanken stark (zwischen 72 Fällen 2006 und 2.825 Fällen 2012); etwa alle 2–3 Jahre kommt es zu Ausbruchsjahren mit regionalen Häufungen, z. B. auf der Schwäbischen Alb, im Bayerischen Wald, im Spessart und im Münsterland.

Ätiopathogenese

Reservoir des Puumalavirus ist die Rötelmaus, des Dobrava-Kurkino-Virus die Brandmaus. Infizierte Nager scheiden das Virus mit Speichel, Urin und Kot aus; es bleibt darin auch eingetrocknet mehrere Tage infektiös. Der Mensch infiziert sich vor allem durch Einatmen virushaltiger Stäube (z. B. beim Reinigen von Kellern, Dachböden oder Schuppen), seltener über verletzte Haut, Bisse oder verunreinigte Lebensmittel. Die Inkubationszeit beträgt meist 2–4 Wochen (5 bis 60 Tage).

Klinik

Viele Infektionen verlaufen symptomlos oder unspezifisch. Die Nephropathia epidemica beginnt plötzlich wie eine zweiphasige grippeähnliche Erkrankung mit hohem Fieber, Kopf-, Rücken- und Bauchschmerzen, kolikartigen, oft einseitigen Flankenschmerzen, Übelkeit und Durchfall. Typisch sind Sehstörungen (vorübergehende Myopie, Lichtscheu) und Bindehauteinblutungen; generalisierte Blutungen sind extrem selten.

Eine Proteinurie (0,1 bis über 20 g/l) und Mikrohämaturie finden sich fast immer. Die akute Nierenfunktionseinschränkung tritt im Mittel nach 7 Tagen (3–19 Tage) auf, mit Oligurie und anschließender polyurischer Phase. Eine bleibende chronische Niereninsuffizienz ist selten. Beim schwereren HFRS anderer Virustypen kommen Blutdruckabfall, Schock, Blutungen und Lungenbeteiligung hinzu.

Histologie

Nierenbiopsien zeigen eine interstitielle Nephritis mit mononukleärem Infiltrat und gelegentlich interstitiellen, vor allem medullären Einblutungen. Bei unkompliziertem Verlauf ist eine Biopsie in der Regel nicht erforderlich.

Diagnostik

Das gemeinsame Auftreten mehrerer der folgenden Befunde weist auf eine Hantavirus-Erkrankung hin:

  • akuter Beginn mit Fieber > 38,5 °C
  • Rücken-, Kopf- und/oder Bauchschmerzen
  • Proteinurie und/oder Hämaturie
  • Thrombozytopenie
  • Anstieg des Serumkreatinins im Verlauf
  • Oligurie, gefolgt von Polyurie

Labor: mäßiger Anstieg von Kreatinin, CRP und Leukozyten, Thrombozytopenie < 100 × 10⁹/l und tubuläre Proteinurie mit vermehrtem α1-Mikroglobulin. Gesichert wird die Diagnose serologisch durch IgM- und IgG-Antikörper (ELISA, Immunblot oder Immunfluoreszenz), wobei in Europa mit Puumala- und Dobrava-Antigenen getestet wird. IgM ist meist schon bei Symptombeginn nachweisbar, IgG in 80–90 % der Proben aus den ersten 5 Tagen. Eine PCR aus Blut ist nur in der frühen, kurzen virämischen Phase aussagekräftig; ein negatives Ergebnis schließt die Infektion nicht aus.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Hantavirus-Infektion (Nephropathia epidemica) mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

Im Browser starten  InnereFuchs ansehen →

Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. RKI-Ratgeber: Hantavirus-Erkrankung
  2. MSD Manual Professional: Hantavirus Infection

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.